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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

SPD

Positionspapier Integration

„Alle reden über Integration – aber was ist gemeint? Wenn Sie uns fragen: Wo Integration gelingt, haben alle Menschen gleiche Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft“, so die SPD in ihrem neuen „Positionspapier Integration“. MiGAZIN dokumentiert das Papier.

Integration durch Sport und Ehrenamt
Was für die Mannschaft gilt, gilt auch für die Gesellschaft: Sport schweißt zusammen. Beim Sport zählt nicht, wo man herkommt, sondern dabei zu sein und was man leistet. Wer das mit anderen erlebt, ist weniger anfällig für Vorurteile und erhöht die eigene Sozialkompetenz. So wirkt Sport integrativ. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass Sport im Nationalen Integrationsplan als eigener Schwerpunkt bearbeitet wurde.

Den Sport verändert man nicht durch Gesetze. Er wird von Verbänden, Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen gestaltet. Hier gilt es, sinnvolle Projekte aus Bundesmitteln finanziell zu fördern. Dafür wollen wir das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ fortführen und weiterentwickeln, um zwei Ziele zu erreichen: Wir wollen mehr Migrantinnen und Migranten dazu bewegen, sich in Sportvereinen zu engagieren. Und wir wollen Sportvereine dazu bringen, sich für Migrantinnen und Migranten zu öffnen.

Was für den Sport gilt, gilt für bürgerschaftliches Engagement generell: Wir wollen eine Gesellschaft, in der sich alle einbringen. Doch bei Migrantinnen und Migranten ist bürgerschaftliches Engagement immer noch weniger verbreitet als in der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Deshalb wollen wir die Angebote gezielt ausbauen und bestehende Strukturen fördern. Wir wollen Vereine unterstützen, sich interkulturell zu öffnen.

Mitmachen!
Menschen mit Migrationshintergrund sind in Sportvereinen zu wenig vertreten. In Deutschland gibt es 27 Millionen Vereinsmitglieder. Davon haben 2,8 Millionen einen Migrationshintergrund – also rund 10 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung 19 Prozent beträgt. Die sozialen und kulturellen Hürden auf dem Weg in einen Verein müssen gesenkt werden. Vereine im ganzen Land haben Ideen entwickelt, die wir aufgreifen:

  • Spezielle Sportangebote für Migrantinnen und Migranten, Aktionstage oder -wochen sowie Veranstaltungen zum Gedankenaustausch können Zugangshürden abbauen und die Kontaktaufnahme erleichtern.
  • Menschen mit geringem Einkommen müssen günstige oder durch Patenschaften finanzierte Angebote für Mitgliedschaften erhalten.
  • Übungsleiterinnen und -leiter mit Migrationshintergrund können als Türöffner wirken, um Vereine für Migrantinnen und Migranten attraktiv zu machen.
  • Vereine müssen Jugendliche mit Migrationshintergrund zielgruppengerecht ansprechen und fördern.
  • Neu eingewanderte Migrantinnen und Migranten, die einen Integrationskurs besuchen, könnten dort an einen Ansprechpartner vermittelt, über diesen mit einer Mannschaft in Kontakt gebracht und durch eine zunächst kostenfreie Mitgliedschaft an das Vereinsleben herangeführt werden.

Angebote für Mädchen und Frauen schaffen
Vor allem Mädchen und Frauen sind zu wenig vertreten. Während mehr als die Hälfte aller Mädchen ohne Migrationshintergrund in einem Sportverein ist, beträgt der Anteil bei Mädchen mit Migrationshintergrund nur ein rundes Siebtel. Besonders schwach sind erwachsene Frauen mit Migrationshintergrund vertreten. Ihr Mitgliederanteil wird auf 1 Prozent geschätzt.

Keuschheitsvorstellungen, Verhüllungsgebote und traditionelle Rollenverständnisse können kulturelle und religiös begründete Hürden errichten. Wie kann man die abbauen? Zum Beispiel so: Wo die Übungsleiterin weiblich ist, steigt die Beteiligung von Mädchen – erst recht, wenn die Übungsleiterin selbst Migrationshintergrund hat. Wo Mutter-und-Kind-Kurse angeboten werden, entsteht auch bei den Eltern Vertrauen und sie werden an den Sport ihrer Töchter herangeführt. Wo es Mädchenfußball gibt, können Mädchen ungehindert von überkommenen Geschlechterbildern neue Rollen ausprobieren.

Die Türen der Vereine öffnen
Die Vereine müssen sich interkulturell öffnen. Dafür müssen sie auch an ihren Strukturen arbeiten. Das heißt: Mehr Migrantinnen und Migranten in ehrenamtliche und hauptamtliche Positionen. Funktionäre mit Migrationshintergrund können Vorbildfunktion übernehmen, vermitteln und Hürden abbauen helfen.

Engagement fördern
Wir werden uns für die vollständige Erhaltung des Programms Soziale Stadt einsetzen. So können wir Projekte fördern, die auch Migrantinnen und Migranten vor Ort stärker einbinden. Wir werden auch darauf achten, dass bei vom Bund geförderten Netzwerkprojekten und Ausschreibungen eine angemessene Beteiligung von Migrantinnen und Migranten und deren Organisationen gewährleistet ist. Außerdem werden wir über die politische Bildung auf Migrantinnen und Migranten zugehen, um sie stärker einzubinden.

Das gilt auch für Seniorinnen und Senioren: Viele Migrantinnen und Migranten der ersten Generation berichten, dass sie sich gerne stärker ehrenamtlich einbringen würden. Sie haben aber oftmals keinen Kontakt zu Vereinen und Initiativen. Wir werden vorbildliche Projekte vernetzen und fördern, um mehr Raum für Engagement zu schaffen.

Migrantische Selbstorganisationen unterstützen
Schon jetzt gibt es viele Verbände, in denen sich Migrantinnen und Migranten selbst organisieren und für ihre Interessen eintreten. Das gilt auch für Jugendorganisationen. Wir werden uns für eine bessere und institutionalisierte Förderung dieser Verbände, unter anderem über den Kinder- und Jugendplan, durch den Bund einsetzen. Außerdem soll die Zusammenarbeit zwischen Migrantenverbänden und anderen Organisationen verbessert werden.

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  1. […] und das kommunale Wahlrecht auch für Nicht-EU-Ausländer plädiert die SPD im „Positionspapier Integration“, das am Freitag auf der Jahresauftaktklausur in Magdeburg vorgestellt wurde. Der Grundsatz, […]



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