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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Beobachtungen

Lebhafte Gedanken zu Deutschen in Spanien

Berta Ruiz kam vergangenen Sommer als Studentin der Medienwissenschaften nach Deutschland ins Ruhrgebiet. Mitten hinein in die heiße Debatte um Integration. Rasch bemerkte sie, dass sie zwar Ausländerin ist, aber ganz andere Voraussetzungen und Bedingungen erlebt als die „normalen” imigrantes.

VONBerta Ruiz

DATUM18. April 2011

KOMMENTARE19

RESSORTAktuell, Meinung

QUELLE Vielfalt–Das Bildungsmagazin (AWO Bezirksverband Mittelrhein e.V)

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Berta Ruiz hat mit Kommilitonen das Thema Integration diskutiert, deutsche Zeitungen ausgewertet und Straßeninterviews mit „Migranten“ und „Deutschen“ geführt – ganz wohl war ihr dabei nicht, Menschen auf der Straße nach den Kriterien „Ausländer“ und „Deutscher“ zu sortieren. Ihre Beobachtungen:

Die Debatte um die Integration von Migranten ist in den Medien ein Hauptthema, interessanterweise fühlten sich aber die von mir befragten „einfachen“ Leute, egal ob sie Deutsche oder Ausländer waren, nur wenig davon betroffen. Eine erfolgreiche Integrationspolitik sollte das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen gestalten und auf einer „Willkommenskultur“ basieren, die eine Chancengleichheit zu entwickeln hilft. So knapp könnte man die Diskussion zusammenfassen, wären da nicht die Forderungen und Schuldzuweisungen an die Adresse der Einwanderer. Die Einwanderer sollen aktiv ihre Integration vorantreiben und die deutsche Sprache anständig beherrschen. Der Schlüsselsatz lautet: ,,Eine Politik des Förderns und Forderns”.

Messen mit zweierlei Maß
Als Absolventin eines deutschen Gymnasiums in Málaga komme ich nicht umhin, diesen Maßstab anzulegen an die deutschen Eltern meiner Mitschüler. Ein Hauch boshafter Gedanken über das Gehabe des Förderns und Forderns steigt auf, beobachtet man die deutsche Immigration.

Spanien ist seit den 60er Jahre nicht nur ein Reiseziel für Ausländer, sondern auch Anziehungspunkt für ein dauerhaftes Leben. Das Wetter, das Essen und die Sitten erweckten bei vielen Touristen das Begehren, dazubleiben, aber auch von vornherein deutsche Gemeinschaften zu gründen. Dies geschah vor allem auf Mallorca und auf den kanarischen Inseln, aber ebenso an der Costa del Sol (Málaga) in Südspanien.

Málaga ist die Provinz mit dem größten Anteil wohlhabender Ausländer in ganz Spanien. Der Grund dafür sind die Rentenempfänger, die die Costa del Sol als Zweitwohnsitz verwenden. Insgesamt gibt es 142.400 europäische Einwanderer an der Costa del Sol, von denen 16.337 eine deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Deutsche Einwanderer, die etwa 4000 Euro Schulgeld im Jahr aufbringen können, haben die Möglichkeit, ihre Kinder in einer deutschen Schule unterrichten zu lassen, ohne dass sie sich Debatten um Integrationsverweigerung ausgesetzt sehen. Sie kaufen Sülze und Kassler in der deutschen Metzgerei und versorgen sich mit ihrem Graubrot in ihrer Bäckerei. Bei meinen deutschen Mitschülerinnen liefen ganz selbstverständlich deutsche Nachrichten, es wurden deutsche Zeitungen gelesen, ohne dass der negative Einfluss dieser Medien auf die Integrationsfähigkeit ihrer Konsumenten heraufbeschworen wurde.

Oktoberfest 2010 in Malaga
Es gibt sogar ein Oktoberfest, um eine der berühmtesten „Fiestas” Deutschlands nicht zu vergessen.

Sicherlich gibt es auch deutsche Migranten der ersten Generation, die Spanisch sprechen, doch viele leben zwar auf der Halbinsel, aber eben in einer deutschen Gemeinde. Als Versager nimmt sie keiner wahr.

Ganz natürlich hat die zweite Generation mehr Anreize, mehr Neugier, die engen Grenzen der deutschen Gemeinde zu verlassen und „spanisch“ zu werden, sie tun es, wie die nachfolgenden Generationen der Migranten in Deutschland auch. Der Unterschied ist, dass ihre Eltern nicht als „Integrationsverweigerer“ stigmatisiert und dass sie selbst relativ bald mit einem spanischen Pass ausgestattet werden.

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19 Kommentare
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  1. MoBo sagt:

    „Türken die nach Deutschland kommen brauchen Geld. “

    Äh ja… die Gastarbeiter haben nicht umsonst unsere Arbeit gemacht. Was ist da das Problem?

  2. Rudolf sagt:

    Eine deutsche Parallelgesellschaft, aber niemand ist empört.

  3. Mika sagt:

    Ohooo, da hab ich aber eine Lawine ins Rollen gebracht!

    Ich will erst gar nicht auf die einzelnen Aussagen eingehen, da würden Sie eh den Kürzeren ziehen!
    Fakt ist doch, dass laut Innenministerium 80-90% der Migranten bestens integriert ist. Doch was macht man? Man pickt sich die extremsten Negativbeispiele raus und verallgemeinert und steckt alle in eine Schublade! Man unterstellt den Migranten, dass sie sich aus den Sozialsystemen ernähren und angeblich sich nicht integrieren können. Doch der Begriff Integration scheint ein sehr weitgefächerter Begriff zu sein. Viele definieren sie extrem unterschiedlich!
    Und Fakt ist auch, dass im Ausland lebende Deutsche eher unter sich bleiben. Aber das ist ja etwas anderes…..Ich soll angeblich Äpfel mit Birnen vergleichen? Sie aber messen mit zweierlei Maß!!!!

  4. Gerhard Ochwat sagt:

    „Und Fakt ist auch, dass im Ausland lebende Deutsche eher unter sich bleiben. Aber das ist ja etwas anderes…..Ich soll angeblich Äpfel mit Birnen vergleichen? Sie aber messen mit zweierlei Maß!!!!“

    Es ist so wie Sie sagen Mika. Es ist auch in SOA so, meiner zweiten Heimat.
    Der Unterschied zu Europa ist das ich dort wenn ich kein Geld mehr habe , ich nicht einfach mal beim Sozialamt vorsprechen kann um Geld für meinen Lebensunterhalt zu ergattern. Ich muss dort meinen Lebensunterhalt selbst finanzieren.

    Gruß

    Gerhard

  5. Mika sagt:

    @Gerhard
    Wissen Sie was? Ich habe auch etwas gegen Sozialschmarotzer, so wie viele hier auch. Ich bin auch der Meinung, dass diejenigen, die wiederholt zur Arbeit aufgefordert werden, dies nicht tun, denen der Geldhahn zugedreht werden sollte! Aber wie unterscheidet man zwischen den wirklich Bedürftigen und denen, die es sich einfach nur gutgehen lassen?
    Dann sollten wir gleich den Sozialstaat aufheben zu Lasten derer, die es wirklich brauchen! Und das finde ich sehr schwierig!

  6. Schier sagt:

    Jeder sollte die Sprache des Landes lernen, in dem er lebt, natürlich sollten die Erwartungen schon etwas an die Möglichkeiten angepasst sein.
    Im Übrigen geht mir der selbstgefällige Stil und die Unverschämtheit wie südländische Zuwanderer hier von den Kommentatoren dargestellt werden sehr gegen die Strich. Wie kommen Sie dazu, sie alle als Sozialhilfeempfänger, Schwarzarbeiter etc. zu bezeichnen, die Deutschland etwas wegnehmen? D a s ist jedenfalls sowohl gelogen als auch beleidigend ausländerfeindlich.
    Zuviel NPD-Propaganda und Bild-Zeitung gelesen? Sind so schöne große Buchstaben…..
    Seltsamerweise begegne ich überwiegend beschäftigten „Ausländern“.
    Die Wirtschaft ist jedenfalls anderer Meinung als,Sie was den „Nutzen“ von ausländischen Arbeitnehmern angeht.
    Deutsche Rentner „bringen Geld“ in Mittelmeerländer, ja, aber es geht eben nicht nur ums Geld, wenn man in einem anderen Land lebt. Dem wackeren Wirtschaftswunderdeutschen ist das schwer begreiflich zu machen. Ebensowenig, wie, dass es außer Fleiß, früh aufstehen, Ruhe Ordnung und Mamas übrigem Tugendkatalog auch noch andere Werte geben könnte… ach so, Geld natürlich!
    Deutsche Rentner bringen Geld in den Süden? Und südländische Arbeitnehmer bringen außer ihrer Arbeit Rente nach Deutschland: Kinder.
    Oder stört es jetzt, dass die eher selten blond sind?
    – Ich fände es nicht gut, wie viele Deutsche zwar in Spanien zu leben, aber sich zu distanzieren. Allein schon, weil ich unter „typischen“ Deutschen wie Ihnen – die vermutlich kein update mehr bekommen – so deprimiert und angeödet wäre, dass ich aus diesem Refugium flüchten müsste um zu leben..

    Helen

  7. posteo sagt:

    Was tun die Deutschen in Spanien denn anderes, als zur kulturellen Vielfalt beizutragen. Immer nur Paella und Sangria, da ist so ein kerniges Oktoberfest doch mal ne schöne Abwechslung, oder nicht?

  8. posteo sagt:

    Schier sagt:
    17. November 2013 um 07:37
    „Dem wackeren Wirtschaftswunderdeutschen ist das schwer begreiflich zu machen. Ebensowenig, wie, dass es außer Fleiß, früh aufstehen, Ruhe Ordnung und Mamas übrigem Tugendkatalog auch noch andere Werte geben könnte… ach so, Geld natürlich!“

    Und wenn der wackere Tugenddeutsche seinen Festen nachgeht, und dabei mit Münchner Oktoberfest, Hamburger Fischmarkt und (Stuttgart-)Cannstadter Wasen(Wasen=veralteter Begriff für Wiese) die 3 größten Volksfeste der Welt(!) ausrichtet, dann passt es dem wackerem Antideutschen auch wieder nicht, sondern er wirft seinen Mitbürgern Deutschtümelei vor.

    MERKE: Man jemanden nicht mögen, um neidisch zu sein.

  9. posteo sagt:

    Sorry, wenn ich mich nochmal melde, aber die Kritik an der deutschen „Tüchtigkeit“ ist auch eine Ohrfeige für diejenigen, die es gerne etwas gemütlicher angehen würden, wenn sie es sich leisten könnten, auf ihren Zweitjob nach Feierabend zu verzichten.

    Dann noch eine Korrektur: Man m u s s jemanden nicht mögen, um neidisch zu sein.


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