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Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

TV-Tipps des Tages

10.06.2011 – China, Afgahnistan, Bulgarien, Libanon, Migrationshintergrund

Die TV-Tipps des Tages sind: Chinas Mann im All; Menschen hautnah: Soldatenfamilien; Bulgarien – Vom Schwarzen Meer in die Rhodopen; Echt NRW! – Familien von hier und anderswo – Familie Siebert-Tuncay; Abbas, Hussein und Nour – Pfadfinder im Libanon; Drachenläufer; Shirin Neshat

VONÜmit Küçük

DATUM10. Juni 2011

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Chinas Mann im All
Dokumentation – Weder die chinesische Öffentlichkeit noch das Ausland wusste lange Zeit etwas über das langwierige Auswahlverfahren und intensive Training der Kandidaten für den ersten chinesischen Weltraumflug.

Das chinesische Programm für die bemannte Raumfahrt begann 1992 unter größter Geheimhaltung. Die Vereinigten Staaten von Amerika und Russland waren bis dato die einzigen Länder, denen es gelungen war, Menschen ins All zu schicken. Das Reich der Mitte hatte sich zum Ziel gesetzt, die dritte Weltraummacht zu werden.

Aber zuerst musste man die künftigen Raumfahrer finden und trainieren. Unter dem Codenamen 921 wurden im Vorfeld 1.504 Kandidaten ausgewählt. Die drei nach Ablauf der Trainingsrunden ausgewählten Männer waren Elitepiloten der chinesischen Luftwaffe. Der Raketenstart wurde völlig geheim gehalten, eine Liveübertragung im chinesischen Fernsehen war somit ausgeschlossen. Die endgültige Entscheidung, wer die Ehre haben würde, der erste Chinese im All zu sein, fiel nur wenige Stunden vor dem Abschuss der Rakete „Chang Zheng“ („Langer Marsch“). Selbst die drei Kandidaten der engeren Wahl wussten bis zum letzten Moment nicht, wer von ihnen in der Kapsel sitzen würde, bis man dem Auserwählten den Kosmonautenanzug überreichte.

Erst eine halbe Stunde nach dem Start der Rakete wurde die Öffentlichkeit darüber informiert, dass jetzt ein „Taikonaut“ – so der chinesische Begriff für den Raumfahrer – die Erde umkreiste. Erst nach 14 gelungenen Erdumrundungen wurde dann auch der Name des Helden bekanntgegeben: Yang Liwei, ein bisher unbekannter Kampfpilot der chinesischen Volksbefreiungsarmee. (09:15-10:00 • arte)

Menschen hautnah: Soldatenfamilien
Dokumentation – Wenn der Krieg nach Hause kommt. Ein Film von Konstanze Burkard.
Antonia ist schon einige Tage alt, als Peter sein Neugeborenes zum ersten Mal sehen kann. Peter scheint überwältigt vor Glück. Und seine Ehefrau hofft, dass das kleine Mädchen ihm hilft, seine Gefühle wieder zu finden. Denn die hat der Oberfeldwebel in seinen vier Auslandseinsätzen in Afghanistan verloren.

Innerlich zerstört kommt er im Januar 2010 aus seinem letzten Einsatz zurück. Gefühle wie Angst, Entsetzen, quälende Selbstzweifel hat er zu unterdrücken gelernt. Doch dabei sind auch seine „guten“ Gefühle untergegangen. Peter kann sich nicht mehr freuen. Er kann seine Frau nicht einmal mehr berühren. Sogar eine freundschaftliche Umarmung fällt ihm schwer.

Peter wird nun stationär behandelt. Doch seine Therapie dauert viel länger als erwartet, aus Wochen werden Monate. Derweil versuchen die Eheleute verzweifelt, ihre Beziehung zu retten.

Auch Dominik ist nicht mehr der, der er einmal war. Als er aus seinem letzten Einsatz zurück kommt, kennt ihn seine Mutter kaum wieder. Er ist gereizt, bedrohlich aggressiv, fährt nächtelang mit dem Auto umher. Beziehungen zu Frauen erträgt er nicht mehr. Auch Dominik erzählt von furchtbaren Bildern, die er gesehen hat und seither in sich trägt. Doch auch sein eigenes Selbstbild quält ihn: Niemals hätte er sich vorstellen können, Dinge zu tun, die er getan hat. Seine Mutter, Birgit Klimkiewicz, weiß nicht mehr ein noch aus. Weil sie nirgendwo Hilfe findet, gründet sie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Soldaten, die, so wie Dominik, an einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ erkrankt sind. Doch ihrem Sohn kann sie nicht helfen. Seine Therapie – so hat er für sich beschlossen – ist sein nächster Einsatz in Afghanistan.

Dort ist Manuel gerade. Seine Mutter, Ella, ist stolz auf ihren Sohn. Als sie ihn zum ersten Mal in seiner Bundeswehruniform sah, weinte sie vor Rührung. Gemeinsam mit der ganzen Familie verabschiedete sie den 22-Jährigen am 9. Januar vor dem Kasernentor. Die Familie ist voller Zuversicht, glaubt fest an Manuels körperliche und seelische Stärke. Doch nur wenige Wochen später ist alles anders. Als ein Soldat der Afghanischen Nationalarmee drei junge Bundeswehrsoldaten in einem nordafghanischen Camp aus kürzester Distanz erschießt. „Jetzt“, sagt Manuels Mutter, „jetzt habe ich Angst.“ Und zählt die Tage bis zu Manuels Rückkehr am 18. Mai. In der Hoffnung, dass er als der zurück kommt, der er war.

Menschen hautnah begleitet drei Familien, deren Angehörige mit den Folgen der Auslandseinsätze in Afghanistan zu kämpfen haben. Für alle gilt: „Das Leben wird nie mehr wie früher sein.“ (14:15-15:00 • WDR)

Bulgarien – Vom Schwarzen Meer in die Rhodopen
Dokumentation (Kultur – Geschichte allgemein) – Film von Ute Werner. Bulgarien ist allenfalls für preiswerten Familienurlaub an der Schwarzmeerküste bekannt – ansonsten rückt das Balkanland nur selten in unser Bewusstsein. Dabei gehört es zu den ältesten Staaten Europas – im Jahr 681 wurde das Erste Bulgarische Reich gegründet. Vorher siedelten Thraker, Griechen, Römer und Slawen auf diesem Gebiet. Die Fremdherrschaft der Byzantiner und Osmanen sowie die Wende 1989 sind wichtige Eckdaten bulgarischer Geschichte. Auf einer Rundreise durch das Land begibt sich der Film auf historische Spurensuche. Er besucht thrakische Tempel, römische Theater, türkische Moscheen sowie Architektur und Handwerk der „Wiedergeburtszeit“. Weitere Stationen sind die alten Hauptstädte Pliska und VelikoTarnovo, die neue Hauptstadt Sofia und die heimliche Hauptstadt Plovdiv – und nicht zuletzt das Balkan- und das Rhodopengebirge. (15:15-15:50 • 3sat )

Echt NRW! – Familien von hier und anderswo – Familie Siebert-Tuncay
Dokumentation – Nordrhein-Westfalen hat eine enorm vielfältige Bevölkerung: Statistiken erzählen uns, dass ungefähr jeder vierte Mensch in NRW einen „Migrationshintergrund“ hat, in den großen Städten ist der Anteil noch höher. Diese Menschen sind entweder selbst noch in einem anderen Land geboren oder ihre Eltern oder Großeltern sind aus den unterschiedlichsten Gründen hierher gekommen – als Gastarbeiter, auf der Flucht vor Krieg und Bürgerkrieg, im Rahmen ihrer beruflichen Ausbildung oder einfach der Liebe wegen. Das ist viel mehr als eine statistische Feststellung – es ist die Charakteristik einer Gesellschaft, in der mittlerweile Kultur und Bräuche, Sprachen und Erinnerungen aus vielen Himmelsrichtungen zu Hause sind. Wie verändert diese Vielfalt ganz konkret den Alltag im Land, wie verändert es auch für uns die altbekannten Vorstellungen von gemeinsamer Kultur und Geschichte?

„Echt NRW!“ will diese Fragen dort stellen ,wo sie tagtäglich gelebt und am konkretesten beantwortet werden: in Familien, in denen der eine Teil seine Wurzeln hier im Land hat, der andere Teil nicht. Wir erleben mit, wie das Nebeneinander von zwei Muttersprachen, von unterschiedlichen Gewohnheiten beim Essen und Wohnen, von traditionellen Vorstellungen und Mentalitäten funktioniert. Was ist in diesen Familien „typisch deutsch“, was „typisch italienisch“, „typisch türkisch“ oder „typisch polnisch“? Die Paare erzählen, wie sie sich kennengelernt haben, Eltern und Schwiegereltern verraten, wie sie darauf reagiert haben. Welche Haltung hatten und haben sie zu Deutschland bzw. zu dem Land oder der Kultur, aus dem der Schwiegersohn, die Schwiegertochter stammt? Wie erinnert man sich an die Ankunft in Deutschland, wie an das Einleben? Und was heißt für die Kinder „Heimat“?

Im Mittelpunkt dieser Folge stehen die Mitglieder der deutsch-türkischen Familie Tuncay aus Zülpich. Batu Tuncay kam schon in den sechziger Jahren das erste Mal nach Deutschland, sein Vater gehörte zu den ersten türkischen Gastarbeitern. Gemeinsam organisierten Vater und Sohn die Busreisen zwischen der Türkei, Köln und dem Ruhrgebiet. Als dann aber Batu sich ausgerechnet in die blonde Ulrike Siebert verliebte, fiel Vater Tuncay aus allen Wolken. Mit dieser Schwiegertochter wollte er nichts zu tun haben. Dass sie das gleiche Problem mit ihrem Vater hatte, machte die Sache nicht besser. Aber Batu und Ulrike haben sich gegen alle Vorbehalte durchgesetzt. Seit vierzig Jahren sind sie verheiratet, haben drei erwachsene Kinder und vier Enkel. Sie feiern Bayram und Weihnachten, essen Börek und Steaks. Und wenn die Sehnsucht nach der Türkei zu groß wird, geht Batu Tuncay mit seiner Frau in die Kölner Weidengasse, die mittlerweile komplett in türkischer Hand ist. (20:15-21:00 • WDR)

Abbas, Hussein und Nour – Pfadfinder im Libanon
Dokumentarfilm – Im Libanon folgen die Pfadfinder des Imam al’Mahdi – wie alle Pfadfinder auf der Welt – den Regeln der internationalen, Anfang des 20. Jahrhunderts von Robert Baden-Powell gegründeten Boyscout-Bewegung. Doch sind sie gewöhnliche Pfadfinder?

Wie die meisten Pfadfinderorganisationen haben auch sie einen religiösen Hintergrund: Sie sind schiitische Muslime und gehören einer muslimischen Gemeinschaft im Süden des Libanons an, die sich auf den Propheten Mohamed und dessen Nachfahren beruft. Leben und Alltag der Menschen im Libanon wird vom israelisch-arabischen Konflikt bestimmt. Die Pfadfinderorganisation gehört zum Umfeld der Hisbollah.

Der Dokumentarfilm begleitet drei Jugendliche – Abbas, Hussein und Nour – und zeigt, wie sich die Lebensrealität für Jugendliche im Libanon darstellt, wenn man die es wagt, in ihre Welt einzutauchen. Die Innenansichten aus dem Leben dieser jungen Menschen bringen das westliche Beurteilungsraster ins Wanken. (22:35-23:55 • arte)

Drachenläufer
Drama, Coming of Age-Film, Schicksalsdrama – Literaturverfilmung von Marc Forster um zwei Freunde, die in den 1970er Jahren in Afghanistan aufwachsen. Amir ist der Sohn eines gehobenen Intellektuellen, während Hassan der Sohn des Dieners ist. Die Wege der beiden trennen sich und beide geraten in die Wirren um den Krieg mit Russland, die Herrschaft der Taliban und dem eigenen Heranwachsen. (23:20-01:40 • ProSieben)

Shirin Neshat
Dokumentation – Mit ihren irritierenden Fotos von verschleierten Frauen in kämpferischen Posen, deren Hände, Gesichter und Füße mit Kalligraphien überzogen waren, wurde die Exiliranerin Shirin Neshat Mitte der 90er Jahre bekannt.

Ihre Bilder und Videoarbeiten sind heute in den größten Museen weltweit zu finden. Im Sommer 2010 kam der erste Film der bildenden Künstlerin in die Kinos. Für „Women without Men“ wurde sie auf der Biennale in Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet. Ihren Werdegang von der Künstlerin zur Filmemacherin und ihre Entwicklung zur politischen Aktivistin zeichnet dieses Porträt nach.

Shirin Neshat wuchs im Iran auf und kam als 17-jährige Kunststudentin in die USA. Die politischen Entwicklungen in ihrer Heimat hinderten sie zunächst an einer Rückkehr. Sie zog nach New York und gründete mit ihrem damaligen Mann, dem Künstler Kyong Park, eine Galerie für Architektur und Kunst. Als sie Anfang der 90er Jahre nach langer Zeit wieder in ihre Heimat reisen konnte, fand sie ihr Land verändert und zerstört. Die Islamische Revolution hatte es in mittelalterliche Zustände zurückversetzt und der Golfkrieg hatte seine Spuren der Zerstörung hinterlassen.

Shirin Neshat begann sich nicht nur mit der Rolle der Frau in der iranischen Gesellschaft auseinanderzusetzen, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. In der traditionellen iranischen Kunst fand sie eine Bildsprache, die sie mit ihren westlichen Erfahrungen kombinierte.

In ihrem ersten Bilderzyklus „Women of Allah“ verknüpfte sie Tradition mit Moderne. Sie stellte sich selbst als verschleierte und damit für westliche Augen unterdrückte Frau wie auch als bewaffnete Kämpferin dar. Die nackte Haut, ein Tabu in der islamischen Gesellschaft, beschrifte sie mit Gedichten iranischer Dichterinnen. Ein doppelter Tabubruch in ihrem Land, weil diese Gedichte verboten waren.

An der Verfilmung des Romans „Women without Men“ von Shahrnush Parsipur, der im Iran verboten wurde, arbeitete Shirin Neshat sieben Jahre. Der Film spielt im Persien des Jahres 1953, als das durch die CIA unterstütze Militär den ersten demokratisch gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh aus dem Amt putschte und dem Schah zur Macht verhalf.

Kurz bevor der Film in die Kinos kam, erhielt die Geschichte eine fast prophetische Wendung. Als im Juni 2009 Tausende Iraner auf die Straße gingen, um gegen die umstrittene Wiederwahl des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu demonstrieren und ihr Leben riskierten, erhielten die Ereignisse an die sie in ihrem Film erinnert, eine brisante Aktualität.

Der Kampf um Demokratie und Freiheit in ihrem Land wurde ihr Lebensthema. Die Dokumentation von Claudia Müller begleitet die Künstlerin Shirin Neshat zu einer Premiere ihres Films nach Wien. In ihrem New Yorker Studio und ihrer Wohnung zeigt sie ihre neuesten Arbeiten. Obwohl sie an einem neuen Filmprojekt arbeitet, wird sie auch die Kunstwelt mit einer neuen Bilderserie überraschen.

Shirin Neshat hat es gelernt und gewagt sich über gesteckte Grenzen hinwegzusetzen. Als Filmemacherin hat sie sich ein neues Genre erobert. Ihr Werk lebt von ihrer Biografie, weil Kunst und Leben bei ihr untrennbar miteinander verbunden sind. (04:20-05:00 • arte)

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