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Migration und Integration in Deutschland

Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, Trauergottesdienst nach dem Terroranschlag im norwegischen Oslo und Utoya, 2011
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Lachend durch die Welt

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Nun ist es amtlich: Multikulti ist gescheitert. Wenn unsere Bundeskanzlerin das feststellt, muss es stimmen. Was genau gescheitert ist, überlässt sie der Fantasie des Volkes.

VONMehmet G. Daimagüler

Der Autor studierte Jura, Romanistik und VWL in Bonn. An der Harvard Uni- versity erwarb er einen "Master in Public Admin- istration". Später war er „World Fellow“ an der Yale University. Er ist Partner in der Berliner Wirtschafts- kanzlei Thomsen&Partner. Auf Vorschlag des dama- ligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zeich- nete ihn das Weltwirt- schaftsforum in Davos im Jahr 2005 als „Young Glo- bal Leader“ aus. Im Som- mer 2011 wird sein erstes Buch "Dir sein Fleisch, mir seine Knochen" im Ran- dom House/Bertelsmann Verlag erscheinen. Daimagüler bedeutet "immer lachend".

DATUM14. Dezember 2010

KOMMENTARE9

RESSORTAktuell, Meinung

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Ist das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft unter Beibehaltung ihrer kulturellen Identität gescheitert? Oder „Multikulti“ als Chiffre für ein weltoffenes Deutschland? Ist Deutschland als Einwanderungsland der Zukunft gescheitert? Man weiß es nicht.

Es ist auch nicht wichtig. Denn mit dem Scheitern der multikulturellen Idee geht ein anderes, großartiges Ereignis einher, das nicht die Würdigung erhielt, welches es zweifellos verdient hat. Denn Deutschland hat es geschafft. Nach vielen Jahren des Kampfes und der Aufklärung sind Neo-Nazis, Fremdenfeinde und Rassisten verschwunden. Wo sind sie hin? Keine Ahnung. Vielleicht sind sie nach Österreich, Dänemark oder in die Niederlande ausgewandert. Egal. Hauptsache sie sind weg. Wir können endlich unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung genießen, diese Frucht griechisch-römischer Antike, vollendet durch das christlich-jüdische Erbe, gestählt durch Aufklärung und Humanismus.

Natürlich, jetzt kommen wieder ein paar Miesepeter und behaupten, das stimme alles so gar nicht. Der Rassismus sei gar nicht aus Deutschland verschwunden, im Gegenteil, er wachse, blühe und gedeihe gar. Diese schlechten Gutmenschen haben es einfach nicht verstanden. Natürlich wird Fremdes weiterhin kommentiert, diskutiert, kritisiert und jawohl, so manch’ Jungspund fühlt sich berufen, auch mal ein Feuerchen zu legen. Aber das ist doch kein Ausdruck von Rassismus. Denn die Debatte um Einwanderung dreht sich ausschließlich um Muslime, so wie sie sich früher einzig und alleine um Türken drehte.

Viele wissen es noch nicht, aber Moslems besitzen eine geradezu unheimliche Zauberkraft. Sie verwandeln Menschen. Aus dumpfen Rassisten machen sie besorgte Aufklärer. Grobschlächtige Fremdenfeinde werden durch Zaubererhand zu lupenreinen Demokraten. Picklige Neonazis bleiben zwar picklig, aber sie verwandeln sich in Verteidiger des christlichen Abendlandes. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Wir leben in herrlichen Zeiten.

Das beantwortet auch die Frage: Was ist mit unseren Rassisten geschehen? Wo sind sie hin? Dumme Frage. Sie sind gar nicht weg. Sie sind hier. Mitten unter uns. Sie denken, was sie schon immer gedacht haben. Sie sagen, was sie schon immer gesagt haben. Sie tun, was sie schon immer taten. Aber dennoch hat sich ihre Natur geändert. Sie sind nun wie fast alle. Oder fast alle sind wie sie?

Deutschland ist schön, seine Landschaft unberührt und seine Demokraten aufrecht. Den Moslems sei Dank, könnte man beinahe sagen.

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9 Kommentare
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  1. bogo70 sagt:

    Scheintote zum Leben erweckt, dass ist mal ein Kracher. 😉
    Dafür gibt es den „Horst des Jahres 2010“ – And the „winner“ is: Dr. Thilo Sarrazin gekürt von Storch Heinar.

    http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=5683%3Astorch-heinar-verleiht-%E2%80%9Ehorst-des-jahres-2010%E2%80%9C-%E2%80%93-and-the-%E2%80%9Ewinner%E2%80%9C-is-dr-thilo-sarrazin&Itemid=773

  2. Hop Singh sagt:

    Schwieriger Text, gar nicht leicht zu verstehen. Aber zwei Fakten sind haften geblieben.
    Zunächst der jahrelange Kampf und unermüdliche Schaffensdrang der fleißigen türkischen Migranten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung, als wahre Bewahrer der griechisch-römischen Antike, sowie Aufklärung und Humanismus der Moscheevereine im Versuch dem christlich-jüdischen Erbe gegen Angriffe aus dem Reich jungspundscher Feuerleger, beizustehen.
    Aus diesem Fakt ergibt sich gleich der zweite, pickelige Nazis. Das ist richtig, die Deutschen sind alle pickelig, deswegen finden auch so wenig bikulturelle Eheschließungen statt, wer will schon einen pickeligen Mann?
    Aber leider, leider, alles umsonst – Deutschland wird bestraft und verarmt. Recht so.

  3. Ghostrider sagt:

    Welch paradiesische Zeiten in Deutschland. Multikulti ist tot! Zumindest behauptet das Herr Seehofer. Glatzen und Knobelbecher gehören mittlerweile auch der Vergangenheit an. Nazis grüßen sich nicht mehr mit Heil…! Man will ja nicht für Aufregung sorgen. Man sagt gepflegt 88 und Ruhe ist. Durch den zunehmenden Haarwuchs auf der Glatze verschwindet auch das letzte unangenehme SS Tattoo. Ja, haben wir alles Sarrazin zu verdanken und natürlich auch den vielen Trittbrettfahrern.

    Die neue Rechte am rosaroten deutschen Himmel!
    Rechtspopulismus wird solange schön geredet, bis man ihn als neudeutsche Delikatesse sogar auf dem Silbertablett serviert bekommt.

    Rassismus ist out! Ja Leute, die „Elite“ von NPD & Co ist sogar nach Israel geflogen und haben offen ihre Liebe bekundet. Nein, das ist kein Witz. Die braunen Vögel haben in Israel einen verbündeten starken Partner an ihrer Seite gegen den bösen Islam gesucht. Aber Entwarnung! Dieses Unterfangen ist sprichwörtlich in die Hosen gegangen.

    Nein, die Israelis machen da nicht mit! Tja, an was wird das wohl gelegen haben? Nun ja, vielleicht hat da ein brauner Ver“Führer“ zur falschen Zeit am falschen Ort einen schrägen Judenwitz vom Stapel gelassen. Schließlich kann man seine schlechten Manieren nicht lange verbergen. Oder?

    Und das trotz aller guten Vosätzen hier und da in Deutschland eine Döner Bude brennt, eine Moschee oder eine Synagoge aufs Übelste beschmiert wird, ein Friedhof geschändet oder Ausländer zusammengeschlagen werden, sind doch nur alles eine „Vielzahl“ von Einzelfällen. Oder?

    Schlechte Manieren kann man doch nicht von jetzt auf gleich ablegen.

    Da muß man doch großzügiger Weise darüber hinwegsehen! Oder?

    Gerade jetzt, wo der Rechtsextremismus die Mitte unserer Gesellschaft erreicht hat.

    Der rosarote neudeutsche Himmel. Nur fehlt mir da nur noch eine Winzigkeit! Die rosarote Brille dazu!

    Ghostrider

    Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz!

  4. Yilmaz sagt:

    Hilfe ich bin Moslem. Bin ich jetzt krank. Ich arbeite seit 25 Jahren in München und werde immer häufiger angesprochen mit den Worten: „Du bist doch kein Moslem, oder?“

  5. Boli sagt:

    @Ylmaz
    Hilfe ich bin Moslem. Bin ich jetzt krank. Ich arbeite seit 25 Jahren in München und werde immer häufiger angesprochen mit den Worten: “Du bist doch kein Moslem, oder?”

    Ob Sie jetzt krank sind? Hmmm, das hängt mit der Inkubationszeit und Ihrem Immunsystem zusammen.
    Empfehlen könnte ich auch das da:
    http://www.ex-muslime.de/indexForum.html
    […]
    Wer spricht Sie denn eigentlich so an? Freunde oder Fremde?

  6. MoBo sagt:

    @ Boli: Sie wollen tatsächlich einem sich unterdrückt fühlenden Mitbürger damit „helfen“, indem Sie missionieren? Würden Sie auch Juden vorschlagen, Christen zu werden, damit man sie in Ruhe lässt?

    Die sog. ex-Muslime werden übrigens von einer Kommunistin geleitet, die bzgl. des Irans bei aller berechtigten Kritik am Mullah-Regime auch politische Ziele verfolgt, die den meisten Sympathisanten wahrscheinlich nicht klar sind.

  7. Friendofthesun sagt:

    Der Satz über das tote Multikulti hat Frau Merkel international gehörig unter Druck gesetzt. Damit hat sie es in die Kommentarspalten zahlreicher Zeitungen rund um die Welt geschafft. Was erstaunlich ist. Und immer mit etwa dem gleichen Tenor, wie kann man sich in sein Schneckenhaus zurückziehen, während sich die Welt wirtschaftlich und politisch immer weiter vernetzt.

  8. Boli sagt:

    @Mobo

    Das kann schon sein. Ihr damaliger Kampf hat einem unabhängigen Staat Kurdistan gegolten. Ihr jetziger Kampf geht gegen den Missbrauch von Religionsfreiheit in diesem Lande. Beides kann ich unterschreiben da meiner Meinung nach auch die Kurden einen eigenen Staat haben sollten und Religionsfreiheit nur Menschen gewährt werden sollte die keine negativen Hintergedanken und Taten im Sinn haben.
    Und was haben die atheistischen Ex-Muslime mit Missionierung zu tun?
    Nö, ich will niemanden Missionieren. Ich glaube Sie haben mit diesem Vorschlag meinen sarkastischen Seitenhieb übersehen.
    Das hilft Yilmas natürlich in keinster Weise. Nur der Spruch von der Grünen Abgeordneten Marie-Luise Beck „das müssen wir aushalten“ bezogen auf Jugendgewalt bezieht sich dann halt auch auf Yilmaz und seiner Klage des öfteren die ängstliche Frage gestellt zu bekommen „das er doch hoffentlich kein Moslem ist“. Interessanter wäre vielmehr von wem genau die Frage so oft kommt und welche Gründe er wohl dahinter vermutet. Weil die Frage ist an sich nicht provozierend sondern eher begleitet von einem latenten Misstrauen gepaart mit Angst.

  9. Frank sagt:

    Multi-Kulti hat doch nie gelebt.
    Ich weiss nicht wie die Migranten behaupten können es hätte so etwas wie Multi-Kulti in Deutschland gegeben. Wenn es Multi-Kulti gegeben hätte, dann wäre ja jetzt alles supi!! Ist es aber nicht!
    Viele Einwanderer wurden einfach intelektuell überschätzt. Die meisten dachten ja es wäre ja nicht schlimmes daran die eigene Kultur 1:1 zu importieren. Es wurde sich einfach nicht darum gekümmert, die Migranten haben einfach nur in Deutschland gewohnt, sin aber nie hier angekommen.
    Mulit-Kulti hat es also nie gegeben.
    Ich kann mich übrigens auch nicht daran erinnern, dass irgendein Politiker mal gesagt hätte: „Hey Leute, ab Heute sind wir eine Multi-Kulti-Gesellschaft und das heisst, dass wir bald sehr viele Moscheen in Deutschland haben und uns den Migranten anpassen müssen“.
    Ich glaube wenn damals ein Politiker sowas gesagt hätte, dann hätte es in der Bevölkerung einmal laut geraunt und es wären Rücktritte gefordert worden.
    Schuld sind nicht die Muslime und auch nicht die glatzköpfigen Rassisten, sondern die Politiker, die es versäumt haben die kompatibilität
    der Kulturen zu überprüfen bzw. kein Wert auf Integration gelegt haben.



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