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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Memet Kilic

Fachkräftemangel auch in der Regierung

Die Bundesregierung schöpft bereits bestehende Möglichkeiten zur Förderung von Hochqualifizierten nicht aus, lautet der zentrale Vorwurf des Grünen-Politikers Memet Kilic. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Bundesregierung leide an Fachkräftemangel.

DATUM20. Oktober 2010

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RESSORTAktuell, Politik

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Nach Ansicht des Grünen-Politikers Memet Kilic müsse die schwarz-gelbe Regierungskoalition „mit der neurotischen Selbstbeschäftigung aufhören“ und endlich anfangen zu regieren. Derzeit finde eine „schizophrene Debatte über Integration, Einwanderungssteuerung und Fachkräftemangel statt.

„Während Herr Seehofer Fachkräfteeinwanderung nur auf deutsche Kulturkreise, nämlich auf Österreich und den deutschsprachigen Raum in Südtirol und der Schweiz beschränken will, möchte Herr Bundesinnenminister de Maizière über das Punktesystem gar nicht erst reden. Parallel fordert die FDP knallharte Einwanderungskriterien“, so der integrationspolitische Sprecher der Grünen gestern in Berlin.

2009 verließen Deutschland 160 000 Hochqualifizierte
Bereits im letzten Jahr haben laut Kilic 160 000 hochqualifizierte Menschen die Bundesrepublik verlassen. Nach der derzeitigen Diskussion werde sich die Zahl dieses Jahr „noch mit Sicherheit erhöhen“.

Kilic weiter: „Die Hochqualifizierten, die wir – wie alle anderen Industrienationen auch – benötigen, schauen nicht nur auf die Bezahlung, sondern achten auch auf die gesellschaftliche Atmosphäre: Was für eine Schulausbildung kann mein Kind genießen, wie wird mein Ehegatte im Supermarkt behandelt.“

Solange in Deutschland über Einwanderer abwertend gestritten und über weitere Sanktionen für vermeintliche Integrationsverweigerer gesprochen werde, könne man eine Willkommenskultur gegenüber Einwanderern nicht entwickeln.

Bundesregierung schöpft Möglichkeiten nicht aus
Einigkeit bestehe lediglich darin, dass Deutschland auf bestimmten Gebieten Fachkräfte dringend benötige und dieser Bedarf kurzfristig nicht allein mit inländischen Arbeitskräften abgedeckt werden könne. Dennoch zeige sich die Regierung nicht einmal willens, von vorhandenen Instrumentarien Gebrauch zu machen.

In einer schriftlichen Anfrage an die Bundesregierung erkundigte sich Kilic, ob für bestimmte Branchen beabsichtigt sei, von den Möglichkeiten, die das Aufenthaltsgesetz biete, Gebrauch zu machen. So ist beispielsweise denkbar, durch Rechtsverordnung weitere Beschäftigungen zu bestimmen, für die eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit nicht erforderlich ist – ein Instrument, um die Einreise von qualifizierten Arbeitskräften fördern.

Das Bundesarbeitsministerium drückt sich in dem Antwortschreiben, die dem MiGAZIN vorliegt, jedoch um die Frage herum und lässt es unbeantwortet. Statt dessen gibt das Ministerium einen Exkurs über bereits bestehende Möglichkeiten, die sich in der Praxis allerdings bis heute nicht bewährt haben.

„Die Koalition regiert nicht mehr, sondern schaut zu und streitet in der Öffentlichkeit. Diese schizophrenen Diskussionen schaden nicht nur der Wirtschaft und der Gesellschaft, sondern auch dem internationalen Image Deutschlands“, so Kilic abschließend.

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4 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Irgendwie freue ich mich über jeden klugen Menschen, der sein Leben in die eigenen Hände nimmt und sein Glück woanders sucht, sei es als Deutscher oder als Ausländer.

    Jeder dieser gehässigen Diskussionen über eine verfehlte oder auch vermeintlich geglückte Integration führt zu einem Mehr an Auswander-Willen und für nicht wenige zu einer Re-Emigration in die Heimat.

    Mag ja, wie im Falle der Türkei, auch der Verdienst dort weniger sein, sind doch dafür aber die anderen Lebensbedingungen um weiten auch tatsächlich besser. Das fängt schon beim Wetter an und geht über das positivere Klima in der dortigen und weitaus offeneren und bunteren Gesellschaft weiter. Seien wir doch auch mal ehrlich, das Leben mag für manchen hier so komfortabel sein, ist doch es dafür aber sehr einseitig und nur auf drei Dinge beschränkt, nämlich auf arbeiten, essen und schlafen. Es ist einfach zu stupide und recht einfältig bisweilen psychisch auch nicht mehr auszuhalten. Mittlerweilen gehen aber auch Deutsche gen Türkei.

    Deutschland hat nicht mehr die Anziehung, selbst für viele Türken nicht mehr und das heißt schon was! Es mag den einen oder anderen noch geben, der in Deutschland sein Paradies sieht, aber selbst die werden immer weniger, denn selbst die Zahl der gestellten Asylanträge ist erheblich zurückgegangen. Im Saldo überwiegt seit Jahren schon selbst unter türkischstämmigen die Auswanderung zur Einwanderung nach Deutschland! Und dieser Unterschied wird zugunsten der Türkei zunehmen!

    Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Prosperität der Türkei werden wir das alles noch stärker und klarer sehen. Ich denke auch nicht, dass die ausgewanderten in ihrer Mehrheit wieder den Weg nach Deutschland suchen werden.

    Das wäre doch überhaupt der Ausweg und eine gewisse Teillösung für Politiker – mit einem rechten Blick. Eine bessere und hochqualifiziertere Ausbildung den Betroffenen zu ermöglichen. Das schafft dann erst recht die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr in das jeweilige Heimatland und mit einer finanziellen Unterstützung wird sie dann noch mehr erreichen können. Viele von uns wollen das nun auch.

  2. YMelodieY sagt:

    @delice

    Ich würde – egal unter welchen Umständen – mein Heimatland Deutschland niemals verlassen.

    Wer sich aber dazu durchringt – egal aus welchem fremden Land – muss, so denke ich, schon gravierende Gründe haben, wenn er sein Heimatland verlässt und versucht, sich neu zu orientieren. Vor so einem Menschen habe ich den höchsten Respekt und wenn er es dann noch schafft, in diesem für ihn fremden Land sein Auskommen – aus eigener Kraft – zu haben und neue Freunde zu finden, ziehe ich meinen „Hut“

    Für Leute allerdings, die Ihr Heimatland und das Land, welches sie in einer Notlage auftgenommen hat, als einen Paternoster (ist ein Aufzug, welcher ohne Unterbrechung nach oben und nach unten fährt) empfindet, der tut mir nicht mal leid!!!! Er hat das Leben nicht verstanden, wo man differenzieren muss zwischen Wollen und Können.

    YMelodieY

  3. Yilmaz sagt:

    ich kann es nicht mehr hören, täglich arbeite ich als türke im krankenhaus und helfe alten menschen bei der hygiene. ich unterscheide nicht zwischen deutsch oder nicht deutsch. warum versucht man hier jetzt die miserablen zustände irgenjemandem in die schuhe zu schieben?
    wir türken brauchen noch viel mehr brains in deutschland. viel mehr lobby und viel mehr offenheit über dinge klar zu sprechen.

  4. […] 20.10.2010 Neues Deutschland “Fernbleiben aus guten Gründen” 20.10.2010 Migazin “Fachkräftemangel auch in der Regierung” 19.10.2010 Thüringer Allgemeine “Koalition streitet über Punktesystem für Fachkräfte aus […]



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