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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

SPD Rheinland-Pfalz

Muttersprache anerkennen, Mehrsprachigkeit födern

Die rheinland-pfälzische SPD-Fraktion fordert die Stärkung des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder mit Migrationshintergrund. Denn die Herkunftssprache sei Teil der kindlichen Identität und die Basis für die Weiterentwicklung.

Immer mehr Kinder wachsen in Deutschland zwei- oder mehrsprachig auf. Der andauernde Prozess der europäischen Erweiterung und die wirtschaftliche Globalisierung stellen sprachliche Anforderungen an die künftigen Generationen, die über das Fremdsprachenlernen der Vergangenheit hinausgehen. „Die lebensweltlich angelegte Zweisprachigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sollte als ein Element dieser Entwicklung gesehen werden und nicht als Ausnahmesituation“, so die SPD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz in ihrem Antrag „Mehrsprachigkeit als Chance“.

Muttersprache anerkennen
Damit wollen die Sozialdemokraten Kindern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit geben, bereits in Kindertageseinrichtungen in ihrer Herkunftssprache bestärkt zu werden. Und das gelte auch für den Schulunterricht von ersten bis zur zehnten Klasse. In allen Schulen müsse die Teilnahme an einem freiwilligen Muttersprachenunterricht gewährleistet werden mit dem Ziel, es als zweite oder dritte Fremdsprache anzuerkennen. Wünschenswert sei auch eine Abiturrelevanz.

Das Beherrschen der deutschen Sprache sei auch weiterhin die grundlegende Bedingung für eine gelingende Integration in das soziale und gesellschaftliche Leben. Denn gute Kenntnisse in Deutsch legten das Fundament für den späteren schulischen oder beruflichen Erfolg. Der beste Weg dorthin sei der möglichst frühe Besuch einer KiTa, in der die Sprachentwicklung der Kinder systematisch beobachtet und gefördert werde.

Keine Diskreditierung der Muttersprache
Über die allgemeine sprachpädagogische Förderung aller Kinder hinaus benötigten Kinder mit Migrationshintergrund aber auch differenzierte und individualisierte Angebote zur Förderung ihrer Herkunftssprache und der Zweitsprache. Besonders der Herkunftssprache komme in der Entwicklung ihrer individuellen Identität und ihrer Persönlichkeit eine große Bedeutung zu. Denn die „Herkunftssprache ist Teil der kindlichen Identität und sie ist die Basis für die Weiterentwicklung von Kindern. In dieser Sprache beginnen sie zu denken, Wünsche oder Meinungen zu äußern und entwickeln emotionale Bindungen. In ihrer Herkunftssprache lernen Kinder soziale Regeln, kulturelle Normen und Werte kennen“, so die SPD in ihrem Antrag.

Statistik: In Rheinland-Pfalz besuchen mehr als 13 000 Schüler den ergänzenden muttersprachlichen Unterricht, der in 15 verschiedenen Herkunftssprachen angeboten wird.

Schließlich sei die Förderung der Herkunftssprache für ein Kind zusätzlich mit der Erfahrung verbunden, dass es als Person akzeptiert werde, was für die Integration von großer Bedeutung sei. Denn Mehrsprachigkeit gehöre zum Lebensalltag und solle im Prozess sprachlicher Bildung als Chance verstanden und genutzt werden. „Die Sprache zu diskreditieren heißt, einen Teil der Identität, der Persönlichkeit auszublenden und negativ zu werten“, so die SPD-Fraktion.

Eltern müssen Muttersprache pflegen
Zum Aufbau eines positiven Selbstbildes sei es daher wichtig, dass die Herkunftssprache eines Kindes wertgeschätzt und gefördert werde. Sprachliche Strukturen, die in der Herkunftssprache erworben und stabilisiert würden, könnten auf weitere Sprachen übertragen werden und sich positiv auf die Entwicklung und das Sprachbewusstsein auswirken.

Werde aber die altersgemäße Sprach- und Begriffsentwicklung, die ein Kind in seiner Herkunftssprache vollziehe, nicht aufgegriffen, könne die Sprachentwicklung unterbrochen werden, was in der Zweitsprache nicht mehr aufgefangen werden könne. Die Sozialdemokraten weiter: „Die Herkunftssprache ist demnach kein Hindernis für den Deutschlernprozess, sondern dient vielmehr als notwendige Grundlage für den erfolgreichen Zweitspracherwerb.“ Daher sollten Eltern bestärkt werden, neben dem Deutschen die Herkunftssprache weiter zu pflegen. (sb)

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18 Kommentare
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  1. oernmaster sagt:

    ..also ich bin dafür erstmal unseren eigenen Kindern einen vernünftigen Unterricht zu gewährleisten . Bevor dieses nicht der Fall ist , ist es vollkommener Wahnsinn die wenigen Mittel die zur Verfügung stehen noch für solch einen Zusatzunterricht zur Verfügung zu stellen .
    Viele die heute aus der Schule kommen , können noch nicht mal ein anständiges Deutsch sprechen und schreiben .
    Nicht mal das schafft man zur Zeit , aber dann noch Unterricht in der Muttersprache abhalten und dafür Mittel zur Verfügung stellen .
    Das grenzt schon an völliger Selbstüberschätzung der eigentlichen Sachlage .
    Zum Teufel mit diesen Politikern die uns allen mit so einem Quatsch auf der Nase rumtanzen .
    Sie sollen erstmal dafür Sorge tragen das unseren eigenen Kinder eine bessere schulische Ausbildung garantiert wird .

  2. Sophie Beaumont sagt:

    Gilt das wieder nur für Türken und in der mittlerweile vierten Generation geborenen Kindern?
    Wenn ich mit meinen Kindern in der Herkunftssprache Ostpreussisch sprechen würde, wäre das auch ok? Und wenn ich ostpreussischen Unterricht (es gibt mehr Flüchtlinge aus Ostpreussen als Einwanderer aus der Türkei, daher halte ich mein Anliegen durchaus für berechtigt) fordere, wäre das auch ok?

  3. Mirco sagt:

    Also ich kenne Italiener,Halb Türken und Araber die nur Deutsch sprechen und die sind Vorbildlich integriert und Studieren teilweise.Leute die noch doe Sprache ihrer Eltern sprechen sind meist weniger integriert.
    Auch die Hundertausenden Ruhrpolen sind doch das beste Beispiel das es nicht 2 Sprachen braucht.Wer denkt bei Schimanski noch an Polen?
    Natürlich ist es immer gut mehrere Sprachen zu können-aber bei vielen scheint es kein Vorteil zu sein.

  4. Eddie sagt:

    Wir werden von Opportunisten regiert, die alle nur auf eins aus sind: Die Wählerstimmen bestimmter Einwanderergruppen; in diesem Fall jener Türken, die glauben, dass man ihren Kindern etwas Gutes tut. Vor diesen schleimigen Pöstchenjägern kann ich alle Wähler nur warnen.

  5. miles sagt:

    … „Herkunftssprache ist Teil der kindlichen Identität und sie ist die Basis für die Weiterentwicklung von Kindern. In dieser Sprache beginnen sie zu denken, Wünsche oder Meinungen zu äußern und entwickeln emotionale Bindungen. In ihrer Herkunftssprache lernen Kinder soziale Regeln, kulturelle Normen und Werte kennen“ …

    Aha! Wenn das so stimmt, ist das ja ein gruseliges Vorhaben, soweit es zum weiteren Sich-Breitmachen des hierzulande – mit Recht – so überaus geschätzten ‚Türkentums‘ beiträgt. Das letzte, was fehlt, ist die Bereitschaft von Fremden und Fremdbleibenden ‚Wünsche oder Meinungen zu äußern‘ (was tun die eigentlich überhaupt sonst?) sowie (ausgerechnet!) deren ’soziale Regeln, kulturelle Normen und Werte‘ herauszuplärren!

    Ein weiterer Schwachsinnsversuch sich wg. einiger Wahlzettel zu prostituieren – sonst nichts.

    m.

  6. Karl Willemsen sagt:

    Es ist mal wieder köstlich, wie in diesem Artikel das Problem und seine Ursachen völlig ungenannt umschifft werden!

    Das Problem: viele türkischstämmige Kinder u. Jugendliche die hier geboren(!) & aufgewachsen(!) sind, sprechen nicht nur ein katastrophales Deutsch, sondern darüber hinaus auch noch ein miserabeles Türkisch!

    Die Ursachen: nun liebe Moslems, ich freue mich als erstes eine Ursache schonmal absolut und mit 100%iger Sicherheit ausschliessen zu können:

    Mit dem Islam hat dass jetzt mal aber wirklich rein garnix zu tun…!!! (3 Ausrufezeichen) 😉

    Aber wann irgend möglich, werden immer s.g. „soziale Ungleichheiten“ als Ursache benannt – warum ausgerechnet bei dem Phänomen der „Spracharmut“ nicht? Interessanterweise entstammen die Betroffenen allesamt den monokulturellen Paralell- und Gegengesellschaften mitten in D! Dass sie bei der Einschulung kein Wort deutsch sprechem ist klar, bzw. völlig logisch, aber warum sprechen sie auch so miserabel türkisch?

    Es handelt sich schlicht & ergreifend um kärglichstes Unterschichten-Türkisch! was denn sonst? Auf dem primitiven Niveau des s.g. „Kanakdeutsch“, was uns allen spätestens seit div. Comedy Formaten vertraut ist („…ey, konkret Aldr, isch mach disch Messer…“) sprechen viele Jugendliche eben auch türkisch! weil sie es eben nicht besser gelernt haben – wo denn auch?

    Dass ist übrigens auch der Grund, wodurch die s.g. „Deutschländer“ wiederrum in der Türkei auffallen – weniger durch ihren deutschen Akzent, sondern durch ihren armen Wortschatz und eine katastrophale Grammatik! man muss übrigens dabei wissen, dass das Hochtürkisch eine überaus komplexe Sprache ist (noch weitaus komplizierter als Hochdeutsch)

    Wir haben es also mit einer bildungsarmen Gesellschaftsschicht zu tun, die die selben Probleme hat/macht, wie sie sie in ihren Herkunftsländern AUCH hätte/machen würde.

    Und ich betone dabei wie immer ausdrücklich: den bildungsarmen Zuwanderern ist KEIN Vorwurf zu machen, von den falschen Anreizen der deutschen Einwanderungspolitik Gebrauch gemacht zu haben! Die Verantwortung dafür tragen einzig & allein deutsche Politiker der vergangenen 50 Jahre quer durch ALLE Parteien.

  7. Der Türke sagt:

    In diesem Artikel ist doch keine Rede von den Türken. Typisch und bezeichnend, dass sich fast alle Kommentatoren dennoch auf Türken konzentrieren. 🙂

  8. Manfred O. sagt:

    Die Herkunftssprache ?

    Wenn hier jemand in der 3. oder 4. Generation lebt, was ist denn dann seine Herkunft, sein Herkunftsland? Deutschland, oder nicht ?

  9. oernmaster sagt:

    ….das finde ich auch sehr auffällig !

    Warum das wohl so ist ?? 😉

  10. elmo sagt:

    Die Herkunftssprache!!!

    Warum will man immer die Muttersprache auslöschen, wenn man in Deutschland lebt? Ist doch toll, wenn man sich auf deutsch, englisch, französisch, türkisch, spanisch, oder weiß der Geier was unterhalten kann… von mir aus können wir auch gern wieder versuchen ESPERANTO auf den Markt zu bringen.. anscheinend muss man sich hier auch noch rechtfertigen, warum man eine Sprache erlernen will??!!

    Ich kenne es von mir.. wer mehrere Sprachen spricht, kommt viel besser in der Arbeitswelt klar.. so ist es! ob türkisch oder englisch .. beides ist gleich wichtig.. vor allem wenn es um auslaendische Beziehungen geht..

    Die Sprache ist immer der Schlüssel für ein erfolgreiches Leben..
    Zudem ist es ein MUSS, wenn man andere Kulturen verstehen möchte..

    Ich finde auch, dass die Eltern viel mehr Verantwortung für den Erhalt der Muttersprache übernehmen sollten. Vielen fehlt aber eher der paedagogische Hintergrund… Kinder werden nicht richtig gefördert.. somit kommt es auch meist dazu, dass viele Kinder weder ihre Muttersprache, noch die deutsche Sprache verstehen/ erlernen…

    viel zu schade…


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