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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Doppelte Staatsbürgerschaft

Viele optionspflichtige Migranten müssen sich nicht entscheiden

In vielen Fällen können optionspflichtige junge Migranten neben der deutschen Staatsangehörigkeit auch die Ausländische behalten. Voraussetzung: Antragstellung bis zum 21. Lebensjahr auf Beibehaltung beider Staatsbürgerschaften.

Unter dem Titel ‚Muss ich mich entscheiden?’ informiert eine neue Broschüre über die Optionspflicht junger Migranten, wie Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) vergangene Woche Mittwoch in Mainz mitteilte.

Die Optionspflicht gilt für junge Migranten, die zwar mit Geburt neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, sich aber ab ihrem 18. Geburtstag entscheiden müssen, ob sie die deutsche behalten und die ausländische Staatsangehörigkeit ihrer Eltern aufgeben wollen.

„Die vom Bund vorgegebene Optionspflicht ist integrationspolitisch völlig verfehlt. Daher hat sich das Vorsitzland Rheinland-Pfalz bei der Integrationsministerkonferenz im Februar in Mainz für eine gemeinsame Initiative der Länder zur Abschaffung eingesetzt. Leider haben die unionsgeführten Länder nicht mitgezogen“, sagte die Ministerin.

Info: Ist die Aufgabe der ausländischen Staatsangehörigkeit nicht möglich, unzumutbar, oder nicht notwendig, wird eine Beibehaltungsgenehmigung erteilt. Diese Genehmigung ermöglicht es, neben der deutschen Staatsangehörigkeit die ausländische Staatsangehörigkeit zu behalten. Das muss bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres beantragt werden. Bis zur Entscheidung der Behörde über die Beibehaltungsgenehmigung besteht die deutsche Staatsangehörigkeit fort. Wird die Genehmigung vor der Vollendung des 23. Lebensjahres abgelehnt, besteht weiterhin die Pflicht, den Verlust der ausländischen Staatsangehörigkeit bis zum 23. Geburtstag nachzuweisen. Näheres entnehmen Sie der Broschüre.

Beibehaltungsgenehmigung
„Mit der Broschüre wollen wir den betroffenen jungen Menschen eine Hilfestellung geben, um sich in dem komplizierten Verfahren zurechtzufinden“, so Malu Dreyer. Die Entscheidung sei für die Betroffenen oft nicht leicht. Umso wichtiger sei es für sie, einen Überblick über das Verfahren zu erhalten, zu erfahren, welche Fristen für die Entscheidung gelten, und welche Folgen es hat, wenn sie keine Entscheidung treffen.

In vielen Fällen können sie neben der deutschen die ausländische Staatsangehörigkeit behalten, wenn sie rechtzeitig einen entsprechenden Antrag stellen. „Wir wollen niemanden verlieren, der bereits als Kind die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt“, sagte die Ministerin. Sie verwies darauf, dass alle Optionspflichtigen ein Schreiben von Ministerpräsident Kurt Beck bekommen, in dem auf die Vorteile der deutschen Staatsangehörigkeit hingewiesen wird.

Gleichzeitig erneuerte die Ministerin ihre Kritik an der Optionspflicht. „Die Regelung zum Optionsverfahren ist kompliziert, bürokratisch und für die Betroffenen kaum verständlich“, sagte Dreyer. Sie sei zum Teil auch unsinnig, denn optieren müssten beispielsweise auch Menschen, denen das Gesetz neben der deutschen Staatsangehörigkeit die Beibehaltung einer weiteren ausdrücklich erlaube.

Ein klares Signal
Die Ministerin geht davon aus, dass zahlreiche Optionspflichtige beide Staatsangehörigkeiten behalten können. Indiz dafür sei, dass bereits mehr als die Hälfte der Einbürgerungen unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit erfolgt. So betrug die Quote derer, die in Deutschland unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit eingebürgert wurden, im Jahr 2009 ausweislich des Statistischen Bundesamtes 53,7 Prozent. Viele empfänden die Pflicht zur Option als Infragestellung ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft, sie wollten keine Deutsche mit Vorbehalt sein.

„Unser Ziel ist es, den in Deutschland geborenen Kindern ausländischer Eltern mit deutscher Staatsangehörigkeit das klare Signal zu geben, dass sie auf Dauer gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft und als deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger willkommen sind“, unterstrich Malu Dreyer.

Im Rahmen der Kampagne „Ja zur Einbürgerung“ werben die Landesregierung und ihre Kooperationspartner für die Einbürgerung, stellen die Vorteile der deutschen Staatsbürgerschaft dar, informieren über die Voraussetzungen der Einbürgerung und beraten diejenigen, die sich einbürgern lassen möchten. (es)

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24 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Europa sagt:

    @Mika
    „Das ist auch unsere Heimat! Und da können Sie noch soviel schimpfen und diffamieren, auch Sie werden nichts daran ändern können! Und wieso muss ich mich für eine Kultur entscheiden? Wenn man in zwei Kulturen aufgewachsen ist, so hat man logischerweise auch zwei Kulturen inne. Ich will mich nicht entscheiden, ich habe mich bereits entschieden: für die deutsche UND türkische Kultur!“

    Genau diese Überzeugung, Sie würden zwei Kulturen leben ist ihre Lebenslüge. In Wirklichkeit leben Sie keine der beiden Kulturen sondern nur einen selbstzusammengezimmerten Mischmasch. Sie glauben sie würden den Menschen in Deutschland damit ein gefallen tun und dabei tun sie sich nur selbst einen Gefallen, weil es ihnen das Leben erleichtert indem sie sich einfach keiner Kultur richtig anpassen müssen, aber dann dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn Sie von keiner der beiden Kulturen mehr richtig aufgenommen werden, weder in der deutschen noch in der türkischen.

    Ich bin Deutscher und zwar väterlicherseits und mütterlicherseit und trotzdem würde ich locker mal behaupten, besser die Kultur der Deutschen und der Türken zu verstehen, als Sie es tun oder tun wollen.
    Ich hab wahrscheinlich schon öfter Halalfleisch gegessen (obwohl ich das schächten von Tieren mittelalterlich finde), als Sie jemals Schweinefleisch gegessen haben. Das ist meiner Meinung nach Toleranz und weltoffenheit, aber nicht das was hier eine Menge Türken, von sich selbst halten.

  2. Mika sagt:

    Tja Herr/Frau Schneider, selbst wenn ich mich ausschließlich für eine Kultur entscheide sollte, würde das schon aufgrund meines Äußeren nicht gehen. Da kommt immer wieder die Frage nach der Ursprunglichkeit der Herkunft auf. Also erzählen Sie mir nicht, dass wenn ich mich für eine Kultur entscheide, dann alle Probleme gelöst werden würden.

  3. Mika sagt:

    @Europa
    „Ich bin Deutscher und zwar väterlicherseits und mütterlicherseit und trotzdem würde ich locker mal behaupten, besser die Kultur der Deutschen und der Türken zu verstehen, als Sie es tun oder tun wollen.“

    Also sorry, darüber kann man ich nur lachen! Das ist genau die Engstirnigkeit, die ich in meinen vorangegangen Beiträgen angeprangert habe. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man zwei Kulturen innehat. Dann belassen Sie es einfach dabei und versuchen Sie mir nicht vorzuschreiben, wie ich mein Leben und meine Herkunft definiere. Denn diese Definition kann bei jeden anders sein! Ich habe meine eigene Kultur bestehend aus zwei Einflüssen und Sie ihre Monokultur. Dass Sie dadurch kulturell ärmer dran sind, mag ich nicht beurteilen, aber Sie tun genau das und wollen mir weismachen, dass es schlimmer net geht *kopfschüttelnd lach*

    „Ich hab wahrscheinlich schon öfter Halalfleisch gegessen (obwohl ich das schächten von Tieren mittelalterlich finde), als Sie jemals Schweinefleisch gegessen haben. Das ist meiner Meinung nach Toleranz und weltoffenheit, aber nicht das was hier eine Menge Türken, von sich selbst halten.“

    Und auch dass mit dem Schweinefleisch haben Sie leider nicht verstanden:
    Dann sollten wir mal die Vegetarier/Veganer zwingen, Fleisch zu essen, damit wir später behaupten können, wir hätten Ihnen Toleranz beigebracht!

  4. Europa sagt:

    „Ich habe meine eigene Kultur bestehend aus zwei Einflüssen und Sie ihre Monokultur.“

    Sie verstehen überhaupt nicht was ich meine: Wir leben doch alle nur eine Monokultur, ganz egal, was unsere Eltern für eine Nationalität oder Herkunft hat. Sie glauben zwei Kulturen zu leben und ich glaueb dass Sie jeweils zur hälfte eine deutsche Kultur leben und zur hälfte eine türkische leben und damit schlusendlich keiner der beiden Kulturen richtig verstehen, sondern halt immer nur anschneiden. Das ist ein bisschen so als könnte man zwei Sprachen nur zru hälfte und dann behauptet man, man wäre zweisprachig.
    Tut mir leid, aber Sie machen es sich ein bisschen zu einfach! Sie wollen ganz einfach nur keine Farbe bekennen. Entweder man ist Deutscher oder man ist Türke, aber den Zustand Deutsch-Türke ist immer nur ein Provisorum, eine Übergangszeit. Man muss sich im Leben entscheiden und Sie haben das halt noch nicht gemacht.

    „Also sorry, darüber kann man ich nur lachen! Das ist genau die Engstirnigkeit, die ich in meinen vorangegangen Beiträgen angeprangert habe. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man zwei Kulturen innehat.“

    Warum solte ich mir das nicht vorstellen können? Meine indische Frau und mein halbindisches Kind wüssten da bestimmt mehr darüber zu berichten als Sie. Ihre antideutschen ressentiments zeigen nur von sozialem Armut in ihrem Umfeld. Sie gehören wahrscheinlich zu den Kandidaten die nach einem vermasselten Vorstellungsgespräch immer den blöden rassisitischen Deutschen die Schuld geben, aber dass Sie als Mensch mit ihrer mangelnden Leistung einfach mal versagt haben, das würden Sie niemals zugeben, denn das wäre ja sonst auch mit Anstrengungen verbunden.
    Sie denken nur weil ich ein sogenannter Biodeutscher bin, dass ich keine Ahnung von der Welt habe. Das alleine ist schon ein Beweis dass Sie noch nie etwas von deutscher Reisekultur gehört haben. Glauben Sie die Deutschen wären so engstirnig wie die Türken, wenn Sie Urlaub machen wollen und würden immer nur in die Türkei fliegen? Glauben Sie nicht auch dass die meisten Deutschen die Welt und deren verschiedenen Kulturen besser kennt als die meisten Türken es jemals tun werden? Ich schon! Erzählen Sie mir nichts von engstirnigkeit, das gehört nicht zur deutschen Kultur.

  5. Mika sagt:

    @Europa
    „Sie denken nur weil ich ein sogenannter Biodeutscher bin, dass ich keine Ahnung von der Welt habe. Das alleine ist schon ein Beweis dass Sie noch nie etwas von deutscher Reisekultur gehört haben. Glauben Sie die Deutschen wären so engstirnig wie die Türken, wenn Sie Urlaub machen wollen und würden immer nur in die Türkei fliegen? Glauben Sie nicht auch dass die meisten Deutschen die Welt und deren verschiedenen Kulturen besser kennt als die meisten Türken es jemals tun werden? Ich schon! Erzählen Sie mir nichts von engstirnigkeit, das gehört nicht zur deutschen Kultur.“

    Das ist ja total lächerlich! Nur weil Sie die Welt bereisen, denken Sie, dass sie reich an verschiedenen Kulturen sind? Aber die Kultur der verschiedenen Menschen im eigenen Land wollen Sie nicht kennenlernen! Und schon allein die Aussage, dass Türken nur in die Türkei fliegen, zeugt auch nur von Wissensarmut! Die meisten Türken der 2. und 3. Generation fliegen sehr wohl um die halbe Welt! Ich selbst war schon in diversen anderen Ländern – auch in Übersee. Ach? Nicht gewusst? Nein, wie denn auch? Bloß nicht fragen, sondern immer falsche Behauptungen aufstellen!

    „Sie gehören wahrscheinlich zu den Kandidaten die nach einem vermasselten Vorstellungsgespräch immer den blöden rassisitischen Deutschen die Schuld geben, aber dass Sie als Mensch mit ihrer mangelnden Leistung einfach mal versagt haben, das würden Sie niemals zugeben, denn das wäre ja sonst auch mit Anstrengungen verbunden.“

    Auch das ist mal eine Generalisierungspauschale! Es geht Sie zwar einen Sch…dreck an, aber ich erzähl´s Ihnen mal: Ich hab einen Job und zwar seitdem ich 19 bin! Und Abitur und eine Ausbildung hab ich auch genossen. Ja, ja, ich bin ja nur eine Ausnahme und all die anderen Deutsch-Türken und Moslems haben keinen, schröpfen den Sozialstaat und beteiligen sich nicht am gesellschaftlichen Leben in Deutschland! Durch Ihre Aussagen bestätigen Sie einfach nur Ihre Engstirnigkeit und Ihre rassistischen Vorurteile gegenüber Migranten (außer den Hindus natürlich) und machen sich nicht ein bisschen die Mühe, mal welche kennenzulernen so wie wir das tagtäglich tun! Ist ja auch einfacher, in einem anonymen Forum über jene herzuziehen!

  6. Fikret sagt:

    Ich hab nichts gegen eine Doppelte Staatsangehörigkeit . Das hat mit der Loyalität nichts zu tun. Sondern, das hat nur praktische Gründe. Wenn man selbst die Staatsangehörigkeit hat ist man für Rassisten sowieso kein echter Deutsche. Aber mann darf dann wählen oder gewäht werden. Bei etwa 16 Millonen Migranten keine Pappe. Ausländerfeinde kann man zwar nicht mit rationellen Beweisen immer noch nicht überzeugen aber solche Typen kriegen eine demokratische Rechnung. Denn diese Leute sind zumeist aggressiv, gewaltbereit, und unebrechenbar. Sie wollen den Menschen vorschreiben woran diese Menschen glauben dürfen oder nicht. Sie sollen sich keine Mühe geben, diese menschenverachtende Ideologie werden wir nicht übernehmen.

  7. Sugus sagt:

    @ Fikret
    „Ich hab nichts gegen eine Doppelte Staatsangehörigkeit . Das hat mit der Loyalität nichts zu tun.“
    Angenommen, Deutschland und die Türkei führen morgen Krieg gegeneinander: Auf welcher Seite stehen Sie?

  8. Leon sagt:

    @ Fikret
    In den 90ern habe ich berufsbedingt viel mit Türken zu tun gehabt, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragten.
    Von denen sagte nicht einer, er werde jetzt Deutscher.
    Der Tenor war: „Ich bin und bleibe Türke, ich bekomme nur den deutschen Pass.“
    Waren das jetzt alles Rassisten? Und hat sich diese Einstellung in den letzten 10 Jahren so grundlegend gewandelt?

  9. Fikret sagt:

    @ Sugus
    Erstmal Deutchland und Türkei führen keinen Krieg. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr klein, dass sie in absehbarer Zeit einen Krieg führen werden. Deutschland und Türkei waren sogar im ersten Weltkrieg Waffenbrüder. Ich verstehe und weiß nichts von theoretischen Kriegen. Es kommt letzten Endes auf den Grund des Krieges ab. wer, wen ,weswegen angreift. Und die Türkei -stämmige Menscen leben mit oder ohne Staatsangehörigkeit hier. Also keine künstliche Feindschaften erzeugen bitte,

  10. Fikret sagt:

    @ Leon
    Das sind Ihre persönliche Erfahrungen. So etwas kann man nicht verallgemeiern. Außerdem die Zeiten haben sich geändert. Wir sollten uns ja anpassen. Es hat keinen Sinn in vergangenen Jahrzehnten zu leben.


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