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TV-Tipps des Tages

10.07.2011 – Tunesien, Ägypten, Indianer, Integration, Migranten, Nahosten

TV-Tipps des Tages sind: Das Sonntagsgespräch: Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Bassam Tibi, Politikwissenschaftler und Nahostexperte; Imperium – Der letzte Kampf der Ritter; Heimatbilder; Die Anwälte

VONÜmit Küçük

DATUM10. Juli 2011

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Das Sonntagsgespräch
Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Bassam Tibi, Politikwissenschaftler und Nahostexperte.

Die Ereignisse in Nordafrika halten seit nunmehr einem halben Jahr die Welt in Atem. Eine gut vernetzte, junge und couragierte Bürgerbewegung hat den Diktatoren nicht nur der arabischen Länder das Fürchten gelehrt.

Beginnend in Tunesien und Ägypten sind in mehreren Ländern die Despoten von ihrem Posten vertrieben, in anderen führen sie ihren vermutlich letzten Feldzug gegen die eigene Bevölkerung. Doch eine wirkliche Besserung der Lage ist selbst in Tunesien und Ägypten noch nicht eingetreten. Was wird auf den Frühling in Nordafrika folgen, welche Strategie sollten die westlichen Länder hier verfolgen? Vor allem aber stellt sich die Frage, wie die aktuellen Aufbrüche das grundsätzliche Verhältnis zwischen der islamisch-arabischen und der westlichen Welt verändern werden. Darüber unterhält sich Meinhard Schmidt-Degenhard mit dem deutschen Politikwissenschaftler und gebürtigen Syrer Bassam Tibi. Tibi stammt aus einer muslimischen Familie in Damaskus. Seit den sechziger Jahren lebte und lehrte der international anerkannte Wissenschaftler in Deutschland, zunächst in Frankfurt am Main und schließlich in Göttingen, bis er im Oktober 2009 in den Ruhestand trat. Inzwischen hat Bassam Tibi diverse Lehraufträge an amerikanischen Universitäten inne. Durch seine internationalen Studien und politischen Kontakte gilt Bassam Tibi als exzellenter und renommierter Kenner der islamischen Welt. (10:50-11:20 • HR)

Imperium – Der letzte Kampf der Ritter
Dokumentation (Kultur – Geschichte allgemein) – Anfang des 8. Jahrhunderts sehen sich die Menschen des Abendlandes plötzlich von einer schrecklichen Gefahr bedroht: Schnelle Reiterheere aus dem Morgenland überrennen in kaum zwei Jahren ganz Spanien und das Grenzgebiet zum Frankenreich, die Pyrenäen. Es ist kein gewöhnlicher Feldzug, der die Verteidiger Westeuropas auf breiter Front in furchtbare Bedrängnis bringt. Es ist ein „Dschihad“, ein „Heiliger Feldzug“ moslemischer Araber, die als hochmotivierte Glaubenskämpfer den Islam mit Feuer und Schwert in die Welt tragen. Den flinken Blitzangriffen dieser berittenen Bogenschützen aus dem Süden sind die langsamen Fußtruppen des Frankenreichs in keiner Weise gewachsen. Die fränkischen Herrscher begreifen schnell den Ernst der Lage – und reagieren auf die lebensgefährliche Herausforderung mit einer genialen Erfindung: mit der Entwicklung einer neuen Waffengattung, den „Fränkischen Panzerreitern“. Deren Rüstung schützt wirkungsvoll gegen die tödlichen Pfeile der Angreifer, und auf ihren Pferden entdecken auch die Franken alle Möglichkeiten blitzschneller Kriegsführung.

Der militärische Geniestreich markiert die Geburtsstunde einer neuen Elite, durch die Europas Kultur über Jahrhunderte hinweg nachhaltig geprägt wurde, und deren legendärer „Way of life“ tatsächlich noch bis in die heutige Zeit ausstrahlt. Doch bevor aber die berittenen Kämpfer im 11. Jahrhundert zu Vorbildern vieler nachfolgender Generationen werden sollten, entpuppten sich die neuen Soldaten in Friedenszeiten erst einmal als Gefahr für das eigene Land: Brutal und einzelkämpferisch sind diese frühen Reiter – und zumeist durch Treueschwur an lokale Lehnsherrn gebunden, die sich in ihrer Machtgier und Streitlust kaum von der schwächelnden Zentralmacht des Kaisers einschränken lassen. Sobald die außenpolitische Gefahr gemeistert ist, werden die frühen Ritter zur marodierenden Bedrohung für die eigene Bevölkerung und zum Auslöser manch blutiger Fehde unter Dutzenden von konkurrierenden Adelsgeschlechtern. Zeitgenössische Berichte beklagen die völlige Verwilderung der fränkischen Haudegen im 10.ºJahrhundert: Non militia, sed malitia – Nicht Soldaten sind sie, sondern eine Seuche.

In dieser Situation geschieht das geradezu Unfassbare: Aus brutalen Kriegern werden plötzlich edelmütige Kulturträger und selbstlose Streiter für Gerechtigkeit und Glauben. Diese überraschende Wendung ist vor allem auf den massiven Einfluss der christlichen Mönche und anderer Kleriker zurückzuführen, besonders aber auch auf den Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II., der den hochgerüsteten Kämpfern im Jahr 1095 ein gemeinsames Ziel vorgibt und ihre schwärmerische Einsatzfreude kirchenpolitisch kanalisiert. Aus dem Kampf gegen die Ungläubigen und die Befreiung des christlichen Jerusalems entsteht eine einzigartige Ritter Kultur, in der wilde Kampfbereitschaft, christlicher Glaube und edle Verhaltensnormen eine faszinierende Verbindung eingehen. Kämpferischer Mut, Tapferkeit und aufopfernde Treue zählen ebenso viel wie Weltgewandtheit, Bildung, Sinn für Poesie und Musik – und nicht zuletzt die keusche, aber umso hingebungsvollere Frauenverehrung, die so genannte „Hohe Minne“.

Als kosmopolite Kreuzfahrer entwickeln die einstigen Retter des christlichen Abendlandes in der Begegnung mit der orientalischen Kultur einen neuen Lebensstil, einen ganz besonderen ritterlichen Kodex. Sie verpflichten sich zum karitativen Dienst an den Armen und Schwachen, pflegen ausgiebig Dichtkunst und Liebeslyrik, predigen Großmut und Großzügigkeit, und organisieren sich bald in Kleinstaaten, die sie nach Vorbild der Mönche „Orden“ nennen. In Jerusalem und Akkon, auf Malta und Rhodos, aber auch im hohen Nordosten Europas entstehen regelrechte Ritter-Reiche. Von hier aus erfährt das Abendland über fast zwei Jahrhunderte eine tiefgreifende, bis in die Gegenwart nachschwingende Prägung. Wie aber konnte es geschehen, dass diese militärisch machtvolle Kultur- Elite plötzlich im 15. Jahrhundert so dramatisch an Bedeutung verlor? Dass ihr Niedergang so radikal und vollständig erfolgte, dass sie am Ende des Mittelalters nur noch für Spott-Geschichten taugte, wie etwa im berühmten Don Quichote Roman? Dass aus stolzen Vorbildern plötzlich Ritter von der traurigen Gestalt wurden?

Maximilian Schell öffnet das Tor zur faszinierenden Welt der Ritter. Er löst Rätsel und Geheimnisse, die sich bis heute um die legendären Rittergestalten ranken. Unterstützt von Reenactments und spannenden wissenschaftlichen Untersuchungen erzählt er die beeindruckende Geschichte vom Aufstieg und Fall des Rittertums. Experimentelle Archäologie enthüllt die spezielle Kampftechnik und den technologischen Erfindungsreichtum mittelalterlicher Kriegsstrategien. CGI’s veranschaulichen die ausgefeilten Taktiken der großen Ritterschlachten. Uralte Notenschriften verraten die Wahrheit über die unwiderstehliche Wirkung des Minnesangs. Neueste Einblicke in die Medizinstuben mittelalterlicher Turnierärzte fördern verblüffende Erkenntnisse zutage und offenbaren uns die medizinischen Kenntnisse einer Kultur, die durch die Übernahme orientalischen Wissens einen gewaltigen Sprung nach vorne machte. Warum dieses glänzende Reich der Ritter aber bereits Ende des 15. Jahrhunderts einen beispiellosen Niedergang erfuhr und bald zu einer romantischen Erinnerung verblasste, erklärt Maximilian Schell schlüssig mithilfe modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Zwei weitere neue Terra X-Folgen werden sonntags, 19.30 Uhr, gesendet: Thema am 17. Juli 2011 ist „Imperium – Das Gold der Piraten“, am 24. Juli „Imperium – Der Kriegsruf der Indianer“. (19:30-20:15 • ZDF)

Heimatbilder
Aus Bayreuth mit Dr. Urbain N’Dakon – Deutschland ist ein tolles Land, um sich selbst zu finden, wenn man woanders herkommt“, so Urbain N’Dakon, der seit 1993 in Bayreuth lebt und als wissenschaftlicher Angestellter an der dortigen Universität tätig ist.

Der Mann von der Elfenbeinküste, der sich im internationalen Promotionsprogramm „Kulturbegegnungen“ engagiert, hat erst in der Fremde seine Liebe zur afrikanischen Musik entdeckt. Moderatorin Fatima Geza Abdollahyan macht sich auf den Weg, um sich mit dem sympathischen Ivorer über Klischees und Vorurteile gegenüber Afrikanern zu unterhalten.

Mittlerweile hat jeder fünfte Deutsche einen Migrationshintergrund. Die Reihe Heimatbilder porträtiert einige dieser Menschen, die aus aller Welt und aus den unterschiedlichsten Gründen nach Bayern gekommen sind, dort leben und heimisch geworden sind und mittlerweile einen deutschen Pass besitzen.

Die Moderatoren Fatima Geza Abdollahyan und Karnik Gregorian, beide ebenfalls mit Migrationshintergrund, treffen in 26 Folgen auf Menschen mit spannenden, anrührenden, aufmunternden und Mut machenden Geschichten zum Thema „geglückte Integration“. (20:00-20:15 • BR-alpha)

Die Anwälte
In der vierten Folge müssen die Anwälte sich unter anderem mit einem Sorgerechtsfall beschäftigen. Marita Blum kämpft für Hausmeisterin Anna Woitecki, die das Sorgerecht für ihre Tochter Julie wiederbekommen will.

Anna wird vom Jugendamt vorgeworfen, schlichtweg zu dumm zu sein, um ihre Tochter erziehen zu können. Marita Blum ist hin- und hergerissen: Einerseits sieht sie, wie sehr Julie ihre Mutter liebt – andererseits muss sie sich nach und nach eingestehen, dass Anna wirklich zu naiv mit ihren Problemen umgeht. Wäre Julie bei Pflegeeltern besser aufgehoben? Marita ist unsicher und setzt schließlich auf ihr Gefühl.

Der alte Studienfreund Otto Albitz bittet Lothar Franzen um Amtshilfe: Albitz will, dass Dilek Genc den Fall von Peter Keller übernimmt, der den Deutschtürken Sinan Öner zusammengeschlagen hat. Angeblich sei Peter jedoch kein Neonazi. Aber Genc muss feststellen, dass Peter ein Skinhead und in seinen Ansichten durchaus „rechts“ ist. Sie versucht dennoch, auch aus Gründen professioneller Neutralität, Peter vor dem Gefängnis zu retten. Als Franzen jedoch herausfindet, dass sein Schulfreund Albitz in der rechten Szene aktiv ist und ihn hintergangen hat, bietet er Dilek Genc an, den Fall abzugeben. Aber Genc hat mittlerweile herausgefunden, dass das Motiv für die Tat nicht Fremdenhass ist, sondern Eifersucht: Peters Exfreundin Karla ist jetzt mit Sinan zusammen.

Sebastian Britten soll die Verträge für den Verkauf eines Computerspiels aufsetzen. Dabei stellt er fest, dass sein Gegenüber, das Programmierer-Genie Ahmet, gerade mal 14 Jahre jung ist und damit nicht geschäftsfähig. (22:00-22:45 • RBB Berlin, RBB Brandenburg)

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