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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Buchvorstellung

Allein unter Türken – Mitten drin statt von oben herab

„Warum arbeiten Sie denn für Türken?“ Diese Frage wurde mir immer wieder gestellt. In der Regel antwortete ich mit einer Gegenfrage: „Wenn Sie ein Auto eines japanischen Herstellers kaufen wollen, erwarten Sie dann etwa, dass der Autoverkäufer ein Japaner ist?“

DATUM6. Januar 2011

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»Warum arbeiten Sie denn für Türken?« Diese Frage wurde mir immer wieder gestellt […]. In der Regel antwortete ich mit einer Gegenfrage: »Wenn Sie ein Auto eines japanischen Herstellers kaufen wollen, erwarten Sie dann etwa, dass der Autoverkäufer ein Japaner ist?«

Erstmals schreibt ein Deutscher, Werner Felten, über Türken in Deutschland. Vorurteilslos und niemals verletzend werden nicht nur die Schwierigkeiten der deutsch-türkischen Integrationsversuche geschildert, sondern auch, was Türken wirklich über Deutsche denken. Oder warum Medien und Politiker eigentlich immer die Vorzeigetürken ins Rampenlicht holen, und warum im Fernsehkrimi der türkische Polizist in der Regel nur der Assistent ist.

Der Autor, Medienfachmann und Journalist, war acht Jahre bei Metropol FM als einziger Deutscher unter türkischen Mitarbeitern Geschäftsführer und Programmdirektor. Um sein Radioprogramm gestalten zu können, hat er nicht nur die türkische Sprache gelernt, sondern auch die Mentalität seiner Mitarbeiter und Zuhörer kennen und schätzen gelernt. In seinem Buch nennt er die Dinge beim Namen und hält Deutschen wie Türken völlig den Spiegel vor.

Kaum jemand weiß so gut wie er, was deutsch- und türkischstämmige Menschen trennt und was sie verbindet. Der Erfolg seines Senders gibt ihm Recht: Sein Radio-Konzept wurde inzwischen in allen Ballungsräumen mit hohem Ausländeranteil kopiert.

Seine Erfahrungen aus dieser Zeit hat er in verschiedenen Gremien zur Ausländerintegration eingebracht und war gefragter Interviewpartner von Diskussionsrunden. Heute ist Werner Felten selbstständiger Medienunternehmer.

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11 Kommentare
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  1. bogo70 sagt:

    Die Zahlweise der Deutschen in dem Video, wurde aber ganz schön in die Länge gezogen. Die hätten noch zeigen müssen, welcher Kampf entbrennt, wenn plötzlich alle Türken zahlen wollen oder wie einer so tut, als gehe er zur Toilette und die Rechnung für alle zahlt, ja und das Trinkgeld, wie es bei Deutschen ausfällt, hat man ja gesehen, bei Türken springt da schon mal ein Zwanziger raus auch wenn der Türke für alle bezahlt hat. Noch lustiger wird es, wenn Deutsche und Türken zusammen essen und dann bezahlen wollen, der Deutsche wird sich niemals durchsetzen können. 😉

    Sorry liebe autochton Deutsche, aber lasst uns doch auch mal. Ist für den Moment lustig, werd mich aber nicht dran hochziehen, versprochen. Das Buch werde ich mir jedenfalls gönnen, danke für die Vorstellung.

  2. Boli sagt:

    Um dieses Zahlverhalten zu sehen muss man gar nicht so weit gehen. Die Griechen machen es auch nicht anders. Allerdings sollte es schon eine Frage sein ob man es sich wirklich leisten kann. Und eigentlich ist das nur ein Spiel da ja nicht immer derselbe zahlt sondern jeder mal dran ist. Nur wie überall gibt es auch hier schwarze Schafe. Das kann auch zur Einbahnstraße werden.

  3. Realist sagt:

    Mein Erlebnis in einem orientalischen Restaurant:
    Alles OK bis die Rechnung kam. Ich habe 1 grosses Bier und zwei kleine über die 3 Stunden die ich in diesem Restaurant verbracht habe getrunken. Der Kellner wollte dann, aber dass ich 2 grosse und ein kleines Bier bezahle. Nachdem meine Freundin und ein muslimischer Kollege von mir dem Kellner bestätigt haben, dass ich wirklich nur 1 grosses Bier und zwei kleine getrunken habe, wollte der Kellner mir immer noch nicht glauben. Er meinte nur: „Ich bin mir sicher, also bezahl!“
    Am ende war er so beleidigt, dass er gar kein Geld mehr wollte! Das ist auch ein Teil der türkischen Mentalität! Wenn man also irgendwo zu einem orientalischen Restaurant geht, sollte man unbedingt die Rechnung prüfen.
    Mein muslimischer Kollege hat übrigens nicht das ganze Essen bezahlt wie das im Video dargestellt wurde.

    Übrigens kommt es im Video rüber, als wären die Deutschen irgendwie asozial, weil sie am ende getrennt bezahlen und die Türken ein Vorbild für die Menschheit, nur weil einer das Essen ausgegeben hat. Oh mein Gott!!! Dieser Typ im Video stellt sich auch dar, als ob er jetzt der krasseste Checker wäre. So wie ich das verstanden habe ist dieser Typ jetzt super in die türkische Gesellschaft integriert, aber die Türken immer noch nicht in die deutsche Gesellschaft.
    „Allein unter Türken“ oder: „Deutschland hat sich abgeschafft“

  4. schneider sagt:

    WAHNSINN! Das ist richtige Kultur! Einer zahlt alles! Wow!
    Ich bin begeistert von diesem Volk. Übrigens zahlt in Schweden auch jeder sein Essen selber. Das mag daran liegen, dass bei uns in Europa das arachaische Sippen- und Clandenken nicht mehr vorherrscht.

    Realist bemerkt es ganz treffend: Wenn man sich in die türkische Kultur integriert, vielleicht am Besten sogar noch zum Islam konvertiert, dann kommt man mit den Türken super aus. Andersrum: Pustekuchen.

  5. BiKer sagt:

    @ all

    ich glaube ihr missversteht das video. dort zahlt nicht ein türke die gesamte rechnung. jeder zückt sein portmonnaie und tut – je nach rechnung und eigener bestellung etwas dabei. und wenn einer ausgeben will, tut er eben alles oder mehr als die anderen auf den tisch.

    @ realist
    also die geschichte kann dir ja wohl auch in einem deutschen restaurant passieren oder? oder hängen sie sich gerade daran auf, dass der kelner dann überhaupt kein geld mehr haben wollte. sowas schönes wird es bei einem deutschen kellner selten geben 😉

  6. schneider sagt:

    „also die geschichte kann dir ja wohl auch in einem deutschen restaurant passieren oder? “

    Vermutlich wird es sogar eher in einem deutschen Restaurant passieren. Ganz grundsätzlich sind die Orientalen sicher gastfreundschaftlicher und netter, keine Frage. Vor allem die Älteren. Mein Lieblingsladen ist ein Afghane, der hat wunderbaren Sirup. Und ich kann die Orientalen auch verstehen: die Mitteleuropäer, allen voran vermutlich die Deutschen, sind schon sehr, sehr unfreundlich.* Leider. Gott sei Dank sind nicht alle so. Vermutlich ist es unser barbarisches Erbe, welches uns keine Höflichkeit mit gegeben hat. Wir sind nun mal ein rauhes Volk, grobe Klötze.

    *In einem traditionellen Münchner Wirtshaus sind die Bedienungen und Kellner oft sehr mürrisch und unfreundlich, gewürzt mit einer Prise schwarzem Humor, Zynismus, Oberlehrermentalität und verschiedenen anderen obskuren Eigenschaften. Mittlerweile arbeiten in verschiedenen Wirtshäusern immer mehr Orientalen, in bayerischer Tracht. Auch (Schwarz)-Afrikaner sind darunter. Das ist nett anzusehen und vor allem sind diese Leute in ihrer Höflichkeit und Zuvorkommenheit unübertroffen.

  7. Boli sagt:

    Hm, stimmt dann ist es bei den Griechen doch anders, weil da zahlt in der Tat in der Regel immer einer bei solchen Runden.
    Was das Geld in die Mitte werfen aber bedeuten soll erschließt sich mir hier trotzdem nicht wirklich. Weil eine Runde geben ist das dann ja auch nicht sondern jeder zahlt trotzdem das Meiste selbst. Es ist nur eben nicht genau abgezählt. Dadurch ist das Trinkgeld wohl auch etwas höher als bei Einzelabrechnung. Aber mit Gemeinsinn hat das aus meiner Sicht auch nicht viel zu tun. Den Gemeinsinn sieht man aber deutlich beim Essen selbst wo das Essen in der Mitte ist und sich von dort jeder was nimmt was er möchte. Ist bei den Griechen auch oft so. Fleisch und Beilagen, Tsatziki und Salat steht in der Mitte und jeder isst direkt ausser z.B. Souvlaki von diesen Tellern.
    @biker
    Ich glaube eher der Kellner wollte letztlich sein Gesicht nicht verlieren und hat dann eher weniger glücklich darüber auf alles verzichtet. Selbst wenn er auf das Geld verzichtet. Ich hätte ihm kurz vorm Gehen das Geld noch auf den Tisch gelegt, weil wenn dann möchte ich so eine „gegebene Runde“ von vornherein eindeutig ausgedrückt vom Kellner und nicht aufgrund eines Abrechnungsstreites. Da kann ich auf seine Gesichtswahrung auch keine Rücksicht nehmen.

  8. aus bremerhaven sagt:

    Oh mein Gott!!! Also Schneider erstmals zu dir, ihr könnt euch garnicht in die türkische Kultur integrieren, ihr braucht das auch nicht um mit uns aus zu kommen. Was ihr gelegentlich machen könnt ist die Integration uns nicht vor die Nase zu schieben. Was versteht ihr unter Integration? Also viele Türken können die deutsche Sprache, nur einige Beispiele: Kaya Yanar, Bülent Ceylan, Nuri Sahin, Mesut Özil, Altintop Brüder, Fatih Akin, Erdogan Atalay, Erol Sander, Kool Savas oder Eko Fresh. und viele mehr… also an der Sprache kann es ja nicht hapern. Ich glaube die Unterschiede an der Lebensweise gefallen den Deutschen nicht. Uns Kindern wird der Führerschein bezahlt, die Deutschen muss sich es aber selber finanzieren. Wenn zu uns Besuch kommt, dann Bitte mit Kindern, bei den Deutschen müssen die Kinder oft doch Zuhause bleiben. Wir treffen uns mit Verwandten und Freunden nicht nur an Feiertagen, bei den Deutschen mehr an den Feiertagen. Wie gesagt, so ein Leben wie viele Deutsche führen möchte ich nicht führen, mag sein das ich denn nicht Integriert bin, eins bleibt mir jedoch erhalten und das ist die Menschlichkeit!!!

  9. @BiKer sagt:

    @BiKer: Keine Ahnung wie es in dem Video ist, in der Türkei zahlt schon meist einer für alle. Entweder wird drum gekämpft zu zahlen oder es ergibt sich aus der Situation wer zahlt. Das mit dem alle werfen in die Mitte gibt es auch. Das passiert meist wenn einer damit anfängt, weil er nicht alles zahlen, aber auch nicht eingeladen werden will. Dann legt er halt einen 20er in die Mitte wenn er für 15 gegessen hat und fertig.

  10. Sciencia et Potencia sagt:

    In jeder Kultur kann gibt es positive sowie negative Sachen. Als Deutsch-Türke kann man sich eben seine EIGENE Hybrid-Kultur zusammenbasteln. Das hat den Vorteil sich in allen Lebensbereichen einigermaßen gut zurechtzufinden, auch für den Preis, dass man weder in der Deutschen, noch in der (Rein-)Türkischen Kultur zu 100% angekommen ist. Ich finde diese Eigenheiten sehr spannend und sorgen für Gesprächsstoff zwischen Türken und Deutschen. Nach 10-15 Jahren werden wir alle zuammen über die hitzige Debatte der Integration lachen und erkennen, dass Türken und Deutsche das gleiche Schiksal teilen.


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