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Arkadaş – mein Freund

Ein deutsch-türkischer Kindergarten

Viel internationaler geht es nicht: 56 Kinder aus 11 Nationen besuchen den Kindergarten Arkadaş in Siegburg. Die meisten von ihnen haben einen türkischen Migrationshintergrund, aber es kommen auch Kinder aus Russland, Albanien, Marokko, Amerika, Pakistan, aus dem Kosovo, Syrien und aus England.

Kinder, deren Eltern aus Deutschland kommen, sind hier mit 40 Prozent in der Minderheit, und ihre Eltern haben sich genau diesen Kindergarten ausgesucht. „Wenn das internationale, die kulturelle Vielfalt Normalität ist, dann funktioniert es“, findet Beate Schmitz, die stellvertretende Leiterin von Arkadaş. Und die Kinder lernen hier sehr viel voneinander, etwa über die Feste, die Gewohnheiten oder die Sprache der anderen.

Jeden Morgen gibt es in der Turnhalle einen Morgenkreis, die so genannte Happy Hour mit allen Kindern. Dann wird eine viertel Stunde lang auf türkisch, englisch und deutsch gezählt und gesungen, es gibt Fingerspiele oder Bewegungsspiele. Dann findet ein kurzer Informationsaustausch über Tagesangebote statt und die Kinder können Erlebnisse, die ihnen am Herzen liegen, erzählen. Arkadaş ist zertifiziert als Bewegungskindergarten; die Kinder können den ganzen Tag in kleinen Gruppen die Turnhalle nutzen und regelmäßig gibt es Bewegungsangebote unter Anleitung. Die Einrichtung hat aber auch ein Zertifikat als Musikkindergarten und als „Haus der kleinen Forscher“, in dem die Kinder in einem speziell dafür vorgesehenen Bereich experimentieren können. Für diese Vielfalt setzen sich die Erzieherinnen ein, indem sie regelmäßig in allen drei Bereichen Fortbildungen besuchen.

Mehr Feste und Sprachen als woanders
Schön für die Kinder: Es werden hier viel mehr Feste gefeiert als woanders. Nicht nur Ostern und Weihnachten ist hier etwas Besonderes, sondern auch das Zuckerfest oder das Kinderfest.

Sprachförderung wird ganz groß geschrieben, und viele der Kinder brauchen sie auch, da sie zweisprachig aufwachsen. Drei Mal pro Woche wird ein Sprachförderprogramm KIKUS (Kinder in Kultur und Sprache) für alle Kinder der Kindertagesstätte angeboten und machen darin jede Übung doppelt: im Kindergarten auf deutsch mit der Erzieherin und zu Hause noch einmal in der Muttersprache. „Es ist ganz wichtig, das klar zu trennen. Wir finden es am besten, wenn die Kinder zu Hause nur die Muttersprache sprechen und im Kindergarten nur deutsch. Sonst vermischt sich am Ende alles und sie können keine der beiden Sprachen richtig.“ Beate Schmitz fügt hinzu, dass sich eine externe Kraft einmal pro Woche um die Kinder kümmert, die noch Probleme mit der Delfin-4-Prüfung hatten und dass zusätzlich viermal pro Woche eine Logopädin kommt und in Einzelsitzungen oder in kleinen Gruppen den Deutsch-Spracherwerb fördert. Finanziert wird das über die Bundesinitiative „Fruehe-Chancen.de“. Sprache als Tor zur Welt wird in Arkadaş sehr ernst genommen.

Vertrauen ist wichtig
Die Eltern schätzen das und vertrauen der Einrichtung. Sie treffen sich regelmäßig während der Kindergartenzeit in einem speziell dafür vorgesehenen Raum oder halten sich in einer gemütlichen Sitzecke im Eingangsbereich auf. Viele kommen ihrerseits mit Fragen zu den Erzieherinnen, vor allem wenn es um Probleme mit Ämtern geht. „Dieses Vertrauen ist für unsere Arbeit hier sehr wichtig“, weiß Beate Schmitz. Sie selbst spricht ein wenig türkisch, die Verkehrssprache im Kindergarten ist aber auf jeden Fall Deutsch, und daran halten sich auch die Kolleginnen, die selbst einen türkischen Hintergrund haben.

Eltern und Kinder kommen hier auch in den Nachmittagsstunden zusammen. Seit 2008 ist Arkadaş Teil eines Familienzentrums, das noch aus zwei weiteren Kindergärten besteht. Sie alle bündeln nun ihr Angebot, so dass eine große und breit gefächerte Auswahl entsteht: von der Krabbelgruppe über Vorlesetage bis hin zu drei Folkloregruppen für verschiedene Altersstufen oder Kochkursen für Eltern und Kinder.

Arkadaş selbst ist nicht mehr im Kindergartenalter, sondern schon 26 Jahre alt. 1995 wurde die Einrichtung vom Deutsch-türkischen Frauenverein der türkischen Botschaft e.V. gegründet und 2001 vom Deutsch-Türkischen Freundschaftsverein Siegburg e.V. übernommen. Dessen Vorsitzender Ali Bulut hat die vielen Zertifizierungen zusammen mit den Erzieherinnen vorangetrieben und ist schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Aber er hat noch viele Ideen und seine Augen leuchten, wenn er sagt: „In zwei Jahren ist das hier der tollste Kindergarten vor Ort!“ (sb)