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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Nordrhein-Westfalen

Mehr Migranten in den öffentlichen Dienst

Nordrhein-Westfalen treibt das Vorhaben „Mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund in den öffentlichen Dienst“ weiter an. Dabei geht es nicht nur darum, Diskriminierung zu verhindern, sondern auch um eine gezielte Ansprache.

Die Bezirksregierung Arnsberg wird als Pilotbehörde in Nordrhein-Westfalen bei der Landesinitiative „Mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund in den öffentlichen Dienst“ mitwirken. Das haben vergangene Woche Donnerstag Staatssekretärin Zülfiye Kaykın (SPD) und Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann (SPD) in Arnsberg vereinbart.

Zülfiye Kaykın: „Vielfalt ist eine Stärke. Wir wollen deshalb den Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Öffentlichen Dienst erhöhen. Deshalb werden wir bis zum Frühjahr 2011 mit allen Ressorts ein Gesamtkonzept der interkulturellen Öffnung mit konkreten Maßnahmen erarbeiten und im Kabinett beraten.“ Für das Ziel der Landesinitiative – so die Staatssekretärin weiter – sollen aber auch weitere Partner gewonnen werden. Deshalb sei sie sehr froh, mit der Bezirksregierung Arnsberg eine engagierte Mitstreiterin gefunden zu haben.

„Auch eine Bezirksregierung kann nicht auf die Kompetenzen und Potenziale von Zugewanderten verzichten“, ergänzte Gerd Bollermann. Gleichzeitig sei es wichtig, Mitarbeiter für den kompetenten Umgang mit Vielfalt zu qualifizieren. „Ich habe das Glück, dass ich in meinem Hause auf das Kompetenzzentrum für Integration zurückgreifen kann. Dieses erarbeitet derzeit nicht nur ein Konzept für die Bezirksregierung Arnsberg, sondern es unterstützt auch die Landesregierung bei der Umsetzung der Landesinitiative“, so Bollermann weiter.

Die Landesregierung hatte im Dezember die Initiative zur interkulturellen Öffnung der Landesverwaltung gestartet. „Wir wollen verhindern, dass Bewerberinnen oder Bewerber aufgrund ihres Namens oder ihrer Herkunft diskriminiert werden. Aber es geht nicht allein darum, Benachteiligungen zu vermeiden. In einigen Bereichen brauchen wir die gezielte Ansprache von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Zuwanderungsgeschichte. Gleichzeitig muss bei der zunehmenden Vielfalt in unserer Gesellschaft die interkulturelle Kompetenz zu einer Schlüsselqualifikation für alle Bediensteten der Landesverwaltung werden“, erläuterte die Staatssekretärin.

Die Bezirksregierung Arnsberg plant, durch verstärkte Informationen und Fortbildungsmaßnahmen das Thema der interkulturellen Öffnung im Bewusstsein der Beschäftigten zu verankern. Zusätzlich ist eine aktive Werbung für eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst vorgesehen, die besonders Menschen mit Migrationshintergrund anspricht. Die Pflege von Kontakten zu Migrantenorganisationen, Kirchen und Schulen ist ein weiterer Baustein bei der Verankerung des Themas in der Arbeit der Bezirksregierung. (hs)

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8 Kommentare
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  1. Zerrin Konyalioglu sagt:

    Die OECD Studie hat Deutschland weitere Defizite in der Migrationspolitik „bescheinigt“ und eine interkulturelle Öffnung der Verwaltungen dringend angeraten. Dass mehr Einwanderer in den Verwaltungen beschäftigt werden sollen, ist folglich eine Maßnahme, die leider nicht aus der eigenen Erkenntnis resultiert. Dennoch ist diese Entwicklung sehr zu begrüßen.

  2. Kupthing sagt:

    Noch eine bevorzugte Gruppe, nach Frauen und Behinderten, oha.

    Als männlicher Deutscher ohne Migrationshintergrund und auch noch ohne Handicap braucht man sich dann ja gar nicht mehr im öffentlichen Dienst zu bewerben.

    Würde es mich wütend machen, wenn meine Söhne einen Ausbildungsplatz nur deshalb nicht erhalten, weil sie Jungen sind, ihr Vater nicht zugewandert ist und sie obendrein gesund sind?

    Oh ja…

  3. BiKer sagt:

    @kupthing
    sowas von dumm, dass mans nicht stehen lassen kann. sollten ihre kinder mal besser sein als migranten, frauen und behinderte, werden sie auch weiterhin eingestellt. hier geht es darum, dass sie nicht bevorzugt werden, nur weil sie deutsche sind trotz schlechteren qualifikationen. bleiben so menschen wie sie weiterhin an den schlüsselpositionen, befürchte ich, dass ihre kinder trotzdem eingestellt werden. was für ein widerlicher gedanke.

  4. el camino sagt:

    Hoffe, das gilt nicht für Kopftücher…

  5. MoBo sagt:

    @ el camino: und wenn die mit Hijab nicht eingestellt werde wird wieder gemeckert sie würden unserem Sozialstaat zu lasten fallen. Also was jetzt?

  6. André sagt:

    Auch als weißer, christlicher Mann ohne Handicap oder Zuwanderungsgeschichte begrüße ich die Initiative zu 100%. Eine Selbstverständlichkeit, wenn man den eigenen Verstand bemüht. Traurig, dass es überhaupt noch Anlass für Diskussionen bietet… Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

  7. Spiro sagt:

    „Gleichzeitig muss bei der zunehmenden Vielfalt in unserer Gesellschaft die interkulturelle Kompetenz zu einer Schlüsselqualifikation für alle Bediensteten der Landesverwaltung werden“

    „Interkulturelle Kompetenz“ brauchen wir nicht, die sollen sich nämlich an unsere Kultur anpassen, so wie das überall auf der Welt selbstverständlich ist.

  8. Spirox sagt:

    <<Noch eine bevorzugte Gruppe, nach Frauen und Behinderten, oha.

    <<Als männlicher Deutscher ohne Migrationshintergrund und auch noch ohne Handicap braucht man sich dann ja gar nicht mehr im öffentlichen Dienst zu bewerben.<<

    Du hast recht. die Bevorzugung einer Gruppe bedeutet auch die Benachteiligung der anderen Gruppe, positive Diskriminierung impliziert negative Diskriminierung.

    Menschen ohne Migrationshintergrund aber auch vermehrt Menschen mit europäischen Migrationshintergrund wie auch Männer werden so sukzessive zu Bürger 2. Klasse.



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