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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Präventionsgipfel

Friedrich trifft sich mit Muslimen beim Stammtischgipfel

Innenminister Friedrich lud Muslime zum Präventionsgipfel und rief erneut eine Welle der Empörung aus. Die Opposition kritisiert, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt werden und der Islam auf Sicherheitsaspekte reduziert wird.

Seit Freitag darf auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich einen Gipfel sein Eigen nennen – den Präventionsgipfel. Dieser soll die Auftaktveranstaltung der Initiative Sicherheitspartnerschaft „Gemeinsam gegen Extremismus – Gemeinsam für Sicherheit“, sein.

Anlass der Initiative seien die Fälle von islamistischer Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Konkretes Beispiel sei das Attentat vom 2. März am Frankfurter Flughafen, bei dem zwei Menschen getötet und zwei schwer verletzt wurden. „Mein persönliches Ziel ist es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel unserer Zusammenarbeit zur Prävention von Gewalt und Extremismus aufschlagen. Dieses neue Kapitel beginnt heute mit einem Dialog auf Augenhöhe“, sagte Friedrich zu Beginn des Treffens.

Monolog auf Augenhöhe
Auf einen Dialog auf Augenhöhe dürften auch die muslimischen Teilnehmer gehofft haben. Davon war man aber weit entfernt. Die Themen setzte Friedrich: Präventionsarbeit in den Moscheegemeinden, islamistischer Extremismus, häusliche Gewalt, Geschlechtergerechtigkeit, Antisemitismus.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Friedrich, dass die terroristische Gefahr heute nicht nur von islamistischen Organisationen ausgehe. Vielmehr stelle der Einzeltäter, der Anschläge autonom und „in der Stille“ vorbereite, eine große Gefahr dar. Wie Muslime Täter, die sich „autonom“ und „in der Stille“ vorbereiten, erkennen sollen, ließ der Innenminister offen. Dennoch seien die Sicherheitsbehörden auf die Unterstützung der muslimischen Mitbürger angewiesen.

Generalverdacht
Und so durften Vertreter verschiedener muslimischer Verbände, die immer häufiger Gast beim Innenministerium sind, Platz nehmen. Mit dabei war unter anderem die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ) oder die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD). Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), der zuvor die Idee von einem Präventionsgipfel mit am schärfsten kritisiert und seine Nichtteilnahme angekündigt hatte, war zur Stelle.

Zwar betonte Friedrich ausdrücklich, dass die Sicherheitspartnerschaft keinen Generalverdacht gegenüber der muslimischen Bevölkerung darstelle: „Einem solchen Generalverdacht treten wir heute gemeinsam und entschieden entgegen: Die Mehrzahl der Muslime lebt friedlich und rechtsschaffend in unserem Land“, so Friedrich. Man trete „heute gemeinsam den Menschen entgegen, die die Religion für ihre extremistischen Ziele missbrauchen wollen.“

Sippenhaft
Mit dieser Einschätzung konnte Friedrich aber selbst beim Koalitionspartner nicht punkten. Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, warf Friedrich „Sippenhaft“ vor. „Friedrich suggeriert, dass in jeder Moschee potenziell Radikale angeworben werden.“

Für den innenpolitischen Sprecher der SPD, Dieter Wiefelspütz, ist die Veranstaltung sogar „ein Schlag ins Gesicht von Millionen Muslimen“. Es gebe auch kriminelle Christen, aber deshalb würde niemand auf die Idee kommen, eine Sicherheitspartnerschaft mit den Kirchen ins Leben zu rufen, so der SPD-Politiker. „Wenn ich Muslim wäre, wäre ich sehr verletzt.“

Islam auf Sicherheitsaspekte reduziert
Ähnlich sieht es auch Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linkspartei. „Das Verhältnis der Bundesrepublik zum Islam und seinen Strömungen wird weiter auf Sicherheitsaspekte reduziert“ erklärte Jelpke und fügte hinzu: „Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bleibt mit diesem Gipfel bei seiner Linie, den Islam und seine theologischen Strömungen als sicherheitspolitisches Problem anzusehen.“ Radikalisierungstendenzen unter Muslimen seien jedoch nicht zuletzt Ergebnis der repressiven Integrationspolitik in der Bundesrepublik, wie sie sich genau in solchen Präventionsgipfeln ausdrücke. „Die Wahrnehmung, als Moslem in Deutschland unerwünscht zu sein, begünstigt Strömungen, die den Islam besonders orthodox auslegen“, so die Linkspolitikerin.

„Wie ein Elefant im Porzellanladen“ verhält sich Friedrich nach Einschätzung des sicherheitspolitischen Sprechers der Grünen, Wolfgang Wieland. Der Gipfel sei „eine aufgeblasene Nummer“ und unnütz, denn vertrauensvolle Partnerschaften zwischen Moscheen und Polizei etwa ließen sich nicht von oben verordnen. (bk)

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27 Kommentare
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  1. lynx sagt:

    In den Augen der Nichtmuslime sind Allahs Gesandter, der Prophet des Islams – Allah segne ihn und seine Familie und gebe ihnen Heil – und dessen Gefährten – Allah habe Wohlgefallen an ihnen – zweifellos „Extremisten“, während sie für jeden wirklichen Muslim die Mitte darstellen, an der er sich orientiert und an deren Vorbild er sein Verhalten und seine Lebensweise ausrichtet. Das lateinische Wort „radix“ bedeutet „Wurzel“. Verstehen wir unter islamischem „Radikalismus“ die Rückkehr zu den Wurzeln der Religion und das Festhalten an deren Grundlagen, so ist das aus islamischer Sicht nicht nur wünschenswert, sondern nach den Worten des Propheten insbesondere in Zeiten der Versuchung, wenn die Muslime, wie heute, keinen Führer und kein Oberhaupt mehr haben, sogar Pflicht. Die Muslime sollten nicht so dumm sein, sich auf die Begriffsverdrehungen der Wahrheitsverdecker, nach deren Sichtweise jeder gläubige und praktzierende Muslim ein „Islamist“, „Extremist“ usw. ist, einzulassen und diese zu übernehmen. Das bedeutet, daß die sprachliche, auf der Weltanschauung beruhende Grundlage zur Verständigung fehlt, weder die rechten, mit ihrem von der „Aufklärung“ geprägten, bzw. verzerrten, noch die linken Politiker mit ihrem atheistischen Welt- und Menschenbild imstand sind, überhaupt zu verstehen, was Religion als solche und insbesondere für die Muslime bedeutet. Töricht ist es jedoch, wenn die Vertreter der muslimischen Verbände das Vokabular jener Wahrheitsverdecker unter der Voraussetzung derer abweichenden Bedeutungen übernehmen und sich so bei der Diffamierung des Islams und dessen Anhänger vor deren Karren spannen lassen. Es wäre zu wünschen, daß der Vorsitzende des ZMD öffentlicht erklärte: „Wir sind Islamisten (Menschen, die sich zum Islam bekennen, ihre Religion richtig verstehen und sie praktizieren), und wir sind stolz darauf, solche zu sein!“ Solange Leute wie er den Innenminister bei seinem Kampf gegen „Islamismus“ und „Radikalismus“ unterstützen, schaden sie nur den Muslimen und deren Sache.
    Nachdem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Deutsche Islamkonferenz eingerichtet und nach einiger Zeit gelernt hatte, die Muslime und ihre Religion besser zu verstehen, wurde er von der Bundeskanzlerin durch einen anderen ersetzt, der die Muslime wieder bei Null anfangen ließ, und weil ihr anscheinend dies auch noch nicht genug war, hat sie ihn durch einen dritten ersetzt, der die beiden anderen an Ignoranz und Islamfeindlichkeit noch übertrifft. Es sollte doch unschwer zu erkennen sein, wo in dieser Politik die Wurzel des Übels liegt, und man muß sich die Frage stellen, wieso das System der BRD als „demokratisch“ angesehen werden soll, wenn Demokratie die „Herrschaft des Volkes“ bedeutet und die Mehrheit der Bundesbürger von Natur aus nicht bösartig, sondern gutmütig veranlagt ist, in ihm aber solche Personen an die Macht gelangen können, deren Politik in jeder Hinsicht Schaden nicht nur für die Muslime, sondern für Deutschland insgesamt bringt.

  2. KTL sagt:

    „Es wäre zu wünschen, daß der Vorsitzende des ZMD öffentlicht erklärte: „Wir sind Islamisten (Menschen, die sich zum Islam bekennen, ihre Religion richtig verstehen und sie praktizieren), und wir sind stolz darauf, solche zu sein!“ “
    Dem kann ich nur zustimmen!

  3. Leo Brux sagt:

    lynx, KTL,

    es gibt nun mal den sinnvollen begrifflichen Unterschied zwischen Islam und Islamismus.
    Islamismus bedeutet, Religion und Politik/Staat nicht grundsätzlich zu trennen.

    Islamismus ist nicht das Konzept des Zentralrats oder von DITIB.

    Es gibt natürlich einige, die es gerne so hätten – einige darunter sind muslimische Radikale, andere sind Islamfeinde, die muslimische Radikale zu ihrer Rechtfertigung brauchen.

    Den Muslimen in Deutschland ist mit islamistischen Phantasien nicht gedient – den Rechtspopulisten aber durchaus.

    Muslime in Deutschland schätzen in der Regel die Trennung von Staat und Religion und wissen, dass das eine gute, eine notwendige Sache ist.

    Darüber ärgern sich die Islamisten einerseits, Rechtspopulisten wie Sie, KTL, andererseits, und beide Seiten tun drum so, als ob man in Deutschland nur insofern ein gläubiger Muslim sein könne, als man auch ein Islamist ist.

    Warum erklärt Mazyek nicht, dass er Islamist ist? – Ganz einfach deshalb, weil er keiner ist und keiner sein will. Und auch keiner zu sein, braucht, um ein gläubiger Muslim zu sein.

    Es ist aber schon interessant, hier zu sehen, wie der Islamist lynx und der Islamfeind KTL Hand in Hand vorgehen, sich gegenseitig bestätigen. Ein feines Bündnis!

    Zur Ergänzung: Es gibt noch eine weitere Variante der rechtspopulistischen Bündnisbereitschaft:

    In den Niederlanden hat sich Geert Wilders sozusagen mit den christlichen Fundamentalisten verbündet:
    http://www.migazin.de/2011/06/21/im-wertekarussell/

    Da geht zusammen, was zusammen gehört.

  4. lynx sagt:

    @ Leo Brux

    Laut deutschem Wörterbuch gibt es keinen sinnvollen begrifflichen Unterschied zwischen Islam und „Islamismus“, und beide sind ursprünglich gleichbedeutend. Der berühmte islamische Theologe Abu l-Hasan al-Asch´ariyy (geb. 260 = 873/874 in Basra, gest. 324 = 935 in Baghdâd) hat seinem Hauptwerk über islamische Sekten den Titel „Maqâlât al-Islâmiyyîn“ gegeben, was man im Deutschen mit „Die Meinungen der Islamisten“ wiedergeben könnte. Danach ist ein „Islamist“ jemand, der sich dem Islam zugehörig erachtet, selbst wenn er per definitionem nicht dazu zu rechnen ist, wenn seine Glaubenslehre nicht mit der islamischen vereinbar ist. Damit ist jeder Muslim ein Islamist – außer wenn er selbst sich nicht als Muslim betrachtet, obwohl er einer ist –, aber nicht jeder Islamist ein Muslim. Aufgrund der Unkenntnis ihrer eigenen Literatur bei den meisten heutigen Muslimen und der überheblichen Dominanz des Abendlandes, ist den Muslimen, bzw. „Islamisten“ nun eine ganz andere, ja nicht einmal wirklich fest umrissene, sondern schwammige Definition aufgedrückt worden, und diese haben sie übernommen und fühlen sich angegriffen, wenn man sie als „Islamisten“ bezeichnet und versuchen stets eifrig, sich davon zu distanzieren, „Islamisten“ zu sein.
    Sollten die Nichtmuslime unter einem „Islamisten“ jemanden verstehen, der danach strebt, in einer islamischen Ordnung zu leben, so müßte eigentlich jeder Muslim ein „Islamist“ sein, denn jeder Muslim müßte – wenn sein Glaube nicht schwach und unvollständig ist – zumindest wünschen, in einer (wirklich!) islamischen Ordnung zu leben und diese irgendwo auf der Erde zu errichten, da es derzeit nirgendwo ein Land mit einer solchen gibt. Dies wird von den Nichtmuslimen jedoch meist a priori als etwas Böses angesehen. Im Islam sind Religion und Politik nicht zu trennen, und die Religion mit ihren Werten kann nicht einfach mit dem Verlassen der Moschee abgelegt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Durchschnittsmuslim es gern hat, von Politikern regiert zu werden, die als Entscheidungs- und Verantwortungsträger ihre von ihren religiösen Werten geprägte Moral ablegen und sich darauf berufen, in ihrer Funktion als Amtsträger nichts mit ihrer Religion zu tun zu haben und es für richtig halten, nach Kräften zu lügen und zu betrügen und unmoralisch zu handeln. Den idealen islamischen Staat hat man sich als viel weniger totalitär vorzustellen als die meisten der heutigen westlichen „freiheitlichen“ Demokratien, da die Muslime als Einzelpersonen, Familien und Stammesverbände in ihrer Überzeugung und ihrem Verantwortungsbewußtsein vor Gott diesen tragen und auf der Grundlage ihrer Religion viele Dinge selbst regeln, ohne daß die Staatsorgane eingreifen und dies tun müssen.
    Die Trennung von Staat und Religion hat ihre positiven, aber auch ihre negativen Seiten, es ist jedoch vermessen, dies allgemein als eine „gute“ und „notwendige“ Sache zu bezeichen, sondern hängt von den jeweiligen Umständen ab. Ich persönlich würde es jedenfalls vorziehen, als Muslim unter einem toleranten christlichen Monarchen zu leben, der seine muslimischen Untertanen schützt, als in einem säkularen pseudo-demokratischen Staat, wie der BRD, der es trotz seines „wunderbaren“ Grundgesetzes zuläßt, daß die Muslime diskriminiert und ihre Religion und das, was ihnen heilig ist, permanent geschmäht und beleidigt und die nichtmuslimische Bevölkerung von den Medien gegen sie verhetzt werden. Wenn ich die Toleranzmarginalie des Preußenkönigs Friedrich des Großen lese und mit der heutigen Situation der Muslime in der „freiheitlich-demokratischen“ BRD vergleiche, möchten mir die Tränen kommen. Was nützt mir das Recht, an „demokratischen“ Wahlen teilnehmen zu können, wenn ich nur die Wahl habe zwischen Dreck, Schmutz, Kot, Unrat usw., oder mich überhaupt nicht zu besudeln, und ich weiß, daß die Kandidaten, sind sie erst einmal gewählt, ihre Versprechen nicht halten werden?
    „Den Muslimen in Deutschland ist mit islamistischen Phantasien nicht gedient“, da die meisten nicht nach Deutschland gekommen sind, um ihre Religion zu praktizieren, sondern um ein angenehmeres materielles Leben zu führen, und manche der Konvertiten noch nicht ganz von ihren vorislamischen Vorstellungen losgekommen sind.
    Nimmt man Texte von einigen solcher Begriffsverdreher und „Islamismusexperten“, wie bspw. Claudia Dantschke, und ersetzt die Begriffe „Islamisten“ usw. durch „Muslime“ usw., dann wird man erkennen, daß sie damit eigentlich jeden Muslim meinen, der seine Religion richtig versteht, bewußt wahrnimmt und praktiziert. Muslime, die nicht „Islamisten“ sind, bedeuten bei ihnen solche, die ihrer Religion keinen oder nur einen geringen Stellenwert beimessen, ihr gegenüber in Achtlosigkeit leben und sie nicht oder nur teilweise praktizieren; das sind bei ihnen „Muslime“ und die anderen „Islamisten“.
    Es ist zu einem Mittel der medialen Volksverhetzung geworden, häufig die Begriffe „Islamist“, „islamistisch“ usw. anstelle von „Muslim“, „muslimisch“ oder „islamisch“ usw. zu gebrauchen und dann zu behaupten, man mache einen Unterschied zwischen ersteren und letzteren.
    Wie soll ein Nichtmuslim beurteilen können, ob ein Muslim „gläubig“ ist oder nicht? Man findet immer wieder Artikel von Nichtmuslimen, in denen Leute, bei denen nach islamischen Maßstäben berechtigte Zweifel bestehen, daß sie sich noch innerhalb des Islams bewegen, als „gläubige Muslime“ bezeichnet werden. Damit will ich nicht sagen, daß ich Herrn Mazyek nicht für einen „gläubigen“ Muslim halte.

  5. Leo Brux sagt:

    Lynx,
    es ist ganz einfach:

    Will jemand in einer gesellschaftlichen Ordnung leben, die durch religiöses Prinzip und Konzept grundgelegt und gestaltet wird — oder durch eine demokratisch durch das Volk bestimmte Verfassung?

    Falls Sie ersteres wollen, bittesehr. Aber das ist antidemokratisch und deshalb mit den politischen Regeln hierzulande nicht vereinbar. Ich würde Ihnen dann persönlich empfehlen, entweder den Mund zu halten oder sich ein Land zu suchen, in dem es Ihrer Meinung nach möglich ist, in einer islamischen Gesellschaft zu leben.

    Ich stelle fest, dass fast alle Muslime in Deutschland das säkulare demokratische Recht der Bürger, ihrer Gesellschaft eine Verfassung zu geben, respektieren und KEINE islamistische Gesellschaftordnung anstreben. Ich sehe auch keinerlei Aktivitäten in dieser Richtung.

    Wiederum liegt es bei Ihnen, dann zu behaupten, diese Leute seien keine Muslime oder jedenfalls keine richtigen Muslime mehr. Wir haben Religionsfreiheit. Sie dürfen es so sehen. Aber wenn Sie damit Politik machen wollen, wenn Sie dazu die öffentliche Debatte führen wollen, dann werden Sie bei mir auf Granit beißen.

    Für mich sind Sie dann ein Verfassungsfeind, lynx – also jemand, den ich politisch bekämpfe. Würden tatsächlich die Islamverbände IHRE (salafistische bzw. wahhabitische) Interpretation des Islam zur der ihren machen, dann wären sie Organisationen, die streng vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten. Irgendwelche öffentliche Unterstützung etwa für Moscheevereinsaktivitäten oder dergleichen wären dann für uns ausgeschlossen. Auch ich wäre dann für strikte Ausgrenzung.

    Was wollen Sie eigentlich in Deutschland, lynx? – Sie sagen, Sie streben als Muslim und Islamist danach, in einem islamischen Land zu leben. Da Sie das hier in Deutschland nicht können und auch nie durch Gesellschaftsveränderung erreichen können, läge es da nicht nahe, auszuwandern in ein Land, welches das Glück hat, schon islamistisch gestaltet zu sein?

    Andernfalls folgt aus Ihrer Argumentation, Sie müssten versuchen, Deutschland zu einem islamischen Land zu machen. Woraufhin ich den Verfassungsschutz auf Sie hetzen – und auf strikte Ab- und Ausgrenzung achten müsste.

    Während ich mir Ihren Text noch ein zweites Mal durchlese, kommt mir der Gedanke, dass Sie ein agent provocateur sein könnten: jemand, der unter der Maske eines Muslims den Islamfeinden genau die Argumente zu liefern versucht, die sie haben wollen.

    Anmerkung: Eine Religionsgemeinschaft kann durchaus politische Forderungen stellen. Siehe katholische Kirche. Sie stellt soziale Forderungen, zum Beispiel, oder fordert ein Abtreibungsverbot. Solche Forderungen sind legitimer Teil der politischen Debatte. – Die katholische Kirche fordert nicht, verfassungsrechtlich biblische Grundsätze als gottgewollt und gottgegeben und darum unantastbar einzuführen, die Demokratie also im Kern theokratisch auszuhebeln.

  6. Fikret sagt:

    So kann er einen solchen Islamgipfel sein lassen. Sicherheitsfrage zu betonen ist ein Witz. Ich sehe keinen Zusammenhang. Natürlich, in Zusamenheng mit Glauben -das gilt auch für Christen – irgendwelche Typen können zur Gewalt neigen.

  7. Werner sagt:

    > Da geht zusammen, was zusammen gehört.

    Herr Brux,

    kennen Sie streng-religiöse Holländer? Ich möchte eine Lanze für sie brechen. Ich meine hier Christen, „Ge-reformeerde“ heißen sie, glaube ich. Für Deutsche kann man villeicht von Calvinisten sprechen. Diese Menschen haben mit einem Geert Wilders – nach meinen Erfahrungen – nichts, aber auch garnichts zu tun.

    Es gibt, denke ich, in allen Religionen tiefreligiöse Menschen. Das sind aber keine Fundamentalisten. Ich denke, wir sollten beides fein auseinanderhalten. Ihre „christlichen Fundamentalisten“ sind in Wirklichkeit Tiefreligiöse.

  8. Werner sagt:

    „Stammtischgipfel“

    Mir hat mal ein gestandener Journalist gesagt, dass man in seiner / jeder Zeitung Meinung und Information strikt trennen müsse. An diesem Punkt möchte ich Migazin kritisieren. Hier wir beides, Meinung und Information, ständig vermischt.

    Beispiel: wenn ich über ein Treffen des Innenministers mit Islamverbänden berichte, sollte die Überschrift zum Beispiel „Friedrich triffst sich mit Islamvertretern“ oder „Friedrich bespricht Gewaltgefahr mit Muslimen“ lauten.

    Ein Kommentar über dieses Treffen kann wiederum mit „Muslimstammtisch bei Friedrich“ überschrieben sein.

    Wie gesagt, obiger Artikel vermengt die Meinung von Migazin mit der Information über das Treffen. Das ist, wenn ich den mir bekannten Journalisten richtig verstanden habe, kein seriöser Journalismus!

  9. MoBo sagt:

    @ Werner: ich sehe die selbe Vermengung bei Onlineportalen von Spiegel, Welt und und und.
    Ich denke da ist das Migazin einfach in derselben Falle wie alle anderen Medien.

  10. Leo Brux sagt:

    Werner,
    mit seiner Überschrift zeigt der Artikel unmissverständlich an, dass eine Meinungsäußerung zu einer Information vorliegt.

    Er führt also nicht nur nicht in die Irre, sondern gleich mit der Überschrift dazu, dass man nun eine bestimmte Meinung zum Thema erwartet. Der Leser fragt sich dann richtigerweise: Wie begründet der Autor die im Titel ausgesprochene Meinung?

    Darauf müsste sich dann Ihre Kritik beziehen: Begründet er sie hinreichend und so, dass Sie einverstanden sind?

    2. Punkt:
    Diese „Calvinisten“ wollen einen theokratischen Staat. Sie schließen Frauen von der Mitsprache und von Machtpositionen aus. Sie wettern gegen Homosexualität. — Drei Punkte, die Geert Wilders abschrecken müssten, denn den Muslimen wirft er – im ersten Punkt fälschlicherweise – vor, eben aus diesen Gründen nicht nach Holland zu passen.


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