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Aufruf zur Bespitzelung

Türkischer Bund fordert Entschuldigung von Körting

Der Aufruf Ehrhart Körtings, man solle bei Nachbarn, „die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen“ näher hingucken, hat beim Türkischen Bund Berlin-Brandenburg Empörung ausgelöst. Sie fordert eine Entschuldigung.

Die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verkündete Terrorgefahr hat Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) auf den Plan gerufen. Er rief die Menschen zu Wachsamkeit gegen mutmaßliche Terroristen auf. „Man sollte achtsam sein“, sagte er vergangenen Mittwoch der RBB-Abendschau.

„Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist“, so der Berliner Innensenator im Wortlaut.

TBB fordert Entschuldigung
Darauf reagierte der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) mit Empörung und Verwunderung. „Es ist inakzeptabel, dass ein Innenminister zur Denunziation aufruft“, sagte der Sprecher des TBB, Safter Çınar.

Alle Menschen hätten das höchste Interesse, dass Terror verhindert wird, aber dies könne die Äußerungen des Innensenators in keinster Weise rechtfertigen. Der Innensenator scheine auch vergessen zu haben, dass beispielsweise der Anführer der sog. Sauerlandgruppe ein gebürtiger Deutscher ist.

Angesichts der unstrittigen Verdienste von Ehrhart Körting wolle der TBB nicht so weit gehen, seinen Rücktritt zu fordern, doch müsse er diese Aussage umgehend zurücknehmen. „Das ist für uns eine Sache der ganzen Landesregierung, deshalb ist auch der Regierende Bürgermeister Wowereit gefordert, seinen Innensenator zu Räson zu rufen“, sagte Çınar.

Bespitzelung nicht hinnehmbar
Auch für Christine Buchholz, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Linkspartei, ist der Aufruf Körtings inakzeptabel. „Die Terrordebatte darf nicht dazu genutzt werden, arabische Mitbürger unter Generalverdacht zu stellen. Körtings Aufruf an die Bevölkerung, ausländische Nachbarn zu bespitzeln, ist nicht hinnehmbar“, sagte die Linkspolitikerin.

Körting befördere Misstrauen und rassistische Vorurteile. In der öffentlichen Wahrnehmung entstehe so das Bild eines gewalttätigen Islam. „In der Realität lehnt die überwältige Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime Terroranschläge ab. Wenn man Terrorgefahr verhindern möchte, muss die Bundesregierung ihre Beteiligung am ‚Krieg gegen den Terror‘ einstellen“, forderte Buchholz abschließend. (bk)