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10 Jahre Krieg in Afghanistan

Im Namen der Solidarität

Al Qaida Chef Osama bin Laden ist tot! In diesem Jahr jährt sich der von den USA begonnene „Krieg gegen den Terror“ und gegen den Hauptfeind Osama bin Laden.

VONNasirah Raoufi

 Im Namen der Solidarität
Schreibt für das MiGAZIN-Auslandsressort und studierte Sozialwissen-schaften an der Universität Düsseldorf.

DATUM2. Mai 2011

KOMMENTARE10

RESSORTAktuell, Ausland

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Barack Obama hat in einer Fernsehansprache den Tod des Al Qaida Chefs Osama bin Laden verkündet. Dieser sei bei einer Kommandoaktion getötet worden. Doch wie sieht die Bilanz in einem Land aus, das vom Krieg gezeichnet ist?

In der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn findet Ende November eine internationale Afghanistan-Konferenz statt, zu der die Bundesregierung einlädt. Eine politische Veranstaltung zu der Außenminister aus 90 Ländern erwartetet werden. Sie wollen Bilanz ziehen und über ihr zukünftiges Engagement am Hindukusch entscheiden.

Die erste internationale Afghanistan-Konferenz fand Ende 2001 auf dem Petersberg bei Bonn statt. Am 5. Dezember 2001 wurde nach neuntägiger Konferenz das so genannte Petersberger Abkommen verabschiedet – ein Plan über die etappenweise Machtübergabe an eine demokratisch legitimierte Regierung in Afghanistan. In diesem Jahr dürfte ein zentrales Thema der Konferenz, der geplante Truppenrückzug aus Afghanistan sein – sofern es “die Sicherheitslage erlaubt“.

Humanitäre Ziele: Realität oder Fiktion?
Als „nicht-internationaler bewaffneter Konflikt“ werden die Ereignisse in Afghanistan von der Bundesregierung bezeichnet, welcher seither die Ziele verfolgt, das Land zu stabilisieren und der afghanischen Zivilbevölkerung – vor allem den Frauen – Frieden, Sicherheit und Wohlstand zu gewährleisten. Die Bundeswehr verzeichnet Erfolge, die im Fragenkatalog der Regierung zum Einsatz in Afghanistan akribisch aufgezählt werden. Hier wird zudem nicht selten hervorgehoben, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird und es sich nicht – wie irrtümlich von der Bevölkerung degradiert – um einen Krieg, sondern um eine bewaffnete “Friedensmission“ handele. Eine Auflistung von FAQs, die unter anderem Aufschluss darüber geben sollen, weshalb der Krieg aus deutscher Sicht vertretbar ist. Auf Seite 9 des Katalogs werden die Fortschritte in Afghanistan verzeichnet – die Verbesserung der Frauenrechte…

“Operation Enduring freedom“
Seit zehn Jahren herrscht Krieg in Afghanistan und eine wirkliche Verbesserung ist insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Die “Friedensmission“ hat neue soziale Probleme hervorgebracht. Die Lebenserwartung und die Ernährungslage haben sich deutlich verschlechtert. Die Situation der Frauen ist laut einem Bericht von “Human Rights Watch“ (2009) sogar noch schlimmer geworden als vorher.

Vergewaltigungen und Zwangsehen haben seit der 2001 von der Bush-Regierung eingeleiteten „Operation Enduring freedom“ zugenommen. Frauen verlieren im Krieg ihre Ehemänner und verfallen in noch stärkere Armut, als sie ohnehin schon bestand. Die Konsequenz ist eine erhöhte Selbstmordrate unter Frauen. Der Bericht beweist einmal mehr, dass die Befreiung der Frauen nicht weiter als Rechtfertigung für den internationalen Truppeneinsatz in Afghanistan herhalten kann.Frieden definiert sich eben nicht über die Vernetzung von Militäreinsatz und Aufbauhilfe.

In Anbetracht der Massaker an afghanischen Zivilisten, die zu Abscheu der Bürger gegenüber den ausländischen Kräften geführt haben, schwindet die Sicherheitslage im Kriegsgebiet zunehmend. Die Bürger Afghanistans unterstützen aufgrund der vielen zivilen Opfer die westliche Strategie, die als Krieg gegen den Terror bezeichnet wird, nicht. Auf die Soldaten werden Anschläge seitens radikal-islamistischer Taliban verübt. Das Verteidigungsministerium unter Thomas de Maizière (CDU) reagiert mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in den Bundeswehrlagern. Die US-Regierung denkt dagegen eher an die Wiederwahlkampagne Obamas. Der mächtigste Mann der Welt hat kürzlich das Truppenkontingent in Afghanistan auf 140 000 Soldaten aufgestockt.

Nach Enthüllungen durch die Internetplattform „WikiLeaks“, wonach die Stabilisierung Afghanistans wider Erwartung zurückbleibt und die Taliban zunehmend erstarken, wuchs die Kritik seitens der republikanischen Opposition. Obama ordnete zudem sein „War-Team“ neu – alte Gesichter in neuer Funktion. CIA-Chef Leon Panetta wird Verteidigungsminister, der bewährte General David Petraeus CIA-Boss und General James Cartwright Generalstabschef; bisher war er Vize. Zusammen hofft das Team auf einen reibungslosen (und möglichst blamagefreien) Truppenabzug im Juli 2011 und damit der geplanten Beendigung des nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA.

Operation Enduring Freedom? Die bittere Zahlen getöteter Zivilisten, Soldaten und Aufständischer sowie die miserable humanitäre Situation in Afghanistan sprechen dagegen! Ob der von Barack Obama verkündete Tod des Al Qaida Chefs Osama bin Laden daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.

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10 Kommentare
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  1. Bassa Selim sagt:

    Da bin ich voll Ihrer Meinung. Die moslemischen Staaten sollten ihren extremen Glaubensbrüdern selbst Einhalt gebieten, selber Afghanistan und die anderen Krisenherde unter Kontrolle bringen.

    Ich sehe nicht ein, warum deutsche Soldaten ihr Leben riskieren sollen, um für ein System zu kämpfen, in dem immer noch, nach Ende der Talebanherrschaft Gesetze gemacht werden, die jeglicher Zivilisation entbehren.
    Bspw. Todesstrafe bei Glaubensabfall, Konversion zu einer anderen Religion oder eine gesetzliche Pflicht der Ehefrauen, die Beine breit zu machen, wenn der Mann es wünscht.

    Und dazu kommt, dass westliche Soldaten dort nicht willkommen sind. Das sollte man endlich mal akzeptieren. Nein, die müssen da raus, so schnell wie möglich.

  2. Mika sagt:

    Und was hat das Ganze gebracht? Anarchie im Irak und Afghanistan, aber ganz sicher nicht Demokratie! Für mich bleibt Bush junior der viel größere Terrorist: Wieviele hunderttausende unschuldige Zivilisten gehen auf sein Konto? Alles im Namen der Demokratie? Nein, wohl eher im Namen des schwarzen Golds…

    @Bassa Selim
    Sie können gerne Ihre Meinung hier kund tun, aber bitte ohne einer vulgären Ausdrucksweise! „Beine breit machen…“
    Abgesehen davon haben es die europäischen Staaten auch nicht geschafft, ihren christlichen Brüdern und Schwestern Einhalt zu gebieten ->s. IRA-Terrorismus

  3. Bassa Selim sagt:

    Sie werden gesetzlich verpflichtet, sich ihren Männern hinzugeben, wann immer die es wünschen. Ändert das jetzt was ?
    Das Recht eines freien Individuums wird nicht anerkannt, ich bezeichne sowas als menschenverachtend. Sie scheint das allerdings nicht sehr jucken.

  4. Mika sagt:

    @Bassa
    Wenn eine Frau unterdrückt wird, verachte ich das sehr wohl! Genauso verachte ich Menschen, die Kinder misshandeln oder noch schlimmeres tun!

    Aber mir scheint eher, dass Sie sich nicht so recht für die Rechte der Frauen interessieren. Ihnen geht es eher darum, DEN Islam an sich zu verunglimpfen!

  5. Leila Irvanipour sagt:

    Nasirah schreibt:. „Die Situation der Frauen ist laut einem Bericht von ”Human Rights Watch” (2009) sogar noch schlimmer geworden als vorher.“
    „Vergewaltigungen und Zwangsehen haben seit der 2001 von der Bush-Regierung eingeleiteten „Operation Enduring freedom“ zugenommen. “

    Das ist falsch

    Was bedeutet vorher?
    HRW schreibt:.Whereas the trend had clearly been positive for women’s rights from 2001-2005, the trend is now
    negative in many areas.

    Es tritt nach einer Verbeserung jetzt wieder eine Verschlechterung, allerdings, soweit HRW es beurteilen, nicht auf das Level zur Zeit der Taliban. Auch wenn die Situation in weiten teilen von Afghanistan schrecklich ist, ist sie immer noch besser als zur Zeit der Taliban oder Hezb-e Islami.

    HRW: „This is not a commentary on the many courageous women and menwho risk their lives through acts big and small—such as teaching at a girls’ school or runningas an independent woman for parliament. Rather, it is a reflection of the power of conservative leaders who want to deny women their basic rights.“

    http://www.hrw.org/en/reports/2009/12/03/we-have-promises-world-0

    Wenn sich die Autorin schon auf den HRW Report bezieht, sollte sie ihn auch lesen, besonders die Seiten 89-95. Hier macht HRW Verbesserungsvorschläge, die nur mit Hilfe der Internationalen gemeinschaft und der Bekämpfung der Taliban und Hezb-e Islami möglich sind.

    Das Problem ist nicht Operating Freedom, die Unterstützung der USA wird im Report ausdrücklich hervorgehobem (S.88), sondern die mysogyne Islamauslegung durch die Taliban und Hezb-e-islami.
    Ein Abzug der Koalitionstruppen wird die Fortschritte völlig zunichte machen. Das ist HRW auch bewusst, zumal HRW zu den ersten gehören würden, die aus dem land geworfen würden,wenn nicht umgebracht.

  6. Giorgi sagt:

    @Mika
    Ein Kinderschänder der vom Gesetz dafür verfolgt wird, ist etwas wesentlich anderes als ein Gesetz, das jemandem die Erlaubnis zur sexuellen Verfügung eines anderen erteilt. Erkennst du wirklich nicht den Unterschied ?

  7. Mika sagt:

    @Giorgi
    Darum ging es mir doch gar nicht! Ich habe doch lediglich geäußert, dass ich Menschen verachte, die Frauen und Kinder Ihre Würde nehmen! Wenn es nun per Gesetz erlaubt sei, diese Würde zu missachten, verachte ich das ebenso!
    Bei eben jenem Herrn ist es aber fragwürdig, dass er sich für die Rechte der Frauen einsetzt. Ihm geht es vordergründig um etwas anderes – nämlich den Islam an sich zu verunglimpfen.

  8. Giorgi sagt:

    @Mika
    Seltsam, Ich lese da nur ewas von einem Unverständnis, für einen Staat zu kämpfen, der menschenverachtende Gesetze erlässt. Und das kann ich so unterschreiben.
    Wissen Sie, der Islam wird von solchen Gesetzen und Rechtsvorstellungen viel mehr verunglimpft, als das ein Bassa Selim oder sonstwer je tun könnte !

  9. Mika sagt:

    @Giorgi
    Und seltsam ist auch das, was Sie immer daraus „lesen“ wollen! In dieser Form hab ich das nie geäußert. Sie möchten gerne das glauben, wie Ihre Einstellung zu dem Thema grundsätzlich geprägt ist.

  10. MSeçme sagt:

    ein lesenswerter Artikel, der die Situation gut darlegt.

    Hoffen wir künftig, dass Friedensmissionen auch Friedensmissionen ohne Waffen bleiben 🙂



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