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Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

TV-Tipps des Tages

02.05.2011 – Islam, Schule, Juden, Nazi, Moschee, Frankreich, Rassismus

Die TV-Tipps des Tages sind: Schätze des Islam am Mittelmeer: Sizilien; Die Klasse; Herren über Tod und Leben; Eine Baumschule in der Wüste

VONÜmit Küçük

DATUM2. Mai 2011

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Schätze des Islam am Mittelmeer: Sizilien
Dokumentation (Gesellschaft – Reisen/Urlaub/Touristik) – Einst war Palermo eine der prächtigsten Metropolen des islamischen Reiches. Die arabischen Lustschlösser und Gärten, die orientalischen Paläste mit ihren üppigen Zitronen- und Orangengärten ließen die Weltreisenden ins Schwärmen geraten. Auch die den Arabern folgenden Normannenkönige übernahmen die orientalische Kultur und beschäftigten islamische Kunsthandwerker zur Ausschmückung ihrer Palastkapellen und christlichen Gotteshäuser. Gaby Imhof-Weber zeigt in ihrem Film das spannende, multikulturelle Erbe Siziliens. (13:15 • 14:00, 3sat)

Die Klasse
Spielfilm – Mit einer bislang nie gesehenen Präzision gibt Laurent Cantets halbdokumentarisches Schuldrama ungeschminkte Einblicke in den Alltag einer pädagogischen Institution.

n einer Schule des 20. Pariser Arrondissements, einem sozialen Brennpunkt, wartet auf den Französischlehrer François eine lärmende siebte Klasse von 24 Schülern, die meisten mit Migrationshintergrund. Bereits sein Ansinnen, jeder Schüler solle den eigenen Namen aufschreiben, erntet patzige Widerworte. Bis François zum eigentlichen Thema kommt, dem Tagebuch der Anne Frank, ist die Stunde wieder einmal fast vorüber. Der Versuch des ambitionierten Pädagogen, Unterricht zu halten, scheitert an einem unablässigen Kampf um Respekt, Disziplin und ein gedeihliches Miteinander.

Auch die latente Arroganz des Paukers kommt nicht gut an. Die Schüler zeigen ihm deutlich, dass sie wenig Sinn im Erlernen der gepflegten Schriftsprache sehen. Und die Frage, ob er schwul sei, interessiert zumindest die Jungs mehr als alles andere. Nicht zufällig eskaliert die Situation durch ein Sprachproblem. Esmeralda und Louise , im Unterricht nicht die Hellsten, wohnen als Schülervertreterinnen der Notenkonferenz bei, wo sie aufschnappen, dass François ihren Klassenkameraden Souleymane als beschränkt bezeichnet. Dass François den Problemschüler als Einziger verteidigte, überhören die Mädchen und geben die Wortwahl ihres Lehrers so weiter, dass Souleymane sich grob beleidigt fühlen muss. Im Klassenzimmer kommt es daraufhin zum Handgemenge. Am Ende wird Souleymane der Schule verwiesen und muss in sein Dorf nach Mali zurück. Eine bittere Niederlage für die Pädagogen.

Das auf einem Roman des Ex-Lehrers François Bégaudeau basierende Schuldrama gewann in Cannes die Goldene Palme und wurde für den Oscar nominiert. Der Clou: Bégaudeau spielt auch die Hauptrolle, die Schülerdarsteller sind talentierte Laien, die ihre Charaktere – von der Nervensäge über den aggressiven Totalverweigerer, der Unscheinbaren bis hin zum Musterknaben – in Workshops improvisierten; die Filmeltern sind meist auch die eigenen. Der 49-jährige Autorenfilmer Laurent Cantet legte bereits mit seinem Drama „Ressources Humaines“ den Finger in gesellschaftliche Wunden. „Die Klasse“ spielt gänzlich innerhalb der Schulmauern: „Entre les murs“ lautet der Originaltitel, und die Kunst besteht darin, dass der Film diese räumliche Beschränkung fast vollständig einhält. Mit seinem direkten, halbdokumentarischen Stil und dank der Konzentration auf seine unaufdringlichen Lehrer- und Schülerporträts ist diese Sozialstudie fesselnder als so mancher Oscar-Gewinner. (22:50-00:55 • MDR Sachsen-Anhalt, MDR Sachsen, MDR Thüringen)

Herren über Tod und Leben
Dokumentation – Sommer 1941. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion rückt hinter den Panzern der deutschen Wehrmacht und den SS-Tötungskommandos die Zivilverwaltung ein. Einer der führenden Köpfe ist Wilhelm Kube, der Generalkommissar von „Weißruthenien“, wie die Nazis das eroberte Weißrussland nennen. Der praktizierende Christ präsentiert sich als kultivierter Familienmensch – und ist gleichzeitig einer der „Herren über Tod und Leben“: Kube befiehlt und organisiert die Massentötungen von vielen tausend Juden.

Denn unter dem harmlos klingenden Begriff der „Zivilverwaltung“ sind die Beamten tatsächlich mit der Ausplünderung des Landes für die Wehrmacht und das Reich beauftragt. Weißrussland soll nach den Plänen der Nazis die Nahrungsgrundlage für das zukünftige Großdeutschland liefern. Die hungernde weißrussische Zivilbevölkerung gilt den Nazis als „minderwertig“. Von Beginn an zählt auch die Ermordung der dort lebenden Juden (und später der hierher deportierten deutschen Juden) zu den Aufgaben der Zivilverwaltung.

Im September 1943 fällt Wilhelm Kube in Minsk einem Bombenattentat zum Opfer. Seine Frau und seine Söhne überleben den Anschlag wie durch ein Wunder unverletzt. Im Film „Herren über Tod und Leben“ geben sie zum ersten Mal im Fernsehen Auskunft über den Ehemann und Vater und die gemeinsame Zeit in Minsk.

Die meisten anderen Mitglieder des bürokratischen Apparates kehrten nach Kriegsende unbehelligt in ihre bürgerlichen Berufe zurück und setzten ihre Karrieren bis in höchste Ämter fort. Sie waren es auch, die die Legende von der „sauberen“ Zivilverwaltung erschufen.

Dreharbeiten an den Originalschauplätzen der Massenmorde, unbekanntes Filmmaterial und Dokumente aus russischen und baltischen Archiven belegen die Rolle der deutschen Zivilverwaltung beim Holocaust und versuchen, eine Antwort zu geben auf die Frage, wie aus normalen deutschen Männern zuverlässige Mittäter bei der Vernichtung von Millionen von Menschen wurden. (23:15-00:00 • WDR)

Eine Baumschule in der Wüste
Zwei Männer tragen den gleichen Vornamen, stammen beide aus der gleichen Region Marokkos und haben – eher negative – Erfahrungen im französischen Exil gemacht. Nun planen sie die Verwirklichung eines gemeinsamen Traums.

Die beiden Protagonisten des Films stammen aus Bouarfa, das im Südosten Marokkos, nahe der algerischen Grenze und der Wüste Sahara liegt. Beide heißen El Mostafa, was auf Arabisch „der Erwählte“ bedeutet. Mostafa der Ältere zog vor 30 Jahren nach Frankreich und lebt heute in der Trabantenstadt Évry südlich von Paris. Jeden Sommer verbringt er mit Frau und Kindern seinen Urlaub in Marokko. Es klingt wie ein perfekt geregeltes Leben, doch der Schein trügt. Hinter seiner stets fröhlichen Art verbirgt Mostafa eine tiefe Wunde. Vor ein paar Jahren ließ er sich in einem Dorf im Département Essonne nieder und übernahm das einzige Café des Ortes. Doch der latente Rassismus der Bewohner zwang ihn schließlich, die Gemeinde zu verlassen. Seither betrachtet er seine Integration in Frankreich als gescheitert.

Mostafa der Jüngere verbrachte nur wenige Jahre im Ausland. Diese schwierige Zeit bereitete seinen Träumen vom Exil ein schnelles Ende. Der ehemalige Schweißer kehrte heim nach Bouarfa, baute ein Haus und gründete eine Familie. Auf seinem Bauernhof zeigt er den Söhnen armer Landarbeiter, wie jemand auch mit bescheidenen Mitteln überleben kann. Außerdem bringen er und seine Frau in einer Moschee, die er am Rande seines Grundstücks gebaut hat, jungen Fellachen das Lesen bei. „Es gibt etwas Wichtigeres als Geld, und das ist die Hoffnung“, sagt er.

Dann kam Mostafa der Jüngere auf die Idee eine Baumschule zu gründen. Seitdem kämpft er gegen Wind, Sand, Frost und Heuschrecken und sucht nach den idealen Baumsorten für seine Pflanzung.

Filmemacher Laurent Chevallier erzählt die Geschichte von Mostafa, dem Bauern, und Mostafa, dem Entwurzelten, und die Geschichte ihres gemeinsamen Traums, die Wüste in eine grüne Oase zu verwandeln. (03:15-04:40 • arte)

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