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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

SPD

Positionspapier Integration

„Alle reden über Integration – aber was ist gemeint? Wenn Sie uns fragen: Wo Integration gelingt, haben alle Menschen gleiche Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft“, so die SPD in ihrem neuen „Positionspapier Integration“. MiGAZIN dokumentiert das Papier.

Gleiche Chancen durch Bildung – Von Anfang an
Bildung und Sprache entscheiden über die persönliche Zukunft. Dabei stellen wir drei Forderungen in den Vordergrund. Erstens wollen wir eine durchgängige Sprachförderung. Sie beginnt in Krippe und Kindertagesstätte, wird in Schule und Berufsschule fortgesetzt und nötigenfalls auf die Hochschule ausgedehnt. Zweitens verdient jedes Kind individuelle Förderung. Deshalb müssen wir die Infrastruktur ausbauen, um kein Kind allein zu lassen. Drittens kann Integration nur dort gelingen, wo es interkulturell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt. Das gilt für die Kindertagesstätte ebenso wie für die Grundschule, für die Berufsschule ebenso wie für die Bundesagentur für Arbeit.

Nein zum Betreuungsgeld
Wir sagen Nein zum Betreuungsgeld. Schwarz-Gelb will es ab 2013 einführen. Aber wer zwei Milliarden Euro an Eltern vergibt, die ihr Kind zwischen eins und drei Jahren zuhause betreuen, schafft falsche Anreize. Letztlich werden viele Eltern auf frühkindliche Bildungsangebote und Förderung verzichten. Fatal wäre das vor allem für Kinder, die Sprachförderung benötigen.

Sofortprogramm zur frühkindlichen Bildung
Wir wollen gute Startmöglichkeiten für alle. Die Tochter eines Hilfsarbeiters muss die gleichen Chancen haben wie der Sohn der Akademikerin. Dafür müssen wir bundesweit mehr in frühkindliche Förderung investieren. Denn die Weichen für die Zukunft werden im Kleinkindalter gestellt.

Das lohnt sich. Wer heute in individuelle Sprachförderung, Fachpersonal und Ganztagsbetreuung investiert, muss morgen weniger für berufsvorbereitende Maßnahmen, Nachqualifizierung und Arbeitslosengeld ausgeben. Ein Beispiel: Wenn Migrantenkinder eine Tagesbetreuung für unter Dreijährige besuchen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Gymnasium besuchen, um 55 Prozent. Zwar gibt es schon jetzt Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern für die Finanzierung. Doch die reichen nicht einmal, um den bis 2013 umzusetzenden Rechtsanspruch auf eine Tagesbetreuung für Kinder zu verwirklichen.

Schwarz-Gelb tut nichts – wir werden Bund, Länder und Kommunen an einen Tisch bringen, um ein gemeinsames Sofortprogramm zur frühkindlichen Bildung zu vereinbaren:

  • Wir werden den Anspruch auf ganztägige und gebührenfreie frühkindliche Bildung ausweiten. Ganztägig, damit Kinder intensive Förderung bekommen und die Eltern arbeiten können. Gebührenfrei, weil die Herkunft nicht über Zukunftschancen entscheiden darf.
  • Wir werden auch Zweisprachigkeit fördern. Bei vielen Kindern ist die Herkunftssprache Grundlage, eine Zweitsprache gut zu lernen – in diesem Falle Deutsch. Alle Kinder müssen Deutschkönnen.
  • Wir werden eine flächendeckende und vergleichbare Erhebung des Sprachstands durchführen. Nur so können wir die Kinder fördern, bei denen dies nötig ist.
  • Wir brauchen mehr und besser ausgebildetes Personal, um jedes Kind individuell zu unterstützen. Wir brauchen mehr Personal aus Einwandererfamilien, das kulturell und sprachlich vermitteln und als Vorbild dienen kann.
  • Wir werden die Krippen und Kindertagesstätten für Eltern- und Migrantenverbände öffnen. So können wir Zugangsschwellen senken und die kulturelle Vielfalt des Betreuungsangebots steigern.
  • Wir möchten Eltern aus bildungsfernen Schichten durch Kampagnen die Vorteile vermitteln, die der Besuch von Krippen und Kindertagesstätten bringt. Und wir möchten sie für die Mitarbeit in offenen Kindertagesstätten gewinnen.
  • Es soll ein kostenfreies, gesundes Mittagessen geben.

Sprachförderung auch in der Grundschule
Die Sprachförderung hört nicht in der Kindertagesstätte auf. Wir möchten die bruchlose Förderung. Wenn die Kinder in die Schule kommen, müssen sie den Schritt von der Alltags- zur Bildungssprache machen. Es ist die Hauptaufgabe der Grundschule, Kindern den sicheren Umgang mit dieser Sprache zu vermitteln.

Ganztagsschulprogramm II
Die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen gelingt am besten in der Ganztagsschule. Deshalb haben wir 2004 unter unserer Regierungsverantwortung das Ganztagsschulprogramm auf den Weg gebracht. Diesen Weg wollen wir fortsetzen und ein flächendeckendes und verbessertes Angebot schaffen. Das können die Bundesländer finanziell nicht alleine schultern, deshalb werden wir sie von Bundesseite aus mit dem Ganztagsschulprogramm II unterstützen.

Ausbau der Schulsozialarbeit
Wir werden die Schulsozialarbeit ausbauen. Welcher Förderbedarf besteht? Wie können die Eltern einbezogen werden? Wie kann zwischen Schule und Familie vermittelt werden? Das können Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter klären und mit den Schülerinnen und Schülern umsetzen.

Schüler-BAföG ausbauen
Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial bedürftigen Familien gehen häufiger nach der neunten oder zehnten Klasse von der Schule ab als andere. Oft liegt das an finanziellen Gründen. Denn wer noch bei den Eltern wohnt oder wohnen kann, bekommt kein BAföG. Deshalb werden wir das BAföG bedarfsgerecht auf alle Oberstufenschüler ausdehnen.

Eltern-Kind-Zentren
Kinder können nur gut gefördert werden, wenn ihre Eltern mitwirken. Deshalb möchten wir Kindertagesstätten und Schulen zu Eltern-Kind-Zentren weiterentwickeln. Hier bekommen Eltern Hilfe,
Informationen und Kontakt zu unterschiedlichen Trägern, damit sie deren Angebote wahrnehmen können.

Hochschule

  • Wir wollen mehr Personen aus nicht-akademischen Familien für ein Studium begeistern. Dafür werden wir das Informations- und Beratungsangebot ausbauen. Vor allem wollen wir mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Lehrerinnen und Lehrer sowie als Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gewinnen. Sie sollen in Kindergärten und Schulen interkulturelle Kompetenz einbringen und als Mittler auftreten.
  • Zu viele Menschen aus sozial schwachen Familien brechen ihr Studium ab oder nehmen erst gar keins auf. Das liegt auch daran, dass die Einkommensgrenze, bis zu der BAföG gezahlt wird, zu niedrig liegt. Wir werden sie erhöhen.
  • Meisterinnen und Meister sowie Technikerinnen und Techniker bringen auch ohne Abitur Fähigkeiten mit, die sie zu einem fachgebundenen Studium befähigen. Deshalb werden wir die Hochschulen weiter für Qualifizierte öffnen: Sie sollen direkten Zugang zum Masterstudium haben. Und wir werden ein Aufstiegs-BAföG schaffen.
  • Außerdem setzen wir uns für studienbegleitende Angebote ein, um junge Studierende an die akademische Schriftsprache heranzuführen.
  • Wir lehnen Studiengebühren generell ab.
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Ein Kommentar
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  1. […] und das kommunale Wahlrecht auch für Nicht-EU-Ausländer plädiert die SPD im „Positionspapier Integration“, das am Freitag auf der Jahresauftaktklausur in Magdeburg vorgestellt wurde. Der Grundsatz, […]



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