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Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Osama Bin Laden

Vom unterschiedlichen Umgang mit Terroristen und dem Gedächtnis des Wassers

Es ist schon auffällig, wie unterschiedlich der Umgang mit Terroristen ist. Aber vielleicht macht man die Gefährlichkeit eines Terroristen nicht an der Zahl seiner Opfer fest, sondern an dem Ziel, das er verfolgt.

VONZerrin Konyalıoğlu

Die Autorin ist in Istanbul geboren, Turkologin, Schwerpunkt interkulturelle Deutschförderung im bilingualen Kontext - Türkisch zu Deutsch. Ihr Buch "Deutsch als Zweitsprache - Türkische Schüler systematisch fördern" erschien im Persen-Verlag.

DATUM10. Mai 2011

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Seit Tagen rätselt die Welt. Ist Bin Laden nun tot oder nur für tot erklärt? Die offizielle Version lautet, dass Bin Laden von den Navy Seals erschossen wurde. Er sei unbewaffnet gewesen, hätte sich jedoch den US-Spezialkräften widersetzt, so der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Ist es denn wirklich so ungewöhnlich, dass man sich, wenn fünfzehn vermummte und obendrein bewaffnete Männer eindringen, widersetzt? Was hätte er sagen sollen, ich habe Euch erwartet?

Wenn diese legendäre Spezialeinheit wirklich so gut ist, wie ihr Ruf, hätten sie ihn auch festnehmen können, aber diese Option stand vermutlich nicht zur Diskussion, denn im Kampf gegen den Terror gelten andere Gesetze. Und genau das kritisiert auch Kai Ambos, Richter und Professor an der Universität Göttingen. Findet eine Tötung ohne entsprechendes Gerichtsverfahren statt, ist es „eine extralegale Hinrichtung“, so Kai Ambos. Weiter fordert Prof. Ambos den Westen auf, sich gut zu überlegen, ob sie „terroristischen Feinden jegliches Lebens- und Menschenrecht versagen und sie zum militärischen Freiwild erklären will.“

Ähnlich scharf kritisiert auch der Sprecher des Bundesausschusses des Friedensratschlag Peter Strutynski die „gelungene“ Operation. Er sieht keinen Grund zum Jubeltaumel, denn „Terrorismus ist mit Krieg nicht zu bekämpfen. Terrorismus ist eine besondere Form von Schwerkriminalität, die mit rechtsstaatlichen Mitteln zu beantworten ist.“

Genau diese rechtsstaatlichen Mittel kamen 1999 zum Tragen, als der PKK Anführer Abdullah Öcalan lebend gefasst wurde. Emotional mag man anders empfinden, aber auch Terroristen haben ein Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren. Die westliche Welt hatte sich für Öcalan stark gemacht und erreicht, dass sogar die Todesstrafe, welches bis 2002 in der Türkei bestand, aufgehoben und somit Abdullah Öcalans Todesurteil in eine lebenslange Haft umgewandelt werden konnte.

Ob bewusst oder nicht, es ist schon auffällig, wie unterschiedlich der Umgang mit beiden Terroristen ist und das, obwohl Abdullah Öcalan deutlich mehr, Opfer zu verantworten hat. Aber vielleicht macht man die Gefährlichkeit eines Terroristen nicht an der Zahl seiner Opfer fest, sondern an dem Ziel, das er verfolgt.

So gesehen, ist es schon irrelevant, ob Bin Laden tot ist oder nicht. Viel spannender bleibt die Frage, welche Auswirkungen diese Nachricht auf die arabische Revolution haben wird. Und natürlich auf die kommenden Wahlen in den USA, denn die wirtschaftliche und somit politische Zukunft der USA liegt zu einem bedeutenden Teil in den Händen Chinas und diese nennt – laut Financial Times- mehr als 1160 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen ihr eigen. Mehr als man angenommen hätte, so das US-Finanzministerium. Die wirtschaftlich geschwächte USA braucht Erfolge, zumindest politische.

Bin Laden, Abdullah Öcalan und wie sie sonst noch heißen, vielleicht wollten sie anfangs wirklich nur Gerechtigkeit, aber im Laufe ihrer Karriere haben sie sich zu Kriminellen entwickelt, die gnadenlos ihre Ziele verfolgten und wahrlich, der Zweck heiligt nicht die Mittel und das gilt für alle.

Dürfen wir dem Japaner Dr. Masaru Emoto, der im Bereich der Wasserenergetisierung forscht, Glauben schenken, dann erwarten uns unruhige Zeiten. In zig tausenden Versuchen konnte er nachweisen, dass Wasser ein Gedächtnis hat. Es ist fähig, gute und schlechte Informationen zu speichern. Selbst Gefühle, Worte und Bewusstsein konnten sich die Wassermoleküle merken und diese Information wieder zurück an den Menschen geben. So gesehen, könnte das Baden im Meer zu einer heiklen Angelegenheit werden, das Essen von gegrillten Fischen im Übrigen auch.

Man hätte Bin Laden vor ein Gericht stellen müssen, statt seinen Leichnam im Meer zu versenken. Das hätte der Wasserqualität gut getan und dem Frieden, den wir alle so dringend brauchen.

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14 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Jens Christian Heuer sagt:

    Liebe Zerrin,
    Wieder eine absolut lesenswerte Kolumne! Prägnant formuliert, kontrovers und mit einem ungewöhnlichen Schluß! Vielen Dank dafür 🙂
    Ich freue mich jetzt schon auf die nächste…

  2. Kalif Harun al-Pussah sagt:

    Die Amerikaner haben sich schon etwas dabei gedacht die Operation so anzugehen wie sie sie angegangen sind. Man darf nicht vergessen das Barak Obama NICHT der Friedensengel der Menschheit ist sondern der Präsident der Vereinigten Staaten und als solcher primär den eigenen Landesinteressen verpflichtet ist. Und aus dieser Perspektive haben die Amerikaner alles richtig gemacht. Auch nach der Erklärung Al Kaidas glauben bspw. 75% der Pakistaner nicht das Osama bin Laden tot ist. Das sind immerhin 2/3 die schon mal keinen Terroranschlag verüben. Und das ist für den Weltfrieden möglicherweise förderlicher als ein Stakkato von Flugzeugentführungen oder Sprengstoffanschlägen die verübt werden um einen inhaftierten bin Laden freizupressen.

    — OT
    „Dr. Masaru Emoto, der im Bereich der Wasserenergetisierung forsch …“

    Als gelernter Politikwissenschaftler? Na super! 😉

  3. Martin Eberl sagt:

    Die Behauptung, Abdullah Öcalan sei vor das UN-Tribunal in Den Haag gestellt worden, ist völliger Unsinn. Es war ein türkisches Sondergericht des Militärs, welches das Todesurteil sprach. Die PKK und Öcalan haben damals angeboten, sich einem internationalen Tribunal zu stellen. Vor dem hätte dann aber auch die Türkei sich für die andauernde Unterdrückungspolitik, Todesschwadronen,Folter und Exekutionen gegenüber dem kurdischen Volk, Kriegsverbrechen gegen die kurdische Zivilbevölkerung und gegen die kurdischen Guerillaarmee, ethnische Säuberungen, Zerstörung von 4000 Dörfern und Vertreibung ihrer Bewohner, verantworten müssen.
    Es ist der türkische Staat, der zehntausende Menschen ermordet hat – nicht die kurdische Befreiungsbewegung, die einen völkerrechtlich legitimen Kampf gegen koloniale und rassistische Unterdrückung begann, als jede legale Opposition in der Türkei physisch vernichtet wurde.
    Frau Konyalioglu rechnet wohl mit der Unkenntnis der Leser, wenn sie mit dieser Argumentation die andauernde Unterdückungspolitik des türkischen Staates gegenüber der kurdischen Bevölkerung zu rechtfertigen versucht.
    Noch immer führt die türkische Armee Krieg – auch mit Chemiewaffen – gegen die kurdische Guerilla, die einseitige Waffenruhe hält, um einen Friedensprozess zu ermöglichen. Dörfer Südkurdistan Nordirak werden aus der Luft bombardiert. Mehr als 2.000 kurdische Aktivisten: Bürgermeister, Stadträte, Gewerkschafter, Anwälte, Frauenaktivistinnen sitzen seit 2009 im Gefängnis, weil sie angeblich Verbindungen zur PKK haben sollen. Muttersprachlicher Schulunterricht auf Kurdisch ist verboten. Die „Partei für eine demokratische Gesellschaft“ wurde verboten, Kandidaten der „Partei für Frieden und Demokratie“ von den Wahlen ausgeschlossen. Kriegsverbrechen der türkischen Armee bleiben unaufgeklärt und ungesühnt. Die Türkei braucht eine Wahrheits- und Versöhnungskommission – und keine Anfeuerungsrufe zur Unterdrückung und Diskriminierung der kurdischen Bevölkerung.

  4. Miro sagt:

    „Ist es denn wirklich so ungewöhnlich, dass man sich, wenn fünfzehn vermummte und obendrein bewaffnete Männer eindringen, widersetzt? Was hätte er sagen sollen, ich habe Euch erwartet?“

    Natürlich hat er erwartet irgendwann von den Amerikanern gefunden zu werden. Sie tun ja fast so als hätte es sich hier um eine ungerechtfertigte Polizeiaktion gegen einen unbescholltenen Bürger gehalten.

  5. gedanke sagt:

    Der gravierende Unterschied war,Bin Laden hat die Westliche Welt Bedroht.Das allein reicht aus solche subjekte gegebenenfalls zu erschießen oder mit einer Rakete mit vielleicht unschuldigen ins Nirvana zu schicken.
    Der PKK APO nur die Türkei,das sieht man daran das dieses Terrorbuben immer noch gerne als Freiheitskämpfer begrüßt und im Namen der Menschenrechte behütet werden.

    Das die anschläge immer wieder von den Twin Towers,London und den Zug anschlägen in Madrid handeln aber niemals die anschläge in Istanbul in zusammen hang bringen.Das zeugt schon von Westliche Welt und der Rest.

  6. Haha sagt:

    Ihre Beiträge werden auch immer antiwestlicher.

  7. @HaHa: Ist das Eintreten für ein rechtsstaatliches Vorgehen auch gegenüber Terroristen antiwestlich? Ich denke, nein! Im Gegenteil, es ist in der besten Tradition der europäischen Aufklärung!!

    Mit freundlichem Gruß
    Jens Christian Heuer

  8. Zerrin Konyalioglu sagt:

    Liebe Kommentatoren,
    herzlichen Dank für die rege Diskussion. Ich denke, dass jeder von uns terroristische Anschläge verurteilt. Es kann nicht sein, dass Menschen mehr Gerechtigkeit schaffen wollen, indem sie anderen Menschen Unrecht antun.
    Die Kritik am Umgang mit Bin Ladin ist sehr wohl angebracht. Wenn Kai Ambos, Richter und Professor an der Universität Göttingen oder der Sprecher des Bundesausschusses des Friedensratschlag Peter Strutynski- um nur einige zu nennen- diese Operation scharf kritisieren, ist das nicht per se eine antiwestliche Haltung. Im Gegenteil. Es ist der Westen, der zu Recht die Einhaltung der Menschenrechte einfordert und darauf achtet, dass selbst Terroristen ein ordentliches Gerichtsverfahren erhalten. Ich sagte es bereits, hier geht es nicht um die Beurteilung dieser Männer, sondern einzig um den Umgang mit ihnen. Hätte man Bin Ladin vor ein Gericht gestellt, hätte sich das für den Friedensprozeß deutlich besser ausgewirkt, dann wäre ein Terrorist entsprechend der Anklagepunkte verurteilt worden und alles wäre gut.
    Richter Ambos bezeichnet diese Operation als „eine extralegale Hinrichtung“. So werden das auch Bin Ladins Anhänger empfinden und wir werden mit „Vergeltungsanschlägen“ rechnen müssen und genaus das ist es, was mir persönlich Angst macht. Ihnen nicht?
    Besten Gruß
    Ihre
    Zerrin Konyalioglu

  9. Marc Fischer sagt:

    Liebe Frau Konyalioglu,
    Sie haben in Ihrem Artikel eindeutig nicht die beiden Terroristen thematisiert, sondern den Umgang mit ihnen. Und in der Tat ist das Recht auf ein Gerichtsverfahren ein sehr wichtiger Aspekt der Menschenrechte. Dass mit der Erschießung- auch noch eines unbewaffneten Menschen- dieses Recht verletzt wurde, kann wohl keiner bestreiten. Im Meer werde ich trotzdem baden, sicherlich nachdenklicher. Besten Dank.

  10. MSeçme sagt:

    Ein sehr guter Artikel, deren Anfang-Body-Ende miteinander so gut harmonieren und völlig neue Sichtweisen auf Handlungen & Verantwortung geben.

    Einige Kommentatoren, verdrehen wie immer alles mögliche und merken selber nicht, daß die eigentliche Gefahr für die Menschheit in deren kranken Köpfen verankert ist…

    freue mich auch weitere Artikel von Zerrin zu lesen, weiter so 🙂


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