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Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

Zypernkonflikt

Das Kuba des Mittelmeers

Seit fast vier Dekaden dauert nun die faktische Teilung der Republik Zypern an. Bislang scheiterten mehrere Anläufe zu einer Wiedervereinigung. Jetzt soll der Konflikt bis 2012 gelöst werden.

VONHakan Demir

 Das Kuba des Mittelmeers
Leitet das MiGAZIN-Auslandsressort und ist Magistrand der Politikwissenschaft an der Universität Trier. Facebook-Seite des Autors

DATUM11. Juli 2011

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RESSORTAktuell, Ausland

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In der vergangenen Woche traf UN-Generalsekretär Ban Ki-moon mit beiden Staatsoberhäuptern Zyperns Demetris Christofias und seinem türkisch-zypriotischen Amtskollegen Derviş Eroğlu zu Gesprächen in Genf zusammen. Dabei beteuerten beide Staatsoberhäupter, dass sie die Gespräche mit dem Ziel führten, in drei Monaten in allen Kernanliegen eine Annäherung zu finden.

Wiedervereinigung 2012?
Unterdessen sagten Eroğlu und der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu in einer gemeinsamen Presseerklärung vom Samstag, dass bis 2012 ein Referendum über die Wiedervereinigung der Insel abgehalten werden könne.

Mit diesem Datum versucht die Türkei, den nötigen Druck auf die EU auszuüben. Denn im Verhandlungsrahmen zwischen der EU und der Türkei von 2005 wurde das Jahr 2013 als Ende der Beitrittsverhandlungen festgelegt. Da diese jedoch mit offenem Ende geführt werden, sieht sich die Türkei nunmehr stärker gedrängt, Kompromisse einzugehen, damit sie am Ende nicht mit leeren Händen dasteht. Wenn dieses politische Kalkül der Türkei aufginge, wäre die EU durchaus gezwungen mehrere Verhandlungskapitel wieder freizugeben, die sie seit Dezember 2006 aufgrund der unzureichenden Zypernpolitik der Türkei suspendiert hat.

Kalter-Krieg und Zypernkonflikt
Ob der Zypernkonflikt so leicht zu lösen ist, scheint indes zu bezweifeln. Bereits mitten im Kalten Krieg und Jahre nach der Kubakrise (1962), als die Welt keinen Fußbreit entfernt vor einem Atomkrieg stand, griff die Türkei in den Zypernkonflikt ein und besetzte 1974 den Nordteil der Insel.

Wenngleich auch die Großmächte USA und UdSSR, der Türkei dringend davon abgeraten hatten, sah sie sich damals gezwungen, diesen Schritt zu riskieren. Denn nach mehreren ethnischen Auseinandersetzungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten, die sich über die 1960er Jahre hinzogen, wurde der Präsident des kleinen Inselstaates Makarios von der griechischen Militärjunta entmachtet.

Aus diesem Grund musste die Türkei die „Enosis“ fürchten – den Zusammenschluss zwischen Griechenland und Zypern. Da die Insel unweit vor der türkischen Küste liegt, würde sie einen idealen strategischen Punkt darstellen, von dem das anatolische Mutterland angegriffen werden könnte.

Nach der Besetzung scheiterten mehrere Anläufe für einen Friedensplan und die Aufteilung der Insel wurde sogar mit der Gründung der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) 1983 weiter verfestigt. Die TRNZ wird jedoch bislang von keinem anderen Staat anerkannt, außer von der Türkei selbst.

Die Rolle der EU
Die EU hatte den Konflikt um die Insel weitestgehend der UN überlassen, sie sah sich jedoch spätestens im Mai 2004, nachdem die Republik Zypern die EU-Mitgliedschaft erhielt, in einen Konflikt hineingezogen, der für sie im höchsten Maß beunruhigend ist. Denn nun war es amtlich; die Türkei besetzte völkerrechtswidrig Territorium eines EU-Mitglieds.

Im Vorfeld war im April desselben Jahres der vom damaligen UN-Generalsekretär vorgeschlagene Annan-Plan zur Wiedervereinigung der Insel am Votum der griechischen Zyprioten gescheitert. Diese lehnten den Plan in einem Referendum mehrheitlich ab, wohingegen die türkischen Zyprioten ihn befürworteten.

Seit ihrer EU-Mitgliedschaft blockiert die Republik Zypern darüber hinaus die Eröffnung von verschiedenen Verhandlungskapiteln. Im Gegenzug verhindert die Türkei den Beitritt der Republik Zypern in internationale Organisationen, wie beispielsweise in die Nato oder OECD. Quid pro quo, könnte man also meinen! Mit dieser Einstellung wird der Zypernkonflikt allerdings schwerlich zu lösen sein. Es bleibt abzuwarten, was innerhalb der nächsten drei Monate bewerkstelligt werden kann.

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31 Kommentare
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  1. Mehmet Petek sagt:

    Das Kuba des Mittelmeers?
    Hmmmm, warum diese Analogie mit Kuba?
    Sonne&Strand oder Politik&Guantanamo?
    Komme nicht dahinter, d.h. in beiden Fällen trift es für mich nicht zu.
    Bitte um kurze Erklärung?
    Danke

  2. Europa sagt:

    „Aus diesem Grund musste die Türkei die „Enosis“ fürchten – den Zusammenschluss zwischen Griechenland und Zypern. Da die Insel unweit vor der türkischen Küste liegt, würde sie einen idealen strategischen Punkt darstellen, von dem das anatolische Mutterland angegriffen werden könnte.“

    Aber worin liegt denn Heute noch die Berechtigung für die Türkei Nordzypern besetzt zu halten? Und wäre die Nähe eines türkisch besetzten Zypern nicht auch genau so gefährlich für Griechenland?
    Die Türkei will in die EU und hat noch nicht mal mit allen Mitgliedsstaaten auch nur annähernd die bestehenden Konflikte gelöst. Die Präsenz der Türkei auf Zypern hat keine Daseinsberechtigung mehr, ausser zur Provokation.

  3. Fikret sagt:

    Die meisten Türken fürchten die Übermacht der griechischen Zyprioten, wenn die jetzige Teilung nicht mehr existieren sollte. Dazu müssten sie gewisse poltische Veränderungen akzeptieren. In der Vergangenheit haben sie sich nicht besonders gut verhalten.

  4. Densus sagt:

    Für wie dumm hält ein Herr Erdogan die griechischen Zyprioten?
    Die müssten doch mit der Klammer gepudert sein, wenn sie sich unter türkische Herrschaft begäben. Was das hieße können sie jeden Tag im islamischen Teil Zyperns sehen, Unterdrückung, Enteignung, Vertreibung. Sie gäben die Prosperität eines EU-Landes auf, eine Besiedlung ihres eigenen Bodens durch islamische Anatolen, mit der Folge von Niedergang und Verarmung, wäre das Ziel eines Ahmet Dovatoglu.
    Es sind nicht alle so dumm, wie Deutsche und Österreicher.

  5. Leo Brux sagt:

    Densus,
    geben Sie es zu, Sie haben den Artikel nicht gelesen.

    Wo steht da was davon, dass ganz Zypern türkisch werden soll?
    Die türkische Minderheit ist bereit, sich mit der griechischen Mehrheit der Zyprer wieder zu vereinigen.
    Der Minderheitenschutz, die gleichberechtigte Teilhabe der Minderheit muss allerdings gewährleistet sein. Das scheinen die griechischen Zyprer nicht zu wollen.

    Das mit der Enosis und dem möglichen Angriff Griechenlands auf die Türkei halte ich allerdings auch für Unsinn.

  6. Kritiker sagt:

    Aus diesem Grund musste die Türkei die „Enosis“ fürchten – den Zusammenschluss zwischen Griechenland und Zypern. Da die Insel unweit vor der türkischen Küste liegt, würde sie einen idealen strategischen Punkt darstellen, von dem das anatolische Mutterland angegriffen werden könnte.

    Leo, das wir mal einer Meinung sind hat Seltenheitswert.
    Die Türken haben so getan als hätten die Griechen Atomsprengköpfe auf die Türkei gerichtet. Das wären dann wohl komischerweise amerikanische Atomsprengköpfe gewesen die auf amerikanische Atomsprengköpfe in der Türkei gerichtet gewesen wären.
    Nein, Scherz beiseite. Die Türken wollten bloß die paar türkischen Zyprioten im Mutterland nicht durchfüttern müssen, weswegen sie eine ca. 100 mal teurere Invasion anberaumt haben als es gekostet hätte den Flüchtigen eine neue Heimat zu bieten. Stattdessen ging es wieder mal um eine zweifelhafte Ehre und man hat so dazu beigetragen vor der Weltgemeinschaft bis heute als Buhmann da zu stehen. Als ob es nicht schon genug geteilte Länder gibt.

  7. Leo Brux sagt:

    Kritiker,
    so ganz sind wir da doch nicht einer Meinung.
    Seit der Absage der griechischen Zyprioten an den Annan-Vereinungsplan sind es nicht mehr die türkischen Zyprioten, ist es nicht mehr die Türkei, die der Vereinigung hauptsächlich im Wege steht.

    Seltsam finde ich auch, dass Sie den Versuch der griechischen Zyprioten bis 1974, die türkischen Zyprioten zu vertreiben oder sie zumindest zu Bürgern minderen Rechts zu machen, für akzeptabel zu halten scheinen.

  8. hannibal sagt:

    Der Annan-Plan sah und sieht vor, das sämtliche im Laufe der Jahre vom türkischen Staat auf Zypern angesiedelte Festlands-Türken dort verbleiben dürfen, und das „in Besitz genommene“ behalten dürfen, die vertriebenen griechischen Zyprioten aber nicht in ihre Gebiete zurückdürfen, und auch keinen Rechtsanspruch auf früheren Besitz haben.

    Die griechischen Zyprioten sind also absolut zu verstehen, das sie diesen Plan ablehnen.

    Desweiteren hat sich die Türkei noch nicht dazu erklärt, ob sie jemals die auf Nord-Zypern stationierten Truppen abziehen würde.

  9. Leo Brux sagt:

    Solange nicht sicher gestellt ist, dass die griechischen Zyprioten ihre Mehrheit nicht gegen die Minderheit ausspielen, ist das verständlich; ich nehme aber an, dass sich da eine andere als eine Lösung durch Anwesenheit von türkischen Militär finden lässt, mit der die Türkei am Ende schon auch einverstandenw wäre.

    Die Siedlungsverhältnisse sind allerdings nun mal so, wie sie sind. Dass sie so sind, wie sie sind, haben sich die Inselgriechen selber zuzuschreiben. Damit werden sie leben müssen. Bewegungsfreiheit und die Freiheit der Inselgriechen, sich dort ein Haus zu kaufen und sich auf diese Weise dort wieder anzusiedeln, das wäre ja wohl gewährleistet.

    Wenn die Inselgriechen unter diesen Voraussetzungen die Vereinigung verweigern, sollte die EU der Türkei daraus nicht mehr wie bisher einen diplomatischen Strick drehen. Man kann und braucht die griechischen Zyprioten nicht zur Vereinigung zu zwingen. Wenn sie nicht wollen, wollen sie eben nicht. Aber für die Beziehungen der Türkei und Nordzyperns zur EU sollte das dann kein Grund mehr zur Beeinträchtigung sein.

  10. Hannibal sagt:

    @ Leo Brux

    „Dass sie so sind, wie sie sind, haben sich die Inselgriechen selber zuzuschreiben.“

    Da hätte ich dann gerne eine genauere Erklärung von Ihnen, warum „nur“ die griechischen Zyprioten sich „das selber zuzuschreiben“ haben.
    Und ich erwarte eine gute, an historischen Ereignissen festgemachte Erklärung.


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