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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Staatssekretär im Sozialministerium

Der perfekte Einwanderer denkt wie ein Deutscher und arbeitet mehr als die übliche 40-Stunden-Woche

Das hat der Staatssekretär im Baden-Württembergischen Sozialministerium, Dieter Hillebrand (CDU), auf Fragen von Schülern der Klasse 8b der Schloss Schule Pfullingen geantwortet. Die Schulkasse besteht zu 80 Prozent aus Migranten.

DATUM28. Januar 2011

KOMMENTARE17

RESSORTAktuell, Politik

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Politiker werden gerne und oft von Schulklassen eingeladen, damit sie Rede und Antwort stehen. In der Regel werden allgemeine Fragen zur Politik gestellt. Nicht so die Klasse 8b der Schloss-Schule Pfullingen in Baden-Württemberg.

Im Dezember 2010 beschäftigten sie sich speziell mit den Äußerungen des CSU-Politikers Horst Seehofer, der einen Einwanderungsstopp aus islamischen Kulturkreisen gefordert hatte. „Wir wollten mit einem Politiker von der CDU darüber sprechen, was Horst Seehofer damit meint und was das für uns zu bedeuten hat“, erklärt die Klassensprecherin Aysun, „unsere Klasse beseht zu achtzig Prozent aus Einwanderern.“

Denkt wie ein Deutscher und arbeitet mehr als 40 Stunden
Dieter Hillebrand, Staatssekretär im Sozialministerium der Landesregierung, folgte der Einladung. Was Integration für ihn bedeute, wollte die Schülerin Gülbahar von dem CDU-Politiker wissen. Hillebrand antwortete laut einem Bericht, der Schulklasse erstellt und veröffentlicht hat: „Integration heißt, man muss sich mit dem Staat, in dem man lebt identifizieren, man muss Teil des Staates sein wollen und denken wie ein Deutscher.“

Und auf die Frage von Aysun, wie der perfekte Einwanderer aussehe, habe Hillebrand geantwortet: „Der perfekte Einwanderer ist gut ausgebildet, er will arbeiten, und zwar mehr als die übliche Vierzig-Stunden Woche.“

In einer parlamentarischen Anfrage möchte Werner Wölfle, Grünen-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, nun wissen, ob die Aussagen des Staatssekretärs dem offiziellen Integrationsverständnis der Landesregierung entsprechen. (sb)

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17 Kommentare
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  1. NDS sagt:

    Ich fasse zusammen: assimilierte Knechte.

  2. Ghostrider sagt:

    @NDS

    Daumen hoch !

  3. Manfred O. sagt:

    @ NDS Wenn ein (Ur-) deutscher mehr als 40 Stunden arbeitet ist er ein fleissiger, strebsamer Bürger, und wenn ein hier lebender Migrant oder Bürger mit Mig-HG das tut, ist er ein assimilierter Knecht ?

    Bekommt sein Herr/Arbeitgeber seinen Lohn? Oder jemand anderes ?

    Oder ist es bei einer dermaßen stolz-geschwollen Brust unter seiner Würde ?

  4. Anika Schwalbe sagt:

    Gut ausgebildet und bereit, mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten – diese Dinge werden von sehr vielen Deutschen nicht einmal erfüllt. Zumal viele Deutsche nicht wirklich Teil des Staates sein wollen. Frei nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ leben viele Menschen mit Deutschhintergrund in diesem Land, ohne sich für Politik oder Gesellschaft in größerem Maße zu interessieren.

  5. Hans sagt:

    Die deutsche Sprache halbwegs beherrschen und überhaupt eine Arbeit haben würde mir schon genügen um den perfekten Einwanderer zu beschreiben.

  6. Ghostrider sagt:

    @Manfred O.

    Urdeutsche waren die Germanen. Das ist 1200 Jahre her. Dann gab es die römische Besatzung, die Völkerwanderungen aus den Osten, die schwedische Besatzung, Wanderarbeiter aus Italien, die Hugenotten, weitere Wanderarbeiter aus Polen, Tschechien ect.pp. All diese Leute haben im Laufe der Jahthunderte schließlich das deutsche Volk, wie man es heutzutage kennt gebildet. Leute die blond und blauäugig sind, haben keinen Grund, sich Arier zu nennen. Sie hatten nur schwedische Vorfahren, denn die Urgermanen waren alles andere als blond und blauäugig. Soviel zur deutschen Bevölkerung.

    Solange sich die Bundesregierung so schwer tut, vernünftige Mindestlöhne durchzusetzen, solange kann man bei den Löhnen mit Recht von Knechtschaft sprechen.

    Unsere ausländische Mitbürger sind Menschen die hier friedlich leben und arbeiten, um sich und ihre Familien vernünftig zu ernähren. Sie erledigen Arbeiten die z.T. Deutsche schon lange nicht mehr machen wollen. Man muß sie nicht auch noch ausbeuten und mit ein paar € im Monat abspeisen. Diese Einstellung ist widerlich.

    Vernünftige Firmenchefs, die übertariflich gute Löhne bezahlen plus jede Überstunde extra, haben keine Probleme mit dem Personal. Egal ob Deutsche oder ausländische Arbeitnehmer. Die haben auch gute Leute.

    Geiz ist geil, hat in einem Personalbüro nichts zu suchen. Die Leute wollen nicht aus Hobby arbeiten, sondern für ihren Lebensunterhalt.

    Ghostrider

  7. NDS sagt:

    @Manfred O
    Mir geht es nicht darum, dass Menschen auf keinen Fall mehr als 40 Stunden arbeiten dürfen oder Migrant/innen nicht assimiliert sein dürfen. Ich bewerte nur die Aussage eines deutschen Politikers, der rein ethnozentristisch argumentiert. Die Realität ist, dass es assimilierte Arbeitslose und für sich allein lebende Migrant/innen mit 60 Arbeitsstunden/ Woche gibt (vorallem bei denen, die im Einzelhandel oder im eigenen Gastronomiebetrieb tätig sind). Wie wärs denn mit „Der perfekte Einwanderer/ die perfekte Einwandererin weiß genau, was er/ sie will, ist bildungsaffin, gesellschaft(spolitisch) engagiert, nimmt seine Erwerbstätigkeit ernst und bereitet seine/ ihre Kinder bilingual auf ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland vor“ statt „denkt wie ein Deutscher“-Quatsch (was das auch heißen mag, ich glaube nicht, dass man das messen kann). Im übrigen sind die Eigenschaften, die ich für Migrant/innen aufgezählt habe, allesamt auch für die deutsche „Ur-„Bevölkerung wünschenswert.

  8. Manfred O. sagt:

    @ NDS

    Mit Ihrer Aufzählung zum perfekten Einwanderer/Migranten könnte ich mich absulut anfreunden, auch Ihr Wunsch, das dies ebenso auf die „Ur-Bevölkerung“ zu gelten habe ist frichtig.

    Möchten Sie jetzt die Zahlen haben, wie hoch die Zahl der Erstgenannten ist, die von Transferleistungen leben? Im Verhältnis zu den Zahlen der „Ur-Bevölkerung“ (obwohl auch diese Zahl unakzeptabel ist) ?

    Kumuliert auf den Bevölkerungsanteil, ethnische,religiöse Zugehörigkeit ?

    Oder finden Sie diese selbst im Net ? Ist ganz einfach (wenn man will).

    Dann werden Sie nämlich sehen, das die von Ihnen genannten POSITIVEN Beispiele sehr wohl vorhanden sind. Aber in recht kleiner Prozentzahl.

  9. NDS sagt:

    Soweit ich weiß, diskutieren wir gerade über ein nicht-angebrachtes Zitat eines inkompetenten CDU-Politikers. Soweit.
    Die zweite Sache, die Sie ansprechen, sind die hohen staatlichen Transferleistungen zB bei der türkischstämmigen Wohnbevölkerung. Die Zahlen habe ich auch nicht im Kopf (ein schöner Artikel hierzu wurde uns ja neulich von Herrn Senol präsentiert), dürften aber natürlich recht hoch sein. Damit meine ich nicht, dass ich das gut finde. Es ist strukturbedingt plausibel, dass sie hoch sind. Wirbt man wenig bis gar nicht qualifizierte Einwanderer ein, beschäftigt sie im Niedriglohnsektor, lässt die Kinder nachziehen, die hier Bildungsausländer sind und erschwert den sozialen Aufstieg im Bildungsystem und lässt danach ganze Konzerne diesen Niedriglohnsektor in günstige Länder transferieren, dann passiert genau das, was jetzt ist. Das trifft im übrigen auch deutsche Familien aus ähnlichem Milieu. Wenn wir dann aber schon rechnen, müssen die Steuerhinterziehungen im fast ausschließlich deutsch-deutschen Höchstverdiener-Milieu, die niedrigeren Rentenausgaben für türkischstämmige Senioren aufgrund einer geringeren Lebenserwartung und früherer untertariflicher Bezahlung, die niedrige Quote von Türkischstämmigen im öffentlichen Dienst und somit ein Steueraufkommen aus eigener Kraft, der Zugewinn für die deutsche Bevölkerung durch Übernahme von Erziehungsaufgaben eigener Kinder und was weiß ich noch gegengerechnet werden. Das durch diese Rechnerei am Ende niemand etwas hat, sondern wir endlich die Ärmel für die gemeinsame Zukunft hochkrempeln müssen, statt die ganze Zeit Schuldzuweisungen vorzunehmen, dürfte auch einleuchten.

  10. TurkishGuy sagt:

    Er denkt wie ein Deutscher, eind Deutscher ist also das maß der Dinge.
    Die Krone der Schöpfung, wir dachten die 50 Millionen toten hätten gereicht um den Deutschen klar zu machen, das sie eben nicht das Herrenvolk sind.
    Jede andere Kultur sollte sich der Zerdeutschung widersetzen, damit solche Leute die ein kulturellen Holocaust focieren, niemals siegen.


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