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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Die Nominierungen

Wählen Sie den Integrator und Integrationsverweigerer des Monats Juni 2011!

Für den Integrationsverweigerer des Monats Juni 2011 sind nominiert: Angela Merkel, Österreichs Expertenrat für Integrationsfragen und Hans-Peter Friedrich. Die Nominierungen für den Integrator lauten: Feriensprachkurse, Schwarz-Gelb und DOMID.

VONMarcello Buzzanca

 Wählen Sie den Integrator und Integrationsverweigerer des Monats Juni 2011!
Marcello Buzzanca, geb. 1972 in Frankfurt/Main. Studium der Romanistik, Amerikanistik und Germanistik in Frankfurt und Málaga. U.a. tätig als Autor, Texter, Redakteur, Übersetzer, Blogger und Kolumnist bei MiGAZIN. 2001 Gewann er den Studentenwettbewerb des Bundesinnenministerium zum Thema: Angekom- men! Aufgenommen? mit dem Essay: „Periodischer Patriotismus: Beobach- tungen einer geteilten Seele“

DATUM5. Juli 2011

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Die Nominierungen für den Integrator

Rheinland-Pfalz: kostenlose Feriensprachkurse
Der Sommer naht und damit auch die Ferien. Normalerweise befinden sich Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu dieser Zeit fern von Deutschland und meistens im Land Ihrer Väter und/oder Mütter. Integrationsministerin Irene Alt und die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ahnen wohl schon, worauf das hinausläuft. Sind nämlich die Deutschkenntnisse sowieso schon schwach ausgeprägt, finden Lehrerinnen und Lehrer nach den Sommerferien oftmals noch schlechtere Sprachkenntnisse vor. Um den Daheimgebliebenen oder noch nicht in die Ferien gefahrenen Kindern und Jugendlichen ein Stück Deutsch mit in den Koffer bzw. Schulranzen zu packen, hat die rheinland-pfälzische Landeregierung ihre Feriensprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund weiter ausgebaut und insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung gestellt, um ihnen kostenlose, zweiwöchige Kurse in kleinen Gruppen mit max. 8 Teilnehmern anzubieten. Dabei bieten die Volkshochschulen als Kooperationspartner, des Rheinland-Pfalz-Integrationskonzeptes „Verschiedene Kulturen – Leben gemeinsam gestalten“ je 40 Unterrichtsstunden für zweiwöchige, landesweite Sprachkurse an, wobei der Fokus auf der Stärkung der mündlichen Kompetenz liegt. Will heißen: Damit die Kinder und Jugendlichen nach dem Kurs und vor den verdienten Ferien fehlerfrei sagen können: Ich bin dann mal weg!

Schwarz-Gelb: Konzept zum Fachkräftemangel
Vorrang auf für die Prüfung der Nicht-mehr-Prüfung. Ja, Sie haben richtig gelesen! Wer sich künftig ewig binden will, wird zwar immer noch auf Herz, Nieren und Netto geprüft. Muss sich als Nicht-EU-Ausländer aber zumindest nicht mehr zweitrangig vorkommen. Denn: Die Bundesregierung schafft die so genannte Vorrangprüfung ab, vorerst aber nur für Elektroingenieure, Ärzte, Maschinen- und Fahrzeugbauer. Damit fällt wenigstens für diese notleidenden Branchen der Strafzoll für ausländische Bewerber auf einen Arbeitsplatz in Deutschland weg. Künftig müssen Arbeitgeber also nicht mehr nachweisen, dass es keinen anderen geeigneten Bewerber aus einem EU-Land gibt. Auch wenn weitere Erleichterungen hinsichtlich des Zuzugs und Verbleibs von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland, also die Senkung der Verdienstgrenze von derzeit 66.000 Euro auf 40.000 Euro und die Aufhebung der Nebenverdienstbeschränkung für Studierende- bisher am Widerstand vor allem der CSU scheiterte, scheinen die Beschränkungen (auch in den Köpfen) zugunsten eines akuten Fachkräftemangels in allen Branchen langsam zu fallen.

DOMID – Dokumentationszentrum und Museum über Migration in Deutschland
Politisch unabhängig, weltanschaulich neutral und dennoch meinungsbildend und beeindruckend vielfältig ist das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. Dabei sind die Exponate und Ausstellungen fernab jeglichen musealen Charakters im Sinne eines einfachen Platzierens und Verwahrens. Nein, das DOMID bietet Migrationsgeschichte zum Anfassen, Erleben und Nachfühlen. Sei es die Website „Route der Migration“ oder aber auch die Fotoausstellung „Geteilte Erinnerungen“ mit Schwarz-Weiß-Fotografien der Arbeits- und Lebenswelt ehemaliger „Gastarbeiter“ in Deutschland aus deren eigener Perspektive: Jedes Projekt stellt die Geschichte der Migranten als Menschen in den Vordergrund und spiegelt damit auch die Lebenswege und Kreuzungen der Deutschen auf ihrem gemeinsamen Weg mit den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern wider. In diesem Sinne hoffen wir, dass auch die Nominierung zum Integrator des Monats ebenso lebendig positioniert wird.

Wer ist Ihr Integrator des Monats Jnui 2011?
    DOMID (48%)
    Feriensprachkurse (43%)
    Aussetzung der Vorrangprüfung (10%)
     
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    Die Nominierungen für den Integrationsverweigerer

    Angela Merkel und Integration als Maßnahme innerer Sicherheit
    Video Killed the Radio Star ist ein Relikt aus jener Zeit, in der man noch davon überzeugt war, dass Medien Kannibalen sind und sich gegenseitig überflüssig machen. Allen voran ist es jedoch ein Popsong der Gruppe The Buggles. Und vielleicht wirbt das Lied ja auch für Integration im Sinne, dass das Format Video Radio Stars in sich aufnahm und neue Perspektiven gab. In jedem Fall haben Videobotschaften immer etwas Bedrohliches. Ein bisschen von „Neues von al-Qaida“ exklusiv für und von Al-Dschasira aufgenommen und in die Welt. Natürlich kam Bundeskanzlerin Angela Merkel ohne Angelusgebet, wiederholte bei ihrer Videobotschaft anlässlich ihrer virtuellen Teilnahme an der Innenministerkonferenz in Frankfurt dennoch unermüdlich, dass Integrationspolitik immer bedeute, die innere Sicherheit angesichts der besonders hohen Anzahl an Straftaten jugendlicher Migranten zu bewahren. Will heißen: Junge Schläger mit Migrationshintergrund gehören hinter Gittern, in ein Boot- oder Box-Camp oder einfach nicht nach Deutschland. Auch wir sind der Meinung, dass Gewalttäter bestraft werden und Gäste sich benehmen müssen. Doch die Gewaltprävention und Arten der Bestrafung jugendlicher Straftäter mit Migrationshintergrund in den Fokus der Integrationspolitik zu stellen, ist schlichtweg falsch.

    Österreichs Expertenrats für Integrationsfragen: Strafen für Schulverweigerer
    Keine Schule sollte das Vorgehen des Expertenrats für Integrationsfragen Österreichs machen. Dieser wird in seinem in dieser Woche veröffentlichten Integrationsbericht auch Zahlen von Schulpflichtverletzungen und entsprechende Maßnahmen vorlegen, welche vor allem gegen die Eltern notorischer Schulschwänzer ergriffen werden sollen. Das Problem an der Sache: Zahlen wurden im Vorfeld nicht veröffentlicht, dafür jedoch Dunkelziffern, die in erster Linie Jugendliche mit Migrationshintergrund auf die letzten Bänke verwies. Hypothetisch, versteht sich. Denn wie viel von den 1130 Schulpflichtverletzungen auf das „Konto“ der jugendlichen Migrantenkinder gingen, ist zwar ungewiss, doch laut Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz und seinem Ressort sonnenklar: Auf jeden Fall zu viele.

    Hans-Peter Friedrich und der Präventionsgipfel
    Böse Zungen sagen, dass der von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in Berlin veranstaltete „Präventionsgipfel“ so etwas wie ein Verhüterli sei, der jetzt aufgezogen werde müsse, weil man im Vorfeld die Integrationsarbeit schlichtweg vergessen und vernachlässigt habe. Die als die Auftaktveranstaltung der Initiative Sicherheitspartnerschaft „Gemeinsam gegen Extremismus – Gemeinsam für Sicherheit“ gedachte Veranstaltung könnte man aber auch als Pille danach sehen, da jetzt krampfhaft versucht wird, in Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden, der Polizei und dem Verfassungsschutz möglichen Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen so früh wie möglich aufzudecken, wo es teilweise eigentlich schon zu spät ist. Nicht dafür, Jugendliche und junge Erwachsene durch eine Politik der Partizipation aller Anspruchsgruppen Alternativen zur Radikalisierung vorzuschlagen und entsprechende Präventionsmaßnahmen zu konzipieren und gemeinsam umzusetzen. Nein, zu spät ist es eher was die Chance angeht, Migration und Islam nicht pauschal mit Radikalismus und Terrorismus gleichzusetzen und damit gleichzeitig auch die Möglichkeit wahrnehmen Radikalisierungstendenzen durch wirkliche Prävention, d.h. durch eine Änderung der Wahrnehmung vieler Muslime in Deutschland entgegenzuwirken, sie seien als Moslem in Deutschland unerwünscht.

    Wer ist Ihr Integrationsverweigerer des Monats Juni 2011?
      Hans-Peter Friedrich (47%)
      Angela Merkel (40%)
      Österreichs Expertenrat (14%)
       
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      5 Kommentare
      Diskutieren Sie mit!»

      1. DBB sagt:

        Friedrich Tage nachdem er einen großen Schritt auf die Muslime zugegangen ist zum Integrationsverweigerer zu nominieren ist dämlich.

      2. sandmann sagt:

        @dbb

        nein, ist es nicht – es vielmehr typisch.

      3. Europa sagt:

        Da kann ich mich DBB nur anschliessen. Es gab in letzter Zeit nichts, was das Migazin dazu bewegen könnte Herrn Friedrich als Integrationsverweigerer darzustellen. Aber die muslimische Seele scheint immer noch ein bisschen beleidigt zu sein. Das zeigt einmal mehr wie wieviel Interesse es bei den Muslimen für Integration gibt. Man muss nur ganz am Anfang den Minister als Persona non grata deklarieren und kann die Schuld für seine eigene Unfähigkeit sich zu integrieren dem „integrationsverweigerndem“ Innenminister zuschreiben.

        Ich hoffe die Parallelen zur Immanuel Kants Aufklärung fallen nicht nur mir auf.
        Die Muslime machen sich zu Unmündigen, wollen aber nicht wie solche behandelt werden. Wie soll man denn noch mit solchen Leuten umgehen?

      4. Europa sagt:

        Das gleiche gilt auch für Angela Merkel! Es hätte 1000 besser Beispiele gegeben, aber das Migazin scheint wohl eher sowas wie Hetze gegen die Regierung betreiben zu wollen.

        Wems gefällt…!?

      5. André sagt:

        2 CDU/CSUler in der Gruppe der Integrationsverweigerer ist wirklich etwas zu viel des „Guten“ – tut der Objektivität des MiGAZINs nicht gut.

        Ganz subjektive Meinung…



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