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Deutschland schafft sich noch lange nicht ab!

Am 24. Februar wurde im Maxim Gorki Theater in Berlin das Buch „Manifest der Vielen – Deutschland erfindet sich neu“ vorgestellt. Die Herausgeberin ist die studierte Philosophin, bekannte Schriftstellerin, Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin. Erschienen ist das Buch im Blumenbar Verlag.

30 profilierte AutorInnen aus Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und Medien, darunter Feridun Zaimoglu, Naika Foroutan, Ilija Trojanow, Hatice Akyün, Hilal Sezgin, Navid Kermani, Lamya Kaddor, Ekrem Senol, Kübra Gümüsay, Fereshta Ludin und viele andere haben sich zusammengefunden, um eine Art Antwort auf die Sarrazin-Debatte zu geben. Mit der Intention, der Debatte um Migration und Integration eine sachlichere Ebene zu verleihen, zu zeigen, wie facettenreich die Migranten in Deutschland sind und das „Gegengift“ zur sarrazinischen Stimmung zu produzieren.

In eigenen Geschichten und kritischen Analysen geht es im Buch um Themen wie Heimat, eigene Identität, das Muslim- oder Nicht-Muslims-Sein, das Leben in Deutschland, Toleranz, Integration, Menschenwürde, Kultur, Gegenwart, Zukunft und viele mehr.

Es geht um die Frage der deutschen Identität. Das Buch leitet einen Prozess ein oder gibt einem bereits laufenden bloß einen Namen – die Sich-Neuerfindung Deutschlands. „Um sich nicht abzuschaffen, muss sich Deutschland neu erfinden“, so die Autoren einstimmig. „Sarrazin kommt und geht. Wir aber bleiben“ und „wir leben heute schon in der Welt von Morgen“ sind die Botschaften der „Vielen“.

Der Premierenabend läuft unter dem Motto „Tanz den Sarrazin“. Der Saal ist voll, die Atmosphäre gelassen, die Stimmung super – das Gegengift wirkt. Und auch wenn der „Bürokrat mit Schnurrbart“ hier ab und an erwähnt wird, geht es dabei gar nicht um ihn, sondern um jeden einzelnen Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund, um jede einzelne Geschichte, um jeden einzelnen Gedanken, um jeden aufgeschriebenen Satz. Aber auch um das Gemeinsame – um das Land, zu dem man sich zugehörig fühlt, in dem man lebt, das man als seine Heimat empfindet und um dessen Zukunft man sich verantwortlich fühlt. Um Deutschland. Und Deutsche, mit Migrationshintergrund, wenn Sie so wollen, die dem Geschehen keine kalte Schulter zeigen, sondern versuchen, das Land und die Geschehnisse in ihm mitzugestalten.

Herr Sarrazin hat mit seinen abstrusen Thesen zwar viel Geld verdient. An diesem Abend war er für mich aber der ärmste Mann der Welt. Weil er nicht dabei war. Und das „Gegengift“ gegen seine eigene Debatte nicht einnehmen konnte. So viel Kreativität, Humor, Gelassenheit, Klugheit, Bildung, Wissen und Herz wie die „Vielen“ muss man erst haben, um zu begreifen, dass Deutschland sich noch lange nicht abschafft.