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Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Einbürgerungskampagne

Hamburg wirbt mit Prominenten und Einbürgerungslotsen für Einbürgerung

Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian, Star-Koch Ali Güngörmüş und Fußball-Nationalspieler Piotr Trochowski werben gemeinsam mit Einbürgerungslotsen bei Migranten dafür, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Seit vergangener Woche sind die Promis auf den Plakaten zur neuen Hamburger Einbürgerungskampagne überall in der Stadt zu sehen. An ihrer Seite stehen dabei die „Einbürgerungslotsen“, die Kernstück der Kampagne sind und Einbürgerungsinteressierte unterstützen und begleiten sollen.

„Es gibt gute Gründe, sich einbürgern zu lassen“, so Senator Dietrich Wersich. „Die freie Wahl des Wohnsitzes in der gesamten EU zum Beispiel, die Reisefreiheit in fast allen Ländern der Welt oder das vollständige Wahlrecht.“ Aber eine Einbürgerung bedeute noch mehr: Sie sei „ein Bekenntnis zu unserem Land und seinen Werten“. Mit der Kampagne wollen man Migranten, die schon langjährig in Deutschland leben, für die deutsche Staatsangehörigkeit werben und sie durch die Einbürgerungslotsen auf dem Weg zum deutschen Pass begleiten.

„Ich bin gerne Deutsche, denn der deutsche Pass macht vieles leichter“, sagt Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian. „Ich kann wählen und den Weg des Landes mitbestimmen. Als Deutsche habe ich größere Chancen auf einen Arbeitsplatz. Behördengänge, Reisen, Mietverträge – all das und mehr wird leichter. Dazugehören und alle Rechte haben – das bringt auch anderen die deutsche Staatsbürgerschaft. Deshalb unterstütze ich die Kampagne.“

Für Sternekoch Ali Güngörmüş zählte vor allem das Gefühl: „Deutschland ist meine neue Heimat. Für die Einbürgerung habe ich mich entschieden, weil ich hier lebe und mich wohl fühle. In meiner Familie und im Freundeskreis ging es vielen ähnlich – auch sie haben sich dazu entschieden, Deutsche zu werden.“

„Ich bin sicher, dass diese Kampagne dem Thema Einbürgerung ein positives Image verleiht und dass sich durch die verschiedenen Angebote sehr viele Menschen besser informiert und vorbereitet fühlen“, so Fußball-Nationalspieler Piotr Trochowski. „Daher unterstütze ich diese Kampagne sehr gerne und bin davon überzeugt, dass sie erfolgreich sein wird.“

Warum eine Einbürgerungskampagne?
Ziel der Kampagne sei es, das Interesse an einer Einbürgerung zu erhöhen und die Entscheidung, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, „bei gut integrierten Migranten, die dauerhaft hier leben, nachhaltig zu steigern“, so der Hamburger Senat.

Den Schritt „Vom Hamburger zum Staatsbürger“ zu gehen, trauten sich manche Menschen aber nicht, weil sie ein langes und bürokratisches Verfahren scheuen würden. Andere seien unzureichend über das Einbürgerungsverfahren und die mit einer Einbürgerung verbundenen Vorteile informiert. Wieder andere seien bei den ersten Schritten auf Probleme gestoßen und hätten das Vorhaben deshalb nicht weiter verfolgt.

Daher stehen im Mittelpunkt der Kampagne verbesserte Informationen sowie eine Hilfestellung im Einbürgerungsverfahren durch ein bislang einzigartiges Projekt: die „Einbürgerungslotsen“.

Mehr Informationen zur Kampagne und zum Thema Einbürgerung gibt es im Internet unter: www.einbuergerung.hamburg.de

Was machen die Einbürgerungslotsen?
Die Einbürgerungslotsen sind Ehrenamtliche, die gut in den migrantischen Gemeinschaften vernetzt sind und sich mit dem Verfahren zur Einbürgerung gut auskennen, zum Beispiel, weil sie selbst Migrationshintergrund haben und eingebürgert worden sind. Der Senat: „Bislang sind mehr als 30 Lotsinnen und Lotsen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund im Einsatz. Sie informieren aus erster Hand über die Chancen einer Einbürgerung, beraten und begleiten Einbürgerungsbewerber und helfen ihnen bei Schwierigkeiten, zum Beispiel, wenn die Ausbürgerung aus dem Herkunftsland zum Problem wird.“ (eb)

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7 Kommentare
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  1. Non-EU-Alien sagt:

    „Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian, Star-Koch Ali Güngörmüş und Fußball-Nationalspieler Piotr Trochowski werben gemeinsam mit Einbürgerungslotsen bei Migranten dafür, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.“

    –> Die Boxweltmeisterin hat die doppelte Staatsangehörigkeit (http://de.wikipedia.org/wiki/Susianna_Kentikian), der Fussballspieler hat sie wahrscheinlich auch (weil EU Ausländer). Ich frage mich, ob nicht die falschen Werbefiguren hier ausgewählt wurden. Was wollen die denn den Türken, Russen und Ex-Jugoslawen sagen? Nehmt die deut. Staatsangehörigkeit an und „entledigt“ euch eurer. Wir mussten das zwar nicht tun, aber ist schon ok so… 😉
    ???

  2. Non-EU-Alien sagt:

    Um noch einmal auf das Thema zurückzukommen. So sieht erfolgreiche Gleichbehandlung aus: http://www.luaktiv.de/scripts/cms_rnnews/news.php?id=34299

    Von 46 eingebürgerten Personen durften 32 ihre alte Staatsbürgerschaft behalten und wurden unter Mitnahme von Mehrstaatigkeit eingebürgert. Nur doof, wenn man zu den 14 Eingebürgerten gehört, die ihre alte Staatsangehörigkeit ablegen mussten. Das bedeutet, dass im konkreten Beispiel bei 70% der Eingebürgerten Mehrstaatigkeit hingenommen wurde und bei 30% nicht, und somit wurde der Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatigkeit eingehalten 😉

    lol … wie dem auch sei, diese Zahlen sprechen für sich und den Rest kann sich jeder selber denken.

  3. bogo70 sagt:

    Wer darf denn seine alte behalten? Ich als Serbin durfte es jedenfalls nicht, aber das war 91. Vielleicht sollte ich besser Fragen, wer sie nicht behalten darf. Türken?

  4. Non-EU-Alien sagt:

    Die Ausnahmen, die immer mehr zur Regel werden, sind im Staatsangehörigkeitsrecht und in den Verwaltungsvorschriften, beschrieben. Es dürfen viele Menschen ihre alte Staatsangehörigkeit behalten: alle EU-Bürger, Schweizer, bei diversen mittel- und südamerikanischen Ländern, bei vielen arabischen Ländern, Kosovaren dürfen die serbische behalten, etc.

    Auf Europa bezogen können wohl Türken, Menschen aus Ex-YU (Ausnahme Slowenien), Albanien, Ukraine und Russland ihre alte nicht behalten. Alle anderen schon!

    Hätten Sie sich ein oder zwei Jahre später einbürgern lassen, hätten Sie vielleicht auch als Serbin ihre alte behalten dürfen, weil zu Kriegszeiten die deutschen Behörden oftmals unter Hinnahme eingebürgert haben, weil sich die serbische Botschaft entweder lange nicht gerührt hat oder der Bewerber keine 2500 DM für seine Ausbürgerung hatte. Die Zeiten sind aber auch vorbei, weil Serbien in die EU will und deswegen die Ausbürgerungsgebühren drastisch gesenkt hat und jetzt auch auf solche Anfragen reagiert. Wenn Serbien in ein paar Jahren in der EU sein sollte, hat sich das dann schon wieder erledigt, weil dann Mehrstaatigkeit für SRB erlaubt sein wird. Ich sehe zwar keine Logik, aber so isses nun mal…

  5. Ghostrider sagt:

    Doppelte Staatsbürgerschaften sind immer von Vorteil. Meine Mutter und meine Schwester haben die holländische und französische Staatsbürgerschaft und ich habe die deutsche und französische Staatsbürgerschaft. Als Kind hatte ich dadurch einen Vorteil. Die Sprachen, et voila!

  6. Charly sagt:

    Warum eine Einbürgerungskampagne?
    Ziel der Kampagne ist es Wähler für die SPD zu fangen. Mehr nicht.

  7. Ayse Musterfrau sagt:

    Ernstgemeinte Einbürgerungskampagne fängt damit an, dass man hierzulande gute Lebensbedingungen und gleiche Chancen für potentielle Kandidaten schafft. Wie wäre es damit, erstmal den Verfassungsschutz und die unzähligen als V-Männer verkappten Nazis abzuschaffen? Die leeren Worte von Innnenminister Friedrich überzeugen keinen mehr.
    Warum sollten Menschen ausgerechnet sich in Deutschland einbürgern lassen, wenn sie das Gefühl haben hier nicht wirklich willkommen zu sein und gleiche Chancen zu erhalten? Um das gleiche Schicksal zu erleiden wie die 2-3 Generationen Gastarbeiter vor ihnen? Diesmal als billige Altenpfleger womöglich? Da muß Deutschland schon wesentlich mehr bieten als leere Lippenbekenntnisse.



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