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Beobachtungen

Lebhafte Gedanken zu Deutschen in Spanien

Berta Ruiz kam vergangenen Sommer als Studentin der Medienwissenschaften nach Deutschland ins Ruhrgebiet. Mitten hinein in die heiße Debatte um Integration. Rasch bemerkte sie, dass sie zwar Ausländerin ist, aber ganz andere Voraussetzungen und Bedingungen erlebt als die „normalen” imigrantes.

Berta Ruiz hat mit Kommilitonen das Thema Integration diskutiert, deutsche Zeitungen ausgewertet und Straßeninterviews mit „Migranten“ und „Deutschen“ geführt – ganz wohl war ihr dabei nicht, Menschen auf der Straße nach den Kriterien „Ausländer“ und „Deutscher“ zu sortieren. Ihre Beobachtungen:

Die Debatte um die Integration von Migranten ist in den Medien ein Hauptthema, interessanterweise fühlten sich aber die von mir befragten „einfachen“ Leute, egal ob sie Deutsche oder Ausländer waren, nur wenig davon betroffen. Eine erfolgreiche Integrationspolitik sollte das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen gestalten und auf einer „Willkommenskultur“ basieren, die eine Chancengleichheit zu entwickeln hilft. So knapp könnte man die Diskussion zusammenfassen, wären da nicht die Forderungen und Schuldzuweisungen an die Adresse der Einwanderer. Die Einwanderer sollen aktiv ihre Integration vorantreiben und die deutsche Sprache anständig beherrschen. Der Schlüsselsatz lautet: ,,Eine Politik des Förderns und Forderns”.

Messen mit zweierlei Maß
Als Absolventin eines deutschen Gymnasiums in Málaga komme ich nicht umhin, diesen Maßstab anzulegen an die deutschen Eltern meiner Mitschüler. Ein Hauch boshafter Gedanken über das Gehabe des Förderns und Forderns steigt auf, beobachtet man die deutsche Immigration.

Spanien ist seit den 60er Jahre nicht nur ein Reiseziel für Ausländer, sondern auch Anziehungspunkt für ein dauerhaftes Leben. Das Wetter, das Essen und die Sitten erweckten bei vielen Touristen das Begehren, dazubleiben, aber auch von vornherein deutsche Gemeinschaften zu gründen. Dies geschah vor allem auf Mallorca und auf den kanarischen Inseln, aber ebenso an der Costa del Sol (Málaga) in Südspanien.

Málaga ist die Provinz mit dem größten Anteil wohlhabender Ausländer in ganz Spanien. Der Grund dafür sind die Rentenempfänger, die die Costa del Sol als Zweitwohnsitz verwenden. Insgesamt gibt es 142.400 europäische Einwanderer an der Costa del Sol, von denen 16.337 eine deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Deutsche Einwanderer, die etwa 4000 Euro Schulgeld im Jahr aufbringen können, haben die Möglichkeit, ihre Kinder in einer deutschen Schule unterrichten zu lassen, ohne dass sie sich Debatten um Integrationsverweigerung ausgesetzt sehen. Sie kaufen Sülze und Kassler in der deutschen Metzgerei und versorgen sich mit ihrem Graubrot in ihrer Bäckerei. Bei meinen deutschen Mitschülerinnen liefen ganz selbstverständlich deutsche Nachrichten, es wurden deutsche Zeitungen gelesen, ohne dass der negative Einfluss dieser Medien auf die Integrationsfähigkeit ihrer Konsumenten heraufbeschworen wurde.

Oktoberfest 2010 in Malaga
Es gibt sogar ein Oktoberfest, um eine der berühmtesten „Fiestas” Deutschlands nicht zu vergessen.

Sicherlich gibt es auch deutsche Migranten der ersten Generation, die Spanisch sprechen, doch viele leben zwar auf der Halbinsel, aber eben in einer deutschen Gemeinde. Als Versager nimmt sie keiner wahr.

Ganz natürlich hat die zweite Generation mehr Anreize, mehr Neugier, die engen Grenzen der deutschen Gemeinde zu verlassen und „spanisch“ zu werden, sie tun es, wie die nachfolgenden Generationen der Migranten in Deutschland auch. Der Unterschied ist, dass ihre Eltern nicht als „Integrationsverweigerer“ stigmatisiert und dass sie selbst relativ bald mit einem spanischen Pass ausgestattet werden.