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Migration und Integration in Deutschland

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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Integrationswahn

Sprachtests bei dreijährigen Kindern ist blanker Unsinn

Maria Böhmer spricht sich für verbindliche Sprachtests bei bereits dreijährigen Kindern aus. Für Heike Raab (SPD) ist das „blanker Unsinn“. Wer Kinder habe, wisse, dass Dreijährige auch mal stumm bleiben.

Je früher die Sprachförderung beginnt, so der vermeintliche Konsens in der Integrationsdebatte, desto erfolgreicher verläuft die Bildungslaufbahn eines Kindes. Entsprechend überbieten sich Politiker mit Forderungen nach Sprachförderung in jungen Jahren.

So hatte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nach Bekanntwerden der PISA –Ergebnisse (7.12.10) dafür plädiert, „bereits bei allen 3-Jährigen verbindliche Sprachtests durchzuführen“. Werde dabei ein Förderbedarf festgestellt, solle für das jeweilige Kind der Kindergartenbesuch mit Sprachförderung verpflichtend sein.

Als „blanken Unsinn“ bezeichnet die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der rheinland-pfälzischen SPD-Landtagsfraktion Heike Raab diese Forderung. Zunächst seien Sprachtests für Vierjährige im Gespräch gewesen und nun senkte Böhmer das Alter auf drei Jahre herab. Wolle Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) „morgen Prüfungen für zwei- oder einjährige Kinder?“ fragt Raab.

Die bisherige Praxis, dass Erzieher in den Kindergärten auf kindgerechte Art den Sprachstand der Kinder beobachten und feststellen, sei der bessere Weg. Auch Wissenschaftler würden Sprachtest für so junge Kinder ablehnen. Man könne keine validen Aussagen über den Sprachstand von drei- oder vierjährige Kindern machen.

Mit wieviel Jahren sollten verbindliche Sprachtests bei Kindern durchgeführt werden?
    Mit 3 Jahren (30%)
    Mit 6 Jahren (28%)
    Mit 5 Jahren (26%)
    Mit 4 Jahren (16%)
     
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    „Aber alleine schon die Vorstellung, ein fremder Prüfer kommt in den Kindergarten, um Tests mit Dreijährigen abzuhalten, ist mehr als absurd. Wer Kinder hat, weiß, dass sie in diesem Alter gegenüber Fremden auch mal stumm bleiben können, weil sie schlichtweg schüchtern sind und noch gar nicht die Bedeutung einer Prüfung erfassen können“, so Raab abschließend. (sb)

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    21 Kommentare
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    1. Belladetta sagt:

      Ich weiß nicht, worüber Sie sich aufregen. In Indien sind Tests, zumindest in den englischsprachigen Kindergärten, der Normalfall. Meine fünfjährige Nichte ist sogar gezielt und ohne ihre Eltern zu informieren zum Einschulungstest gegangen, obwohl sie noch zu jung war, und hat den auch bestanden. Sie wollte einfach in die Schule und hat sich durchgesetzt. Prüfungen können Kindern auch Spaß machen, aber hier wird immer so eine Horrorvision aufgebaut.

    2. Gan-Ji sagt:

      @Belladetta:
      1. „englischsprachigen Kindergärten“, „5-jährige Nichte“
      sind schonmal zwei große und entscheidende Unterschiede zu Deutschland. Wenn Sie aufmerksam gelesen hätten, hätten Sie auch dies erfahren.

    3. posteo sagt:

      Liest man nur die Überschrift, wird die Früherkennung von Entwicklungsverzögerungen an sich in Frage gestellt, anstatt nur das sogenannte Setting, die Untersuchungsbedingungen zu kritisieren.

    4. RebellComedy sagt:

      Machen wir uns nichts vor. Hier geht es darum frühzeitig Druck gegenüber Migranten aufzubauen. Dafür werden sogar Kleinkinder instrumentalisiert. Die Familien sollen gezwungen werden, ihren Kindern als erstes die deutsche Sprache beizubringen und die Bindung zu der ursprünglichen Muttersprache zu verlieren. Es ist wieder einmal der Versuch, Assimilierung voranzutreiben. Auch wenn es nicht ausgesprochen wird, will Deutschland in erster Linie die Doppelsprachlichkeit bei den ungeliebten Kulturen der Moslems verhindern. Deutschland hat keine Probleme mit doppelsprachigen englischen, französischen, spanischen Kindergärten. Auf Ablehnung trift man in Deutschland in der Regel, wenn es um die türkische oder arabische Sprache geht. Ich habe schon lange aufgehört, zuhause mit meinen Kindern deutsch zu sprechen. Deutsch ist in unserem Hause strengstens verboten. Wir reden bewusst türkisch.

    5. posteo sagt:

      „Aber alleine schon die Vorstellung, ein fremder Prüfer kommt in den Kindergarten, um Tests mit Dreijährigen abzuhalten, ist mehr als absurd. Wer Kinder hat, weiß, dass sie in diesem Alter gegenüber Fremden auch mal stumm bleiben können, weil sie schlichtweg schüchtern sind und noch gar nicht die Bedeutung einer Prüfung erfassen können“, so Raab abschließend. (sb)“

      Absurd finde ich die Vorstellung, dass die Prüfer(innen), die wahrscheinlich von Beruf Logopädinnen sind, so plump vorgehen, wie von dem Autor unterstellt. Natürlich werden sie die Kinder erst einmal beobachten und auch die Erzieherinnen befragen. Ansonsten kann man das (passive) Sprachverständnis ja auch ganz einfach ermitteln, indem man auf Dinge deuten oder einfache Handlungsanweisungen ausführen lässt.
      Ich denke da an ein Kind mit einer angeborenen Entwicklungsverzögerung in meinem Freundeskreis. Als der damals 3jährige ein paar Tage bei mir zu Besuch war, konnte er in der ihm fremden Umgebung meinen Erklärungen und einfachen Anweisungen problemlos folgen, obwohl er damals gerade mal alles und jeden nur mit der Silbe „da“ benannte.

    6. Achmed sagt:

      Rebell, wir sprechen auch nur türkisch. Es ist einfach eine bessere sprache, und ausserdem hat man gute Chancen auf dem Berufsmarkt weil in zwei Jahren Türkei absolutes Boomland sein wird. Und deshalb ist es besser, türkisch zu sprechen!

    7. TaiFei sagt:

      @Posteo
      Ja, ja immer melden sich dann sofort Leute die welche kennen, die welche kennen usw.usf.
      Sprachtests ab drei sind absoluter Blödsinn.
      1. Die meißten Kinder kommen immernoch erst mit drei in den Kindergarten. Das ist auch nicht verwunderlich, denn erst ab diesem Zeitpunkt nimmt die sprachliche Entwicklung neuen Schub auf.
      2. etwaige Entwicklungsverzögerungen werden jetzt schon beim Kinderarzt in den U/J-Untersuchungen dokumentiert. Auch Kinderärzte prüfen hier bereits die sprachliche Reife. Sollten hier Probleme auftauchen, werden bereits hier Logopäden eingeschaltet.
      Wozu also noch eine Parallelstruktur?

    8. Josef Özcan sagt:

      Der Testwahnsinn insgesamt muss unterbunden oder zumindest streng reglementiert werden.

      Bei so jungen Menschenkindern wie sie hier zur Debatte stehen haben solche Tests gar nichts verloren.

      Es wird zeit für eine allgemeine Kampagne gegen den grassierenden Testirrsinn insgesamt. Vor allem ist aber auch für ein Verbot des strukturalfaschistischen Intelligenztests (siehe die Geschichte des IT) zu plädieren.

      Josef Özcan (Diplom Psychologe / Kölner Appell gegen Rassismus e.V.)

    9. posteo sagt:

      Zu Tai Fei,
      Zum einen habe ich habe aus meiner persönlichen Erfahrung und nicht von Hörensagen berichtet, zum anderen werden bei Reihenuntersuchungen auch schnell mal Probanden durch gewunken, so dass eine Wiederholung des Sprachentwicklungstests an sich nicht schadet, wenn sie valide und das heißt natürlich altersgerecht durchgeführt wird.
      Aber wie ist es überhaupt zu der Überlegung gekommen, solche Tests durchzuführen? Am Anfang stand die Absicht, Kinder mit sprachlichen Defiziten in der Kita gezielter zu fördern und dafür ist natürlich auch eine vorherige Diagnostik vonnöten.
      Aber anhand der vorliegenden Kommentare habe ich meine Meinung über die Sinnhaftigkeit derartiger Maßnahmen bereits geändert. Wenn seitens der Eltern keinerlei Interesse besteht, die Sprachkompetenz ihrer Kinder bezüglich ihrer späteren Unterrichts-, Ausbildungs- und allgemeinen Umgangssprache zu fördern (und das gilt auch für ethnisch Deutsche), dann kann die Gesellschaft sich die Hammelbeine ausreißen, dann bleiben diese Kinder sozial benachteiligt.

    10. Marianne sagt:

      Es wird Zeit für eine allgemeine Kampagne gegen den grassierenden Testirrsinn insgesamt und für ein Verbot der strukturalfaschistischen Intelligentests – wie recht Sie doch haben. „Verbindliche Sprachtests“ bei Dreijährigen, kaum zu glauben, ich bin da mehr für Tests bezüglich der geistigen Zurechnungsfaehigkeit derer, die solche höchst abstrusen Forderungen aufstellen.


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