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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Koch Dich Türkisch

Es heißt Lahmacun und nicht türkische Pizza

Das Interesse am Kochen und gutem Essen kann vereinen. Das ist die tiefe Überzeugung des KochDichTürkisch-Teams. Ein Gespräch mit Orhan Tançgil über eine Erfolgsgeschichte, die einst aus der Not eines Studenten begann …

DATUM28. April 2011

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RESSORTAktuell, Feuilleton, Interview

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MiGAZIN: Ihr erstes Rezept haben Sie am 27. Januar 2007 auf „Koch Dich Türkisch“ online gestellt – „Tahin-Pekmez ~ Süßer Brotaufstrich aus Sesampaste und Trauben-Sirup“. Wie kamen Sie auf die Idee, türkisch auf deutsch zu kochen?

Orhan Tançgil: In meiner Studienzeit hatte ich Sehnsucht nach der leckeren türkischen Küche meiner Mutter. Die Familie war in dieser Zeit in Düsseldorf, ich in Stuttgart. Da fiel es schwer, mal eben zur Mama zu gehen und Börek zu essen. Die Kochleidenschaft zu türkischer Hausmannskost war geweckt. Das bot ich meinen Freunden an und sie fragten mich immer wieder nach dem Rezept. Das war aber nicht immer so leicht, weil die für türkische Küche üblichen Maßeinheiten, Gewürze und Handgriffe nicht leicht zu erklären waren. Daher wuchs die Idee das ganze in einem Video (Podcast) festzuhalten und ins Internet zu stellen. Zusätzlich noch ein paar Geschichten um die Rezepte sollten die türkische Kultur widerspiegeln, denn es ist so viel mehr in der türkischen Küche zu entdecken als Döner & Co.

MiG: Haben Sie Ihr Ziel erreichen können, neben der türkischen Küche auch die Kultur zu vermitteln? Wie ist die Resonanz Ihrer Leser und wer kocht nach Ihren Rezepten?

Tançgil: Ja – einen – wenn auch kleinen, kulturellen Einblick vermitteln wir unseren Lesern mit unseren Rezepten. Das Kochen typischer Gerichte ist für uns der Türöffner zu einem harmonischen Miteinander bei einem guten Essen….Integration geht bei uns durch den Magen. Die Geschichten zu Bräuchen und Ritualen aus dem türkischen Kulturkreis tragen unserer Meinung nach zum besseren gegenseitigem Verständnis bei. Wir merken das immer wieder an den Rückmeldungen unserer Leser. Manchmal bekommen wir Fotos der nachgekochten Gerichte, manchmal auch sehr persönliche Fragen und Kommentare zu Erlebnissen mit der türkischen Kultur. Ein Leser hat mal geschrieben, dass er als Kind türkische Pflegeeltern in Heidelberg hatte und die ihm ein bestimmtes Gericht immer wieder gekocht haben. Dann war der Kontakt durch Umzug abgebrochen. Er sehnte sich nach diesem Essen. Durch unseren Blog hat er uns gefragt und nun weiß er wie es heißt. Demnächst kochen wir es auch mal nach: Izmir Köfte.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=TS6Es3vKKfQ[/youtube]

MiG: Verbinden Sie mit „KochDichTürkisch“ einen ganz besonderen Moment oder ein Ereignis?

Tançgil: Als meine Mutter das erste Mal ihre Hände im Internet gesehen hat wurde sie ganz emotional und fragte mich, ob ihr Hände und die in mehreren Generationen weitergegebenen Rezepte nun auch verewigt wären. Das hat sie und mich sehr glücklich gemacht. Ein weiterer Moment war, als YouTube zwei Jahre später unsere Videos für die Dauer von einer Woche auf der Homepage vorgestellt hat. Es prasselte ein Kommentar-Regen auf uns ein. Da wurde mir klar, dass es viele positive Stimmen gibt, die uns sehr motivieren, aber leider auch die extremen Meinungen laut waren. Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

MiG: Ist das der Grund, weshalb KochDichTürkisch mit einer Prise Gesellschaftspolitik gewürzt wird?

Tançgil: Ja das auch. Wir hatten uns von Anfang an die Aufgabe gesetzt das Ganze mit einem Augenzwinkern zu produzieren. Die türkische Kultur in die deutsche Gesellschaft mit Kochrezepten zu integrieren ist nur die Einstiegsdroge. Der einzige Weg aus der derzeitigen Krise besteht unserer Meinung nach darin zu kommunizieren, zu debattieren oder manchmal einige Dinge auch in leicht satirischen und selbstkritischen Texten auszudrücken. Die dezent gewürzten Artikel sind unsere Beilage, dessen Geschmack man immer mal wieder kosten sollte – darum ist Yosef auch ein Döner.

Damit können wir keine fremdenfeindliche Stimmung umkehren, aber wir können versuchen auf einer anderen Ebene das Bild des Türken in ein besseres Licht zu rücken…so, wie wir auch sind…so, wie wir wahrgenommen werden wollen. Als ein wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft der mehr als „nur“ eine Daseinsberechtigung hat, sondern der sich einbringt und engagiert.

MiG: Das Bild der türkischen Küche ist ja bereits zu einem großen Teil geprägt von beispielsweise dem Dönerladen um die Ecke. Was machen Sie anders?

Mehr: Multimedial anspruchsvoll aufbereitete türkische Rezepte abseits der Döner-Thematik stellen das Grundgerüst KochDichTürkisch-Projektes. Diese werden mit Beiträgen zur türkischen Sprache garniert und mit Betrachtungen der aktuellen deutsch-türkischen Entwicklungen ergänzt. Des weiteren gehören Rezensionen von entsprechender Literatur und regelmäßige Kolumnen und Glossen zu Themen innerhalb der gelebten Mischkultur zu den Inhalten von KochDichTürkisch. Die Macher möchten ihre Erfahrungen, Emotionen und Hintergründe teilen und Menschen verschiedenster Ethnien und Glaubensrichtungen zusammenbringen. Auf Basis von Neugier, Offenheit, Respekt und frei von politischen oder religiösen Zwängen. Denn sie glauben fest an die Vorstellung, dass man Kulturen und Menschen mit ihrer Küche kennenlernt! „Also schaut uns in die Töpfe!“, so die Macher. Mehr unter KochDichTurkisch.de.

Tançgil: Gute Frage, wobei ich sagen muss, dass die türkische Küche in Deutschland nur als Döner bekannt ist. Wenn man Türken ärgern will, fragt man nach dem besten Döner in der Stadt. Ein nervige Frage! Woher soll man das wissen? Türken essen meiner Ansicht nach weniger Döner als Deutsche. Gibt es dazu eine Untersuchung? Wenn es hochkommt ist noch die „türkische Pizza“ bekannt. Eine Katastrophe! Das heißt „Lahmacun“ und hat nichts mit Pizza zu tun. Man nennt Tortellini ja auch nicht italienische Maultaschen, oder?

Wir sind anders, zeigen nur türkische Hausmannskost und wollen die variantenreiche Küche demonstrieren. Wenn man erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, ist das Bild nicht mehr der Fastfood Döner um die Ecke, sondern die gesunde leckere Mahlzeit zu Hause. So wie Spaghetti Bolognese hat auch Kuru-Fasulye-Pilav die Chance ein Standard-Rezept im deutschen Haushalt zu sein.

MiG: Wieso ist Ihnen so wichtig, dass die „türkische Pizza“ Lahmacun genannt wird? Darauf legen Sie ja auch in Ihren Videos sehr viel Wert.

Tançgil: Wie gesagt, Tortellini sind ja auch keine italienische Maultaschen. Wir sollten die Rezepte beim Namen nennen und nicht die vermeintliche Übersetzung als Richtlinie. Ansonsten verlieren wir dieses türkische Kulturgut in Deutschland. Wir verändern ja auch nicht unsere eigenen Namen, oder? Das ist uns auch sehr wichtig. In Deutschland werden auf Grund der Tastatur die türkischen Buchstaben verändert. Ein Ç wird ein C, ein Ğ wird ein G, usw. Das müssen wir bewahren! Schade, dass es Sport-Vorbilder wie der Dortmunder Spieler Şahin nicht vormachen. Alle Zeichen sind möglich, man ist nur zu faul, es nachzuschauen und einzufordern.

MiG: Sie haben exklusiv für die MiGAZIN Leserinnen und Leser „Cevizli ve kaymaklı Kabak tatlısı bzw. Süßer Kürbis mit Wallnuss auf Kaymak“ vorbereitet? Wieso haben Sie sich für eine Süßspeise entschieden?

Tançgil: In der türkischen Kultur haben Speisen und Getränke auch symbolische Bedeutungen, die das zwischenmenschliche Fördern sollen. So sagt man beispielsweise, dass schon eine Tasse Kaffee vierzig Jahre gut in Erinnerung bleibt. Und über Süßspeisen sagt man wörtlich übersetzt „Lasst und süß essen und süß reden“. Das hat einen wahren Kern: Süßes fördert die Bildung von Glückshormonen und die entspannen. In diesem Sinne wollte ich den MiGAZIN Lesern und süße und entspannte Diskussionen wünschen.

Afiyet olsun, guten Appetit!

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24 Kommentare
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  1. Manuel sagt:

    Fragt sich, wer hier integriert werden soll. Wahrscheinlich die Deutschen in den türkischen Kulturkreis.

    Und dann wieder das Buchstabenbeispiel. Wir sind hier in Deutschland. Wir nutzen die hier gebräuchliche Schreibweise. Wieviele Japaner oder Chinesen beschweren sich, dass wir keine Schriftzeichen aus deren ehemaligem Kulturkreis nutzen?

    Am Ende des Tages ist es wieder der gleiche, altbekannte türkische Kulturimperialismus.

  2. Mika sagt:

    Kulturimperialismus? Sie sollten nicht von sich auf andere schließen. Denn das ist das einzige, was Sie unter Integration verstehen!

  3. Miro sagt:

    Auf der einen Seite gibt es Leute wie Xavier Naido oder Cassandra Steen bei denen man ins schwärmen kommt und beeindruckt ist was sie uns für wunderschöne, in deutscher Sprache gesungene, Lieder geschenkt haben. Ein echtes Beispiel für gelungene Integration, ohne das man groß darüber reden muss.
    Und auf der anderen Seite gibt es dann Leute die glauben mit der Forderung nach türkischen Buchstaben und dem kochen von türkischen Speisen einen Beitrag zur Integration zu leisten.
    Ist schon lustig manchmal, oder nein eigentlich ist es traurig.

  4. Karl Willemsen sagt:

    @Miro

    was Sie hier für „ein echtes Beispiel gelungener Integration“ halten, ist die von sehr, sehr vielen Türken/Türkischstämmigen so verpöhnte Assimilation! … einige von ihnen betrachten diese sogar als ein Verbrechen an der Menschlichkeit.

  5. m.k. sagt:

    Oh 4 Kommentare und nur Schwachsinn wie ich es auf der Seite von PI gewohnt bin.

    Jetzt darf der Türke nicht einmal mehr türkisch kochen, oder was sollen die Kommentare bedeuten.

    P.S. sicherlich geht keiner der Kommentatoren zum Pizzabäcker oder noch schlimmer zu McDoof.

  6. Gaziantepli sagt:

    @Manuel
    Wir sind hier in Deutschland. Immer wieder dieselbe Bla Bla Bla.

    In Deutschland werden englische oder Französische wörter auch original geschrieben und ausgesprochen. Da ärgert sich kaum einer. Aber wenn es um etwas geht, was mit Türken zu tun hat, werden die Leute stark Nationalistisch.

    Mein Nachnahme ist Ceyran. Übersetzt Strom. Das kann man in Deutsch nie so schreiben, wie es ausgesprochen wird. Am nächsten kann man es so schreiben. Dcheyran. Die Deutsche nennen mich entweder als Sayran oder als Kayran. İn der Türkei würden sich die Leute darüber lachen, weil es so komisch klingt. Verstehen würde aber keinerö was oder wer gemeint wird.

    Viele Laute werden, die in Türkischem mit eınem Buchstabe geschrieben werden, werden in Deutschem mit mehreren Buchstaben geschrieben. Ç= Tsch, Ş=Sch, Ğ=GH (Bağ=Bagh), H=Ch und in Türkischem wırd alles so geschrieben wıe ausgesprochen wırd. Y= Ye, S=Se (Deuscth Es wird im Wort anders z.B.Sieg), Auch die Schreibweise ist in Deutsch anders als geschrieben. Ay=Ei, Oy=Eu, ii=ie. G ist überall G, in Deutsch erster Buchstabe G in der Mitte dj oder ich weiss nich wie man es schreiben soll Bsp.Garage original wie im Französischem).

    Als die Türken Lahmacun machten, gab es auf der Landkarte kein İtalien sondern Römer und damals kannten die İtaliener keine Pizza. İn türkischer Küche gibt es Çörek (nicht Sörek oder Körek sondern Tschörek) und Börek. Bei Çörek kommmen die Zutaten auf das Teig, bei Börek in das Teig. Es gibt vielleicht Hunderte von Çörek und Börek-Arten. Die Zutaten können Fleich, Fisch, Grünzeug, viele unterschiedliche Käse, Gemüse, Salami etc. sein. Lahmacun ist einer der beliebtesten Çörek-Art und was die İtalier vermutlisch seit einigen Jahrzehnten machen, machen die Türken viele ähnlische als Çörek-Arten seit Jahrhunderten. Die Italiener haben die eine Art Çörek als Pizza in Europa bekannt gemacht. Die Türken kamen später nach Westeuropa und haben nicht den Richtigen Namen, der für Europär schwer auszusprechen ist, sondern einfach den Bekannten Namen Pizza benutzt, was ich auch nicht richtig finde.

    Yoğurt (Yoghurt) wurde von Türken erfunden und der Name ist aus Türkischem. Cacık (Dchadchık) ist auch eine türkische Spezialität. 500 Jahre türkische Herrschaft in Griechenland hat vieles den Griechen beigebracht. das (der oder das weiss ich nicht) beliebte türkische Cacık wurde von Griechen in Europa als Grischeche Späzialität Tschachiki (ich hoffe richtig geschrieben zu haben) verbreitet. Sie haben lediglich dem t+rkischen Wort Cacik die grieschiche Endung ki (bei dem Fall nur i, da K schon am Ende vorhanden) zugefügt und so geschrieben, wie man in Deutsch ungefähr richtig aussprechen kann. Tschachiki. Die Türken kamen nach Westen später und mussten ihre beliebte, Jahrgunderte bekannte Cacık in Deutschland so nennen, wie die Griechen es schon genannt haben.

    Döner (der drehende Spies) ist Türkisch. Döner hat kein anderes Volk vor den Türken in Europa verbreitet. Daher ist im gro*ten Umfang als Döner verbreitet. Aber die Griechen nennen es nicht Döner sondern gaben ihm einen griechischen Namen Gyros. Seit etwa 8 Jahren machen auch Araber Döner nach und nennen ihn Schawarma. Ich glaube, in einigen Jahrzehnten werden die Türken auch Döner nicht mehr Döner sondern entweder Gyros oder Schawarma nennen.

    Jetzt frage ich Herrn Manuel, ob seine Behauptung „Türkische Imperalismus“ stimmt? Ganz im gegenteil. Das zeigt, wie die Türken unnationalistisch und die andere Völker wie Griechen oder Araber nationalistisch sind.

  7. Miro sagt:

    @Karl
    Sie haben leider recht, das was Naido und Steen tun wird von Erdogan als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Da möchte man ihn doch direkt fragen wie er dann den Abriss eines Versöhnungsdenkmals oder generell Genozid bezeichnen würde.

    @Gaziantepli
    Sie wollen uns also ernsthaft erklären das in Wahrheit Pizza türkisch ist und Tsatsiki, Gyros etc. auch? Besonders „schön“ finde ich auch den Satz von ihnen „500 Jahre türkische Herrschaft in Griechenland hat vieles den Griechen beigebracht.“ Wahrscheinlich haben die Türken den Griechen auch Demokratie, Baukunst oder Philosophie gelehrt, nicht wahr? Man man man sie glauben vermutlich sogar alles was sie hier schreiben, sie waren wohl sehr viel türkischer Propaganda ausgesetzt.
    Und dann haben sie gleichzeitig die Dreistigkeit zu behaupten Türken wären unnationalistisch? Man kann sich nicht besser selbst widerlegen.

    p.s. Bei Gyros wird ausschließlich Schweinefleisch verwendet, eine muslimsch-türkische Tradition wie wir alle wissen.

  8. saggse sagt:

    Tortellini sind schon deshalb keine ital. Maultauschen, weil sie anders schmecken. Eher sind Maultaschen schwäbische Pelmeni. Oh Mann, muß man selbst auf der Speisekarte einen Kampfplatz eröffnen ? Lt. Wikipaedia geht Luhmakun auf die Assyrer (2000 v.Chr.) zurück und als die Türken Anatolien mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten beglückten, unter anderem brachten sie das indische Raita (sozusagen Ur-tzaziki) mit, waren die Römer schon Geschichte. Bleibt die Frage, wie die Tomatensoße auf die türkische Pi …- sorry – das/der/die Luhmacun kam. Tomaten sind ja bekanntermaßen ein Importprodukt der Coquistatoren, ebenso wie andere Nachtschattengewächse, z.B . die Kartoffeln.
    Was die phonetisch korrekte Schreibweise türkischer Namen betrifft : kann jedem passieren, auch im Deutschen gibt es Buchstabenkombinationen die dem Uneingeweihten Probleme bereiten, besonders, wenn der Namensträger einen Ur-Migrationshintergrund hat, d.h. seine Vorfahren aus Polen, Böhmen stammen oder gar Nachfahren der Hugonotten sind. Kein Problem – man korrigiert – „Ich heiße ….“ und fertig. Ich habe da eigene Erfahrung. Passiert halt. Sollte sich das dennoch als Problem verfestigen, wäre auch die Einführung der kyrillischen Schriftzeichen allerdings unabdingbar um rassitischen Tendenzen prophylaktisch zu begegnen.

    Kleine Anekdote zum Abschluß:
    Ein Bekannter aus Kanada fragte mich nach den „Gose-Archiv“ änd „Gose-Haus“ in Weimar – ob das interessant wäre und so.
    Häää ? Nachdem ich mir überlegt hatte, daß er wohl kaum auf eine Gose-Verkostung (ein Getränk so lecker wie Berliner Weiße – also ungenießbar) aus sein könnte, dämmerte es mir, daß Herr GOETHE gemeint sein könnte. Aus Protest wäre eine Flaggenverbrennung fällig gewesen – GOETHE phonetisch mit einem sauren Bier gleichzusetzen ist Blasphemie höchsten Grades.

  9. Mika sagt:

    „Oh Mann, muß man selbst auf der Speisekarte einen Kampfplatz eröffnen “

    Genau! Da muss ich Ihnen Recht geben! Und dennoch mussten auch Sie Ihren „Senf“ dazugeben??!!!

    Einfach „Maultasche ähhh Pelmeni ähhh Tortellini halten“ und genießen 🙂

    Und dass Pelmeni auf einmal schwäbisch sein soll, ist mir auch neu. Liegt wohl eher daran, dass es einige Russischstämmigen es nach Stuttgart und Umgebung geschafft haben….

  10. NDM sagt:

    Bei Lahmacun hatte ich früher immer „Lach mal, June“ verstanden. Und es waren übrigens Türken, die meinten, mir die leckere Rolle als „türkische Pizza“ zu erklären. Es lag an der Unsicherheit dahingehend, ob ich ein Gericht mit türkischem Namen überhaupt essen würde. *Aber natürlich*. Tatsächlich werden türkischsprachige Namen bei Gerichten sogar als Ausweis gesunden Essens wahrgenommen. Süßspeisen natürlich ausgenommen.

    Generell hat Gaziantepli übrigens recht. Unheimlich viel der Meditteranen Küche ist türkischen Ursprungs. Dazu gehören tatsächlich auch Gyros, Tzatziki, Cevapcici, usw. – Dabei wurden lediglich die Namen der Gerichte nationalisiert. Heute verweigern nur noch hartgesottene Nationalisten die Einsicht, dass z.B. Döner ein deutsches Gericht ist. Das gilt für Deutsche wie türkische Nationalisten gleichermaßen. Und zugleich bleibt der Türkische Ursprung deutlich, und soll es ruhig auch bleiben. Es wäre auch komisch, wenn man den Döner plötzlich „Drehtsich“, „Drehwurm“ oder ähnlich nennen würde. Was die Griechische Sprache kann(„Gyros“ ist die Übersetzung von „Döner“), kann die begrenzte Deutsche Sprache noch lange nicht.

    Dennoch: Ob es nun „türkische Pizza“ genannt wird, oder „Lahmacun. Ob es „Sucuk“ oder „Knoblauchwurst“ genannt wird, ob „Gyros“ oder „Döner“… Was schmeckt, das schmeckt. Und am Ende ist es völlig irrelevant, mit welchem Land ein Gericht assoziiert wird. Schmeckt es, dann hält es in das persönliche Rezeptbuch einzug.


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