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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Ismail Ertuğs Meinung

Gelegenheit zur Versöhnung

Der Anschlag in Norwegen richtet sich gegen alle Demokraten, ob Muslime oder Christen. Ismail Ertuğ (SPD), Mitglied des Europäischen Parlaments, plädiert in seiner neuesten MiGAZIN Kolumne für mehr Toleranz und Offenheit.

VONIsmail Ertuğ

 Gelegenheit zur Versöhnung
Ismail Ertug (SPD) ist Mitglied des Europäischen Parlaments. Er ist Mitglied des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr. Außerdem ist er Mitglied der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu Israel und der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei. In seiner MiGAZIN Kolumne kommentiert er aus Straßburg. www.ertug.eu

DATUM3. August 2011

KOMMENTARE68

RESSORTAktuell, Meinung

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In den Stunden nach dem ersten Anschlag in Norwegen debattierten Journalisten, Intellektuelle, Professoren, Politiker, Islam-Experten, Sicherheitsexperten bereits eifrig Details: wie wird sich die liberale, demokratische Gesellschaft Norwegens verändern, wie geht sie in Zukunft mit Islam und Muslimen um? Wird es schärfere Sicherheitskontrollen geben? Wird Norwegen der ISAF seine Unterstützung entziehen oder umso stärker den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus führen? Bevor man überhaupt wusste, wer den Anschlag verübt hatte, wurde bereits über Konsequenzen diskutiert, weil es ja offensichtlich war, dass diese Anschläge wieder die Handschrift eines islamistischen Terroristen trugen. In Internetforen häuften sich sekündlich islamophobe Kommentare zu einem Haufen intellektuellen Unrats.

Das erschütterte Weltbild
All diese Spekulationen lösten sich auf, als das Bild eines blonden, blauäugigen und sich als christlich bezeichnenden Norwegers in den Medien kursierte. Mit diesem Erscheinungsbild hatte vermutlich keiner gerechnet und niemand konnte seine Tat erklären. Es passte nicht in das Weltbild, das Medien und Politik, zum Teil auch die Wissenschaft, seit dem 11. September 2001 beschwörten. Es waren diesmal keine islamistischen Gotteskrieger, die die Ungläubigen in der westlichen Welt angriffen und dafür selbst ins Paradies kommen sollten. Die Verunsicherung führte von diesem Zeitpunkt an zu einer von Grund auf neuen Suche nach Antworten. Der Umgang mit Vorurteilen wurde dabei vorsichtiger.

Norwegens Politiker allen voran: sie setzten die Tat des Fundamentalisten nicht mit dem Christentum und der Mehrheit der Christen gleich. Sie suchten keine Passagen in der Bibel, die man interpretieren könnte, um diese Tat zu legitimieren. Die norwegische Antwort auf dieses Verbrechen wird sogar noch mehr Offenheit und mehr Demokratie sein: Der norwegische Premierminister sagte, dass diese grausame Tat die norwegische Demokratie und das Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören könne.

Besonnenheit und ehrliche Fragen
Selbst der sonst gegen religiös motivierten Terror so offensiv ankämpfende deutsche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verhielt sich ruhig und steckte diesen Fall in die Kategorie rechts-extremer Einzeltäter. Hätte er auch so wünschenswert besonnen reagiert, wenn der Täter ein Muslim gewesen wäre? Auf der letzten Islamkonferenz bot Friedrich den muslimischen Verbänden eine Sicherheitskooperation mit den deutschen Behörden an. Dieses Angebot betrachteten viele Teilnehmer empört als Unterstellung, dass Muslime pauschal als potentielle Terroristen eingeschätzt werden. Nun redete Friedrich nicht davon, eine Konferenz der christlichen Gemeinden einzuberufen und ihnen eine Sicherheitskooperation anzubieten.

Damit hat er Recht. Natürlich sollte keine christliche Konferenz einberufen werden, denn Terror und Gewalt haben keine Religion. Gewalt entsteht aus Hass und aus Intoleranz, beides hat mit Religion, die aus der Liebe zum Nächsten lebt, nichts zu tun.

Der norwegische Weg
Deshalb ist es jetzt an der Zeit, festzustellen: Es fehlt an Toleranz in der muslimischen Welt gegenüber dem Westen. Und es fehlt auch an Toleranz im Westen gegenüber dem Islam und den Muslimen. Daran muss und kann jeder einzelne Muslim und Christ arbeiten. Wir müssen gemeinsam, so wie es Norwegen tut, gegen Vorurteile, Paranoia und Populisten vorgehen.

Die westliche Gesellschaft ist seit dem 11. September, den Anschlägen in Madrid und London verängstigt. Verantwortungslose mediale und politische Kampagnen führten zu einer Art Paranoia. Populisten wie Geert Wilders in Holland, seine Kollegen in Dänemark, Finnland, Frankreich, Österreich und Ungarn, profitieren von dieser Angst. Sie schüren sie und lassen sich von Verängstigten in die Parlamente wählen. Sie schaffen für Personen wie Thilo Sarrazin, den ich nicht als meinen Genossen betrachte und dessen Parteiausschluss ich nach wie vor befürworte, ein Klima, in dem aus Hassschriften Bestseller werden.

„Man wird doch wohl noch sagen dürfen“
Die Floskel „Man wird doch wohl noch sagen dürfen“ ist deshalb so inakzeptabel, weil sie erstens ein Redeverbot unterstellt, zweitens aus dem Sprecher eine Art Märtyrer für die gerade von ihm selbst eingeschränkte Redefreiheit macht und drittens, weil ihr meiner Erfahrung nach große Sinnleere folgt.

Während Muslimen erklärt wird, dass sie Demokratie, freie Meinungsäußerung und Menschenrechte achten sollten, wird oftmals vergessen, zu Hause über den Islam aufzuklären, Vorurteile als solche zu enttarnen und für Toleranz zu werben. Wollen wir uns von Profit gesteuerter Presse und Populisten auf einen Wissensstand des Mittelalters und der Kreuzzüge reduzieren lassen?

Der Höhepunkt in diesem Zusammenhang ist vermutlich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den umstrittenen dänischen Karikaturisten Westergaard mit dem Medienpreis für Pressefreiheit würdigte. Dies war eine Ohrfeige für Millionen Muslime in Deutschland. Die Kanzlerin hat eine sonderbare Interpretation für Freiheit. Sie hat nicht begriffen, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt. In diesem Fall könnte man meinen, dass die Freiheit und die Gefühle von Muslimen weniger wert sind, als die Karikaturen eines dänischen Künstlers. Westergaard bedauerte es nie, dass aufgrund seiner Karikaturen eine erhebliche Welle der Gewalt ausbrach, bei der Menschen ihr Leben ließen. Es gehört nicht viel Mut dazu, die Gefühle von 1,5 Milliarden Menschen zu verletzen, sondern Bosheit, Arroganz und Dummheit.

Nach aktuellem Wissensstand war der Norweger Anders Breivik Einzeltäter, aber er war gewiss kein Einzeldenker. Seine Tat ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Islamfeindlichkeit in unserer Gesellschaft hat sich sogar gegen uns selbst gewendet. Anders Breivik erschoss 68 junge Menschen, weil diese explizit keine Islamhasser waren und an eine freie und multikulturelle Gesellschaft glaubten.

Wir dürfen und müssen noch Vieles sagen
Ja, man wird noch vieles sagen dürfen und müssen: Zum Beispiel, dass wir uns das Gut der Aufklärung, die Religionsfreiheit, die Trennung von Glauben und Staat nicht von fundamentalen Muslimen, Christen oder sonstigen Hetzern zerstören lassen sollten. Das dies möglich ist und auf welche Weise, beweisen uns gerade die Norweger.

Liebe Mit-Europäer und Mit-Menschen im hohen Norden, wie tapfer ihr mit dem Schmerz umgeht, der euch angetan wurde, geht uns nahe. Wir trauern mit euch. Wir fühlen uns durch diesen Hass, der sich gegen Menschlichkeit richtet, ebenfalls verwundet. Europas Bürgerinnen und Bürger können von den Norwegern lernen, die sich egal ob christlich oder muslimisch, nicht spalten lassen. Ein Attentäter wollte Hass säen er hat aber dafür gesorgt, dass das Land in seiner Trauer selten so geeint war, wie jetzt in der Verteidigung von Toleranz und einer offenen Gesellschaft.

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68 Kommentare
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  1. Lutheros sagt:

    Herr Ertug, Ihrer Argumentation fehlt eine entscheidende Differenzierung.
    Breivik gehörte einer Religion an, verfolgte aber nicht den Weg seiner Schrift. Er kämpfte gegen einen vermeindlichen Plan: die kulturellen Umgestaltung Europas. Muslimische Terroristen hingegen verfolgen in Ihre Tun die Umsetzung des göttlichen Weges. Sie legitimieren ihr Handeln direkt mit Handlungsvorgaben des Koran. Beides abscheuliche Taten, aber im zweiten Fall als Umsetzung religöser Regeln verstanden.

    Es wird im Westen solange Vorbehalte gegen den Islam geben, wie Menschen den Koran wortwörtlich lesen und Verachtung von Nichtmuslimen oder die Vorherrschaft der islamischen Regeln vor anderen Regeln religös begründet sehen.
    Warum machen Sie die freie Presse oder NIchtmulime für dieses Verständnis vom Koran verantwortlich?

    Religion ist reine Privatsache, da sind wir uns doch einig? Sie können deshalb nicht „Toleranz“ verlangen ohne zu erklären, wie mit den religösen Vorgaben zu Familienrecht, Erbrecht oder Umgang mit Andersgläubigen umzugehen ist. Das lassen leider die meisten Muslime einfach offen und schweigen darüber.
    Ein Pierre Vogel vermittelt hingegen ein schlüssiges Islambild. Der Iran auch. Al Kaida auch. Ist dafür die Presse verantwortlich? Sie konzentrieren sich darauf, auf die Berichterstatter einzuprügeln, aber ein anderes Islambild – das vermitteln sie nicht.
    Im Gegenteil.
    Ihre Kritik an Merkel und dem alten Thema Karrikaturen zeigt: Man kann in diesem Land Überzeichnungen der Kirche und Christen, Priester, Politiker und Schwule machen – aber nicht der Moslems. Wer in einer multreligösen Gesellschaft leben will, muss auch deren Meinungsvielfalt akzeptieren und mit seinen negativen Gefühlen fertig werden. Etwas nicht formulieren dürfen weil es beim anderen negative Gefühle verursacht, und zwar bei einem selbst – was für ein seltsames Verständnis von Freiheit haben Sie eigentlich?

  2. OMG sagt:

    Schlimm, wie sich Herr Ertug als Politiker für die Abschaffung der freien Meinungsäußerung einsetzt (Karikaturen). Jetzt sollen also beleidigte Muslime bestimmen, was wir sagen und veröffentlichen dürfen.

    Frau Merkel hat es schon ganz richtig gemacht und ein Zeichen gegen die antidemokratischen Tendenzen auch eines Herrn Ertug gesetzt.

  3. Leo Brux sagt:

    @ OMG und Lutheros:

    Es ist ein Unterschied, ob man die Karikaturen, um die es hier geht, für zulässig erkennt – und ob man sie für gut hält – und ob man demjenigen, der sie zu verantworten hat, als Bundeskanzlerin noch einen Medienpreis verleiht.
    Ertug wendet sich gegen letzteres. Von einem Verbot solcher Karikaturen ist bei ihm nicht die Rede.
    Es ist auch meine Erfahrung mit Muslimen in Deutschland, dass sie diese Karikaturen für geschmacklos, aber nicht weiter schlimm halten, und dass sie die überhitzte Reaktion einiger Extremisten in Europa und die ebenso überhitzte Reaktion einiger Gruppen in der islamischen Welt für falsch und schädlich halten.

    Man kann sich also bei den Muslimen in Deutschland durchaus darauf verlassen, dass sie solche Beleidigungen ihrer Religion nicht mit einer Verbotsforderung begegnen.

    Im übrigen, Lutheros, darf der Islam in Deutschland etwa das für sich in Anspruch nehmen, was auch katholische und evangelische Kirche und was die Israelitische Kultusgemeinde für sich in Anspruch nehmen. Bei manchen Katholiken zum Beispiel – bis hinauf zum Papst aus Bayern – gibt es eine recht konservative Art, die Bibel zu lesen und den Guten Katholiken über alle anderen Menschen zu stellen. Religion ist für katholische Bischöfe nicht reine Privatsache. Die Liste ließe sich verlängern.

    Warum verlangen Sie von den Muslimen, was Sie von den Katholiken nicht verlangen? Steckt da eine bestimmte Absicht dahinter?

    Sie schreiben des weiteren:

    Ein Pierre Vogel vermittelt hingegen ein schlüssiges Islambild. Der Iran auch. Al Kaida auch.

    Da wird es wirklich interessant. Sie machen sich also zum Propagandisten der extremsten Formen des Islam, Sie finden genau die extremsten Formen, die glücklicherweise von fast allen Muslimen in Europa und von den allermeisten Muslimen auf der Welt abgelehnt werden, als die „schlüssige“ Form.

    Darin steckt auch eine Aufforderung an all die in Ihren Augen nicht so „authentischen“ Muslime in Deutschland, sich dem Salafismus anzuschließen, wenn sie denn gläubige Muslime sein wollen. Lutheros, da können Sie Pierre Vogel die Hand reichen!

    Wieder frage ich mich, was für ein Motiv hinter einer so unglaublichen Behauptung steckt wie der, dass genau die extremistischste Form des Islam die „schlüssige“ ist. Jeder vernünftige, an Integration interessierte Mensch wird sich doch freuen, wenn Muslime unter dem Einfluss ihrer deutschen Umgebung ihre Religion weiter entwickeln, sich der Art annähern, wie Europäer religiös sind (wenn sie des denn sind), wenn sie in ihrem Alltag Kompromissformen finden – wenn sie also nicht die aus der Heimat mitgebrachte Religion unter dem Druck, dem sie hier ausgesetzt sind, radikalisieren, fundamentalisieren.

    Lutheros, Sie also bestehen darauf, dass man als gläubiger Muslim ein Extremist sein sollte.
    Bestehen Sie auch darauf, dass man als richtiger Katholik eigentlich nur schlüssig leben kann, wenn man den Weg der Piusbrüder geht? Dass man als evangelischer Christ schlüssigerweise nur evangelikaler Fundamentalist sein kann?

    Lutheros, Sie zeigen, dass Ihr Interesse in einer Radikalisierung der Muslime besteht. Sie gehen sogar so weit, dies zu fördern.
    Ich ziehe folgenden Schluss daraus:
    Je radikaler, je extremer, je bösartiger Muslime in Deutschland auftreten, desto leichter kann man sie — abschieben, deportieren, aus der deutschen Gesellschaft entfernen.

    Ihr Ziel ist also die ethnische Säuberung Deutschlands von gläubigen Muslimen.

    Die geht natürlich nicht, wenn sich Muslime bei uns tatsächlich integrieren. Also schreiben Sie hier gegen die Integration der Muslime an, indem Sie denen, die nicht extremistisch sind, vorwerfen, keinen „schlüssigen“ Islam zu vertreten.

  4. Lutheros sagt:

    Herr Leo, die Aussage lautet: Vogel hat ein schlüssiges Islambild. Da steht nicht: ein richtiges, und erst recht nicht: das einzige. Schlüssig, denn es ist für jeden einfachen ungebildeten Menschen verständlich: Nimm den Koran wortwörtlich. Punkt.
    Meine Kritik lautet: Es gibt (derzeit) kein schlüssiges Alternativbild. Welches sehen Sie?
    Zu sagen „Man muss Sure xy im historischen Kontext mit abc sehen“ erfordert ein Studium. Und es erklärt nicht: Was mache ich mit all den Koranvorschriften, die das gesellschaftliche Leben regeln? Schlüssig wäre eine Antwort wie: Ignoriere sie.

    Islam wie die Katholischen Kirche gleich einzuordnen, ja Herr Leo, das ist erstrebenswert: Die katholische Kirche hat dieses Land einmal regiert, und heute nimmt sie niemand hier –gottseidank – für ernst. Soviel Bedeutungsverlust wünsche ich mit für den Islam auch.
    Jeder Versuch von Papst und Bischof, auf die gesellschaftliche Entwicklung Einfluss zu nehmen, löst heftiges Draufhauen aus: Ob Verhütung, Abtreibung, Homoehe – mischt sich die Kirche ein, muss sich heftigste Gegenreaktionen ertragen. Das, Herr Leo, wäre mit Islam undenkbar. Ein Statement zur Homoehe beispielsweise einem Bischof entgegengerufen erntet Applaus, das gleiche Statement dem Imam entgegengerufen erntet – von Gutmenschen wie Ihnen – den Nazivorwurf.

  5. BiKer sagt:

    @ lutheros

    haben sie heute morgen einen schuss with geschluckt oder wieso muss ich bei ihren vergleichen lachen? sie schreiben doch tatsächlich:

    „Zu sagen „Man muss Sure xy im historischen Kontext mit abc sehen“ erfordert ein Studium. Und es erklärt nicht: Was mache ich mit all den Koranvorschriften, die das gesellschaftliche Leben regeln? Schlüssig wäre eine Antwort wie: Ignoriere sie.“

    dazu sage ich: „zu sagen, man muss paragraph xy im historischen kontext sehen, erfordert ein studium. und es erklärt nicht: was mache ich mit all den gesetzesvorschriften, die das gesellschaftliche leben regeln? schlüssig wäre eine antwort wie: ignoriere sie.“

    haha. nur weil jemand nicht jura studiert hat, soll er sich nicht mehr an die gesetzes halten weil nich schlüssig!?!? sie sind witzig!

  6. MoBo sagt:

    Ich glaube Lutheros hat einfach vergessen, die Überschrift des Artikels zu verinnerlichen.

  7. Lutheros sagt:

    Hallo Biker, r Vergleich mit den Gesetzes des Landes ist unvollständig. Wir haben ein schlüssiges Konzept wie wir Gesetze verstehen: wir lesen sie und wenden sie so an wie es wörtlich darin steht.
    Das wollen wir ja gerade nicht beim Koran, das wortwörtliche. Und das ist meine Frage: Wenn das Konzept, eine Regel wortwörtlich zu nehmen, nicht gilt, was gilt denn dann? Haben Sie eine Antwort? Das fehlt, gesellscahftlich betrachtet.
    Ein Gedanke für eine Antwort habe ich fragend aufgeworfen: die Scharia-Teile ignorieren?

    Dieses Konzept, Vorschriften zu ignorieren, müssen wir aber nicht übertragen auf die Gesetze. Hier gibt es bereits ein schlüssiges Konzept mit unpassende Vorschriften: Sie werden durch den Gesetzgeber geändert. Den Koran umschreiben würde ich aber nicht ernsthaft als Idee aufgreifen 🙂

    Die Überschrift heisst eine Gelegenheit zur Versöhnung. Dann machen Sie, auch Sie Herr Ertug, mal ein Angebot, wie man Islamvorschriften in der multireligösen Gesellschaft einfach verständlich liest und anwendet. Mein Ohr haben Sie.

  8. BiKer sagt:

    @ lutheros

    sie haben keine ahnung von gesetzen und den in der juristerei gängingen auslegungsmethoden, oder? neben der philologischen gibt es auch noch die logische, systematische, historische und teleologische auslegung. und reicht das alles nicht, um den sinn eines gesetzes zu entschlüsseln, gibt es weitere hilfsmittel. von wegen allein am wortlaut erkennen können. deshalb braucht man in deutschland ja auch für jeden pups einen rechtsanwalt.

    über dinge, von denen man keine ahnung hat, sollte man nicht reden. in ihrem fall gilt das hier. sie haben keine ahnung, was sharia bedeutet. sonst würden sie nicht von shariateilen reden. tun sie sich doch einen gefallen und informieren sie sich! sonst müssen sie immer gefahr laufen, sich zu blamieren. um zu verstehen, wie man islamvorschriften verständlich liest und anwendet braucht es ein mindestmaß an wissen, die sie nicht mitbringen.

  9. Lutheros sagt:

    Was beantwortet jetzt Ihre Antwort?
    die weiteren Auslegungmethodiken eines Gesetzes sind doch genau die Wege die dem Normalbürger nicht als eigener Weg zur Verfügung stehen, sondern dem Studierten – was Sie ja bestätigen. Ergo siehe oben: wenn die wörtliche Auslegung nicht zum Verständnis führt, was die Regel meint, brauche ich ein Studium.
    Damit sind wir soweit wie im ersten Beitrag. Wenn die wörtliche Auslegung der Religionsvorschriften nicht zum ZIel führt, worin sich alle ja einig sind, welche dann?

    Sie haben also die große Ahnung, wie man liest. Lassen Sie mal die Welt teilhaben davon.

  10. Leo Brux sagt:

    @Lutheros:

    Also: Nur ein extremistischer Islam ist für Sie schlüssig im Sinne von allgemeinverständlich.
    Was folgt DARAUS?
    Das selbe, was ich bereits in meinem Posting davor daraus gefolgert habe, Lutheros.

    Logisch, dass ein nicht-extremistischer Islam nicht dem Extrembild der Islamfeinde und derer, die auf deren Extrembild vom Islam hereinfallen, entspricht.

    Vielleicht ist es ja auch so, dass in Pakistan zum Beispiel nur ein imperialistisches Christentum à la G. W. Bush und nur Juden von der Art der radikalen Siedler „schlüssig“ sind.

    Dass man ein Studium braucht, um den Islam all der normalen nichtsalafistischen Muslime zu verstehen, wie er in den Moscheen in Deutschland und in den gläubigen Familien lebt — da haben jetzt auch schon BiKer und MoBo lachen müssen. Ich schließe mich dem Gelächter an und empfehle einfach mal einen persönlichen Besuch.

    Regiert oder dominiert eigentlich der Islam Deutschland, wie einmal der Katholizismus hier regiert oder besser gesagt dominiert hat?
    Nicht im geringsten, oder?
    Und gibt es heute noch Katholiken, die sich vehement gegen die Kritik an der Kirche wehren? – Allerdings. Die Bischöfe auf jeden Fall. Und die haben zwar wenige Anhänger, aber schon auch welche.

    Nichts gegen Islamkritik. Niemand hindert MICH, bei Gelegenheit meine historisch-kritische Sicht des Koran vorzubringen. Jeder gläubige Muslim, der mich kennt, weiß, dass ich den Koran historisch-kritisch lese und verstehe. Vereinfacht gesagt: als ein Produkt seiner Zeit. Und dass das, was im Jahre 622 für die damals Lebenden in einer bestimmten Umwelt und Situation gültig war, nicht unbedingt heute gültig ist. Die gläubigen Muslime sind keine Theologen, aber dass es so ist, das wissen sie. Ihre Praxis zeigt es auch.

    Schwierigkeiten mit der historisch-kritischen Lektüre haben nicht zuletzt die meisten der sogenannten Islamkritiker. Die lesen den Koran in einer für unsere aufgeklärte Welt verblüffend naiven Weise – ganz und gar nicht historisch-kritisch. Man merkt an der Art, wie sie Koranverse zitieren, dass die Aufklärung sie noch nicht einmal berührt hat.

    Die Millionen Muslime in Deutschland, die gläubig sind, aber den Koran nicht im salafistischen Sinne lesen, liefern dem, der es sehen will, ein „schlüssiges“ Bild vom muslimischen Leben.

    Es gibt aber eben Menschen, die glauben, Deutschland ethnisch säubern zu müssen, und für die ist selbstverständlich nur das salafistische Islambild „schlüssig“ (und damit gültig).

    Dazu gehören, so scheint es, auch Sie, Lutheros.
    Aber Sie können mich in diesem Punkt leicht widerlegen, indem Sie mir die Frage „schlüssig!!“ beantworten: Was soll mit den gläubigen Muslimen in Deutschland geschehen, die den Islam nicht so verstehen und leben, wie Sie es für richtig finden, und die deshalb Ihrer Meinung nach nicht integrierbar sind? Mit anderen Worten: Ich erwarte mir von Ihnen eine schlüssige politische Agenda in dieser Hinsicht.


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