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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Migrationsbericht 2009

Deutschland auch 2009 ein Auswanderungsland

Im Auswanderungsland Deutschland hat jeder Dritte Ausländer keinen gefestigten Aufenthaltstitel. Und denkt man die Türken weg, bekommen 64 Prozent aller Eingebürgerten die doppelte Staatsbürgerschaft. Das geht aus dem Migrationsbericht 2009 hervor.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erarbeiteten Migrationsbericht 2009 verabschiedet. Der Bericht gibt auf der Grundlage der vorhandenen Daten einen Überblick über das Migrationsgeschehen in Deutschland.

Jeder Dritte Ausländer ohne gefestigten Aufenthaltstitel
Danach ist die Zahl ausländischer Staatsangehöriger in Deutschland ist leicht zurückgegangen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist seit Mitte der 1990er Jahre aber fast unverändert und liegt jetzt bei 8,7 Prozent (2008: 8,8 Prozent). Nur ein Drittel (33 Prozent) von ihnen verfügen über ein befristetes Aufenthaltsrecht.

Zwei Drittel der ausländischen Bevölkerung leben seit zehn oder mehr Jahren in Deutschland, über ein Drittel sogar seit mehr als 20 Jahren. Etwa 35 Prozent der Ausländer in Deutschland sind Unionsbürger. Die größte Ausländergruppe bildet, trotz eines Rückgangs, nach wie vor die türkischer Staatsangehöriger (24,8 Prozent).

Statistik: Personen, die die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union oder der Schweiz besitzen, erfolgen die Einbürgerungen unter Beibehaltung der früheren Staatsangehörigkeit. Einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Beibehaltung der bisherigen Staatsangehörigkeit bei Einbürgerungen ist für Personen aus Serbien, Montenegro bzw. dem ehemaligen Serbien und Montenegro (63,7%), dem Irak (82,6%), Israel (94,3%) und Brasilien (99,3%) festzustellen.

53,7 Prozent aller Eingebürgerten werden Doppelstaatler
Im Jahr 2009 gab es 96.000 Einbürgerungen. Damit liegen die Zahlen weiterhin nahe am historischen Tief des Jahres zuvor (2008: 95.000). Aufgrund der zahlreichen Ausnahmevorschriften im Staatsangehörigkeitsgesetzes sind im Jahre 2009 bei 53,7 Prozent aller Einbürgerungen die bisherigen Staatsangehörigkeiten beibehalten worden. Denkt man die Türkischstämmigen aus dieser Statistik allerdings weg, steigt die Einbürgerungsquote unter Hinnahme der Doppelstaatigkeit auf über 64 Prozent.

Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Einbürgerungen von Personen türkischer Herkunft, die seit Jahren die größte Gruppe der Eingebürgerten stellen, seit dem Jahr 2000, in dem noch 82.861 türkische Staatsangehörige eingebürgert wurden, deutlich zurückgegangen sind. Im Zeitraum von 2000 bis 2007 sank der Anteil der Eingebürgerten aus der Türkei an allen eingebürgerten Personen kontinuierlich von 44,4 Prozent auf 25,5 Prozent.

Mehr Aus- als Zuwanderung
Im Jahr 2009 ist erneut ein negativer Gesamtwanderungssaldo (-12.800 Personen) festzustellen. Er ist jedoch deutlich geringer als noch im Jahr 2008 (rund -56.000 Personen). Neu zugezogene Ausländer erhielten eine Aufenthaltserlaubnis hauptsächlich aus familiären Gründen (rund 49.000 Personen) sowie zur Erwerbstätigkeit (rund 26.000 Personen) und zum Studium (etwas mehr als 31.000 Personen).

„Im Jahr 2009 haben ungefähr 33.000 ausländische Studenten hier einen Hochschulabschluss gemacht. Sie sind bei der Zuwanderung für uns natürlich in besonderer Weise interessant. Auf Platz eins steht China mit 4.700 Studienabsolventen. Auf Platz 2 liegt die Türkei mit 2.300“, so Bundesinnenminister Thomas de Maizière in seinem Eingangsstatement zur Vorstellung des Migrationsberichts 2009 im Bundestag. Dann folgten Bulgarien, Russland, Polen, die Ukraine sowie Frankreich und Österreich.

Migrationsbericht 2009: Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung am 8. Juni 2000 aufgefordert, jährlich einen Migrationsbericht vorzulegen. Die aktuelle Ausgabe steht kostenlos als PDF-Datei zur Verfügung.

Sprachtests beim Ehegattennachzug
Seit der Neuregelung des Familiennachzugs müssen die Nachzugwilligen ihre Sprachkenntnisse nachweisen, um ein Visum zu erhalten. Im Jahr 2009 haben weltweit insgesamt 45.000 Ausländer, darunter 11.000 Personen in der Türkei, an der Sprachprüfung „Start Deutsch 1“ teilgenommen. „Den erforderlichen Sprachtest bestanden dabei Personen, die einen Sprachkurs im Goethe-Institut belegt hatten, zu 72 Prozent (in der Türkei sogar zu 92 Prozent). Personen ohne diesen Kurs bestanden nur zu 60 Prozent den obligatorischen Test (in der Türkei 64 Prozent)“, teilte das Bundesinnenministerium mit.

Allerdings musst die Bundesregierung in der Vergangenheit einräumen, dass keine Daten darüber vorliegen, ob es sich bei den bestandenen Sprachtests um Wiederholungsprüfungen handelt. Kritiker bemängeln unzureichende Sprachkursangebote in vielen Ländern und beanstanden gleichzeitig, dass die deutschen Sprache in Deutschland viel schneller erlernt werden könnte. So müssten Ehepartner auch nicht teilweise über mehrere Jahre voneinander getrennt leben. (es)

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4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. elimu sagt:

    „Im Jahr 2009 haben weltweit insgesamt 45.000 Ausländer, darunter 11.000 Personen in der Türkei, an der Sprachprüfung “Start Deutsch 1″ teilgenommen. „Den erforderlichen Sprachtest bestanden dabei Personen, die einen Sprachkurs im Goethe-Institut belegt hatten, zu 72 Prozent (in der Türkei sogar zu 92 Prozent). Personen ohne diesen Kurs bestanden nur zu 60 Prozent den obligatorischen Test (in der Türkei 64 Prozent)“, teilte das Bundesinnenministerium mit.“

    also ich wollte nur mal klarstellen, dass man keinen SprachTEST machen muss… Im Gesetz steht lediglich, dass genügend Deutschkenntnisse nachgewiesen werden müssen!! Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man diesen teuren Test beim Goethe-Institut machen muss.

    Nur leider hat man wenig Möglichkeiten „ausreichende Deutschkenntnisse“ vorzuweisen, wenn es die Beamten bei der deutschen Botschaft als gängige Praxis anwenden das A1-Zertifikat vorlegen zu lassen!!! In vielen Fällen wurden die Visumanträge abgelehnt, weil das A1-Zertifikat nicht vorlag.. den Betroffenen bleibt daher nicht viel übrig, als diesen Test zu machen…(obwohl es nicht NUR darauf ankommt)

  2. Kosmopolit sagt:

    @elimu
    Ich hoffe doch, dass Sie wissen, dass nicht nur Türken von dieser „Belästigung“ betroffen sind, wenn Menschen nach der BRD einreisen wollen und in der Einfachheit in der Sozialhilfe landen, weil der Partner keine Arbeit hat. Mag das ein Pauschalurteil sein, aber es bildet doch ein wenig die Wirklichkeit ab. Gerade der Heirats-Tourismus eines uns bekannten Kulturkreises sollte allen zu denken geben.

  3. Yilmaz sagt:

    sie sind ja ein kosmopolit. also jemand der sich in vielen kulturkreisen wohl fühlt;-)

  4. […] des am Mittwoch vorgelegten Migrationsberichts 2009 hat Maria Böhmer (CDU) gefordert, bei der notwendigen Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften […]



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