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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Integration im 16:9 Format

Bundesbeirat für Integration und Böhmers Absage an die Koreaner

Der Bundesbeirat für Integration hat sich gestern in Berlin zu ihrer ersten konstituierenden Sitzung getroffen. Böhmer hat ihre Worte in die Tat umgesetzt und ein Gremium geschaffen, der vor allem eines ist – Maria Böhmer kompatibel.

VONMartin Hyun

 Bundesbeirat für Integration und Böhmers Absage an die Koreaner
Martin Hyun, 1979 in Krefeld geboren, Sohn koreanischer Gastarbeiter, studierte Politik, International Business und Relations in den USA und Belgien, war der erste koreanischstämmige Bundesligaspieler in der DEL und Junioren Nationalspieler Deutschlands. Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialog 2008 engagierte er sich als Botschafter in Deutschland. Er gehörte dem Leadership-Programm der Bertelsmann-Stiftung an und nahm als ein Vertreter der Koreaner in Deutschland an der Jahreskonferenz 2008 Forum Demographischer Wandel teil, die vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler initiiert wurde. Seit 2008 promoviert er zum Thema Arbeitsmigration. Sein Debüt-Buch „Lautlos-Ja Sprachlos-Nein: Grenzgänger zwischen Deutschland und Korea“ erschien im Eb-Verlag Hamburg.

DATUM24. Mai 2011

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RESSORTAktuell, Meinung

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Unter den 32 Akteuren, die dem Bundesbeirat angehören, wurden 10 Plätze an Migrantenverbände vergeben. Den Koreanern erteilte man eine Absage. In der Tat wurde kein einziger asiatischer Verband, die als „Musterbeispiel gelungener Integration“ abgestempelt werden, berücksichtigt, nicht einmal die Vietnamesen mit ihrer hohen Abiturientenquote.

In meiner Funktion als Vorstandsmitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft schrieb ich am 13. Januar 2011, am Tag der Bekanntmachung der teilnehmenden Mitglieder, einen Brief an Staatsministerin Böhmer, in der ich mein Bedauern zum Ausdruck brachte, dass kein koreanischer Verband unter den Migrantenorganisationen berücksichtigt wurde und sprach mich für einen zumindest nicht-ständigem Sitz im Bundesbeirat für Integration aus.

Das Ziel der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft ist die Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und Korea in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. In 44 Jahren des Bestehens hatte die Deutsch-Koreanische Gesellschaft großen Anteil an der Entwicklung der ausgezeichneten Beziehungen zwischen Deutschland und der Republik Korea.

Vier Monate später, am 17. Mai 2011, erreichte mich ein Antwortschreiben des Büroleiters der Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin. Dr. Ralf Gebel schrieb: „Die Mitglieder des Beirats der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration stehen inzwischen fest. Der Beirat wird sich am 23. Mai 2011 konstituieren. Leider können nicht alle Organisationen und Einzelpersonen, die sich auf dem Gebiet der Integrationspolitik engagieren, auch im Beirat mitwirken. Er wäre ansonsten nicht arbeitsfähig. Ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass Ihrer Bitte um eine Mitgliedschaft nicht entsprochen werden konnte. Das steht jedoch einem konstruktivem Austausch über Ideen zur Integrationsanstrengungen und –fortschritte der koreanischen Zuwanderer in Deutschland […]“.

Den Schlusssatz hätte man sich schenken können, dachte ich mir, weil er sich mehr wie Spott und Hohn anhört als alles andere. Mit den Asiaten in Deutschland kann man das machen, dachten sich wohl die Verantwortlichen rundum Böhmer.

In einem Radiointerview meines Lieblingssenders äußerte sich Böhmer gestern zum Beirat. Ihr Credo laute, nicht übereinander sondern miteinander zu reden. Weiter sagte Böhmer, dass sie „weitere Personen mit Migrationshintergrund einberufen habe […] Nazan Eckes, deren Eltern aus der Türkei stammten, Moderatorin und Buchautorin“. Dann kam Böhmer plötzlich ins Stocken und musste einige Sekunden lang nachdenken, wenn sie da noch ins Boot geholt hatte. Nachdem Böhmer den kurzen Gedankenaussetzer mit vielen „Mmhs“ überbrückte, fing sie sich wieder und erzählte von einem Ali Ertan Toprak aus der alevitischen Gemeinde, den Mediziner und Vorsitzenden der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung und CDU-Mitglied Yasar Bilgin und bei allem Erstaunen noch den ehemaligen amerikanischen Botschafter John Kornblum.

Dazu Böhmer: „Er soll den Blick von außen auf die Integration in Deutschland lenken und seine Erfahrung aus einer Familie mit einbringen, die selbst ausgewandert ist in die USA […]“. Auch ich bekam plötzlich einen Gedankenaussetzer und überbrückte diese mit vielen „Mmhs“ bis ich mich wieder fing. Die Koreaner dürften wohl doch eher froh über die Nichtberücksichtigung im Bundesbeirat sein. Denn wer wäre schon gerne ein Maria Böhmer kompatibler Mensch mit Migrationshintergrund.

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10 Kommentare
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  1. Tom sagt:

    Der Bundesbeirat ist sowieso ein Gremium der keine Zähne hat und nicht wirklich etwas bewirken kann. Von daher ist eine Teilnahme im Beirat reine Zeitverschwendung.

  2. Bubert sagt:

    Hier kann ich nur absolut zustimmen. Es sitzen alleine 4 Vertreter türkischer Verbände am Tisch des Beirats. Geradezu eine Frechheit wenn dann nicht ein einziger Verband mit asiatischen Wurzeln vertreten ist. Genauso fehlen mir auch polnische Vertreter, die zweitgrößte Einwanderergruppe in Deutschland. Wenn man die Anzahl der Mitglieder des Beirats nicht erhöhen will, dann sollte man mindestens 2 Vertreter türkischer Verbände ausladen und dafür polnische und asiatische Verbände einladen.

  3. Tupac sagt:

    Tom hat recht, warum unnötig Zeit verschwenden! Weiss gar nicht warum es soviele von diesen Gremien gibt, wo es ehe nur um die und das, jenes und vieles geht, also um gar nichts!

  4. Pete sagt:

    Das Gremium ist eine reine Alibi-Showveranstaltung. So kann Böhmer von sich behaupten wirklich etwas für die Integration zu tun. Schade das sich die 10 Migranteverbände instrumentalisieren lassen und mitmachen

  5. Yavuz Sultan Selim sagt:

    Kann mich den Vorrednern nur anschließen. Letzten Endes wird sich an der jetzigen Situation nichts ändern. Nicht nur, was die Integration einzelner anbelangt. Auch die Gesamtsituation der BRD wird sich zunehmend verschärfen. Der Bürger wird zunehmend entmündigt. Wir leben in einer Parteiendiktatur und einer Kabarettistenveranstaltung, in der die Bürger dieses Landes für DUMM verkauft werden. Man hat die im Grunde die Wahl zwischen Pest und Cholera. Diese Pseudo-Debatten dienen doch nur dazu, um die Gesellschaft in Gruppen aufzuteilen, damit diese schön aufeinander eindreschen und die politische Obrigkeit vergessen. Der Zusammenhalt der Gesellschaft wird doch von den dreisten Politikern nicht gefördert, im Gegenteil!

  6. Ausländer sagt:

    Langasam baer sicher wirds es unheimlich ….Warum türkische Vertreter derart in Überzahl und wo sind Vertreter anderen grossen Einwanderunggruppen oder ausser türkischen Migranten gibts gar keine in Deutschland ?

  7. Brandt sagt:

    Lieber Herr Martin Hyun,

    grämen Sie sich nicht mit dem Bundesbeirat. Die Migranten brauchen Delegationen im Weltsozialforum.

    Da wird die Musik gespielt. 3% der Weltbevölkerung – konkret internationale Migranten – überweisen jährlich aufgerundet 400 Mrd. USD.

    Das ist eine Sache über die man reden muss.

  8. Cengiz K sagt:

    …Die Koreaner dürften wohl doch eher froh über die Nichtberücksichtigung im Bundesbeirat sein. Denn wer wäre schon gerne ein Maria Böhmer kompatibler Mensch mit Migrationshintergrund…

    So isses!

  9. Simon F sagt:

    @Cengiz K

    „…Die Koreaner dürften wohl doch eher froh über die Nichtberücksichtigung im Bundesbeirat sein. Denn wer wäre schon gerne ein Maria Böhmer kompatibler Mensch mit Migrationshintergrund…“

    Sie scheinen ja ein richtiger Rebell zu sein und stolz darauf auch noch! Lassen Sie doch einfach die Migrantengruppen, die sich ohne grösseren Aufwand integrieren wollen und ihre Herkunftskultur nicht über alles stellen, in Ruhe. Die koreanischen Einwanderer sitzen innerhalb der 2. Generation auf einem Chefsessel. Da sind viele Türken und Araber noch damit beschäftigt, die deutsche Sprache und Gesetze zu lernen.

    Wären die Muslime genauso integrationsfreudig wie die Asiaten, dann gäbe es Heute keine Bücher von Sarrazin und Buschkowsky. Fassen Sie sich doch mal an ihre eigenen Nase und geben Sie zu, dass Sie und ihre Truppe nicht so toll sind, wie sie es denken.

  10. Cengiz K sagt:

    ..Sie scheinen ja ein richtiger Rebell zu sein und stolz darauf auch noch!..
    Wen meinen Sie?

    ..Die koreanischen Einwanderer sitzen innerhalb der 2. Generation auf einem Chefsessel…
    erzählen Sie das mal dem Herrn Hyun!..

    Wären die Muslime genauso integrationsfreudig wie die Asiaten..
    Die Integrationsfreudigkeit der Menschen vom asiatischen Kontinent ist schon sprichwörtlich in Deutschland.. Die vom muslimischen Kontinent ist eher durchschnittlich..

    ..dann gäbe es Heute keine Bücher von Sarrazin und Buschkowsky…
    Eben deswegen sollten diese „Individuen“ mal etwas Dankbarkeit zeigen.. Immer verhelfen wir anderen zu Ruhm und Reichtum.. Diese Bücher zeigen i.Ü. ein Phänomen, das ich persönlich schon länger in der deutsch-deutschen Exklusiv-Gesellschaft beobachte.. Das können Sie nicht auf Armutsviertel schieben..

    Da sind viele Türken und Araber noch damit beschäftigt, die deutsche Sprache und Gesetze zu lernen.
    Da sitzen aber auch viele auf Chefsesseln.. Scheinbar braucht’s da keine Sprach- und Gesetzeskenntnisse, oder? Chefig..

    …Lassen Sie doch einfach die Migrantengruppen, die sich ohne grösseren Aufwand integrieren wollen…
    Es liegt nicht an mir, ich schwör’s.. So etwas kann doch nur freiwillig gehen! Also zwingen Sie die Migrantengruppen bitte nicht, ja? Wenn’s die Gruppen dann integriert hätten, wäre eine Aufklärung bitter von Nöten, was das überhaupt sein soll.. Dann kann ich mir das auch mal ankucken tun..

    …und ihre Herkunftskultur nicht über alles stellen,..
    JedeR kann doch das, was er/sie mag dahin stellen, wo es ihm am besten gefällt, wenn es keinen Schaden anrichtet.. Das gilt auch für Sie, Simon F! Kultur ist überall..

    ..Fassen Sie sich doch mal an ihre eigenen Nase und geben Sie zu, dass Sie und ihre Truppe nicht so toll sind, wie sie es denken…
    So schlecht scheinen sie ja nicht zu sein, wenn man/sich das allgemeine Rumgeheule hier durch liest.. Gut so, Jungs.. Da habt Ihr ’nen Keks..

    offtopic: Haben Sie mal was von den Rohingyas gehört? Das sind auch Asiaten..



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