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„Ich sag dann mal Sorry…“ – Eine Gedankenrevue zu Thilo Sarrazins Verbleib in der SPD

Es war einmal ein älterer Herr, der war einmal eine mittelgroße Nummer in einer stolzen und traditionsreichen Partei. Jahrelang hütete er die Finanzen des armen, aber nicht ganz unsexy wirkenden Bundeslandes Berlin. Zwischendurch wurde es aber dem älteren Herrn doch etwas ungemütlich in den kargen Büroräumen des Berliner Senats.

Dann müssen schon mal die armen Hartz IV-Empfänger ihren letzten Pullover im bitterkalten Berliner Winter hergeben, weil sonst die Gefahr der spätrömischen Dekadenz drohen könnte, die zu mehr unproduktiven (weil ständig unterdrückt und in den Wandschrank gesperrten) Moslem-Kopftuchmädchen führen könnte.

Das war es! Schon blitzten die Fotoapparate sämtlicher Postillen dieser Republik und ein neuer Star war geboren…so was wie Ekel Alfred mit SPD-Parteibuch. Sein Name war Thilo Sarrazin! Und weil nach dem Abschied als Berliner Kohle-Wächter die Büroräume der Deutschen Bundesbank auch zu trist waren, musste unser Thilo seine Sicht der Dinge zum Thema „Integration“ in sein „rotes Buch“ ergießen, welches später dann gekonnt von der Aktionskünstlerin Necla Kelek bei einer Pressekonferenz pantomimisch performt wurde.

Der Inhalt dieses Buches, eine Mischung aus RTL-tauglichem Sozialporno und aus dem Zusammenhang gerissenen Statistiken gepaart mit wirren Ausflügen in die Irrlehren von Intelligenz, Rasse und Religion fand viel Beifall, besonders in der politisch wichtigen Mitte der Gesellschaft. Das Affentheater in Deutschlands größtem Bildungsmedium wurde später nur noch durch die Pro-Guttenberg-Kampagne getoppt, die an Fremdschämpotenzial kaum noch zu überbieten war und uns beinahe die Rückkehr der Monarchie beschert hätte.

Nun ist unser Thilo mit seinem roten Buch auf gesellschaftliche Kernspaltungstournee gegangen und um mehrere Altersmillionen reicher. Seine politische Heimat, die SPD, erlebte damit den politischen Super-GAU.

Nicht wenige aufrichtige Parteigenossen zeigten sich empört und forderten einen Ausschluss ihres gar nicht mehr so rot daherkommenden Genossen Thilo. Ein Ausschlussverfahren war beschlossen und es drohte uns ein monatelanger Prozess, welcher uns womöglich noch den zweiten Teil des bösen, roten Buches beschert hätte.

Nun rückte der erste Termin des Ausschlussverfahrens näher, die SPD sichtlich angespannt, denn egal wie dieses Verfahren ausgegangen wäre, Thilo gewinnt so oder so.

So geschah es, dass sich die SPD-Spitzenleute gerade einmal wenige Stunden beraten haben, was man denn jetzt nun mit Thilo machen könnte.

Das Ergebnis: war alles nicht so bös gemeint … alles nur ein schlechter Scherz … und überhaupt: alles nur ein peinliches Missverständnis. Thilo sagt dann mal „Sorry!“.

Es lag ihm natürlich fern (so ungefähr vom Stuhl bis zum Tisch) MigrantInnen zu dissen oder sogar Menschen zu kränken … nein nein … alles nur eingebildet. Die SPD-Spitze ist damit zufrieden. Thilo bleibt in der Familie. Problem vom Tisch … zumindest oberflächlich.

Wir fassen zusammen: Millionen Menschen in dieser Republik (inklusive den Trittbrettfahrern von der NPD) haben unter kollektiven Halluzinationen gelitten.

Das ist jetzt amtlich beschlossen durch das SPD-Schiedsgericht. Allen stolzen Besitzern von „Deutschland schafft sich ab“ empfehle ich nur noch eines: Tauscht eure Bücher um! Holt euch eure Kohle zurück, denn auch ihr wurdet schamlos hinters Licht geführt!