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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Brief an Thilo Sarrazin

Sevgili Thilo-Baba!

Kamuran Sezer ist sehr glücklich darüber, dass es den Thilo Sarrazin gibt: Denn durch ihn hat die bisher nebulöse Xenophobie der Deutschen ein Gesicht und einen Namen. Jetzt können wir reden, miteinander streiten und uns gegenseitig anpöbeln, um endlich an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten.

VONKamuran Sezer

 Sevgili Thilo-Baba!
Jg. 1978, Diplom-Sozial- wissenschaftler, Berater und Publizist, ist Gründer und Inhaber des futureorg Instituts für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung mit Sitz in Dortmund.

DATUM22. Juli 2011

KOMMENTARE26

RESSORTAktuell, Meinung

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ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Sevgili Thilo-Baba,1

ellerinden saygı ile öperim2. So begrüßt nämlich ein junger türkischer Mann einen Älteren, dem er auf diese Weise seinen Respekt zollt.

Ich bin nämlich sehr froh, dass es Dich gibt. Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass Du Dein Buch geschrieben hast. Denn damit hast Du genau das materialisiert und sichtbar gemacht, was ich und meinesgleichen seit Jahren und Jahrzehnten bekämpfen und weiterhin bekämpfen müssen, damit wir unseren festen und unbestreitbaren Platz in dieser, meiner Gesellschaft einnehmen können.

Das Problem, Thilo-Babacığım, von Türken in Deutschland ist nicht, dass sie einer strukturellen Diskriminierung ausgesetzt sind. Ja, Du hast richtig gehört! Ich bin der festen Überzeugung, dass es in dieser Gesellschaft keine systematische und strukturelle Diskriminierung von Türken oder Arabern gibt. Denn das Problem von den Türken war bis zu Deiner Buchveröffentlichung nämlich noch gravierender!

Der Türke in Deutschland hat es nicht deswegen schwer, eine geeignete Wohnung zu finden, weil der Gesetzgeber vorschreibt, dass ein Deutscher bevorzugt behandelt werden soll. Dies gilt mit Einschränkung auch für den deutschen Arbeitsmarkt. Ebenso für die vielen türkischen Kinder, die ihre Empfehlungen für die Hauptschule bekommen.

Das Problem des Türken in Deutschland ist das xenophobe Denkmuster einzelner Personen, die in der Summe der vorurteilsbelasteten Deutschen den Anschein einer strukturellen Diskriminierung in dieser, meiner Gesellschaft erwecken:

Es ist der Sachbearbeiter, der mich nach Hause schickt, weil einige Unterlagen noch fehlen würden. Es ist der Professor, der mich mit einer Note schlechter bewertet, weil mein Deutsch angeblich so schlecht sei. Es ist die Krankenschwester, die sich weigert, mir ein Mittagsessen ohne Schweinefleisch zu bringen, weil ich als Muslim bekannterweise keines essen darf. Es ist der Banker und Versicherer, der höhere Zinsen für meinen Kreditwunsch oder Beitragsgebühren für meine KFZ-Versicherung ausstellt. Es ist der Vermieter, der aus Sorge, dass die deutschen Nachbarn über den künftigen türkischen Nachbarn beschweren könnten, mir sagt, dass die Wohnung nun doch anderweitig vergeben wurde. Die Liste könnte ich ewig fortsetzen.

Ich nehme diese Erfahrungen inzwischen gelassen. Ich habe nämlich diese Denkmuster entschlüsselt und entsprechende Antwort- und Handlungsstrategien entwickelt, die ich in den vergangenen Jahren verfeinert habe.

Dem Angebot des Bankers und Versicherers lege ich zur passenden Zeit die Angebote anderer Finanzanstalten vor und suggeriere ihm, dass er Gefahr läuft, einen potenziellen Kunden zu verlieren. Es ist schon seltsam, wie die Zinsen und Beitragsgebühren plötzlich doch reduziert werden können. Zuvor jedoch suche ich mir eine Wohnung in einer Postleitzahl, die meine Kreditwürdigkeit zumindest nicht verringert. Gott sei Dank, gibt es dafür das Internet!

Um den Vermieter zu überzeugen, verknappe ich die Zeitressourcen, um eine Entscheidung herbeizuführen. “Wie!? Ein Gespräch!? Eine halbe Stunde!? Es tut mir leid, ich habe wirklich nur eine Viertelstunde Zeit. Ich habe nämlich einen wichtigen Geschäftstermin. Es geht um ein großes Geschäft!” Und beim Gesprächstermin komme ich mit Mappen, Büchern und meiner Laptoptasche unterm Arm. Ja, ja … ich bin wichtig und rede deswegen schnell und hektisch! “Oh Moment … es kommt ein Anruf, da muss ich ran … wo kann ich kurz ungestört telefonieren!?”

Ich gebe zu, dass es mich schon traurig macht, weil es manchmal nötig ist, so derbe in die Trickkiste zu greifen. Aber weißt du, sevgili Thilo-Baba!? Zum einen ist diese Schilderung Ausdruck gelungener Integration. Darauf komme ich später noch zurück. Zum anderen ist mir bewusst, dass dies nicht ewig so sein wird!

Ich hatte eine Grundschullehrerin, von der ich Jahre später erfahren habe, dass sie sich im Hintergrund für mich eingesetzt hat. Ich hatte auch einen deutschen Fußballtrainer, von dem ich erfahren habe, dass er im Dialog mit meiner Schule befand. Und als meine Schwägerin vor einigen Jahren verstarb, da hat das Krankenhaus auf dem Tisch in dem Raum, in dem der Leichnam meiner Schwägerin befand, eine Kuran-Ausgabe gelegt. Und wie der Chefarzt meinen Bruder umarmt hat, hat mehr Trost gespendet als tausend Worte es je tun könnten. Auch diese Aufzählung könnte ich ewig fortsetzen.

Du, sayın Thilo-Baba, bist nur das hässliche Gesicht eines alten Deutschlands, das die Globalisierung, die Internationalisierung, die demografische Dynamik, die neuen sich anbahnenden Wirtschaftssysteme und Verschiebung der globalen Machtachsen nicht überleben wird.

Nicht die Türken und Araber werden Deutschland abschaffen! Dein Deutschland wird durch epochale Entwicklungsflüsse abgeschafft, wohingegen mein Deutschland im neuen Glanz erstarken wird. Zumindest setze ich mich dafür ein, obgleich Du es mir mit Deinen Thesen und Auftritten nicht einfach machst. Aber wie lautet ein afghanisches Sprichwort: Du hast die Uhr und ich die Zeit!

Es tut mir leid, Dir sagen zu müssen, Thilo-Baba … Dein im Buch postuliertes Programm kann und wird nicht funktionieren: Es wird nur in einer statischen Weltformel funktionieren, bei der die Dimension Zeit angehalten werden muss. Zeit jedoch ist eine physikalische Größe, die unentwegt sich im Raum bewegt und die wir permanent als die Gegenwart wahrnehmen. Doch Gegenwart wird in dieser Bewegung permanent neu definiert.

In etwa 40 Jahren wird der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung ca 7 Prozent betragen. Bereits heute sind die demografischen Schrumpfungen und Alterungen in diversen europäischen Gesellschaften beobachtbar. Wie zum Teufel soll dann bitte die Einwanderung von “Hochqualifizierten” aus dem so genannten “gleichen Kulturkreis” funktionieren. Solange in der EU keine einheitliche bzw. konsensuale Migrationspolitik geschaffen wird, werden sich die europäischen Länder in einem Wettbewerb um die besten Köpfe innerhalb Europas und in der Welt befinden. Und bitte – jetzt komme mir nicht mit Indien als Rekrutierungsland an.

Wenn Du Dich schon über Zwangsheirat und Ehrenmord bei den “Muslimen” beschwerst, was wirst Du über das aufschreien müssen, was teilweise in der indischen Kastengesellschaft abgeht. Und ich bin mir nicht sicher, ob Hund besser schmeckt als der Döner, der dir vor Kurzem in Berlin-Kreuzberg verweigert wurde, falls du jetzt mit China argumentieren möchtest. Europa und ganz besonders Deutschland, die beide mir sehr am Herzen liegen, werden nur wettbewerbsfähig und politisch mächtig bleiben, wenn wir aus der ganzen Welt Kompetenzträger rekrutieren, die sodann mit intelligenten Integrationsangeboten empfangen werden.

Und wie sehen solche Integrationsangebote aus, wirst Du dich vielleicht fragen. Das werde ich Dir, sayın Thilo-Baba, mit Verlaub nicht verraten. Mit dem Wissen verdiene ich nämlich meine Brötchen. Ich werde dir aber verraten, was Integration eigentlich bedeutet:

Bisher herrscht Einigkeit darüber, dass Integration dann gelungen ist, wenn der Eingewanderte die deutsche Sprache beherrscht. Mit Verlaub: Das ist Bullshit! Mal abgesehen davon, dass Mehrsprachigkeit in einem globalisierten Politik- und Wirtschaftsraum nur von Vorteil sein kann, ist die Beherrschung der Muttersprache keine Garantie für erfolgreiche Integration.

Mohammed Atta, einer der Todespiloten vom 11. September 2001, konnte sehr gut Deutsch. Und ich beherrsche die deutsche Sprache, obwohl meine Eltern kaum bis gar nicht Deutsch können. Wieso konnten diese Integrationsverweigerer von Eltern es nur dann schaffen, drei Söhne auf die Welt zu setzen, die allesamt eine Ausbildung abgeschlossen haben und die deutsche Sprache verdammt gut beherrschen. Nein, nein …! Das Argument bzw. der Indikator “Beherrschung der deutschen Sprache” ist höchstens geeignet, um eine verunsicherte autochthone Gesellschaft zu beruhigen.

Integration ist schlicht die Ausstattung der Menschen mit Wissen und Fähigkeiten, wodurch sie befähigt werden, ein eigenständiges und souveränes Leben in der Gesellschaft zu führen und an dieser zu partizipieren. Die Integration richtet sich daher nicht nur an die Migranten, sondern auch an die Punks, Hartz4-Empfänger, alleinerziehende Mütter, Menschen mit Behinderung, Obdachlose, Alkoholiker, Workaholics, ja inzwischen auch an die Banker und auch an Dich, sevgili Thilo-Baba.

Offensichtlich bist Du nämlich mit der multiethnischen und -religiösen Gesellschaft stark überfordert. Du musst mit Wissen und Fähigkeiten ausgestattet werden, damit Du Dich eigenständig und souverän in dieser gesellschaftlichen Realität bewegen und ebenso an dieser partizipieren kannst. Und belüge Dich und ganz besonders die anderen Menschen nicht, dass diese langfrist-wirkenden Parameter einfach so mal geändert werden können.

Dass Du das nicht kannst, konntest Du ja zuletzt bei Deinem Kreuzberg-Besuch erfahren, für den Du noch eine Kulturdolmetscherin, Integrationslotse und Gatekeeperin wie Güner Yasemin Balci benötigt hast. Und bei Deinem Review in der FAZ musstest Du Dich auch noch an Necla Kelek klammern, der Trägerin des altehrwürdigen Freiheits-Friedensnobel-Preises 2010 der Friedrich-Naumann-Stiftung.3

Und genau das ist Integration … Integration ist schlicht die originäre und fundamentale Funktion der Politik und der gesellschaftlichen Institutionen. Die Bundesintegrationsbeauftragte, Frau Prof. Dr. Maria Böhmer, ist, um ehrlich zu sein, weniger für mich als vielmehr für Dich da.

Sevgili Thilo-Baba, ich muss jetzt Schluss machen! Ich möchte Dir aber noch einmal herzlich aus ganzem Herzen für Dein Engagement danken! Danke dafür, dass Du genau das sichtbar gemacht hast, was die Integration von sogenannten Personen mit Migrationshintergrund in diese Gesellschaft behindert hat. Daher finde ich es wirklich sehr klasse, dass Du so viele Bücher verkauft hast und Du so viele Sympathie-Bekundungen erhalten hast und die Bild-Zeitung in so vielen Online-Umfragen gezeigt hat, wie viele Menschen Deine Denkmuster teilen.

Denn ohne Dein Buch und ohne Deine Person hätte dieser Brief hier keine Empfänger-Adresse haben können.

Genau wie es die Kreuzberger bei Deinem Besuch dort getan haben, kann ich jetzt stellvertretend für alle Integrationsverweigerer in der Aufnahmegesellschaft Dich anschreien, Dich anpöbeln, ja sogar mit Dir streiten und mit Dir diskutieren, wenn Du bereit bist, Dich ernsthaft mit mir zu unterhalten. Und eines verspreche ich Dir: Auf die Fresse wirst du weder von mir noch von anderen Personen mit sogenanntem Migrationshintergrund bekommen!

Hadi, öptüm!

  1. Lieber Papa-Theo []
  2. ich küsse Dir Deinen Handrücken [auf türkische Art] []
  3. Sorry, das ist ein Running Gag von mir, das solange von mir betrieben wird, bis die Jury der Friedrich-Naumann-Stiftung mir die Hand küsst oder Necla Kelek sich in der Frankfurter Pauluskirche bei allen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund entschuldigt! []
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26 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. hannibal sagt:

    @ Peter

    Meinen Beitrag gelesen ? Aber nicht verstanden ?

    Die Bevölkerungsgruppe, die die meisten Probleme bei der Integration haben/machen (aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft!) kommen aus oder haben islamischen Kultur/Religionshintergrund.

    Ist das deutlicher zu verstehen ?

    Ich weiß sehr wohl „wie unterschiedlich und vielfältig die eine Milliarde Muslime auf der Welt sind“, aber wir sprechen hier über die, die in Deutschland oder an deren europäischen Ländern das Problem sind.

    Das problematische ist eben, das sich diese Menschen über ihre Religion/Ideologie definieren, obwohl sie es andererseits oft beklagen, das das gemacht wird.

    Das beste wäre, den religiösen Hintergrund ganz wegzulassen, und nur die Staatsangehörigkeit und Herkunft zu nennen, also Türke, Deutscher, Holländer, Franzose.

    Und ich habe bestimmt nichts mit der absurden „Volksgemeinschaft“ zu tun (die übliche Masche, wieder die Nazikeule auszupacken?), ich habe null Probleme mit Menschen jeglicher Couleur, die modern, offen,westlich orientiert sind, die die Gleichberechtigung von Mannn und Frau akzeptieren und LEBEN (und nicht diese „Klippe“ umschiffen, wie der ZMD, der schreibt “ das man Gleiches gleich, und Ungleiches ungleich behandeln soll“ – tolle Formulierung in der Charta des ZMD), die ihren Kindern die frei Entscheidung lassen, wie sie später einmal leben wollen, und Mädchen nicht schon im Kindesalter darauf trainieren, sich „bedecken“ zu müssen, die keine Proleme damit haben, das es homosexuell veranlagte Menschen gibt (auch evtl. bei ihren eigenen Nachkommen !).

    Wer hier absolut religiös leben will, wer sich von der Religion in seiner ges. täglichen Lebenswelt bestimmen lassen will, schön aufgeteilt nach haram und halal,der KANN sich nicht integrieren. Bei den Christen gehen solche Leute dann ins Kloster oder einen Orden .

    Das Problem ist nicht, FREMD zu sein, das Probleme ist, kulturell RÜCKSTÄNDIG zu sein.

    Ich bin ein Troll ? Nur weil Ihnen mein Standpunkt nicht gefällt ? Und versuchen, mich und meine Meinung möglichst zum Schweigen zu bringen ?

    Wenn ich mir den „sachlichen Gehalt“ Ihres Beitrages ansehe, dürfte klar sein, WER hier der Troll ist ! Wenigstens ist es hier bei MGAZIN „meist“ möglich, pro und kontra einen Diskurs zu führen.

    Meist. Leider nicht immer.

  2. Bernd H. sagt:

    Ich finds immer wieder lustig zu sehn, wie auf Migazin versucht wird, gegen den Sarrazin zu Hetzen und gleichzeitig dann auch auf die deusche Gesellschaft herumgetrampelt wird, weil sie so verdammt unislamisch ist.

    Der Sarrazin verdient nur deshalb Millionen von Euro, weil man die Menschen täglich an seine Wohltaten erinnert (ja, auch das Migazin).
    Ich versteh nicht was die Leute immer noch veranlässt gegen den Sarrazin zu hetzen. Warum gibt man sich so viel Mühe um einen alten verwirrten Mann klein zu kriegen? Und sogar wenn man ihn klein kriegt, hat man dann sein Buch aus der Welt geschafft und seine Theorien, die Millionen andere Menschen 1:1 zustimmen?
    Was hier gemacht wird, ist eine virtuelle Steinigung, um der geschundenen muslimischen Seele wieder Genugtuung zu verschaffen.

    Warum wird ein Mann, der ein Buch geschrieben hat über schwerintegrierbare Muslime in Deutschland in die gleiche Ecke gestellt, wie ein Nazi, der die Ausrottung sämtlicher Juden propagiert? Kann oder darf man einen solchen Autor/Artikel noch ernst nehmen?
    Warum hat man bei Migazin noch nicht einen einzigen Artikel über den Vorsitzenden der NPD verfasst und den zur Sau gemacht?
    Ich fürchte ganz, dass das etwas mit Feigheit zu tun hat, wenn 3% einer Bevölkerung sich auf einen einzigen Menschen stürzen.
    Die Empörung über Sarrazins Theorien kauf ich keinem ab, denn das sind alles alte Kamellen, die jedem bekannt waren, bevor er sein Buch darüber geschrieben hat!

    Und wer sich gestern auf ZDF angekuckt hat, wie Dialogbereit die Menschen in Kreuzberg sind, kann dem Sarrazin schlussendlich nur recht geben. Die Muslime in Kreuzberg haben sich allesamt blamiert. Seit gestern habe ich auch das Gefühl man bräuchte mehr Polen in Deutschland, denn die scheinen sich ihre Meinung auch nicht von irgendwelchen links-faschisten nehmen zu lassen.

  3. BiKer sagt:

    @ hannibal

    „Wer hier absolut religiös leben will, wer sich von der Religion in seiner ges. täglichen Lebenswelt bestimmen lassen will, schön aufgeteilt nach haram und halal,der KANN sich nicht integrieren.“

    sorry aber sie geben echt nur troll von sich. wieso soll sich so ein mensch nicht integrieren koennen? nur weil es ihrer lebensweise nicht entspricht? wer sind sie? mit dieser einstellung zeigen sie vielmehr, dass sie im falschen land leben. steht im grundgesetz. lesen! hinsetzen! nachdenken! verinnerlichen!

    im uebrigen sollten sie froh sein, dass es menschen gibt, die helal und haram (auf deutsch: erlaubt und nicht bzw. richt und falsch) zu unterscheiden wissen und danach leben.

  4. Europa sagt:

    @BiKer
    „im uebrigen sollten sie froh sein, dass es menschen gibt, die helal und haram (auf deutsch: erlaubt und nicht bzw. richt und falsch) zu unterscheiden wissen und danach leben.“

    Ach BiKer, seien sie doch nicht immer gleich so beleidigt! hannibal hat zum Teil schon recht. ich glaube auch, daß es für die Menschen die alles in religiös richtig und religiös falsch unterteilen auch Probleme mit der Integration haben werden, vorallem dann, wenn sie auch noch verlangen, dass alle anderen Religiösen Gruppen Rücksicht darauf nehmen müssen und das kommt leider viel zu oft vor.
    Und passen sie auf, dass ihre Verweise aufs GG nicht irgendwann einmal im hals stecken bleiben, denn das GG bedeutet auch, dass Muslime rücksicht auf andere Religionen und Weltanschauungen nehmen müssen und darin sind die Muslime auch nicht unbedingt Vorreiter. Vorallem wenn es um die Rücksicht auf Atheisten, Christen und anderen Muslimen geht. Paradoxerweise vorallem Letzteres!

  5. hannibal sagt:

    @ BiKer

    Warum sollte ich froh sein,“dass es menschen gibt, die helal und haram (auf deutsch: erlaubt und nicht bzw. richt und falsch) zu unterscheiden wissen und danach leben.“ ?

    Sind das bessere Menschen, die eine Religion dazu brauchen um zu wissen, welches Verhalten gut und welches schlecht ist ? Und wer die die Deutungshoheit darüber ? Der Islam?

    Was ist mit Christen, oder anderen Religionsangehörigen, oder gar Atheisten?

    Wissen DIE das nicht ?

  6. Fikret sagt:

    Sarrazin ist und bleibt ein Provokateur. Er ist nicht erstzunehmen! Es lohnt sich nicht,sich mit ihm zu beschäftigen.

  7. BlauerBär sagt:

    @Jürgen Kluzik

    Sie schreiben, dass Sie sich wünschen, dass die Deutschen, die „Schrumpfgermanen“, aussterben und wundern sich dann über ablehnende Kommentare?

    Sonst noch was?

  8. Jürgen Kluzik sagt:

    Ich wundere mich nicht über derart ablehnende Kommentare. Denn sie bestätigen ja nur, dass solche Kommentare fast immer aus der kleinbürgerlichen Ecke kommen, und dass mein aus der Soziologie angelesene Wissen über die Ideologie der Kleinbürger richtig ist.

    Ich schrieb noch nie, dass ich mir wünsche, dass die Deutschen aussterben. Wieso auch? Meine Kinder und ich sind ja auch Deutsche. Ich schreibe manchmal, es ist wünschenswert, dass diese Deutschen aussterben! Wenn jemand damit emotionale Probleme hat, und in seiner Erwiderung nicht den kleinen aber feinen Unterschied zwischen ‚diese Deutschen‘ und ‚die Deutschen‘ beachtet, dann ist das nicht mein Problem. Im zitierten Thread schrieb ich: ‚Diese Schrumpfgermanen sind ja eh bald‘ nur noch ‚Geschichte‘. Dass Sie ‚diese Schrumpfgermanen‘ automatisch mit DEN DEUTSCHEN gleichsetzen, zeigt mir, was für Sie ein Deutscher ist. Denn klar erkennbar definieren Sie das deutsch sein über die Abstammungs- und Familiengeschichte, über die völkische Herkunft, während für mich ein Deutscher nur ein Mensch mit einem deutschen Pass ist.

    Wer sich heute noch bei dem Wort ‚Schrumpfgermane‘ angesprochen fühlt, zeigt damit nur, dass er sein deutsch sein mit seinen völkischen Wurzeln erklären will. Aber die angebliche oder tatsächliche Reinrassigkeit, genauer ausgedrückt: Inzucht, eines Menschen, interessiert mich nur theoretisch. – Nebenbei bemerkt: Das Wort ‚Schrumpfgermane‘ übernahm ich von Punks aus meiner Verwandtschaft, die damit rechtsradikale Skinheads abwerteten.
    Und sehr wahrscheinlich tatsächlich nicht so „reinrassig“ sind wie die.

    Prince Moulay Abdallah. In Casablanca ist eine Straße nach ihm benannt. Daher weiß ich diesen Namen. Würde mir ein Sprößling von ihm erklären, dass er in direkter Nachfolge vom Propheten Mohammed abstammt, wäre das für mich nichts Neues; ich würde ihn, aufgrund dieser Herkunft, zuerst einmal als zivilisierten und kultivierten Menschen einschätzen; dies positive Vorurteil im Bedarfsfall aber auch reduzieren oder ganz wegwerfen. Wenn mir aber jemand mit seiner germanischen Abstammung daher kommt, und meint, er könne damit sein deutsch sein begründen, dann kann darüber nur lachen oder den Kopf schütteln. Denn so ein deutsch sein ist ja nun wirklich der dümmste und primitivste Adel der Welt.

    Alles klar?

  9. Jürgen Kluzik sagt:

    @ BlauerBär

    Sorry. Den Klammeraffen und Ihren Nicknamen vergaß ich in meiner vorhergehenden Antwort.
    Und nun noch was.

    Nach Schreckminuten über die Aggressivität in den Antworten, die ich hier ja nur teilweise wiedergab, amüsierte mich die Kleinbürgerlichkeit der Reaktionen. Ich hatte, wie ich schon schrieb, bei „spiegelonline“ nie etwas über meinen Beruf, meinen sozialen Status usw. geschrieben. Wieso also glaubte der eine, ich wohne in einem „versifften Kiez“? Und hätte keine „Selbstverantwortung“, keinen „Fleiß“, keine „Tatkraft“? – Warum glaubte der andere, der doch höchstwahrscheinlich nur einen kleinen Vorgarten vor seinem Reihenhaus besitzt, er könne mich aus seinem „Land“ herauswerfen? Warum dachte er, ich sei auf ihn und seinesgleichen neidisch?

    Ich wußte vor diesen Antworten nicht, dass das typisch kleinbürgerliche Vorurteile gegenüber Arabern in Deutschland sind!

    Als Charakterisierung gesellschaftlicher Underdogs waren mir die mir zugeschriebene Situation und Eigenschaften bekannt. Herr Sarrazin, der derzeit bekannteste Ideologe – oder Philosoph? – für viel Kleinbürger, beschrieb ja genau so Hartz-vier-Empfänger.

    Das Auftrumpfen der zitierten Foristen mit ihren ‚Tugenden‘ – „Fleiß, Tatkraft, Selbstverantwortung, wirtschaftlich erfolgreich“ – war extremst typisch kleinbürgerlich.

    Mein Vater sagte mehr als einmal: „Geld hat man. Aber man spricht nicht darüber.“

    Zu den Aggressionen dieser Foristen noch das Folgende:

    „Kleinbürger können, ganz wie die Puritaner, nur auf ihre Fähigkeit zur Askese zählen. Dort, wo andre wirkliche Garantien, Geld, Bildung, Beziehungen für sich sprechen lassen können, haben sie – verhältnismäßig arm an ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital – nur moralische Garantien auf ihrer Seite, können nur mit Tugend zahlen. Fleiß, Bildungseifer, Sparsamkeit sind die Garantien, die sie zur idealen Kundschaft der Banken und Ausbildungseinrichtungen machen. … Ihr Ehrgeiz ist stets auch Geiz und geht einher mit Sparsamkeit und all der Kleinlichkeit, die mit den kleinbürgerlichen Tugenden assoziiert wird. Wenn sein Ehr-geiz den Kleinbürger zwingt, mit anderem Ehr-geiz zu konnkurrieren und ihn um den Preis einer permanenten Anspannung, die sich ständig in Aggressivität zu entladen droht, dazu treibt, stets über seine Verhältnisse zu leben, so gibt er ihm andererseits auch die Kraft, durch alle Formen der Selbstausbeutung und insbesondere durch asketische Fähigkeiten, die für den Aufstieg notwendigen Mittel aus sich herauszuholen. – Auf der Ebene des gesellschaftlichen Umgangs und der damit verbundenen Befriedigungen bringt der Kleinbürger die bedeutsamsten, wenn nicht offenkundigsten Opfer. Überzeugt davon, daß er seine Position nur sich selbst verdankt, ist für ihn jeder seines Glückes Schmied; selbst ist der Mann. … Für den Kleinbürger bieten Familien- und Freundschaftsbande keine Zuflucht mehr gegen Unglück und Not, Einsamkeit, Alter und Elend, kein Netz von Unterstützung und Schutz, von dem man notfalls Hilfe, ein Darlehen oder einen Posten erhoffen darf; sie sind noch nicht das, was man andererswo ‚Freundschaften‘ oder ‚Beziehungen‘ nennt, d. h. ein zur Verwertung des eigenen ökonomischen und kulturellen Kapitals unerläßliches soziales Kapital.“
    Quelle: Pierre Bourdieu: „Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“; Suhrkamp 1983

    Dass soziales Kapital bei Arabern und Türken, unabängig vom Inhalt ihres Geldbeutels und von ihrem Kontostand, viel stärker vorhanden ist hab ich hier am Ende meines ersten Postings schon erwähnt und bedarf jetzt keiner weiteren Begründung.

    Meine These: Die Anhängerschaft Sarrazin ist eine politische Bewegung großer Teile der kleinbürgerlichen Klasse, deren mittlere Position sie ja schon immer zu sozialdarwinistischen Aktionen und Reaktionen – Ellenbogenstärke nach allen Seiten, buckeln nach oben und treten nach unten – zwingt, oder diese zumindest sehr wahrscheinlich macht. Sarrazin liefert dieser Klasse die passend aggressive Ideologie für eine Zeit mit ökonomischen Krisen und all den Schwierigkeiten und Konflikten der Globalisierung, die eben nicht, wie viele glaubten, nur ein Prozess der eigenen Ausweitung ist, z.B. kleinen Bauern in Kenia das Wasser wegnehmen, um damit Blumen zu züchten, die u.a. nach Deutschland geflogen werden, oder 9jährige Jungs in Südamerika billigst als Kaffeepflücker für sich arbeiten lassen, oder die indische Näherin fürs Ein-Euro-T-Shirt, oder den kleinen Fischern in Somalia und im Senegal die Fische wegfressen, oder durch Börsenspekulationen Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe treiben, usw. usw. Diese explosive Ausweitung unserer Tatkraft ist eben auch eine Implosion. D. h. die Nöte, Probleme und das Elend, z.B. der Flüchtlinge kommen eben
    auch zu uns zurück. In dieser Situation liefert Sarrazin die passende Ideologie und Feindbilder für den verunsicherten daher aggressiver werdenden Kleinbürger.

  10. Leo Brux sagt:

    Jürgen Kluzik,
    was Sie da über die Kleinbürger geschrieben haben, ist einer der besten Besucherbeiträge, den ich seit langem gelesen habe.
    Danke dafür!


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