MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Critical und Incorrect

Integrationsdebatte und Menschenbild

Der aktuelle Diskurs über die angeblichen Integrationsverweigerer sichert die Privilegien derjenigen, die zwar von „Fördern und Fordern“ reden, aber alles dafür tun, dass ein gleichwertiges Mittun nicht erfolgt.

VONDr. Sabine Schiffer

 Integrationsdebatte und Menschenbild
Die Autorin arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre als Medienpädagogin und promovierte zur Islamdarstellung in den Medien. 2005 gründete sie das freie Institut für Medienverantwortung (IMV) und leitet es seither. Das IMV fordert mehr Verantwortung von Produzenten- und Nutzerseite. In Ihrer MiGAZIN-Kolumne kommentiert Dr. Schiffer Entwicklungen der Medienlandschaft in Deutschland.

DATUM16. November 2010

KOMMENTARE18

RESSORTAktuell, Meinung

QUELLE Erstveröffentlichung ZAMAN

SCHLAGWÖRTER , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Der Begriff ist in aller Munde und damit bestätigen selbst die Verdächtigten seine Existenz: Der Integrationsverweigerer. Der Idee der Integrationsverweigerung liegt jedoch ein bestimmtes Menschenbild zugrunde, das verbreitet zu sein scheint und dennoch nicht der Natur des Menschen entspricht. Wie in der ganzen Debatte wird an dieser Stelle deutlich, dass davon ausgegangen wird, dass man den Menschen zum Mittun besonders motivieren, ja notfalls zwingen, muss. Es ist aber genau umgekehrt: Der Mensch ist ein soziales Wesen, aufs Mittun angewiesen. Nervös oder gar bockig wird er erst bei drohendem oder tatsächlichem Ausschluss aus der Gemeinschaft.

„Es geht um die Aus- grenzung der Erfolg- reichen, der (potenti- ellen) Konkurrenten.“

Und genau diesen Ausschluss betreibt der aktuelle Diskurs über die angeblichen Integrationsverweigerer. Diese Unterstellung, und die damit einhergehende Verlagerung der Verantwortung auf die Ausgeschlossenen, sichert die Privilegien derjenigen, die zwar von „Fördern und Fordern“ reden, aber alles dafür tun, dass ein gleichwertiges Mittun nicht erfolgt – wie man beispielsweise an der Erwägung von Kopftuchverboten sehen kann. Wo kämen wir denn hin, wenn etwa Akademikerinnen mit Kopftuch unsere Stellen wegnehmen?

Nehmen wir mal an, es gibt tatsächlich 15 Prozent Integrationsverweigerer, ob freiwillig oder unfreiwillig – das bedeutet nämlich, dass es 85 Prozent mäßig bis gut oder gar sehr gut Integrierte gibt, wie immer sich das auch misst. Würde man jedoch diesen hohen Anteil Erfolgreiche benennen, würde vielleicht mehr Menschen klar, dass es sich bei der sog. Integrationsdebatte um eine Abwehrdebatte handelt. Es geht um die Ausgrenzung der Erfolgreichen, der (potentiellen) Konkurrenten – und das dürfte sich in Wirtschafts- und Identitätskrise dank Globalisierung noch verschärfen. Es geht um Exklusion und nicht um Inklusion.

Auch wenn man auf Integrationsgipfeln betont, dass man sich um die Minderheit in der Minderheit nun besonders kümmern würde. Das kann ja nicht schaden, aber ehrlicher wäre die Debatte, wenn die Themen Rassismus und (diskursive) Frustration endlich mit auf den Tisch kämen.

Dann würde man beispielsweise zwei empirische Ergebnisse mit einbeziehen, die man dringend einmal zusammen betrachten sollte:

  1. Türkischstämmige Eltern sind schulischen und anderen Autoritäten gegenüber besonders hörig.
  2. Türkischstämmige Kinder gehören zu den Bildungsverlierern.

„Ehrlicher wäre die Debatte, wenn die Themen Rassismus und (diskursive) Frustration endlich mit auf den Tisch kämen.“

Sind die also vielleicht falsch beraten worden? Was viele Äußerungen aus Politik und sogar dem Bildungsbereich zur Mehrsprachigkeit anbelangt, lässt sich das eindeutig nachweisen. Hier wie anderswo wird der wissenschaftliche wie praxisbewährte Forschungsstand weitestgehend ignoriert. Und viele Betroffene plappern die falschen Parolen auch noch brav nach. Das soll nicht alle Verantwortung weg von den Betroffenen nehmen – aber eine richtige Analyse wäre die Voraussetzung für richtige Maßnahmen. Her wird jedoch vor allem Selbstbestätigung betrieben zum Schaden vieler Kinder!

Wie man aber Kindern ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu entfalten, dafür musste man kürzlich einmal von den Talkshowritualen im Fernsehen wegschalten – auf ARTE – zu einem Film der Berliner Philharmonie, der Balsam für die Seele ist: Rythm is it! Dieser Film verkörpert genau das hier angedeutete. Die Akteure, die eine Gruppe von Schülern für eine Tanzvorführung trainieren, sind dem natürlichen Menschenbild verpflichtet. Sie sehen bei der Verweigerung des Mittuns durch die Schüler eine Störung, die ihre Ursachen im Werden dieser jungen Menschen hat – in den Begegnungen, in der Art des Unterrichts, in dem was man soziales Umfeld nennt und das sich mehrheitlich dadurch auszeichnet, dass es die jungen Menschen schwächt. Dieser feststellbaren und sehr hinderlichen Schwäche geben die Tanzlehrer nicht nach, sondern sie ermöglichen es den Betroffenen dadurch, dass sie die Jugendlichen ernst nehmen, diese Schwäche zu überwinden – Inklusion statt Selektion, gemeinsames Erreichen statt Konkurrenz, und eine wunderbare Aufführung am Schluss, die den Erwerb von mehr Selbstwertgefühl und damit Leistungsfähigkeit plastisch werden lässt. Rythm is it!

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

18 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Sinan A. sagt:

    Frau Dr. Schiffer schaut wie immer genau hin und hält den Förderern und Integrationsexperten den Spiegel vor. Klasse!

  2. YMelodieY sagt:

    Ich habe mir am 23.11.2010 in RBB um 22.45 Uhr die Sendung „Wir haben vergessen, zurückzukehren“ angesehen. Was ich dort gesehen habe, deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen über die ersten (muslimischen und türkischen) Einwanderer in den 60iger und 70iger Jahren.

    Diese Leute möchte ich heute (wieder) gerne hier in Deutschland haben, denn sie waren fleissig, angepasst in ihrem Lebensstil und ihre Religionszugehörigkeit konnte man weder „sehen“ (Kopftuch oder andere Verschleierungen) noch diese spüren!!!!!!!!!!!!!

    Das Zusammenleben dieser Menschen nach der Rückkehr in die Türkei zeigt mir, dass diese mindestens zweierlei gelernt haben: Sie haben die Deutsche Sprache gelernt und benutzen diese auch noch in ihrem Heimatland und und sie strahlen – für mich – immer noch Sympathie aus, denn ihr Leben könnte auch meines sein, so normal habe ich es empfunden.

    Würden die nachfolgenden (muslimischen und türkischen) Generationen sich hier in Deutschland ebenso „normal“ verhalten, wäre das Zusammenleben mit der Mehrheitsgesellschaft für beide Seiten wohl nicht so „anstrengend“ und oft schwierig.

    Also Ihr Leser und Diskutanten dieses Magazins ich frage euch, warum könnt ihr in eurem Verhalten nicht so sein, wie eure Vorfahren?

    Diesen Beitrag zu schreiben war mir ein Bedürfnis, weil er bezeichnend ist zwischen „was einmal gut war“ und der heutigen Wirklichkeit!!!!!!!!!!!

    P.S.: Von mir aus kritisiert nur weiter, ich weiss es besser………..

    YMelodieY

  3. NDS sagt:

    Also mit Ihrem post scriptum deklassieren Sie sich eigentlich selber.
    Eigentlich kann man die „Probleme“ die Sie zu wissen glauben, in einem Gedanken zusammen fassen: Diese Menschen, die Sie da oben meinen, waren der unterste Rand der Unterschicht ohne die gängigen sozialen Probleme der „einheimischen“ Unterschicht: sie haben für wenig Geld viel gearbeitet, hatten keine Kinder in der Schule, haben zu viert in einem kleinen Zimmer gewohnt und nur ihre Schichten geschoben. Kannten Gewerkschaften nicht, Lohntarife nicht, kannten ihre Rechte nicht. Ihre Nachfahren sehen das anders: sie wollen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie „Deutsche“, wollen sozial aufsteigen, Eigenheime besitzen, in den Medien nicht stigmatisiert werden, im Gesundheitssystem ihren Platz haben, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Politik, im Staatsdienst, im Bereich Kultur – einfach überall. Sich „integrieren“ eben – in allem ihren Anteil, den sie an der Gesamtbevölkerung haben, vertreten sehen.
    Sie aber wollen weiterhin die unsichtbaren Wesen, die über Bedeutung und Sichtweisen nicht mitbestimmen, Deutsch nur auf Konversationsniveau beherrschen und deshalb keine Kommentare bei Migazin schreiben können bzw. Portale wie Migazin gar nicht entstehen lassen.

  4. YMelodieY sagt:

    @NDS
    ich hatte nicht den Eindruck dass in dem Film, welcher von einem jungen Türken als Dokumentarfilm gedreht wurde, von der Unterschicht berichtet wurde. Z.B. war die eine Frau Lehrerin, die in der ersten Generation in Deutschland türkische SchülerInnen unterrichtet hat.

    Was mir aber immer wieder (zum Erbrechen auffällt) sind solche Kommentare wie Ihren, nix verstehen aber „argumentieren“.

    Und was die nachfolgenden Generationen auch perfekt können (auch Sie), fordern, fordern, fordern, sie fragen aber nicht, ob die Steuerzahler (dazu gehöre ich auch) das weiter bezahlen wollen.

    Also schreiben Sie hier ruhig weiter, es tangiert mich nicht.

    YMelodieY

  5. bogo70 sagt:

    „Ich weiß, dass ich nicht weiß“
    Sokrates

    Ich behaupte mal einfach ich weiß es besser und gut ist. Wenn es jemand besser weiß, dann doch wohl die Migranten selbst. In den 60. Jahren kamen die Männer, lebten still und leise in den für sie vorgesehenen Kammern. Sie feierten ihre Feiertage allein, luden andere Migranten zum Iftar oder ihrem eigenen Weihnachten ein, damit die Einsamkeit sie nicht erschlage. Sie nahmen sich Geliebte oder heirateten deutsche Frauen, manche aus Liebe, andere aus Berechnung. Wenn sie Glück hatten, kümmerten sich Deutsche Nachbarn oder sozial eingestellte Menschen um sie. Erst Mitte der Siebziger Anfang der Achtziger kamen Frauen und Kinder nach, es bildete sich die Generation die ihnen jetzt ein Dorn im Auge ist. Solange die Migranten nicht aufmuckten, war alles Bestens, nun wo sie um ihre Rechte wissen, die sie und ihre Eltern sich hier erarbeitet haben, kann man sie nicht mehr gängeln. Sie wollen das gleiche wie jeder Andere dem es zusteht, es stellt sich nur die Frage, warum ihnen das nicht passt?

    Und ja, wir haben sie auch gern. Denn das es sie nicht kümmert glaube ich weniger, sonst würden sie nicht auf solch schroffe Weise auftreten. Sie haben Angst und verstecken diese hinter ihrer offensiven Abneigung, für ihre Ängste sind wir aber nicht verantwortlich. Sie suchen an der falschen Stelle nach einem Sündenbock und machen soziale Probleme einer ganzen Gesellschaft zu einem Problem der „neuen Deutschen“. Man kann es ihnen nicht verübeln das sie Angst haben, hat manch einer von uns auch. Deswegen sind sie hier ganz richtig, man kann über alles reden. Kommen sie, lassen sie uns reden über uns. 😉

  6. YMelodieY sagt:

    @ bogo70
    „Ich behaupte mal einfach ich weiß es besser und gut ist“

    Auch Ihnen muss ich den Vorwurf machen, dass Sie hier wohl nur „Ihren Frust“ loswerden wollen. Keinesfalls haben Sie nämlich gelesen, über was ich hier geschrieben habe: „über einen Dokumentarfilm, welcher von einem jungen Türken gedreht und am 23.11.2010 in RBB ausgestrahlt wurde,über eine aus Deutschland nach Istambul zurückgekehrte grosse türkische Familie“.

    Gleichzeitig habe ich die Meinung geäussert, dass ich diesen Film gelungen gefunden habe und in diesen Familien Menschen erkannt habe, die in den 60iger uns 70iger Jahren in Deutschland gelebt und gearbeitet haben. Da ich aus Frankfurt am Main stamme, werden Sie doch wohl nicht leugnen, dass ich viele von diesen Migranten kennengelernt habe, denn ich war damals eine junge Frau von ca. 18 Jahren (Jahrgang 1946).

    Auch bekräftige ich hiermit nochmals meine Meinung, dass die erste Generations ganz sicher nicht so gelebt hat, wie es hier – und auch oft in deutschen Zeitungen – geschildert wird. Sie haben Recht, dass am Anfang der Immigration überwiegend junge Männer nach Deutschland eingewandert sind, diese haben aber auch schnell Familie gehabt (ob hier kennengelernt (Deutsche Frauen) oder aus ihrem Herkunftsland geholt.

    In einem anderen Beitrag hatte ich einmal geschrieben, dass ich sogar meine standesamtliche Hochzeit (1974) abends in einem türkischen Lokal gefeiert habe.

    Also sprechen Sie mir nicht ab, dass ich von der Materie über welche hier geschrieben wird, nichts verstehe und nichts weiss.

    Ich mag es nicht, und darum reagiere ich oft aggressiv, wenn hier Tatsachen, die ich selbst in einer Grosstadt in in den 70iger Jahren erlebt habe, geleugnet oder verdreht werden.

    Ich gebe daher das „Kompliment“ der Angst usw. gerne an Sie zurück.

    Pragmatikerin

    P.S.: In Deutschland gibt es ein Sprichwort: „bevor du redest, schalte erst einmal dein Gehirn ein“

  7. NDS sagt:

    @YMelodieY
    Ok, dann schauen Sie jetzt weg. Der Kommentar ist für die anderen.
    ANFANG
    YMelodieY schreibt, es handele sich um eine türkische Familie, die in den 1960er/ 1970ern hier gelebt habe und wieder nach Istanbul zurück gewandert sei. Eine der vorgestellten Personen war Lehrerin.
    Dann haben wir es hier mit zwei Phänomenen zu tun: 1. Akademikerklasse, Lebensraum Großstadt, 2. nostalgische Rückerinnerung von einem Lebensabschnitt.
    zu 1. Dass AkademikerInnen gewöhnlich als integriert gelten und im Alltag nicht auffallen, ist allgemein bekannt und wissenschaftlich erwiesen. Hierzu zählen im übrigen die meisten DiskutantInnen in diesem Forum. Ich selber habe beruflich mit der Materie Migration/ Integration zu tun.
    zu 2. Die Familie hat einen kleinen oder großen Lebensabschnitt hier verbracht. Dh, wenn die Kinder hier zur Schule gegangen sind, waren sie nicht mit der Arbeitsplatzsuche beschäftigt. Die Eltern sind wahrscheinlich nur abschnittsweise zu Erwerbszwecken hier gewesen.
    Allgemein: Der Dokumentarfilm behandelt nur ein Fallbeispiel. Natürlich kann die Doku dennoch sehr gelungen sein. Über die allgemeine Stimmung/ Situation zu urteilen, ist es aber nicht aussagekräftig. Es zeigt dennoch deutlich, wie stark ein Lebensabschnitt eine Familie in einem anderen Land prägen kann.
    Allgemein: Ich fordere rein gar nichts, außerdem zahle ich auch Steuern und möchte gefälligst dann auch meine Interessen vertreten sehen. Dafür engagiere mich entsprechend. So wie ArbeitnehmerInnen in Gewerkschaften, Fußballfans in Fanclubs und UmweltschützerInnen in Umweltorganisationen auch.
    ENDE

  8. YMelodieY sagt:

    @NDS

    Ich schaue niemals weg, denn ich gehe mit offenen Augen durch das Leben!

    Hauptsächlich interessiert mich sehr, was hier in Deutschland passiert!

    Natürlich bin ich auch nostalgisch, denn früher – in der guten alten Zeit 😉 – war tatsächlich vieles besser und auch einfacher!!!!!!!!

    Nochmals zu Erklärung: „Es handelte sich in dem Film um die erste Generation vonb türkischen Immigranten, die hier in Deutschland gelebt hat und im Rentenalter – mit allen Nachkommen – wann? – wieder zurück nach Istambul gegangen ist.

    Ich behaupte, in den 70iger Jahren hat man – als Immigrant und auch als Deutscher – keine Unterschiede gemacht, ob Akademiker oder Angestellter/Arbeiter, die Hauptsache war, wir haben gemeinsam in Deutschland gearbeitet und auch gelebt. Und wir haben zusammen gelebt!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Ausserdem, wenn Sie hier wirklich „richtig“ in Deutschland leben würden, bräuchten Sie Ihre „Ansprüche“ nicht so betonen; berechtigte Ansprüche werden bestimmt anerkannt, oder etwa nicht?

    Gleichzeitig stelle ich nochmals fest, es war viel einfacher mit der ersten Generation Immigranten zusammen zu leben!!!!!!!!

    Die „schlechten“ Lebensbedingungen der Migranten der damaligen Zeit sind und waren immer ein Gerücht!!!!!!!

    Was mich vielleicht noch interessieren würde ist, für was Sie sich engagieren wenn nicht für Gewerkschaften, Fussball, TV etc. 😉

    Pragmatikerin

  9. YMelodieY sagt:

    Erklärung: In „Jurblog“ schreibe ich unter dem Nick „Pragmatikerin“, hier unter „YMelodieY“. Grund: verschiedene Provider 😉

  10. bogo70 sagt:

    Ihr Pragmatismus spiegelt sich tatsächlich in einigen ihrer Kommentare wieder, auch wenn ich dann nicht verstehe, warum sie soviel Zeit damit verbringen uns Lügen zu strafen. So ein Verhalten findet sich eher bei Renommisten, die mit ihrer Wortklauberei jedes Argument abschmettern wollen.

    Das hier ist meine Lebenswirklichkeit, auch in Deutschland!
    Ich lebe sei 72′ hier mein Vater kam 68′. Das erste was ich in Deutschland bewusst gesehen habe, war eine Siedlung aus der alle Deutschen die es sich leisten konnten schon geflüchtet waren. Unsere Wohnung hatte ein Schlafzimmer und eine Wohnküche, vom deutschen Alltag hatten wir so gut wie keine Ahnung. Über der Siedlung hing ewig der schwarze Staub aus den Kohlegruben. Es gab Tante Mausi und den Adi, die zählten auch zu unserer Lebenswirklichkeit. Ich durfte für Tante Mausi den Schnaps am Büdchen holen, dann fielen immer mal ein paar Pfennig für Bonbons ab, außer am Monatsende da reichte es grad noch für den Schnaps. Der Adi stand immer am Büdchen rum, mit „Flasch Bier“, bis dicht gemacht wurde. Die letzte Bastion der Deutschen unter uns Ausländern. Unter der Woche durfte ich in das Paradies von dem Sie reden. Ein Dolmetscher serbischer Herkunft und seine Deutsche Frau waren so lieb mich als Pflegekind zu betreuen, weil meine Eltern Wechselschichten bei Mannesmann schieben mussten und weder Zeit für Kinder noch für Freunde hatten. Über uns lebte der Türke, neben uns der Grieche und über dem der Italiener mit seiner Frau, mit denen hatte man guten Kontakt, lebte und arbeitete zusammen. Akademiker kamen Damals nur wenige, die wurden ja auch garnicht angeworben für solche harten Arbeiten, wie sie unsere Eltern verrichten mussten. Wenn welche kamen, mussten sie im Ursprungsland ihren Lebenslauf fälschen, damit sie überhaupt herdurften, denn der Arbeiterlohn hier in Deutschland war zur damaligen Zeit mehr als ein Akademiker in seiner Heimat verdienen konnte. Diese Leute haben dazu beigetragen, dass wir hier am Nachmittag jugoslawische Schulen besuchen konnten um unsere Sprache nicht zu verlernen, doch das es Derer mehr gegeben haben soll als einfache Arbeiter vom Land, dass halte ich nicht nur für ein Gerücht, ich weiß das es nicht so war und ich weiß das die meisten Deutschen uns gemieden haben. Selbst wenn ich aus dem Ruhrpott über meinen Tellerrand blicke, war es nicht so. Wir haben Verwandschaft In Lübeck, in Nürnberg, in Mannheim und im Sauerland, die haben zwar schöner gewohnt als wir hier im Ruhrpott, aber das war es auch schon.

    Wir waren bis auf wenige Ausnahmen garnicht darauf ausgerichtet nach Höherem zu streben, erst als meine Generation bemerkte, dass es ohne Bildung nicht geht, versuchten wir wenigstens den Kindern mehr Bildung zu ermöglichen, damit sie hier besser klar kommen als wir und nicht ewig die Drecksarbeit machen müssen. Jetzt wo sich Erfolg abzeichnet, erklären sie uns zu schlechteren Migranten und vergraulen dazu die gut ausgebildeten Kinder.

    Was das Zusammenleben Heute angeht, ist sich jeder Selbst der Nächste und das hat nichts mit Migranten oder Einheimischen zu tun, die nicht wollen. Das ist schlicht und einfach unsere schnelllebiege und aufgeklärte Zeit. Wenn ich von der Arbeit komme, wiil ich mir ganz sicher nicht die brodelnde Gerüchteküche meiner Nachbarin anhören und für mein Seelenheil sollte ich die verdrießlichen Kommentare in solchen Foren am besten auch noch meiden. Ich bin aber hier um mich zu informieren über Integration und Möglichkeiten für Migranten sich besser einzubringen. Gern versuche ich auch meinen Beitrag zu leisten, anderen Interessierten einen Einblick in unser reales Leben zu geben. Bei ihnen bin ich aber nicht ganz sicher was sie sich hier erhofft haben, vielleicht ein paar ungebildete Migranten, die sie mal eben unter den Tisch schreiben?

    Eins noch, unter Netiquette verstehe ich das sie diese mehrmaligen Ausrufezeichen unterlassen und uns nicht Oberlehrerhaft zu Lügenbolden und Idioten erklären. Vielen Dank.


Seite 1/212»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...