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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

PISA 2009

Türkische Eltern sind besorgt um ihre Kinder

Die Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland zeigt sich nach den PISA Ergebnissen 2009 besorgt um Migrantenkinder. Sie fordert eine grundlegende Reform, „des stark und zu früh selektierenden Schulsystems in allen Bundesländern“.

Die Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland e.V (FÖTED) zeigt sich nach dem Bekanntwerden der PISA-Studie 2009 besorgt. Die Ergebnisse machten deutlich, dass viele Schüler „gleich doppelt benachteiligt sind“. Und besonders betroffen von den Mängeln des deutschen Bildungssystems seien Kinder mit Migrationshintergrund.

„Die Daten zeigen, dass inzwischen fast 26 Prozent der fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland aus eingewanderten Familien stammen. Allerdings bleibt Deutschland bei den Maßnahmen zur sprachlichen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit anderer Herkunftssprache hinter den anderen OECD-Staaten zurück“, so die Bundesvorsitzende der FÖTED, Berrin Alpbek.

Gleiche Bildungschancen = gute Leistungen
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist: Wenn allen Schülern möglichst lange gleiche Bildungschancen geboten werden, schneiden sie im Durchschnitt besser ab und ihre Leistungen hängen vergleichsweise wenig von sozialer Herkunft ab. Alpek: „Besorgnis erregend aus unserer Sicht ist, dass immer noch in keiner vergleichbaren Industrienation die Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft so ausgeprägt ist wie in Deutschland.“

FÖTED blickt mittlerweile auf eine 15 jährige Geschichte zurück und versteht sich als Sprachrohr der Eltern mit türkischer Herkunft. Sie setzen sich für die Verbesserung der Chancen türkischstämmiger Kinder im Erziehungs-, Bildungs- und Berufsbildungsbereich bundesweit mit mehr als 60 Mitgliedsvereinen ein.

So besucht in Deutschland nur etwa ein Drittel der fünfzehnjährigen Schüler mit Migrationshintergrund Schulen im Sekundarbereich, in denen zusätzlicher Förderunterricht in der Landessprache angeboten wird. Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Prozentsatz fast doppelt so hoch. Gezielte Sprachförderung ist demnach auch in weiterführenden Schulen nötig, einschließlich des Gymnasiums, und in höheren Jahrgangsstufen.

Selektierendes Schulsystem abschaffen
„Wir unterstützen die Forderungen der Staatsministerin für Integration und Migration Frau Prof. Dr. Böhmer, dass für mehr individuelle Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund mehr Geld, Zeit und interkulturell ausgebildete Lehrkräfte sowie Schulpsychologen und Sozialarbeiter in den Schulen notwendig seien aber wünschen uns von Frau Böhmer mehr Unterstützung bei unseren Forderung nach einer grundlegenden Reform, des stark und zu früh selektierenden Schulsystems in allen Bundesländern“, so die FÖTED Bundesvorsitzende.

Diese Reform müsse neben Deutsch auch die Mehrsprachigkeit und den Wert sprachlicher und kultureller Vielfalt im Einwanderungsland Deutschland anerkennen und sie fördern.

Alpek abschließend: „Wir als Elternverband nehmen unsere Verantwortung wahr und leisten Informations- und Bildungsarbeit, indem wir Eltern durch verschiedene Angebote wie Elternseminare über das Bildungswesen und Mitwirkungsmöglichkeiten in den Bildungseinrichtungen unterrichten und deren Erziehungskompetenzen erweitern.“ (sb)

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25 Kommentare
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  1. Michael Quatz sagt:

    Unzweifelhaft muss sich Deutschland vorwerfen lassen in der Vergangenheit zuwenig für die Integration getan zu haben.
    Integration ist aber keine Einbahnstraße!
    Beide Seiten müssen Willens sein etwas dafür zu leisten.
    Meine Töchter hatten auf dem Gymnasium auch türkischstämmige Freundinnen
    die aus einem Elternhaus mit gehobenem Bildungsniveau kamen.
    Hier war sowohl sprachliche als auch gesellschaftliche Integration kein Problem.
    Ein großes Problem aber sind die Familien die, weil sie selber aus einer bildungsfernen Schicht kommen, ihre Kinder nicht auf die absolute Notwendigkeit
    einer ausgezeichneten Ausbildung hinweisen und sie entsprechend zu unterstützen.
    Nur nach dem Staat rufen und selber die Hände in den Schoß legen wird das Problem nicht lösen.

  2. kuchen sagt:

    @Michael Quatz

    Völlig richtig, leider sind die Familien welche aus einer bildungsfernen Schicht kommen bei weitem in der Überzahl, und hier genau hat Sarrazin recht. Zudem ist es mal wieder eine typische Eigenart von Muslimen bzw. Türken, zu fordern und nochmals zu fordern.

  3. elimu sagt:

    „Zudem ist es mal wieder eine typische Eigenart von Muslimen bzw. Türken, zu fordern und nochmals zu fordern.“

    Warum? Sollten diese Bürger nicht „fordern“. Müssen die jezt alles hinnehmen? Ich könnte jetzt auch allgemein sprechen und sagen.. „langzeitarbeitslose, Hartz IV-Empänger.. fordern nur geld, aber sitzen faul aufm Hintern und tun nichts…!“

    so eine Diskussion müssen wir hier doch nicht führen, oder? Ist ja wohl nicht Ihr ernst…

  4. Frank Torsten sagt:

    Gleich links neben dem Artikel ist ein anderer Artikel verlinkt, der da so schön heißt:

    Elternkongress: Eltern sind der Motor für die Integrationserfolge ihrer Kinder.

  5. Jacek sagt:

    Das ist doch ein völliger Unsinn, nur türkische Schüler schneiden hier schlecht ab, Polen, Russen oder Vietnamesen sind teilweise besser als deutsche Schüler, es liegt somit nicht an den Schulen.

  6. sicherheit mit freiheit sagt:

    Als „Gast“ muss ich mich meinem Gasgeber anpassen und habe nicht das Recht zu fordern. Wem das system in Deutschland nicht passt, kann gerne seine Koffer packen, ich helf beim tragen. Ansonnsten ist er die verantwortung aller Eltern, dass ihr Kind bei der einschulung deutsch spricht. Das kann man auch von Bildungsfernen erwarten. Alles andere würde nur die besseren und willigen schwächen.

  7. MoBo sagt:

    Das ist eine Frechheit, Mitbürger mit Migrationshintergrund als „Gast“ zu bezeichnen! Ich habe einen deutschen Pass und bin damit genauso Deutscher wie Sie.

    Außerdem hat der „GASgeber“ (ZItat s.u.f.) seine „Gastarbeiter“ nie wie Gäste behandelt sondern damals als Schwerstarbeiter geduldet und danach am liebsten wieder losgeworden. Behandeln Sie so ihre Gäste?!

  8. meergans sagt:

    Tut mirleid, echt leid, aber in Istanbul habe ich das ( türk.Sprichwort ?) gelernt: “ Der Gast fängt nach drei Tagen an zu stinken “ Ein Zitat wie GASgeber bleibt unvergessen. Das wissen Sie als kluge Frau bestimmt. Warum also?—–Als Gast kommen und dann auf die Vergesslichkeit der Gastgeber spekulieren und bleiben, das hat noch in keinem Land und in nur wenigen Kulturen der Welt geklappt. Muß man sich auch überlegen.

  9. Islamkritiker sagt:

    …….Allerdings bleibt Deutschland bei den Maßnahmen zur sprachlichen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit anderer Herkunftssprache hinter den anderen OECD-Staaten zurück“, so die Bundesvorsitzende der FÖTED, Berrin Alpbek………..

    Natürlich bekommt Deutschland wie immer die Schuld. Ein Beispiel (das Sie natürlich wieder als eine Verallgemeinerung abtun werden):
    Eine Kindertagesstätte fördert vormittags die Vorschulkinder. Die Pädagoginnen und Erzieherinnen spielen mit den Kindern und vermitteln Kindern mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache.
    Um 13 Uhr ist Schluss und die Erzieherinnen bringen auf Klingeln die Kinder an die Tür.
    Dort wartet die türkische Mutter und begrüßt das Kind….na? Wie? Richtig! Mit dem ersten Wort, der ersten Silbe, dem ersten Buchstaben, in türkischer Sprache.
    Ist dann Deutschland Schuld an der mangelhaften Sprachbegabung des Kindes?

  10. Mona Lisa sagt:

    Nun ich denke,wer in ein anderes Land geht um sich dort auch niederzulassen,sollte alles dafür tun um sich zu integrieren. Ich selbst bin zwar deutsche,bin aber durch mein Schicksal in ein anderes Land gekommen und nun bin ich Ausländer. Hier bekomme ich es auch mit,wie mit Ausländern egal welcher Herkunft umgegangen wird. Es gibt Leute die einen ,,willkommen“ heißen,andere und dies sind leider auch einige machen einen das Leben schwer. Würde ich nicht die Sprache sprechen und mich nicht auskennen,würde ich mich ebenfalls nicht willkommen fühlen und mir würde schnell auch die Lust daran vergehen mich etablieren zu wollen. Deshalb finde ich sollte es Pflicht sein,dass alle ausländischen Staatsbürger einen Sprachkurs belegen und später einen Test machen,denn nur darüber können sie sich auch mit anderen Bürgern kommunizieren und etablieren. Desweiteren finde ich es auch sehr wichtig, dass diese Menschen arbeiten gehen, denn wer nicht arbeiten will, sollte auch nicht in Deutschland leben. Kommt aber wiederum drauf an,wie lange derjenige schon im Land lebt und gearbeitet hat und auf welche Lebensumstände ihn in diese Lage führten. Jedenfalls finde ich sollten wir schon andere Kulturen in unser Land lassen,allerdings finde ich auch,dass sie sich auch an unserer Kultur anpassen, denn wir müssen es ja auch in ihrem Land machen z.B. Iran=Kopftuch tragen usw. Jeder muss bevor er in ein anderes Land geht sich darüber klar machen,ob er diese Kultur auch annehmen möchte. DIes ist jedenfalls meine Meinung.


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