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Migration und Integration in Deutschland

Gedenken an Holocaust Teil unserer gemeinsamen Leitkultur.

Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Ausbildung

Junge Migranten sind bei gleichen Startbedingungen gleich gut

Bei gleichen Ausgangsbedingungen sind ausländische Jugendliche in der Ausbildung genauso erfolgreich wie junge Leute ohne Migrationshintergrund. Dies geht aus einer aktuellen Veröffentlichung hervor, die einen anderen Blick auf Migranten in der Berufsbildung wirft.

Bei gleichen Ausgangsbedingungen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung genauso erfolgreich wie junge Leute ohne Migrationshintergrund. Dies ist eine der Kernaussagen, mit denen eine neue Veröffentlichung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AG BFN) einen anderen Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung in Deutschland wirft.

„Migration als Chance. Ein Beitrag der beruflichen Bildung“ bietet einen Perspektivwechsel an: Im Vordergrund stehen wissenschaftliche Ergebnisse und Praxisbeispiele über den Zugang junger Menschen zu beruflicher Ausbildung und ihrer Gestaltung sowie zur beruflichen Qualifizierung von Erwachsenen und der Bedeutung interkultureller Kompetenzen.

Interkulturelle Kompetenz wird konkret genutzt
Dass Migration als Chance gesehen werden kann, belegen Forschungsergebnisse, die zeigen, wie interkulturelle Kompetenzen bereits heute konkret genutzt werden. Ein Beitrag verdeutlicht, wie interkulturelles Lernen im Berufsschulunterricht Lernenden mit und ohne Migrationshintergrund die Reflexion ihrer eigenen kulturellen Herkunft sowie kulturell bedingter Einstellungen und Verhaltensweisen ermöglicht.

Allerdings, so die Autoren des Buches, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Beiträge zeigen auf, wo Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung und im Beruf liegen beziehungsweise liegen können. Dabei werden sowohl günstige als auch ungünstige Rahmenbedingungen für den Zugang zu und die Gestaltung von beruflicher Aus- und Weiterbildung sowie beruflicher Nachqualifizierung thematisiert.

Aufgabe für die gesamte Gesellschaft
Die Veröffentlichung belege, so BIBB-Forschungsdirektor Prof. Dr. Reinhold Weiß, zugleich auch einer der Mitherausgeber des Buches, dass Integration in Deutschland eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft sei, die von allen Beteiligten – Einheimischen und Zuwanderern, Politik und gesellschaftlichen Institutionen – zu tragen sei. „Die Werteorientierungen, Lebenslagen und Lebensstile unterscheiden sich bei Menschen mit Migrationshintergrund ebenso wie bei Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Schaffung gleichberechtigter Bildungschancen ist daher für alle in der Gesellschaft eine existenzielle Aufgabe.“

Seit Jahren werden in Politik und Berufsbildungsforschung die schwierigen Übergänge in Ausbildung – insbesondere von jungen Menschen mit Migrationshintergrund – näher untersucht, ebenso die individuellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Der Sammelband enthält neueste Forschungsergebnisse, wie sich der Ausbildungsverlauf für diese jungen Menschen gestaltet, wenn sie erst einmal in eine Ausbildung eingemündet sind.

Download: „Migration als Chance“ ist in der BIBB-Schriftenreihe „Berichte zur beruflichen Bildung“ als AG BFN-Band 9 erschienen und kann zum Preis von 28,90 Euro über das Internetangebot des BIBB oder direkt beim W. Bertelsmann Verlag bestellt werden. Das BIBB verfolgt bei der Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse einen „Open Access-Ansatz“ und bietet die einzelnen Kapitel des Buches daher auch kostenfrei über sein Internetangebot an.

Ausbildungsberuf ausschlaggebend
Die Analyse zeigt, dass sie sich häufiger in Ausbildungsberufen wiederfinden, in denen die durchschnittliche Vertragsauflösungsquote höher und die Übernahme weniger wahrscheinlich ist, dass sie seltener als Jugendliche ohne Migrationshintergrund in ihren Wunschberufen landen und häufiger als ihre einheimischen Altersgenossen Ausbildungsberufe erlernen, für die sie tendenziell eher überqualifiziert sind. Festgestellt wird aber auch, dass sie bei gleichen Ausgangsbedingungen zu Beginn der Ausbildung (unter anderem sozialer Hintergrund, Grad des Schulabschlusses und vor allem Ausbildungsbedingungen) gleich gute Prüfungsergebnisse erzielen wie Auszubildende ohne Migrationshintergrund und gleich gute Chancen auf erfolgreiche Einmündung in qualifizierte Erwerbstätigkeit hätten.

Aufgezeigt wird ferner, dass ein erheblicher Bedarf besteht, die Vermittlung berufsbezogener Deutschkenntnisse stärker mit ergänzenden Hilfen zur beruflichen Weiterbildung zu verknüpfen. So könnten bisher hinderliche Rahmenbedingungen bei Weiterbildungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt abgebaut werden. (etb)

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Ein Kommentar
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  1. Fikret sagt:

    Es gibt keinen Grund dafür warum sie nicht gut sein sollten!



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