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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

TV-Tipps des Tages

10.03.2011 – Heisig, Zwangsheirat, Islam, Türken, Immigranten, Tunesien

Die TV-Tipps des Tages sind: Tod einer Richterin; Zwangsheirat; Flucht nach Europa; Angriff aus dem Internet; Tracks; TELEKOLLEG Sozialkunde

Tod einer Richterin
Auf den Spuren von Kirsten Heisig – Film von Güner Balci und Nicola Graef – Für die einen war sie die „Richterin Gnadenlos“, für die anderen die „Mutter Courage“ der Berliner Justiz. Bundesweit bekannt wurde Kirsten Heisig durch die schnelle und konsequente Strafverfolgung krimineller Jugendlicher und durch ihr Buch „Das Ende der Geduld“. Besonders den – ihrer Meinung nach – laxen Umgang des Staates mit straffälligen Migranten kritisierte sie vehement. Die strenge Jugendrichterin hatte sich viele Feinde gemacht.

Dann war Kirsten Heisig plötzlich verschwunden, von Entführung und Mord wurde gemunkelt. Wenige Tage später fand man ihre Leiche. Das Obduktionsergebnis: eindeutig Suizid. Doch warum nimmt sich eine Frau kurz vor Erscheinen des Buches und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere das Leben?

Kirsten Heisig war rast-und ruhelos, auch wenn es darum ging, mit Lehrern, der Polizei und Sozialarbeitern über auffällige Jugendliche ins Gespräch zu kommen. Die Juristin wollte sich nicht nur mit Paragrafen beschäftigen, sie suchte auch den Kontakt zum Milieu, sprach mit türkischen und arabischen Eltern und mit den Jugendlichen selbst. Sie wollte, dass die Verhältnisse sich ändern. (07:30 – 08:15, Das Erste (ARD))

Zwangsheirat
Familienehre vor Liebe? – Etwa 30.000 junge Türkinnen und Türken reisen jedes Jahr nach Deutschland, um hier zu heiraten. Die Ehen werden nicht selten von den Familien arrangiert, wenn nicht sogar erzwungen.

Mit dem Islam hat das nichts zu tun, wohl aber mit dörflicher Tradition und auch mit Geld. Die Autorin Fatma Bläser und die Rechtsanwältin Seyran Ates sind nur knapp diesem Schicksal entgangen und engagieren sich heute für die Selbstbestimmung türkischer Frauen und Mädchen in Deutschland. Susanne Babila hat die beiden Frauen begleitet und ist dabei auf eine entwurzelte Diasporagesellschaft gestoßen, in der Normen und Werte aus der Zeit der Einwanderung vor 40 Jahren konserviert werden und die oft konservativer ist, als die Bevölkerung in der heutigen Türkei. (12:30 – 13:00, RBB Berlin, RBB Brandenburg)

Flucht nach Europa
Der tödliche Treck der Immigranten – Es ist die gefährlichste Migrations-Route der Welt. Wer sie antritt, droht dabei zu verhungern, verhaftet oder gefoltert zu werden. Trotzdem wagen Tausende Menschen jedes Jahr die Reise von Schwarzafrika nach Europa.

Manche auf der Flucht vor Krieg oder Verfolgung, andere einfach auf der Suche nach Arbeit. Reporter Paul Kenyon folgt dem Weg der Flüchtlinge von der Küste Ghanas bis in die Sahara und trifft auf dem Weg diejenigen, für die Europa immer noch das Gelobte Land ist. Aber da sich die europaweite Wirtschaftskrise verschärft, sieht die Wirklichkeit anders aus: Viele Flüchtlinge leben mittellos auf der Straße. Und für andere kommt es noch schlimmer. In Italien, für Migranten das Tor nach Europa, hat die Regierung eines der schärfsten Einwanderungsgesetze weltweit erlassen. Es werden Ausweisungszentren geschaffen und fleißig „Illegale“ verhaftet. Aber der harte Kurs trifft auch politisch Asylsuchende. Mit Hilfe eines umstrittenen Abkommens mit Staatschef Gaddafi stoppen die Italiener die Boote der Flüchtlinge im Mittelmeer und schicken sie zurück nach Libyen, wo sie Inhaftierung und eine unsichere Zukunft erwarten. Der Traum vom besseren Leben endet im Knast in der Wüste. (21:02 – 21:30, 06:30 – 07:00, EinsExtra)

Angriff aus dem Internet
Wie Online-Täter uns bedrohen – Film von Klaus Scherer – Mit einer vermeintlich harmlosen E-Mail schlich sich der Hacker ein. Nicoletta, 16, und Vivienne, 17, öffneten sie arglos. Als Absender erschien ein Mitschüler der gleichen Jahrgangsstufe. „Schau mal auf das Foto“, verwies er auf den Anhang. Das Foto gab es gar nicht. Was die Schülerinnen stattdessen auf den Laptop luden, war ein Virus, mit dessen Hilfe ein Unbekannter Hunderte privater Webcams fernsteuerte. Ermittler sicherten bei ihm später unzählige Bildsequenzen, darunter viele, auf denen die Opfer sich gerade an-oder auskleideten.

Der Staatsanwaltschaft in Aachen war ein solcher Fall ebenso neu wie ihren USKollegen in Philadelphia: Dort warfen Eltern zeitgleich einer Highschool vor, sie überwache per Laptop-Webcam ihre Kinder – und das sogar noch, wenn sie zu Hause schliefen.

Die Reportage von ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer beginnt recht lebensnah, um ein Licht auf neue, alltägliche Risiken einer vernetzten Welt zu werfen. Er besucht US-Bürger, die von Hackern erst ihrer kompletten Identität und dann ihres Vermögens beraubt wurden. Er trifft FBI-Agenten, die jahrelang verdeckt in Cyber-Gangs ermittelten. (22:45 – 23:30, Das Erste (ARD))

Tracks
Themen: Tunisia Clash: Huria!!; The Standells: Stimmen aus der Garage; Casa Muda auf Deutsch: Muffensausen!; Magnetix: Super-Gitarren-Helden; Tunisia Clash: Huria!!

Im Januar 2011 schasste Tunesien seinen seit 23 Jahren amtierenden Präsidenten Ben Ali. Dass der Volkszorn schon länger brodelte, beweist der drei Monate zuvor erschienene Clip eines tunesischen Rappers: Der Song „Herr Präsident, Ihr Volk stirbt“ von El Général wurde zur inoffiziellen, von Handy zu Handy geschickten Hymne der Jasminrevolution. Im Januar wurde der 22-Jährige verhaftet – „er wisse schon, warum“. Dank CNN und Al Dschasira ging seine Geschichte um die Welt. „Tracks“ traf ihn exklusiv in seinem Zuhause in Sfax. (23:45 – 00:15, arte)

TELEKOLLEG Sozialkunde
Krieg oder Frieden: Macht, Glaube, Weltethos – Das Wort Islam heißt „Frieden machen“, eine Aufforderung, die für alle Völker gilt. Doch die Umsetzung gelingt oft nicht – egal, welcher Religion die Menschen angehören. Der Dialog zwischen den Religionen ist gefragt. (06:00 – 6:30, BR)

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