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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Ausbildungsplatzsuche

Geringere Chancen für Migranten

Eine neue Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung kommt zu dem Ergebniss, dass Migranten bei der Ausbildungsplatzsuche gegenüber ihren deutschen Mitbewerbern auch bei gleichen schulischen Leistungen geringere Chancen haben.

Wie erfolgreich junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, wird sehr stark von ihrem Schulabschluss beeinflusst. Welche schulische Qualifikation Jugendliche bei Abgang von der allgemeinbildenden Schule erreicht haben, hängt wiederum erheblich von der sozialen Herkunft ab: also von der Bildung und dem beruflichen Status der Eltern.

Beim Übergang in die Berufsausbildung spielt dann die soziale Herkunft der Jugendlichen – neben dem Schulabschluss – nochmals eine große Rolle. So kommt es zu einer Benachteiligung von jungen Frauen und Männern, die unter ungünstigeren familiären Voraussetzungen ihre Schullaufbahn starteten und nun an der Schwelle zur Berufsausbildung oft mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert sind.

Eine neue Analyse auf Basis der Übergangsstudie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2006 zeigt diese Zusammenhänge sowohl für junge Frauen als auch für junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund auf. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Jugendliche überproportional oft die Hochschulreife erreichen, wenn ihre Eltern über eine hohe Bildung verfügen und der Vater einen hohen beruflichen Status besitzt. Umgekehrt verlassen Kinder aus bildungsferneren, sozial schwächeren Familien die allgemeinbildende Schule besonders häufig ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss.

Elternhaus wirkt sich bei gleichen Leistungen positiv aus
Eine große Mehrheit der Jugendlichen mit Studienberechtigung und guten Noten beabsichtigt, nach Beendigung der Schule ein Hochschulstudium aufzunehmen, während nicht studienberechtigte Jugendliche größtenteils eine betriebliche Lehre anstreben – vor allem bei schlechteren Schulnoten. Dies liegt zwar zum großen Teil an den unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zu den verschiedenen Ausbildungswegen, aber zusätzlich wirkt sich laut BIBB-Studie auch die soziale Herkunft auf die beruflichen Bildungsabsichten aus: Kommen Jugendliche aus gut gebildeten, statushohen Elternhäusern, so neigen sie selbst bei gleichen schulischen Voraussetzungen deutlich seltener zu einer betrieblichen Lehre als Jugendliche aus weniger günstigen sozialen Verhältnissen.

Download: Ausführliche Informationen enthält der neue BIBB REPORT: „Ausbildungsplatzsuche: Geringere Chancen für junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund. BIBB-Analyse zum Einfluss der sozialen Herkunft beim Übergang in die Ausbildung unter Berücksichtigung von Geschlecht und Migrationsstatus“. Die Ausgabe kann kostenlos unter www.bibb.de/bibbreport heruntergeladen werden.

Ob und wie rasch Jugendliche eine Lehrstelle finden, hängt stark von ihrer schulischen Qualifikation ab: Die Erfolgsaussichten sind eher gering, wenn kein Abschluss oder nur ein Hauptschulabschluss erreicht wurde und die Schulnoten schlecht sind. Dagegen sind die Aussichten besonders günstig bei einem mittleren Schulabschluss und guten Noten. Aber auch hier gibt es laut BIBB-Studie einen Zusammenhang mit der sozialen Herkunft: Verfügen Vater und Mutter über einen Berufsabschluss, so sind die Einmündungschancen in eine betriebliche Lehre für die Jugendlichen unabhängig von ihren schulischen Voraussetzungen besonders hoch. In diesen Familien kann durch die eigene Ausbildungserfahrung der Eltern offensichtlich eine wirksame Unterstützung bei der Lehrstellensuche geleistet werden. Hierzu sind Eltern ohne Berufsabschluss anscheinend weniger gut in der Lage.

Jugendliche mit Migrationshintergrund verlassen die allgemeinbildende Schule häufiger mit niedrigeren Schulabschlüssen und schlechteren Schulnoten als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Junge Migranten streben eine betriebliche Berufsausbildung allerdings genauso sehr an wie die deutsche Vergleichsgruppe. Der Übergang in die Berufsausbildung wird für Jugendliche mit Migrationshintergrund jedoch durch ihre schlechteren schulischen Voraussetzungen und ihre ungünstigere soziale Herkunft erschwert, ihre Eltern haben vielfach keinen Berufsabschluss und ihr Vater oft einen niedrigen beruflichen Status.

Weitere Benachteiligungen bei Migranten
Allerdings sind dies den BIBB-Analysen zufolge nicht die alleinigen Gründe für die schlechteren Chancen von jungen Migranten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Ihre Aussichten auf eine Lehrstelle sind verglichen mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund auch dann wesentlich geringer, wenn sie über die gleichen schulischen Abschlüsse und die gleichen sozioökonomischen Voraussetzungen verfügen. Es kommen also weitere Benachteiligungen hinzu, die in direktem Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund stehen. So könnten zum Beispiel auch die Rekrutierungsverfahren der ausbildenden Betriebe eine Rolle spielen.

Für Jugendliche, die aus sozial schwächeren Familien oder aus Familien mit einer Migrationsgeschichte stammen, nehmen die Schwierigkeiten im Laufe ihres Bildungsweges oftmals immer mehr zu. Bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz müssen sich diese Jugendlichen auf einem Ausbildungsmarkt behaupten, auf dem die Betriebe nach Leistungsgesichtspunkten entscheiden und vermeintlich leistungsschwächeren Jugendlichen, insbesondere bei einem Migrationshintergrund, eher selten eine Chance geben.

Angesichts der demografischen Entwicklung und des drohenden Fachkräftemangels, so das Fazit der BIBB-Studie, werden die Betriebe prüfen müssen, ob sie die Auswahlkriterien bei der Besetzung ihrer Lehrstellen unverändert beibehalten. Die Wirtschaft wird aufgrund der demografischen Entwicklung künftig auf das gesamte vorhandene Arbeitskräftepotenzial angewiesen sein. Daher liegt es auch im Interesse der Betriebe, allen jungen Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft und Leistungsstärke – eine berufliche Qualifizierung zu ermöglichen. Die Potenziale dazu sind vorhanden, sie müssen aber besser ausgeschöpft werden. (etb)
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