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1x1 der Fastenzeit

Der kleine Ramadan-Knigge

Seit dem 1. August fasten Millionen Muslime Weltweit – der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. Das Arbeits- und Alltagsleben nimmt aber seinen gewohnten Lauf – Ein kleiner Ramadan-Knigge für das Miteinander.

In den nächsten Wochen sollten sie nicht überrascht sein, wenn ihr muslimischer Kollege beim Meeting auf den üblichen Kaffee und die belegten Brötchen verzichtet oder den sonst gewohnten Mittagstisch mit Ihnen ablehnen muss.

Denn der Ramadan hat begonnen. Die berühmte 30-tagige Fastenzeit, in der auch die Mehrheit der ca. 4 Millionen Muslime in Deutschland von Sonnenaufgang bis -untergang freiwillig auf Nahrung und Trinken verzichten, sich von Weltlichem abwendet und ein größeres Gottesbewusstsein entwickeln möchte ist nun angebrochen. In dieser Zeit wenden sich Muslime stärker ihrer Spiritualität und dem Gottesdienst zu, sind angehalten, mehr als sonst Gutes zu tun und wohltätig zu sein.

Natürlich stoppt das Arbeits- und Alltagsleben in Deutschland deswegen nicht. Es geht seinen gewohnten Gang. Aber mit diesen kleinen Aufmerksamkeiten machen Sie Ihren muslimischen Kollegen und Nachbarn eine kleine Freude und signalisieren Interesse und Respekt:

1) Der Gruß: Das nächste Mal, wenn Sie ihrem muslimischen Kollegen begegnen, wünschen Sie ihm doch einfach eine gesegnete Fastenzeit, indem Sie ihn mit der Formel „Ramadan Karim“ oder „Ramadan Mubarak“ begrüßen. Solch eine Aufmerksamkeit ihrerseits erheitert das Gemüt, signalisiert Respekt und ihre Bereitschaft zum Lernen und trägt zum besseren Miteinander bei.

2) Positiv Denken: Ramadan ist für alle Muslime die fröhlichste Zeit des Jahres und alle fasten freiwillig und haben sehnsüchtig auf diesen Monat gewartet. Auch wenn viele ein wenig müde und abgeschlagen erscheinen, ist Ihr gut gemeintes Mitleid wirklich nicht nötig. Ihre positiven Worte der Anerkennung aber sind dagegen umso mehr willkommen. Aussagen wie „Oh wow ich bin beeindruckt. Das ist ja ’ne tolle Art von Selbstdisziplin,“ – kommt bestimmt besser an!

3) Mittagessen: Das Leben geht weiter und kein Muslim erwartet das sich nun alles und jeder nach seinem besonderen Fastenzyklus richten muss. Essen Sie bei Meetings oder Konferenzen ruhig in unserer Gegenwart und fühlen Sie sich bitte nicht unwohl dabei. Wir schätzen ihre Sensibilität aber sie müssen sich nicht jedes Mal rechtfertigen oder entschuldigen, wenn Sie in der Gegenwart von Muslimen essen. Verzeihen Sie uns aber auch, wenn der Magen ein wenig zu knurren anfängt, wenn Sie mit leckeren Speisen auftauchen.

4) Kein Wasser: Es ist wahr! Als Teil unserer spirituellen Disziplin trinken wir sogar bei brühender Hitze keinen Tropfen Wasser. Aber keine Sorge – kein Mensch ist vom Fasten allein gestorben und die Reserven, die man vor der Morgendämmerung zu sich genommen hat, reichen immer aus.

5) Fastenbrechen: Falls Ihr muslimischer Kollege oder Nachbar sie in die Moschee oder zu sich zu Hause zum Fastenbrechen einladen sollte, warum nehmen Sie die Einladung nicht einfach an? Generell ist der Monat Ramadan eine Zeit der Gemeinschaft, in der man gemeinsam zusammenkommt und auch für andere viel Gutes tut. Menschen kommen sich bei einem leckeren Essen sofort viel näher, man lernt viel Neues dazu und hat seinem Nachbarn oder Kollegen eine große Freude bereitet. Es ist eine schöne Gelegenheit, sein Wissen zu erweitern und mit all seinen Sinnen Ramadan aus erster Hand zu erleben. Keine Angst! Sie müssen nicht fasten um an einem Iftar (Fastenbrechen) teilzunehmen.

6) Voller Einsatz: Fasten bedeutet nicht, sich von allen Aufgaben zurückzuziehen. Im Gegenteil, alle Muslime folgen ihrem gewöhnlichen Arbeitsalltag und sehen sich nicht als Extrawurst. Sie vollbringen in beachtlicher Weise dieselbe Leistung wie ihre nicht-fastenden Kollegen.

In diesem Sinne – fröhlichen Ramadan!