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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Verleihung des Freiheitspreises 2010

Die Verschleierin

Die Friedrich-Naumann-Stiftung verleiht den diesjährigen Freiheitspreis an Frau Dr. Necla Kelek und gibt damit an die Adresse der Muslime in Deutschland ein politisches Statement ab: So wie ihr seid, seid ihr nicht willkommen!

VONKamuran Sezer

 Die Verschleierin
Kamuran Sezer, Jg. 1978, Diplom-Sozialwissenschaftler, Berater und Publizist, ist Gründer und Inhaber des futureorg Instituts für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung mit Sitz in Dortmund.

DATUM27. Oktober 2010

KOMMENTARE41

RESSORTAktuell, Meinung

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Freiheit – ein schöner Begriff! Er ist ein Leitwert, für den in der Geschichte verschiedener Gesellschaften und Nationen viele Menschen ihr Leben gelassen haben. Ein Leben ohne Zwang und fremder Autorität, frei von Unterdrückung und Bevormundung – ein Zustand, der es tatsächlich Wert ist, viel zu riskieren.

Heute genießen wir die Früchte jener vergangenen Zeit in Europa, in der Menschen sich für die Freiheit eingesetzt haben. Wir stehen daher in der Verantwortung, sorgsam mit diesem Gut umzugehen und in der Tradition, diese Freiheit zu verteidigen. Ich respektiere und würdige alle Menschen, die mutig und im Anblick der Konsequenzen ihres Einsatzes sich für diesen Leitwert einsetzen – dies gilt auch für Frau Dr. Necla Kelek.

Sie war es, die eine breite Öffentlichkeit auf die Unterdrückung von jungen Mädchen und Frauen in den muslimischen Einwandererfamilien aufmerksam gemacht hat. Es kann nicht abgestritten werden, dass in dieser Community Mädchen und junge Frauen der Ehre wegen getötet oder gegen ihren Willen mit fremden Männern verheiratet werden. Es war richtig von Frau Dr. Kelek auf diese Missstände hinzuweisen. Entscheidend ist aber die Frage nach der qualitativen und quantitativen Entsprechung dieses Phänomens, die wesentlichen Beitrag zur Differenzierung leisten würde.

Frau Dr. Kelek hätte nämlich eine Pionierin und eine Wortführerin werden können, die mit ihrem ethnisch-religiös-politisch transzendentalen Hintergrund Brücken zwischen der Aufnahmegesellschaft und der Einwanderergesellschaft hätte bauen können, um zu helfen, diese Missstände zu beheben, die sie heute noch anprangert.

Dazu hätte sie aber die Fähigkeit besitzen müssen, mit Differenzierung statt Pauschalisierung das Problem beim Namen zu nennen. Dafür hätte sie präzise sein müssen. Es wäre nur ehrlich gewesen, hätte sie wie andere seriöse Integrations- und Migrationsforscher auch auf die empirische Entsprechung ihres Untersuchungsgegenstands hingewiesen. Dann hätte sie gesagt: „Ja, Ehrenmord und Zwangsheirat sind Phänomene, die in den muslimischen Einwandererfamilien vorkommen. Dies betrifft aber einen (geschätzten) Anteil von X-%. Dabei existieren diese Phänomene in diesen oder jenen Milieus in der Einwanderergesellschaft, die solche und diese Merkmale aufweisen. Man muss diesen entgegen treten, in dem man…“

Sie hätte eine interkulturelle Vermittlerin und eine zeitgenössische Aufklärerin werden können, wie sie von der Friedrich-Naumann-Stiftung im Hinblick auf die Verleihung des Freiheitspreises 2010 gepriesen wird. Stattdessen hat Necla Kelek die Ebene der Wissenschaftlichkeit zugunsten eines auf Alltagsbeobachtungen beruhenden Populismus verlassen. Sie ist vom dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn verpflichteten Subjekt zu einem nützlichen Objekt von Medien und politischen Interessen geworden. In der medialen Islamdebatte funktioniert sie als vermeintliche Insiderin und Kronzeugin, die unmittelbar aus dem so genannten islamischen Kulturkreis berichten kann.

Hier geht es aber nicht um Necla Kelek in Persona. Sie ist mit ihren Statements und ihrem Wirken ein Label der deutschen Integrations- und Islamdebatte geworden. Sie steht für etwas, nämlich für eine anti-islamische Haltung oder eine so genannte Islamkritik. Es geht vielmehr um die parteinahe Denkfabrik Friedrich-Naumann-Stiftung, die das Objekt Necla Kelek vereinnahmt, um scheinbar einen Freiheitsbegriff zu propagieren, der einer weißen Mittelschicht vorbehalten ist.

Wenn man genau hinschaut, dann ist es schon ein äußerst bemerkenswerter Vorgang, der im Hinblick auf die Preisverleihung stattfindet: Necla Kelek wird auf dieselbe Stufe gestellt wie Dietrich Genscher und dem kürzlich mit dem Literatur-Nobelpreis geehrten Mario Vargas Llosa. Beide mit dem Freiheitspreis (2006/2008) ausgezeichneten Personen blicken auf ein langes Leben, in dem sie eine unbestrittene Leistung auf ihren jeweiligen Gebieten erbracht haben. Die Ehrung einer Lebensleistung bei der 50jährigen Necla Kelek – im Sinne eines Kampfes für die Freiheit – erscheint inkonsequent.

Dass der Islam zur Lebenswirklichkeit Deutschlands gehört, wozu der Bundespräsident Christian Wulff in seiner Bremer Rede zum Tag der Deutschen Einheit deutliche Worte fand, ist nicht nur eine frische, junge Erkenntnis. Die Kritiken, die den Bundespräsidenten nach seiner Rede erreicht haben, drücken auch aus, dass wir uns inmitten eines gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses darüber befinden, ob und inwiefern der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Necla Kelek ist in diesem stattfindenden Prozess eine Akteurin.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung erkennt in Necla Kelek ein „Beispiel, wie gut Muslimen die Integration in die europäische Wertegemeinschaft gelingen kann.“ Sie ist also das Maß, an das sich die Muslime orientieren sollen, wenn sie sich in diese Gesellschaft integrieren wollen. Die Begründung offenbart einen einseitigen und obrigkeitsfreundlichen Integrationsbegriff der Friedrich-Naumann-Stiftung. Es stellt sich sodann die Frage, ob beispielsweise eine Muslima, die Kopftuch trägt, die Gebote ihrer Religion achtet, ihre Bildungssozialisation in Deutschland abschloss, nicht in der Lage ist, sich mit der europäischen Wertegemeinschaft zu identifizieren? Oder anders gefragt: Was müsste die Kopftuch-tragendende Muslima tun, damit sie die Voraussetzungen für erfolgreiche Integration erfüllt? Will die Denkfabrik Friedrich-Naumann-Stiftung damit sagen, dass das Privileg der Freiheit einem Menschen gehört, der ist, wie man gewollt ist?

Necla Kelek ist keine unumstrittene Person. Nicht nur deutsch-türkische Intellektuelle und Kulturschaffende wie Hilal Sezgin oder Feridun Zaimoglu kritisieren sie. In den Feuilletons deutscher Zeitungen waren sie und ihr Gedankengut Gegenstand heftiger Kontroversen. Daher ist es erstaunlich, dass der Juryausschuss – dessen Mitglieder mit Ausnahme der Vorsitzenden im Übrigen unbekannt sind – auf Nachfrage die Entscheidung zur Verleihung des Freiheitspreises an Necla Kelek einstimmig getroffen hat. Fand bei der Auswahl und Benennung von Necla Kelek keine interne Kontroverse statt? Fand sich niemand, der zumindest seine Stimme enthalten hat?

Eine Denkfabrik wie eben die Friedrich-Naumann-Stiftung ist ein intellektueller Vorfeld-Betrieb. Sie ist der gesellschaftsanalytische Sinnesorgan einer Partei, der die Gesellschaft beobachtet, Entwicklungen, Veränderungen und Phänomene aufbereitet, diskursfähig macht und in die Partei und Öffentlichkeit zurückführt. Eine Denkfabrik ist nur so gut, wie es ihr gelingt, die in der Gesellschaft gelebte Vielfalt strukturell, programmatisch und personell zu spiegeln.

Mein Fazit: Die Friedrich-Naumann-Stiftung ignoriert, dass der Islam in der Lebenswirklichkeit Deutschlands angekommen ist. Es gibt nicht den Islam! Die Denkfabrik ist blind für die Vielfalt im gelebten Islam und in den muslimischen Einwanderermilieus, wo Atheisten, Agnostiker und Laizisten, Gläubige, Orthodoxe und Fundamentalisten nebeneinander existieren und miteinander streiten.

Mit der Würdigung von Necla Kelek gibt die Denkfabrik in Richtung der Partei und Öffentlichkeit ein politisches Statement ab. Durch Vereinnahmung des Objekts Necla Kelek präferiert sie einen obrigkeitsfreundlichen Integrationsbegriff. Dieser ist aber nicht freiheitlich.

Freiheitlich ist, wenn eine junge Muslima kein Kopftuch tragen muss, wenn sie es nicht möchte. Und sie Kopftuch tragen darf, wenn sie es will. Und es ist an der Zeit, die Freiheit jener Menschen zu schützen und zu verteidigen, die ihre Religion leben und achten möchten. Denn – und das scheint die Friedrich-Naumann-Stiftung vergessen zu haben –die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt in einer Gesellschaft ist stets das Ergebnis einer gelebten Freiheit.

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41 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. bogo70 sagt:

    @Dietrich von Bern,
    Jetzt kann ich ihrer Argumentation schon besser folgen, danke.
    Nun gibt es in jeder Gesellschaft den von ihnen beschriebenen sozialen Druck auf Menschen jeglicher Coleur. Der Sprung von NRW, nach Bayern verdeutlicht wie unterschiedlich die Kulturen sein können und so geht es auch Muslimen. Allein in der Türkei (da kenne ich mich besser aus) leben über 80 Nationalitäten mit ganz verschiedenen Kulturen. Die kommen aus allen Ecken nach Deutschland und sollen hier ein gemeinsames Bild ergeben. In Deutschland viel zitiert die modernen Aleviten, mit denen anscheinend jeder klar kommt, doch gibt es noch andere sehr viel modernere Türken, die hier unauffällig leben, mein Mann z.B. ist Laz, und stammt aus Georgien, viele Freunde von uns stammen aus Izmir und Umgebung genannt Göcmen, die bringen ihre dritte Identität aus Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien mit. Auch wenn man genau hinsieht, ist es schwer dieses wilde Durcheinander einzuordnen. Ich könnte nicht sagen, wer unserer Freunde besonders durch seinen Glauben eingeschränkt wird. Eine besonders gläubige Familie aus Amasya und da bin ich ganz bei ihnen, hat beide Kinder im Sinne des Koran erzogen, Mädchen und Junge hatten die gleichen Freiheiten, aber auch die gleichen moralischen Regeln zu befolgen. Folglich war es vielleicht keine freie Entscheidung der Tochter früh ihr Haar zu bedecken, doch hatte sie die Freiheit das Kopftuch abzulegen, weil sie in den Polizeidienst wollt und dann finde ich diesen sozialen Druck nicht schädlich, da sie ihre Entscheidung zurücknehmen konnte und besonders wichtig, ihr Bruder gleichbehandelt wurde außer dem Kopftuch natürlich.

    Bei der Volksgruppe der Lazen ist es so, dass die Frauen die Hosen anhaben, lazische Frauen haben ein starkes Durchsetzungvermögen und auch der Glaube hindert sie nicht daran den faulen Mann in den Hintern zu treten. Das ergibt sich aus einfachem Grund, um des Überlebens willen. Wer in schwierigen Verhältnissen sieht, dass der Mann das Wenige was man schwer erarbeitet hat für Spiel, Weib und Gesang verprasst, dem kann schon mal die Hutschnur hochgehen. 😉

    Wer sich darauf einlässt die verschiedenen Kulturen der Muslime kennenzulernen, der wird viel mehr dahinter entdecken als den Koran und seine Richtlinien.

    @Kamuran Sezer
    Wenn es nichts ausmacht, würde auch ich gern meine Meinung dazu loswerden.

    “Freiheitlich ist, wenn eine junge Muslima kein Kopftuch tragen muss, wenn sie es nicht möchte. Und sie Kopftuch tragen darf, wenn sie es will.

    Ich stimme ihnen in diesem Punkt zu, bis auf eine Kleinigkeit. Mir wäre wohler bei dem Gedanken, wenn diese freie Entscheidung mit der Volljährigkeit fallen würde. Dieses gilt sowohl für Muslime, wie auch für Christen oder andere kulturelle oder religiöse Eigenheiten. Ein Kind schon im zarten Babyalter zu taufen, es mit 10 Jahren zur Kommunion schicken, mit 14 zur Konformation oder mit 3 Jahren zur Beschneidung, finde ich persönlich nicht richtig. Alle Kinder sollten die Chance erhalten, ihre freie Entscheidung selbstbestimmt zu treffen, nämlich dann wenn sie nach Recht und Gesetz unserer demokratischen Regeln Volljährig sind. Das unterbindet vielleicht nicht überall den Zwang, aber es besteht doch die Möglichkeit das sich einige Menschen mehr von gesellschaftlichen Zwängen befreien können, durch freie Meinungsbildung.

    @Milly,
    Wo sie sich solche Mühe gegeben haben, ihren Kommentar mit Begründungen zu untermauern, will ich ihnen in nichts nachstehen. 😉

    http://www.youtube.com/watch?v=GcGdN1gPIzY

  2. MoBo sagt:

    @ Dietrich von Bern: was ich nicht verstehe, ist dass Sie meinen Bibelzitaten die Relevanz absprechen mit einem „historischem Kontext“ usw., aber selbst dann die Bibel als Beweis zitieren. das klingt stark nach Willkür. Stimmt, 99% der Christen halten sich nicht an die biblischen Gebote und 80% oder so (die Zahlen sind grob überschlagen) nehmen die Bibel nicht wörtlich.

    Auch wenn ideell gesehen im Islam der Qur’an verbindlich und das undiskutierbare Wort Gottes ist, so sieht die Realität anders aus.

    Ach so, irgendwelche „Ulama“ die von Muslimen vielleicht gar nicht akzeptiert sind, oder muslimische Promis wie T. Ramadan, auf den sich vielleicht nur wenige beziehen, zu zitieren, bringt in der Diskussion nicht unbedingt weiter. Ich nehme ja auch nicht Aussagen des Papstes als Beweis für Befindlichkeiten des gesamten Christentums.

    @ Boll: ich finde es völlig in Ordnung, Alkoholgenuss zu verteufeln. war neulich auf einer betriebsfeier, und irgendwann fingen da alkoholisiertre Männer an, die frauen gegen deren Willen zu begrapschen. wenn das ihre westliche aufgeklärte zivilisation ist, dann gute Nacht.

  3. Dietrich von Bern sagt:

    MoBo sagt:
    9. November 2010 um 13:44

    was ich nicht verstehe, ist dass Sie meinen Bibelzitaten die Relevanz absprechen mit einem “historischem Kontext” usw., aber selbst dann die Bibel als Beweis zitieren. das klingt stark nach Willkür
    ————

    Ist es aber nicht. Das Christentum ist eine Gewissensreligion (es gilt die „goldene Regel“) und keine Gesetzesreligion wie der Islam oder auch das Judentum. Außerdem sind die verschiedenen Weltanschauungen in unserem Land den Religionen gleichgestellt.

    Der Koran ist ja nicht irgendein heiliges Buch sei sondern die Inkarnation Gottes, womit er eine Position einnimmt wie Jesus im Christentum: “Hier verkörpert sich Gott in einem Menschen, dort in einem Buch. Daraus resultiert die Stellung des Propheten: Wohl ist er nur ein Mensch, kein Gott; aber er ist das geweihte Sprachrohr Gottes auf Erden.”

    Ein ums andere Mal betont der Koran seine Einzigartigkeit. Da der Koran von Gott zum Propheten herab gesandt wurde, isti die einzig mögliche Haltung diesem Buch gegenüber “demütige Unterwerfung”, was ja auch die wörtliche Bedeutung des arabischen Islam ist.

    Kein anderes Buch der Weltliteratur beanspricht für sich selbst einesolche Ausnahmestellung .

    Ganz am Anfang dieses Buchs, nach der einleitenden Sure, steht der folgende Vers: “…dies ist das Buch, in dem kein Zweifel ist, Führung für die Gottesfürchtigen…” (2:2)

    In ähnlicher Weise wird im Koran immer wieder diese Position bekräftigt. (…) Dieses Buch enthält die einzige Wahrheit und alles, was ihm widerspricht, ist Lüge: “Wir schleudern die Wahrheit gegen die Lüge, und sie zerschmettert ihr den Schädel, dass sie zugrunde geht. Weh euch darüber, was ihr erdichtet!” (21:18)

    Der Koran ist somit die göttliche Vollendung der Geschichte:

    “Diejenigen, denen wir das Buch gebracht haben, wissen, dass es von deinem Herrn mit der Wahrheit herabgesandt ist. So seid nicht unter den Zweifelnden! / Das Wort deines Herrn ist vollendet in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Es gibt keinen Veränderer seiner Worte.” (6:114 f)

    Einer solchen Offenbarung kann jeder Mensch nur mit bedingungsloser Unterwerfung begegnen.

    Und, MoBo, dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass der Islam eine Religion der Taten (Werke) ist.

    Ich wiederhole mich gerne noch einmal: Die Bibel ist eine Anthologie über die Offenbarung, von Menschen gemacht. Die einzigen originären Worte sind die 10 Gebote.

    Der Koran ist jedoch die Offenbarung des Allahgottes und da er prä-existent ist (das Original, die Urschrift ist im Himmel (Pardies) an einem sicheren Ort hinterlegt) ist das Wort Allahgottes auf unverändert gültig, bis zum jüngsten Gericht.

    Und Allahgott wacht über die Einhaltung seiner Gebote:

    Sure 6, Vers 59: “ Und bei Ihm sind die Schlüssel des Verborgenen; Er kennt sie allein; Er weiss, was zu Land und Meer ist, und kein Blatt fällt nieder, ohne dass Er es weiss; und kein Korn ist in den Finsternissen der Erde und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht stünde in einem deutlichen Buch“.

    Übrigens, MoBo, lt. einer Studie des Innenministeriums bezeichnen sich mehr als 80 Prozent der in Deutschland ansässigen Moslems als gläubig bzw. strenggläubig. Mehr als 40 Prozent aller Moslems gelten lt. dieser Studie als fundamental islamisch orientiert.

  4. MoBo sagt:

    Wer ist denn jetzt „Allahgott“? Haben die Juden auch den „YHVHgott“?

    Dass sich 80% der Mitglieder einer Religion als gläubig bezeichnen ist doch… eigentlich fast schon eine niedrige Zahl…
    Egal, ich sehe keinen Namen oder Link einer Studie, ich kann das jetzt hier nicht weiter nachprüfen.

  5. Boli sagt:

    @MoBo

    Mit verteufeln meine ich komplett verbieten. Ich habe mit dem Zulassen von Alkoholgenuss nicht massloses Saufen gemeint. Sie mögen aber Recht haben das es leider zu viele Menschen gibt die eben keine Kontrolle über ihren Alkoholgenuss haben.
    Eine Freiheit dies zu tun ist die eine Sache. Wie man damit umgeht die Andere.

  6. Dietrich von Bern sagt:

    MoBo

    Wer ist denn jetzt “Allahgott”? Haben die Juden auch den “YHVHgott”?
    ————
    Ganz einfach, weil der Gott der Moslems nichts mit dem Gott der Israeliten, der sich im Sinai offenbart hat, zu tun hat.

    http://www.chick-gospel.de/html/mondgot2.htm#top

    Dass sich 80% der Mitglieder einer Religion als gläubig bezeichnen ist doch… eigentlich fast schon eine niedrige Zahl…
    Egal, ich sehe keinen Namen oder Link einer Studie, ich kann das jetzt hier nicht weiter nachprüfen.
    ————–

    … Fast 87% bezeichnen sich als persönlich gläubig oder sehr stark gläubig, wobei die Gläubigkeit mit einem niedrigeren Schulabschluss zunimmt (112). Rund 40% der muslimischen Wohnbevölkerung können als „fundamental orientiert“ gelten (195): 79,6%
    stimmen der Aussage „völlig zu“, dass der Koran die wahre Offenbarung Gottes ist, weitere 9,4% stimmen „eher zu“; zusammen 89% (116). Mit dem hohen Anteil derjenigen, die von der Wahrheit ihrer Religion überzeugt sind, geht auch der Alltagsbezug zur Religion
    Hand in Hand; Riten und Gebote des Islam werden hoch geachtet, auch wenn sie nicht immer eingehalten werden.

    Quelle: „Muslime in Deutschland“
    Eine Studie des Bundesinnenministeriums
    zu: Integration, Integrationsbarrieren, Religion und Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiös motivierter Gewalt.

    Können Sie beim BMI abrufen.

  7. MoBo sagt:

    @ Dietrich von Bern:
    „Ganz einfach, weil der Gott der Moslems nichts mit dem Gott der Israeliten, der sich im Sinai offenbart hat, zu tun hat.

    http://www.chick-gospel.de/html/mondgot2.htm#top

    Sie zitieren eine antisemitsche, rassistische und katholikenfeindliche fundamentalistisch-protestantische Seite als „Argument“ und haben sich damit für mich als Diskussionspartner disqualifiziert. Eventuell auch entblößt, das entscheiden Sie.

  8. arabeska sagt:

    @Dietrich von Bern
    „Das Christentum ist eine Gewissensreligion (es gilt die “goldene Regel”) und keine Gesetzesreligion wie der Islam oder auch das Judentum“

    Wenn das stimmt, dann erklären Sie mir doch bitte, warum Christen Millionen von Toten im 1. und 2. Weltkrieg zu verantworten haben, Afrika ausgebetet und Millionen Menschen als Sklaven verschleppt und massakriert haben, die Indianer ausgerottet haben.
    Es waren Christen, die zwei Atombomben geworfen und Menschen für Generationen verstümmelt haben, die den Vietnamkrieg, Koreakrieg und Nahostkonflikt verursacht und 6 Millionen Juden vergast haben.
    Deutsche Christen töten alle Jahre wieder an Weihnachten ihre Familien, schießen in Schulen um sich und vernachlässigen und mißbrauchen ihre Töchter, die daraufhin lebenslang mit diesem Trauma leben müssen. Ganz zu schweigen von den Pfarrern und Priestern, die Jugendliche mißbrauchen….

    Eine Gewissensreligion ? Keine Ahnung, was sie unter Gewissen verstehen.

  9. NDS sagt:

    …ich ergänze (nur religiös motivierte Unfassbarkeiten, die spontan enfallen): Hexenverfolgung, Kreuzzüge, suspekte Missionarsarbeit in Afrika, Südamerika und anderen Teilen der Erde und (Nord-)Irland-Konflikt.
    Aber diese Reihe zeigt eindrucksvoll, dass mit der aktuellen „Theologisierung“ sozialer Fragen niemanden geholfen ist. Menschliche Verfehlungen bleiben menschliche Verfehlungen und nicht religiöse Konflikte. Daher kann ich mit Koran-Suren vs. Bibel-Versen im Rahmen der Konzeptentwicklung einer gesellschaftlichen Frage („wir haben Menschen, die dazu kommen und wir haben Menschen, die hier seit vielen Generationen leben. Wie wollen wir das machen?“) wirklich nichts anfangen.

  10. Sehr geehrter Herr Dietrich von Bern,

    gleichvorweg: Selbstverständlich werden Ihre Kommentare, sofern sie das Nettiquette von MiGAZIN nicht verstoßen, unzensiert veröffentlicht werden. Die Redakteure, Kolumnisten und Gastautoren auf MiGAZIN mögen zwar ihre Meinung und ihre Position vertreten, sie beanspruchen aber im Sinne der Aufklärung nicht die „volle Wahrheit und Weisheit“ – weder vom Diesseits noch vom Jenseits. Streitbarkeit und Dialogfähigkeit sind zwei Voraussetzungen für die Schaffung einer gemeinsamen Vorstellung von einer gemeinsamen Zukunft.

    Dies ist auch der Unterschied zum Blog „Politically Incorrect“ , auf dem nur jene willkommen sind, welche dieselbe Meinung vertreten, so dass dort m.E. eine „intellektuelle Inzucht“ getrieben wird. Dieser Blog wirkt wie eine Selbsthilfegruppe politischer Randgruppen, die sich gegenseitig bestätigen und ermutigen möchten.

    Es ist auch der Unterschied zu Sarrazin, der im absolutistischen Manier von der „statistischen Wahrheit“ seines Buches spricht, die inzwischen mehrfach von Fachleuten widerlegt wurde. Inzwischen korrigiert Sarrazin stillschweigend seine eigenen Irrtümer (siehe: http://www.welt.de/print/wams/politik/article10919793/Sarrazin-distanziert-sich-von-Sarrazin.html)

    Nun zu meinem eigentlichen Anliegen:

    Ich habe heute morgen beim Frühstück mit meiner Frau, die auch meine Fachkollegin ist diskutiert, warum es mir nicht gelingt, mehr als die Hälfte Ihrer Beiträge zu verstehen.

    Als Soziologe (und von mir aus: als Gesellschaftsanalytiker) interessiere ich mich für das Individuum, die Gruppe und die Gesellschaft, die in eine soziale Ordnung eingebettet sind. In dieser sozialen Ordnung existieren und funktionieren Gesetzmäßigkeiten, Regelwerke, Mechanismen, (Anreiz-)Strukturen usw., welche die Dynamik und Entwicklungsrichtung von Gesellschaften erklären.

    In diesem Zusammenhang ist der Kuran (aber auch die Bibel, Thora usw.) für mich nicht als „heilige Schrift“ von Bedeutung sondern als dies- und jenseitiges Regelwerk mit verbindlichen Charakter interessant. Diese „heiligen Schriften“ geben dem Gemeinwesen eine Ordnung und eine Orientierungsstruktur für das Handeln usw. usf.

    Eine wesentliche Eigenschaft des Menschen ist über Kultur- und Sprachgrenzen hinaus seine „Opportunität“ (Stichworte: Homo Oeconomicus, Homo Sociologicus, Homo Sociooeconomicus).

    Damit komme ich zum ersten Grund, warum ich Ihre Beiträge nicht ganz verstehe: Sie setzen die Worte in den heiligen Schriften mit den Verhaltenserwartung eines Menschen absolut!

    Sie führen Suren und Verse aus dem Koran, aus dem abgeleitet werden kann, dass der Islam die Islamisierung Europas und der Welt anstrebe. Da die Muslime den Kuran wortwörtlich erfüllen müssen, ist diese Entwicklung zwangsläufig. Okay..! Nach dieser Logik dürfte es dann in der islamischen Welt keine Morde, keine Vergewaltigungen, kein Alkohol- und Drogenmissbräuche, keine Prostitution usw. geben. Aber alle diese Phänomene gibt es in den islamischen Ländern wie es sie in den westlichen, asiatischen und afrikanischen Ländern gibt.

    Dann zitieren Sie irgendwelche Personen, offenbar religiöse Wortführer, die Dinge sagen, die gut zu Ihrem Islambild passen. Wie autokratisch, diaktatorisch oder faschistisch eine Gesellschaft sein mag, so existiert in dieser ebenfalls eine Meinungsvielfalt.. Sie setzen diese islamischen Wortführer mit der islamischen Welt absolut und ignorieren die Möglichkeit, dass es auch Wortführer existieren, die Gegenteiliges zu den von Ihnen angeführten Personen sagen.

    Der zweite Grund:

    Sie theologisieren das menschliche Verhaltens. Das passt wunderbar zu den Argumenten von Necla Kelek, Broder, Buschkowsky, Sarrazin & Co., die in der Verhaltensmotivation von muslimischen Einwanderern einen religiösen Überbau erkennen. Das Sexualverhalten, das Bildungsverhalten, das Arbeitsberhalten, der Habitus und die Kognition eines Menschen ist ausschließlich „Religionsgetrieben“ – wenn es nach diesen Autoren geht.

    Religion ist aber nur ein Aspekt in der Verhaltserwartung, -struktur und -antrieb von Menschen. Es existieren zudem ökonomische (Geld, Wohlstand), soziale (Prestige, Karriere, Ruhm), kulturelle (Tradition, Rituale, Gewohnheiten) Gründe aber auch spieltheoretische Ursache wie Opportunität, Vermeidung von Sanktionen usw.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr Bild vom Angehörigen des Islams ist eindimensional und ignoriert die innere wie äußere Beziehungsgeflecht und -dynamiken in der Verhaltensstruktur und -entscheidung von Menschen. Das menschliche Verhalten und seine Projektion in die Zukunft ist vielschichtig und hat mehrere Ursachen.

    Ihr Menschenbild – aber auch das von Necla Kelek, Alice Schwarzer, Broder, Sarrazin – eignen sich sehr gut für die Begründung von Verschwörungstheorien und repräsentieren nicht die menschliche und gesellschaftliche Realität.

    Die Eindimensionalität Ihrer Beiträge führen dazu, dass ich mindestens die Hälfte nicht verstehe.

    Herzlichst,
    Kamuran Sezer


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