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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Filiz’ Kolumne

Deutschland rutscht nach rechts und keinen stört es!

Grundsätzlich erleben wir in Deutschland nichts anderes als was es in der Menschheitsgeschichte schon immer gegeben hat: Die Angst vor Veränderung, die Angst vor Identitätsverlust und die Angst vor dem Fremden.

VONFiliz Polat

 Deutschland rutscht nach rechts und keinen stört es!
Filiz Polat ist Sprecherin für Migrations- und Europapolitik der Grünen-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Auf MiGAZIN kommentiert sie in ihrer "Filiz’ Kolumne" integrations- und bildungspolitische Themen.

DATUM25. Oktober 2010

KOMMENTARE18

RESSORTAktuell, Meinung

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Die Zuwanderung nach Deutschland und insgesamt nach Europa hat das gesellschaftliche Zusammenleben maßgeblich verändert. Aus Sicht der Aufnahmegesellschaft in Deutschland kann man feststellen, dass die Bevölkerung diese Veränderung nicht wirklich akzeptiert hat. In Europa erleben wir – auch bedingt durch den 11. September 2001 und durch eine globale Wirtschafts- und Finanzkrise eine zunehmende Ausländer- und Islamfeindlichkeit. In unseren Nachbarländern (Ungarn, Schweiz, Italien, Österreich, Niederlande, Frankreich, Belgien, Dänemark) haben Rechtspopulistische Parteien mit ihrer integrationsfeindlichen und diskriminierenden Agenda enormen Auftrieb erhalten.

Das sind erschreckende und gefährliche Entwicklungen. In Deutschland zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Die Proteste und Anfeindungen auf die Rede des Bundespräsidenten, die ja insbesondere aus den eigenen Reihen des Präsidenten kamen wurden zwar kritisiert, aber eine Debatte über Religionsfreiheit und unser Werteverständnis entstand daraus nicht – im Gegenteil es wird weiter auf die so genanten „Integrationsverweigerer“ geschaut, die aus Sicht der Unionspolitiker bei den Muslimen am häufigsten anzutreffen seien. Das sie dies mit Zahlen und Fakten nicht einmal belegen können, scheint außer einiger weniger niemanden zu stören.

Der Begriff der Integration wird dabei zunehmend misslich und einseitig interpretiert. Ja, wir leben in einer veränderten, in einer globalisierten Welt. Den Menschen hat diese Veränderung zum großen Teil Angst gemacht, welches sich dann oftmals in Anfeindungen, Vorurteilen und Stigmatisierungen gegenüber Zugewanderten widerspiegelt. Dokumentiert wird dieser Eindruck durch eine vom Soziologen Heitmeyer angelegten Langzeitstudie, dass etwa 48 Prozent der Deutschen der Meinung sind, es gäbe „zu viele Muslime“ in unserem Land. Gar 52 Prozent vertreten die Auffassung, es gäbe generell „zu viele Ausländer“ in Deutschland. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Friedrich-Ebert-Stiftung in ihrer Studie über die Entwicklung rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Etwa 30 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, „Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“. Eine ebenso großer Anteil meint, bei knappen Arbeitsplätzen ’sollte man Ausländer wieder in ihre Heimat schicken‘, und durch ‚die vielen Ausländer‘ werde Deutschland ‚in einem gefährlichen Maß‘ überfremdet‘.

Die Feindseligkeit gegenüber dem Islam ist der Studie zufolge besonders ausgeprägt. Das Grundrecht auf freie Religionsausübung wollen viele Bürgerinnen und Bürger nicht allen Religionen gönnen: Mehr als 58 Prozent wollen diese für Muslime „erheblich einschränken“. Mehr als jeder Zehnte sehnt sich nach einem ‚Führer‘, der ‚Deutschland zum Wohle aller mit harter Hand regiert‘ und hält eine Diktatur für ‚die bessere Staatsform‘. Das sind erschreckende Zahlen. Wir brauchen daher dringend einen gesellschaftlichen Perspektivenwechsel ohne Wenn und Aber! Die vielfach geforderten „sozio-kulturellen Kompetenzen“ müssen dann eben nicht nur von den Menschen mit Migrationshintergrund, sondern von allen in der Gesellschaft erworben werden. Denn das Demokratieverständnis und das Wissen über unser Grundgesetz scheinen bei diesen Fakten in der Aufnahmegesellschaft nicht vorhanden zu sein.

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18 Kommentare
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  1. Sabineheimann sagt:

    In Deutschland glauben fast die Hälfte der Muslime türkischer Herkunft nicht, dass die Regeln des Islam zu den Regeln der deutschen Gesellschaft passen. Quelle Studie BMI 2007.

    Dagegen bitte vorgehen!

    Zitat
    „Die Angst vor Veränderung, die Angst vor Identitätsverlust und die Angst vor dem Fremden.“

    Richtig, daher bitte endlich eine inländerfreundliche Politik machen. Fragt die Deutschen endlich mal, ob sie 4,5 Mio. Muslime und 7 Mio. Ausländer haben wollten.

    Das Volk zu befragen ist das beste Mittel gegen politischen Verdruss!

  2. NDS sagt:

    Und was, wenn über 50 % für „nein“ stimmen? Ein Bundesland zum Open-Air-Ausländerlager umfunktionieren, hohe Zäune drum bauen und alle reinschmeißen?? Sie können Ihre „Muslime“ und „Ausländer“ zum allergrößten Teil juristisch nicht belangen (abschieben, einkerkern..), an einem Zusammenleben führt nichts vorbei!

  3. Realdenker sagt:

    Seien wir doch mal ehrlich … .

    Was wäre, wenn es keine Muslime in Deutschland gebe? Nur mal so angedacht. Wüden dann Migranten mehr und mehr Hass, Wut und Rassismus ausgesetzt sein?

    Wo sind denn die Pronleme zu suchen? Bei den Migranten? Oder einzelnen Gruppen von Migranten? Was also stört, zerstört den Frieden? Und wieso, wenn denn … ? Sind die bösen Deutschen Rassisten, gbeoren mit einem Rasisten-Gen – welche es um jede Ecke zu geben scheint, Schuld?

    Oder sollten sich gewisse Volksgruppen mal durch Selbstreflexion kritisch Gedanken machen, weiso die Stimmung so ist, wie sie denn nun mal ist?

    Hier wundert sich alles über Reaktion und man vergisst, dass jede Aktion eine Reaktion eben hervorruft – und dies wird zu einer Spirale aus Wut und Hass.

    Wie lange wird das noch gut gehen?

    Ich habe Bedenken, liebe Migazins … gewaltige … .

    Es leben erst 5 Millionen Muslime hier. Was, wenn es 15 oder gar 20 Milliionen sind? Wird es friedlicher werden?

    Hier läuft was total verquer … .

  4. delice sagt:

    Was ich immer mehr beobachte sind diese dumpfen Sprüche!

    Was wäre wenn .. und dergleichen bla-bla.

    Ich würde, wenn ich Deutscher wäre langsam Angst bekommen. Wo anders hin könnte ich dann auch nicht, wenn endlich der ersehnte und herbeigeredete Heilsbringer endlich dann zur Erde nach Deutschland käme.

    Noch blöder wäre es aber für all die deutschen Staatsbürger, die nur diese einzige Staatsbürgerschaft hätten. Denn die hätten erst recht schlechtere Karten! Ich würde nicht unbedingt unter deren Haut stecken wollen.

    Außerdem sollte die Türkei die „Blauen Karten“ wieder aufheben und einsacken. Denn von denen, die sich so eine geholt haben ist auch nicht viel zu erwarten, die schießen dann in einem fußballspiel lieber die Türkei aus dem Spiel, als das sie ihre Karriere aufs Spiel setzen würden. Und, wenn die so spielen muss man denen den Spieß umdrehen.

    Irgendwann werden Sie zwar erkennen, dass sich dieser Verrat nicht gelohnt hat, aber dann sollen sie auch Manns genug sein, die Konsequenzen dafür einzustehen. Entweder sollte man sich für hier oder für die türkische Staatsangehörigkeit entscheiden, eine Blaue Karte gehört eindeutig abgeschafft!

    Und wenn Deutschland nach rechts abschrutzt ist das nicht mein Problem, vielleicht wollen das die Menschen hier so. Vielleicht ist dann endlich Ruhe im Karton, wenn der Deutsche wieder unter sich ist!

    Und wenn einer sich für Deutsch hält, dann ist das seine Sache, nur wenn er plötzlich staatenlos werden sollte, dann sollte er nicht an unsere türkische Türe klopfen und um Einlass bitten!

  5. delice sagt:

    Außerdem würde ich mich eher noch bei den vermeintlich gebildeten, die gar noch zudem links und liberal wären besonders hüten! Dazu muss man nicht viel wissen, man muss nur bewusst leben und die Augen und Ohren offen halten.

    Aber solange es Menschen gibt, die gerne so etwas ausblenden, solange wird es zukünftig eben auch Opfer geben, die nur über ihre hele welt gestolpert sind.

  6. Loewe sagt:

    Es leben ca. 4 Millionen Muslime in Deutschland, „Realdenker“, und es werden in Zukunft nicht allzu viele mehr werden, weil durch Zuwanderung kaum mehr kommen als durch Abwanderung gehen, und weil die Geburtenrate bei den Muslimen in Deutschland sinkt und bald dem der Nicht-Muslime nahe kommen wird.

    Also: Vielleicht werden es 2020 statt 4 Millionen 5 Millionen sein, vielleicht auch weniger.

    Von diesen Herkunftsmuslimen ist wiederum nur ein Teil gläubig, und der Anteil derer, die nicht gläubig oder nur schwach gläubig sein werden, wird in Zukunft auch zunehmen.

    Daraus kann man schließen: Alles in allem wird die Zahl der gläubigen Muslime in Deutschland nur geringfügig wachsen.

    Soviel zur Realität, werter Realdenker.

    Wären keine Muslime im Land, würden andere Minderheiten den Blitzableiter und Sündenbock und Prügelknaben spielen müssen. Vielleicht würden Sie dann auf die Griechen in Deutschland losgehen …

    Das mit der Selbstreflexion ist eine gute Idee. Fangen Sie bei sich damit an, Realdenker! Nicht die Migranten stören den Frieden in Deutschland, das sind schon die Hetzer, die das tun, die Sarrazin-Fans, die Wilders-Fans. MEINE Stimmung ist migrantenfreundlich, und ich mache fast nur gute Erfahrungen. Wie kommt das wohl?

  7. MoBo sagt:

    @ Realdenker:
    Die Ausländer sind also selber schuld, wenn Menschen ihnen gegenüber rassistisch sind? Oder meinen sie jetzt nur Türken?

    Rassismus gegenüber sog. Gastarbeitern gab es schon vor den Türken und unter den über 100 von Nazis umgebrachten Menschen seit 1990 sind eher wenige Mitbürger mit „muslimischem Hintergrund“ gewesen.

    (dieses „gewisse Volksgruppen“ und „ich habe Bedenken“ – ohne die Bedenken zu nennen – ist doch Verschleierungstaktik.)

  8. Sokrates sagt:

    mich stimmt bedenklich, dass Mitbürger ausländischer Wurzeln angelernt werden sollen in der Altenpflege zu knechten. Für die Art Arbeit, die kein deutscher auf Dauer macht, scheinen sie gut genug zu sein. Wofür dann noch Deutschkurse? Hatten wir das nicht schon einmal? Die deutsche Politik scheint nichts dazu gelernt zu haben. Mal wieder sollen diese Mitbürger als billige Arbeitskräfte verheizt werden, die nicht aufmucken. Die Diskrepanz zwischen Forderung nach „Integration“ und nicht bereit stellen finanzieller Mittel spricht für sich. Das Verhalten der Lehrer Migrantenkindern gegenüber spricht für sich.

    Ich möchte jede/n Mitbürger/in ausländischer Wurzeln dazu auffordern durch Kraftanstrengung sich zu bilden. Die Chancengleichheit in Sachen Bildung ist das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Dass die Politik dafür Mittel bereit stellt, ist nur eine Illusion.

    Die Realität in den Schulen sieht nämlich anders aus. Nach wie vor werden unsere Kinder auf Hauptschulen verwiesen, schließlich brauchen sie ja als künftige Straßenkehrer, Minenarbeiter, Putzfrauen und Altenpfleger keine höhere Bildung.

    Bildet euch und WANDERT AUS, Deutschland hat seine „Migranten“ nicht verdient. Unsere Eltern, Großeltern haben dieses Land mit aufgebaut, unter unmenschlichen Bedingungen gearbeitet (Günter Wallraff läßt grüßen) und werden zum Dank jetzt auch noch verhämt.

  9. Ausländerin sagt:

    Ich bin selbst Ausländerin der 2ten Generation aus Ex-Jugoslawien und stelle folgendes fest: seitens der Türken werden unter dem Deckmantel „Migrantenrechte“ NUR Interessen vertreten, die „Ihresgleichen“ zugute kommen. Türkisch in deutschen Behörden, Moscheenbau, usw. Wie geht es den Christen, Aleviten u.A. in der Türkei? In Saudi-Arabien? Ägypten? Religionsfreiheit? 2. Amtssprache? Priesterseminare? Das Osmanische Reich hat uns schon einmal gelehrt, das Multi-Kulti nur im Harem geduldet wird und Fortschritt unerwünscht ist. Sind Türken und Araber der Meinung, das Muslims mehr wert sind als christliche Türken, Araber, Griechen, Ex-Jugoslawen, Italiener, Spanier, Schweden, Finnen, usw.? Ist dies nicht auch Rassismus? Herrenrasse mal anders? Haben sich hier nur Türken „krummgebuckelt“? Warum kommen andere Ausländer in Deutschland zurecht? Liegt es vielleicht doch an der gemeinsamen christlich-abendländischen Kultur? Und was soll das Gewäsch mit der Diskrimierung im Berufsleben? Es gibt genügend erfolgreiche Ausländer der 2. und 3. Generation aus aller Herren Länder in Deutschland – ich auch, trotz schwarzer Haare, dunkler Augen und einem Zungenbrecher als Nachname. Aber ich beherrsche in dieser GLOBALISIERTEN Welt drei Sprachen. Vielleicht liegt es neben meiner AusBILDUNG auch daran? STOPP mit dem Mißbrauch des Wortes Migranten. Wenn Ihr EURE Interessen vertreten wollt – BITTE SCHÖN. Aber dann sprecht von islamsichen Interessen. Und Finger weg von Steuergeldern NUR FÜR EURE INTERESSEN! Ich als Ex-Jugo zahle hier auch Steuern und WILL KEINE Moscheen und Türkischkurse für deutsche Polizisten finanzieren!!!! Ich bekomme ja schließlich auch keine orthodoxe Kirche vom deutschen Staat geschenkt und muss mich auf Deutsch verhaften und verurteilen lassen wenn ich was anstelle!!!!!

  10. arabeska sagt:

    Zitat: „mich stimmt bedenklich, dass Mitbürger ausländischer Wurzeln angelernt werden sollen in der Altenpflege zu knechten“

    Das sehe ich ähnlich, aber wer soll denn die vielen Alten pflegen, wenn die Biodeutschen sich nicht mehr reproduzieren ?
    Da werden dann Leute wie „Realdenker“ sich verwundert die Augen reiben, wenn sie irgendwann von Muslimen im Altenheim ihre Windeln gewechselt und sogar Sterbehilfe bekommen.


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