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TV-Tipps des Tages

03.07.2011 – Shirin Ebadi, Milosevic, Jugoslawien, Internet, Integrationsunwillige, Islam

TV-Tipps des Tages sind: Shirin Ebadi – Mein Leben: Dokumentation – Über ein Jahr lebt die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nun schon im Exil; Das letzte Gericht: Staatspräsident Slobodan Milosevic; My Big Fat Greek Wedding: Romantische Komödie, Romanze; Angriff aus dem Internet: Wie Online-Täter uns bedrohen

VONÜmit Küçük

DATUM3. Juli 2011

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Shirin Ebadi – Mein Leben
Dokumentation – Über ein Jahr lebt die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nun schon im Exil. Die Dokumentation zeigt ihr Leben und porträtiert eine engagierte Kämpferin für Menschenrechte.

„Fünf Menschen wurden hingerichtet, und 18 weitere haben bereits ihre Todesurteile erhalten. Ich habe eine Frage: Die Todesstrafe ist in allen europäischen Staaten verboten. Warum sind Europa und die EU indifferent gegenüber diesen politisch motivierten Hinrichtungen im Iran?“ Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nimmt kein Blatt vor den Mund.

Überall, wo sie auftritt, kämpft sie für die Freiheit ihrer Landsleute. Im Mai hat sie den Internationalen Demokratiepreis in Bonn erhalten – eine weitere Chance, auf das Los der Menschen im Iran aufmerksam zu machen. Kamerateams und Journalisten reißen sich um die wortgewandte, sachlich argumentierende Anwältin.

Zwischen all den Interviews findet Shirin Ebadi noch Zeit, ihre Freundin Parastou Forouhar zu treffen. Die Eltern der in Deutschland lebenden Künstlerin, prominente Regimekritiker, fielen Ende der 90er Jahre den brutalen „Kettenmorden“ des iranischen Geheimdienstes zum Opfer. Die beiden Frauen erinnern sich, wie sie nach langen Kämpfen endlich Einsicht in die Akten erhielten – und die Todesliste fanden. Dort stand: „Die nächste ist Shirin Ebadi“.

Bis heute lässt sich Shirin Ebadi auch von solchen Drohungen nicht einschüchtern. Die Dokumentation von Ilona Kalmbach und Sabine Jainski begleitet die energische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin auf ihrer rastlosen Reise rund um die Welt. Über ein Jahr lebt sie jetzt schon im Exil, seit den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl im Juni 2009. In London, wo ihre jüngste Tochter gerade ihren Doktor macht, erzählt Shirin Ebadi ihre Geschichte.

Geboren 1947 in einer Mittelschichtsfamilie, wird das begabte Mädchen von ihren Eltern früh gefördert. Shirin Ebadi studiert Jura und absolviert in kürzester Zeit eine glänzende Karriere. Sie wird die jüngste Gerichtspräsidentin im Iran. Ihr Wunschtraum: Justizministerin zu werden. Doch dann kommt die Islamische Revolution – und das Berufsverbot für Richterinnen. Das Leben einer Frau ist fortan nur noch halb so viel wert wie das Leben eines Mannes. Shirin Ebadi erinnert sich, wie sie das neue Gesetz las: „Ich dachte, das kann doch nicht sein, das habe ich falsch verstanden. Aber dann habe ich mich so aufgeregt, dass ich Migräne bekam, und ab diesem Zeitpunkt hat mein Interesse für Frauenrechte begonnen.“

Mitten in Krieg und Revolution bekommt Shirin Ebadi zwei Töchter. Bis heute versteht sie sich zuallererst als Mutter: „Die Menschenrechtsarbeit beginnt in der Familie.“ Sie gründet einen Verein zum Schutz der Kinder und beginnt ihre inoffizielle Arbeit für die Rechte von Frauen und Kindern. Ihre Töchter sind dabei ihr größter Ansporn: „Wenn meine Töchter mich später fragen, was ich für ihre Belange als Frauen gemacht habe, muss ich eine gute Antwort parat haben!“

Für ihren Einsatz erhält sie den Friedensnobelpreis, den Shirin Ebadi als erste Muslimin und Iranerin im Dezember 2003 entgegennimmt.

Ihr langjähriger Freund, der Anwalt Karim Lahiji, Vizepräsident der Internationalen Menschenrechtsliga in Paris, erinnert sich an den Tag, als die Neuigkeit eintrifft: Shirin Ebadi ist gerade zu Besuch bei ihm und hält den Anruf für einen Scherz. Wenig später gibt sie eine riesige Pressekonferenz, und bei ihrer Rückkehr in den Iran wird sie von Hunderttausenden frenetisch gefeiert. Vor allem Frauen, mit weißen statt der üblichen schwarzen Kopftücher, tragen Schilder wie „Das ist der Iran!“ oder „Vereint für Frieden und Menschenrechte“, und Khomeinis Enkelin legt ihr Blumen um den Hals. Auch wenn dieser Tag heute in weiter Ferne zu liegen scheint – Shirin Ebadi gibt noch lange nicht auf: „Die Tränen, die aus meinen Augen fließen sollten, kommen als Worte aus meinem Mund.“ (10:45-11:15 • PHOENIX)

Slobodan Milosevic
Das letzte Gericht – Staatspräsident Slobodan Milosevic wurde am 27. Mai 1999 vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, International Tribunal for the former Yugoslavia, (ICTY) in Den Haag angeklagt.

Am 3. Juli 2001 fand die erste Anhörung vor dem Tribunal statt, bei der Slobodan Milosevic das Gericht als „illegal“ bezeichnete. Seit Prozessbeginn übernahm Milosevic die Verteidigung in eigener Sache. Der Dokumentarfilm zeigt den Prozess von der Verlesung der Anklage bis zu den Schlussplädoyers. Das Filmteam war weltweit das einzige, das Zugang zu den Hauptbeteiligten hatte und dem der exklusive Blick auf das historische Ereignis gestattet wurde.

Mit der Verlesung der Anklageschrift am 12. Februar 2002 wurde der Prozess eröffnet. In der Anklageschrift wird von einer „kriminellen Vereinigung“ gesprochen und Slobodan Milosevic angeklagt, an der Planung, Anordnung, Durchführung und Unterstützung von Verbrechen an nationalen, religiösen oder ethnischen Gruppen beteiligt gewesen zu sein. Insgesamt 66 Klagepunkte werden ihm in drei Anklageschriften vorgeworfen: Anklagepunkte im Kroatienkrieg (1991 – 1995), Bosnienkrieg (1992 – 1995) und Kosovokrieg (1998 – 1999). Slobodan Milosevic wird angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord und wegen der Massaker von Vukovar und Srebrenica. Allen drei Anklagepunkten zufolge sei Milosevic auch verantwortlich für Massenvertreibungen, Deportationen, Folter, Plünderungen und Morde an Zivilisten.

Die Anklage beendete den „Fall Slobodan Milosevic“ am 25. Februar 2004, nach 280 Gerichtstagen. Prozessbeobachter hatten schon viel früher mit einer Beendigung gerechnet. Bedingt aber durch Milosevics Krankheitszustand, gab es nur ein zähes Vorankommen im Prozess.

Im Sommer 2004 legte Slobodan Milosevic eine Liste vor: Mehr als 1.600 Zeugen sollten vorgeladen und angehört werden. Die Verteidigungsphase verzögerte sich ebenfalls wegen Milosevics Krankheit. Medizinischen Berichten zur Folge hatte sich sein gesundheitlicher Zustand lebensbedrohlich verschlechtert. Auf Anraten seiner Ärzte hatten die Richter den Prozess mehr als ein Dutzend Mal unterbrochen.

Im Eröffnungsplädoyer seiner Verteidigung führte Slobodan Milosevic aus, dass die Geschichte des Balkankonfliktes auf verdrehte Weise dargestellt worden sei, um die wahrhaft Schuldigen zu schützen. Einer der „Hauptschuldigen“ an der Zerstörung des früheren Jugoslawien, fügte er hinzu, sei Hans-Dietrich Genscher – deutscher Außenminister von 1974 bis 1992.

Er drohte auch einige westliche Führer als Zeugen vorladen zu lassen, etwa den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, den britischen Ex-Premierminister Tony Blair und die Chefs verschiedener Geheimdienste. Außerdem verlangte er die Freigabe von Geheimdienstdokumenten verschiedener westlicher Länder.

Am 9. September 2004 begann die Zeugenbefragung durch die Verteidigung. Milosevic wurde das Recht auf die bis dahin praktizierte Verteidigung in eigener Sache aberkannt. Die Anklage drängte von Beginn des Prozesses an, Milosevics Recht auf Verteidigung einzuschränken und ihm einen Pflichtverteidiger aufzuzwingen. Das Gericht gab dieser Forderung nach und kündigte eine „radikale Neubewertung des Verfahrens“ an, die zur Ernennung von zwei Pflichtverteidigern führte. (14:00-15:55 • PHOENIX)

My Big Fat Greek Wedding
Romantische Komödie, Romanze – Überraschungserfolg aus den USA, in dem die Griechin Nia Vardalos die Integrationsunwilligkeit ihrer griechischen Landsleute in einer Komödie verarbeitet. Die Hauptfigur verliebt sich in einen Nicht-Griechen, was einige familieninternen Schwierigkeiten verursacht. Der Erfolg des Films führte zu einer TV-Serie, die allerdings kurz darauf wieder eingestellt wurde. (15:35-17:15 • Sat.1)

Angriff aus dem Internet
Wie Online-Täter uns bedrohen – Die Reportage wirft ein Licht auf die Risiken einer vernetzten Welt. In Deutschland und Amerika trifft ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer Opfer, die online ausspioniert wurden und ihr Vermögen verloren.

Er ist unterwegs mit Fahndern von BKA und FBI, die verdeckt in Cybergangs ermitteln, deren Hacker binnen Stunden Banken um Millionen prellen. Bundesinnenminister de Maizière und BKA-Chef Ziercke sprechen offen über nationale Bedrohungsszenarien. Und der frühere US-Sicherheitsberater Clarke schildert, wie Moskau den Georgienkrieg von Cybergangs flankieren ließ – und wie verwundbar der Westen im Zeitalter neuartiger Computerviren ist.

Mit einer vermeintlich harmlosen E-Mail schlich sich der Hacker ein. Nicoletta, 16, und Vivienne, 17, öffneten sie arglos. Als Absender erschien ein Mitschüler der gleichen Jahrgangsstufe. „Schau mal auf das Foto“, verwies er auf den Anhang. Das Foto gab es gar nicht. Was die Schülerinnen stattdessen auf den Laptop luden, war ein Virus, mit dessen Hilfe ein Unbekannter Hunderte privater Webcams fernsteuerte. Ermittler sicherten bei ihm später unzählige Bildsequenzen, darunter viele, auf denen die Opfer sich gerade an- oder auskleideten. Der Staatsanwaltschaft in Aachen war ein solcher Fall ebenso neu wie ihren US-Kollegen in Philadelphia: Dort warfen Eltern zeitgleich einer Highschool vor, sie überwache per Laptop-Webcam ihre Kinder – und das sogar noch, wenn sie zu Hause schliefen.

Die Reportage von Klaus Scherer beginnt recht lebensnah, um ein Licht auf neue, alltägliche Risiken einer vernetzten Welt zu werfen. Er besucht US-Bürger, die von Hackern erst ihrer kompletten Identität und dann ihres Vermögens beraubt wurden. Er trifft FBI-Agenten, die jahrelang verdeckt in Cyber-Gangs ermittelten. Diese verschieben gefälschte Kreditkarten zu Spottpreisen und dabei binnen Stunden Banken um Millionen prellen. Er reist mit dem Spezialermittler des Bundeskriminalamts (BKA) nach Pittsburgh, wo sich Fahnder, Forscher und Privatwirtschaft wechselseitig über neueste Attacken informieren – auf Banken und Finanzwelt, Handels- und Telekommunikations-Konzerne oder die Pharmabranche.

BKA-Chef Jörg Ziercke schildert Scherer neuartige Spionagefälle. Der Bundesinnenminister bestätigt ihm, dass Banken für die Sicherheit von Online-Kunden „mehr tun“ müssten. Und in Washington erklärt ihm der frühere Nationale Sicherheitsberater Richard Clarke, wie Russlands Einmarsch in Georgien von Cyber-Gangs flankiert wurde. „Was Cyber-Kriegsführung angeht“, sagt er in Scherers Film, „ist Amerika dennoch am weitesten.“ Schon vor dem Afghanistan-Krieg habe er selbst Hacker-Angriffe in Auftrag gegeben. Seine Spezialeinheit habe damals aber noch zurückgemeldet, „dass es dort noch nichts gibt, was man mit Cyberwaffen attackieren kann.“ (23:30 • 00:15 PHOENIX)

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