MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

TV-Tipps des Tages

22.05.2011 – Assassinen, China, Kultur, Spanisch, Israel, Migranten, Europa

Die TV-Tipps des Tages sind: Die Assassinen: Todesboten aus Alamut; Der Foodhunter in China; west.art Talk; Max Frisch Citoyen; Spanisch für Erwachsene: Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Antonia; Frieden lernen

VONÜmit Küçük

DATUM22. Mai 2011

KOMMENTAREKeine

RESSORTTV-Tipps

SCHLAGWÖRTER

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Todesboten aus Alamut
Mit eindrucksvollen Inszenierungen und brillanten Dokumentaraufnahmen entschleiert der Film den Mythos um die Assassinen und zeichnet die historischen Fakten nach.

Die Assassinen gelten als erste, straff organisierte Terrorgruppe der Weltgeschichte: eine extremistische Sekte innerhalb der schiitischen Bewegung des Islam. Der Name des Geheimbundes wurde zum Inbegriff für Meuchelmord und bezeichnet noch heute in westlichen Sprachen eine heimtückische Bluttat.

Statt Heere in Marsch zu setzen, sandte der Anführer der Assassinen einen einzigen Mann mit dem Auftrag aus, eine Schlüsselfigur der Gegenseite auszulöschen. Seit dem Mittelalter prägen Legenden und Schauermärchen das Bild, das die Europäer von der gefürchteten Truppe haben. Allen voran verbreiteten Marco Polo sowie Chronisten der Kreuzritter wahre Horrorgeschichten über die Assassinen. Schon ihren Namen verdanken sie einem Gerücht: Die gedungenen Mörder seien für ihren gefährlichen Auftrag mit Drogen gefügig gemacht worden, heißt es. „Haschaschin“ – die Haschischesser – nannten Zeitgenossen die Mitglieder der Gemeinschaft.

Ihrem religiös motiviertem Oberhaupt gehorchten die jungen Männer bedingungslos. Sie wollten nicht nur ihre Feinde umbringen, sondern auch den eigenen Tod. Denn ihr Meister habe ihnen das Paradies vorgegaukelt, wohin sie nach vollbrachter Tat zurückkehren würden. Daher galt es als schändlich, eine Mission zu überleben. Historisch korrekt ist jedoch, dass der Perser Hasan-e Sabbah Ende des elften Jahrhunderts in seiner Heimat einen „Staat im Staate“ gründete.

Von seiner Residenz Alamut, einer uneinnehmbaren Trutzburg im persischen Bergland, verbreiteten er und seine Nachfolger mehr als 160 Jahre lang Angst und Schrecken im moslemischen Herrschaftsgebiet. Da der Gründer der Nizariten – wie sich die Gruppe eigentlich nannte – keine Chance gegen die übermächtigen Herrscher hatte, praktizierte er mit seiner berühmten „einarmigen Armee“ eine spezielle Art der Kriegsführung.

Die gezielten Anschläge Hasan-e Sabbahs richteten sich einerseits gegen die Seldschuken, die damals als Besatzungsmacht die politische Gewalt ausübten. Andererseits kämpfte er auch gegen die sunnitischen Kalifen in Bagdad, denen er Dekadenz und Abweichen vom rechten Islam vorwarf. Immer wieder marschierten große Heere gegen die kleine Sekte – vergeblich. Erst die Mongolen konnten Alamut 1256 zerstören. (09:00-09:45 • PHOENIX)

Der Foodhunter in China
Mark Brownstein, ein Amerikaner mit Sitz in Hongkong, hat einen ungewöhnlichen Job: Für Spitzenköche in aller Welt sucht er unbekannte Speisen oder Zutaten, zumeist in Asien.

Ein Filmteam begleitet den professionellen Geschmacksjäger ins Reich der Mitte. In der Hafenstadt Qingdao sucht Brownstein „Liangfen“, ein Algen-Gelee, das bei Frauen beliebt ist. „Sexy“ findet Mark diese uralte Diätspeise. Frau Li, eine rüstige Rentnerin, stellt sie in ihrer winzigen Küche her und verrät ihm das Rezept. Mark bringt die Entdeckung sogleich zu dem spanischen Avantgarde-Koch Willy Moreno nach Shanghai. Der ist begeistert, zaubert damit eine ungewöhnliche Seafood-Tapa. In Hangzhou, dem „Venedig des Ostens“, spürt Mark einer urchinesischen, aber aus der Mode gekommen Zutat nach: Osmanthus-Blüten. Sie duften fein und elegant, werden aber in China nur noch wenig genutzt. Schade, findet Mark und fliegt mit Osmanthus im Rucksack in die Toskana. Er meint: Die Duftblüten passen bestens in die italienische Küche. In einem exklusiven Landhotel aromatisiert Küchenchef Ricardo Titti einen Rinder-Tartar mit den Duftblüten und ist angetan – Prüfung bestanden. Natürlich sucht Mark Brownstein auch in der Toskana nach unbekannten Zutaten und findet bei Arezzo wilden Fenchelpollen, Fiori di finocchio selvatico. Er schickt das Gewürz an den Chinesischen Starkoch Jereme Leung. Was wird der zu Fenchelpollen meinen? Zurück in China reist Mark in die Provinz Yunnan. Im Grenzgebiet zu Burma, wo einst der Tee entdeckt wurde, kostet er den „Sauren Tee“ der Bulang-Minderheit. Interessant, findet Mark – richtig lecker aber erst, wenn man den Tee mit einer Gewürzmischung aus 24 Dschungelkräutern verschneidet. (09:15-10:00 • HR)

west.art Talk
Deutsche Kultur – Was ist aus Dir geworden? Live aus dem WDR Foyer

Wohl nie zuvor war Kultur hierzulande so vielfältig wie heute. Ein Schauspieler, ein Nachrichtensprecher oder ein DSDS-Kandidat mit einem türkischen oder arabischen Namen irritiert im Einwanderungsland Deutschland niemanden mehr. Auch in Literatur und im Film sind Geschichten von und mit Menschen, die nicht Hans oder Gerlinde heißen, längst selbstverständlich. Das gefällt nicht allen. Mit seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ landete Thilo Sarrazin einen Bestseller. Mindestens ebenso gerne wie der Untergang der eigenen Kultur wird im Land der Dichter und Denker auch der der deutschen Sprache beschworen. Wo immer in Zeiten leerer Kassen staatliche Subventionen für kulturelle Einrichtungen gestrichen werden, ist die Klage über den Kahlschlag der Kultur nicht weit. (11:00-12:25 • WDR)

Max Frisch Citoyen
Dokumentarfilm – Vor 20 Jahren, am 4. April 1991, starb Max Frisch, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz. Die Dokumentation untersucht das literarische Werk des Autors unter dem Aspekt seiner Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben.

Vom „Verstummen der Intellektuellen“ ist heutzutage immer häufiger die Rede. Viele haben es bereits vergessen, und junge Menschen können es sich meist gar nicht mehr vorstellen, wie das eigentlich ist, wenn ein Autor „teilnimmt“ an seiner Zeit und für seine Mitmenschen zu einer wichtigen Stimme wird. Der Schriftsteller und Architekt Max Frisch war nach Friedrich Dürrenmatt und Niklaus Meienberg so etwas wie der letzte Schweizer Intellektuelle, der eine solche Rolle bewusst wahrnahm und von seiner Umwelt – im Inland wie im Ausland – auch so wahrgenommen wurde.

Was hat Max Frisch ausgemacht, dass er zu einer solch prägenden Figur werden konnte, die bis heute national und international immer wieder zitiert wird? Vor dem Hintergrund des ausgehenden 20. Jahrhunderts spürt die Dokumentation Max Frisch als wachem und neugierigem Zeitgenossen nach. Sie nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch Frischs Texte und Reden, die zwischen Poesie und Politik immer nach der eigenen Haltung, nach dem eigenen Urteil suchen.

Gleichzeitig erzählen wichtige Freunde und Bekannte wie Peter Bichsel, Günter Grass, Christa Wolf, Helmut Schmidt und Henry Kissinger, wie sie Frisch und dessen Engagement erlebt haben. Daraus entsteht das Bild eines Autors, der nicht nur Theaterstücke und Romane verfasst, sondern auch sein Leben lang teilnimmt am Geschehen seiner Zeit, der Stellung bezieht und dadurch zu einer bedeutenden Stimme wird. (22:05-23:40 • arte)

Spanisch für Erwachsene
Dokumentarfilm – Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Antonia, die in einer kleinen spanischen Provinzstadt Sprachkurse für Immigranten gibt. Doch Antonia ist nur im Alltag Lehrerin, in ihrer Traumwelt sieht sie sich als Schauspielerin und Poetin.

Filmemacher Tomas Tamosaitis folgt in seinem Dokumentarfilm einem Sprachkurs für Einwanderer in einer kleinen Schule in der spanischen Provinz. Maria Antonia heißt die ungewöhnliche Lehrerin, die sechsmal in der Woche Menschen aus aller Welt unterrichtet.

Wo auch immer sie herkommen, ob aus Marokko, Rumänien, Nigeria, der Ukraine oder dem Senegal, Antonia spricht in ihren täglichen Lektionen ausschließlich Spanisch mit ihnen, und auch wenn ihre Schüler absolut nichts verstehen, man unterhält sich gut. Denn Antonia träumt davon, eine große Schauspielerin zu sein, und führt, so Regisseur Tomas Tamosaitis, mit „einer guten Dosis charmanten Wahnsinns“ ihr „Publikum“ in eine surrealistische Welt ein, in der alle nur Spanisch sprechen und ihren Katzen abends die Zähne putzen, bevor sie ihnen einen Gute-Nacht-Kuss geben.

Für die Immigranten ist die Welt, die Antonia ihnen vermittelt, meist der erste direkte Kontakt mit Spanien, dem Land, in dem sie ein neues Leben beginnen wollen. Sie sind allein, getrennt von ihrer Familie, krank vor Heimweh und im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos in der Fremde. Also spielen sie Antonias Spiel mit und entwerfen eigene „Parallelwelten“ im verzweifelten Bemühen, in dieser seltsamen Klasse wenigstens ein bisschen brauchbares Spanisch zu lernen. Oft empfinden sie durchaus großes Vergnügen in ihrem Kurs, denn in den hier entworfenen Welten können sie sein und tun, was sie sich wünschen und was sonst nicht möglich ist.

Acht Monate hat Filmemacher Tomas Tamosaitis in Antonias Klasse und Antonias Welt verbracht, und Antonia ist das ,,Herz“ seines Films. Über ihre persönliche, ungewöhnliche Geschichte und ihren Traum, eine berühmte Schauspielerin zu werden, entwickelte sich „fast eine Liebesgeschichte“. Wie Satelliten sind einige der Schüler der exzentrischen Hauptfigur zugeordnet, ihnen folgt der Filmemacher nach Hause, hört ihre Geschichten und erfährt, was sie antreibt. Als Immigrant und Schüler wie die anderen auch war Tomas Tamosaitis Teil des Dialogs, den diese Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen in Gang zu bringen versuchten. Und als einer von ihnen hatte er einen ungewöhnlich nahen Zugang.

Tomas Tamosaitis hat in Litauen Musik und am European Film College in Dänemark und der Andrzej Wajda Master School in Polen Filmregie studiert und unter anderem auch ein Stipendium im Rahmen des europäischen Austauschprogramms für junge Künstler „Pépinières européennes pour jeunes artistes“ erhalten. Seit 2002 macht er Dokumentar-, Spiel- und Kurzspielfilme, von denen viele auf internationalen Festivals gezeigt wurden. (02:00-02:55 • arte)

Frieden lernen
Dokumentation – Dieser Film von Tomer und Barak Heymann zeigt, wie es Lehrer, Eltern und Schüler zu Stande bringen, in einem Israelisch-palästinensischen Schulprojekt eine wahrlich utopische Initiative zu einem Erfolg zu machen.

Wadi Ara heißt jenes Gebiet in Israel, das in den Tagen der massenhaften Terroranschläge im Jahr 2002 traurige Berühmtheit erlangte – hier explodierten die meisten Busse, hier waren unter vielen jüdischen Opfern auch arabische Tote zu verzeichnen. Wadi Ara verläuft nur knapp entlang der Grünen Linie, die das israelische Kerngebiet von der Westbank trennt, und ist eine der am dichtesten arabisch bevölkerten Regionen Israels. 2004 beschlossen palästinensische und jüdische Eltern, die seit langem nebeneinander im Wadi Ara leben, ein Projekt zu starten, das ihren Kindern ein friedliches Zusammenleben ermöglichen sollte. Sie gründeten die jüdisch-arabische Schule „Die Brücke über den Wadi“, die sich nicht auf eine zweisprachige Unterrichtsmethode beschränkt, sondern gemeinsames interkulturelles Lernen zum Ziel erklärt hat.

Die Umsetzung des Schulprojekts in einer von Konflikten schwer traumatisierten Region schien lange Zeit undurchführbar. Zwei Jahre dauerte es, bis die massiven Widerstände im israelischen Bildungsministerium überwunden waren und die Schule ihre Tore öffnen konnte. Bereits kurz danach stellte sich heraus, dass die Kinder die wenigsten Probleme damit hatten.

Von der Vorschulklasse an werden alle Schüler in beiden Sprachen unterrichtet. Jede Klasse hat exakt dieselbe Anzahl jüdischer und arabischer Kinder und wird von jeweils einer jüdischen und einer arabischen Lehrerin unterrichtet. Sowohl die jüdischen als auch die islamischen Feiertage werden gemeinsam gefeiert, gemeinsame schulische Veranstaltungen helfen, Vorurteile bei den Eltern durch persönliches Kennenlernen zu beseitigen. Auch die anfänglichen Ängste vor allem jüdischer Eltern, ihre Kinder würden in der Schule „islamisiert“, haben sich nicht bestätigt. Durch die laufende Auseinandersetzung mit der anderen Kultur schärft sich für die Kinder beider Seiten sogar das Bewusstsein für die eigene Identität.

Trotz großer Bedenken, Misstrauen und Kontroversen unter den Lehrern und Eltern wurde die „Schule über den Wadi“ zu einem Überraschungserfolg. (02:55-03:45 • arte)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...