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Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Statistik für 2010

Mehr Ausländer, weniger Türken

Ende 2010 lebten in Deutschland rund 6,75 Millionen Ausländer. Das ist ein Plus von rund 60 000. Die höchsten Zuwächse gab es bei Rumänen und Polen (jeweils rund 20 000); die höchste Abnahme bei Türken (28 600).

Am Jahresende 2010 lebten rund 6,75 Millionen Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Basis von Daten des Ausländerzentralregisters (AZR) am vergangenen Donnerstag in Wiesbaden mit. Dabei waren Staatsbürger von 188 der insgesamt 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in Deutschland vertreten.

Gegenüber 2009 ist die Zahl der ausländischen Bevölkerung um rund 58 800 Personen gestiegen (+ 0,9 Prozent). Dies ist der erste Zuwachs seit fünf Jahren – zwischen 2006 und 2009 war die Zahl leicht rückläufig.

Die Zahl der EU-Staatsangehörigen in Deutschland hat um 75 400 zugenommen (+ 3,2 Prozent). Die höchsten absoluten Zuwächse gab es bei der Bevölkerung aus Rumänien (+ 21 600), Polen (+ 20 900) und Bulgarien (+ 13 000). Das Plus resultierte vor allem aus erhöhter Zuwanderung und weniger aus einem Geburtenanstieg oder einem Rückgang der Abwanderung. Prozentual gesehen war der Zuwachs aus Lettland (+ 22,4 Prozent), Bulgarien (+ 21,0 Prozent) und aus Rumänien (+ 20,5 Prozent) am höchsten. Griechenland war der einzige EU-Mitgliedsstaat, der eine nennenswerte Abnahme verzeichnete (– 1 400 Personen beziehungsweise – 0,5 Prozent).

Deutlich weniger Türken
Insgesamt war der stärkste Rückgang – wie schon 2009 – bei der türkischen Bevölkerung zu beobachten. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um 28 600 Personen verringert (– 1,7 Prozent) und lag Ende 2010 bei 1,63 Millionen. Damit setzt sich der langjährige Trend fort: Seit dem Höchststand in 1998 mit 2,1 Millionen türkischen Staatsangehörigen sinkt ihre Zahl kontinuierlich. Die Abnahme hat drei Ursachen: Einbürgerungen, Fortzüge und Sterbefälle.

Im Laufe des Jahres 2010 sind 472 100 ausländische Personen nach Deutschland zugezogen oder wurden hier geboren – das waren 59 700 mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig haben 300 700 ausländische Personen das Land verlassen oder sind verstorben, rund 11 300 weniger als im Vorjahr. Rund 112 500 Personen sind aus anderen Gründen, wie zum Beispiel durch Einbürgerung, nicht mehr im Ausländerzentralregister erfasst, das sind knapp 20 700 weniger als im Vorjahr.

Jeder Dritte EU-Bürger
Zum Jahresende 2010 stammten 36 Prozent aller ausländischen Personen aus einem der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und 29 Prozent aus den vier Kandidatenländern (Türkei, Kroatien, Mazedonien, Montenegro). Weitere 15 Prozent kamen aus den übrigen europäischen Ländern. 12 Prozent der Ausländer waren aus Asien, 4 Prozent aus Afrika und 3 Prozent aus Amerika.

Die wichtigsten Herkunftsländer der in Deutschland lebenden Ausländer sind unverändert die Türkei mit einem Anteil von 24 Prozent, Italien mit 8 Prozent und Polen mit 6 Prozent.

Info: Das Ausländerzentralregister erfasst nur Ausländer, die sich nicht nur vorübergehend in Deutschland aufhalten. Es weist deshalb bei Bestandszahlen und Veränderungen in der Regel niedrigere Werte aus als Datenquellen ohne eine solche Einschränkung. Weitere Ergebnisse bietet die Fachserie Ausländische Bevölkerung, die kostenfrei im Internetangebot von Destatis erhältlich ist.

Fast jeder zweite Türke in Deutschland geboren
19 Prozent aller im Ausländerzentralregister geführten Personen wurden in Deutschland geboren. Den höchsten Anteil an den in Deutschland Geborenen hatten mit 41 Prozent die türkischen Staatsangehörigen, gefolgt von den italienischen (12 Prozent) und den griechischen (6 Prozent) Staatsangehörigen.

Zugewanderte ausländische Staatsangehörige leben im Schnitt seit 18,9 Jahren in Deutschland, dabei ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei Männern (19,6 Jahre) etwas höher als bei Frauen (18,2 Jahre). Immigranten aus europäischen Staaten sind im Schnitt seit 20,8 Jahren hier. Personen aus den Gastarbeiter-Anwerbeländern (Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien) leben seit durchschnittlich 24,9 Jahren in Deutschland. (es)

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7 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. james sagt:

    Schade 🙁

  2. Marc Heinrich sagt:

    Wo ist denn dieses Jugoslawien? Ich finde des nicht in meinem Atlas und der ist relativ neu aus dem Jahre 1994.

  3. MoBo sagt:

    @ Marc Heinrich: also auf meiner Weltkarte im Büro gibt’s das noch, aber die ist auch aus Belgrad…

  4. Sonata sagt:

    Am Anfang, was soll denn die Unterscheidung von Ausländern und Türken? Soll damit der Eindruck entstehen, Türken seien besser als der gemeine Ausländer?? Eine solche Unterscheidung hat schon einen Hauch von Rassismus.

    Auch werden Türken nicht weniger in Deutschland, einfach mal den Beitrag lesen. Die Türken werden nur eingebürgert, was ja am Sachverhalt nix ändert. Also, immer lesen und nicht den Überschriften glauben.

  5. Mika sagt:

    @Sonata
    Man kann ja in ein Artikel alles hineininterpretieren; kommt eben drauf an, wie man eingestellt ist.
    Dass die Türken nochmals explizit dargestellt werden, liegt lediglich daran, dass sie mit etwas über 1,5 Millionen die größte Zuwanderungsgruppe darstellen. Nicht mehr und nicht weniger! Wo bitte schön lesen Sie Rassismus?
    Und die Türken werden weniger, da Sie auswandern oder sterben. Das steht auch in dem Artikel. Also schön sachlich bleiben!

  6. Fikret sagt:

    Na und, was besagt das schon? Wir haben jetzt statistisch “ statt ein Ausländer anderthalb Ausländer “ Einige Mernschen sind inzwischen eingebürgert. Eingebürgerte Mensche sind definitionsgemäß kein Ausländer mehr. Nur haben Neonazis es nicht gemerkt. Intelligenzsache?

  7. Boli sagt:

    Die türkischen Heimkehrer könnten durchaus schon mal darüber nachdenken in den nächsten Jahren Kurdischkurse zu besuchen damit sie sich besser in die zukünftige Gesellschaft integrieren können:
    http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EC9E01D40D0224F97952A2E6432D0C924~ATpl~Ecommon~Scontent.html



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