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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

MiGCITY

Bekenntnis zum Grundgesetz. Was fordert die CSU noch?

In MiGCITY treten Widersprüche deutlicher zum Vorschein. So auch während eines Interviews mit einem CSU-Politiker, der aufzählt, was er alles – im Rahmen der „Integrationspolitik“ – fordert.

DATUM15. Oktober 2010

KOMMENTARE16

RESSORTAktuell, Humor

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Reporter: Die CSU fordert von Muslimen ja ein Bekenntnis zum Grundgesetz1. Fassen wir mal kurz zusammen: Was fordern Sie noch?

CSU-Politiker: Zuanächst einmal müssen wir deren Religionsausübung einschränken2, Kopftücher verbieten3, den Familiennachzug von Muslimen4 stoppen5, Kinder in staatlichen Religionsunterricht stecken6, Moscheevereine schließen7, Fundamentalisten ausbürgern8, Wohnung9 und10 Handy zur Terrorabwehr einfacher abhören und keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen11.

Mindestens tangierte Grundrechte in chronologischer Reihenfolge:

  1. Art. 5 GG  []
  2. Art. 4 GG  []
  3. Art. 2 GG  []
  4. Art. 3 GG  []
  5. Art. 6 GG  []
  6. Art. 7 GG  []
  7. Art. 9 GG  []
  8. Art. 16 GG  []
  9. Art. 13 GG  []
  10. Art. 10 GG  []
  11. Art. 16a GG  []
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16 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Serap Celen sagt:

    Was die CSU noch fordert: Alle Menschen, die in diesem Land (Deutschland) leben, haben sich an die Werte dieser Gesellschaft, die v.a. christlich (und natürlich logischerweise deutsch) geprägt sind, zu halten. Als Bsp. wird dann gern die Gleichstellung von Mann und Frau genannt, bspw. zuletzte gestern von Herrn Söder bei Maybritt Illner. Und er bzw. die CSU hat Recht! Ich unterschreibe diesen Satz! Als gläubige Muslima bin ich diesbzgl. voll und ganz auf der Seite der CSU. In meiner Familie herrschte keine Gleichberechtigung, meine Mutter hatte immer die Hosen an. Mein Vater hatte wenig zu melden. Und meine Familie ist hier (in Deutschland) mit dieser Schieflage kein Einzelfall. Schauen wir uns doch mal die kath. Kirche an. Da haben (umgekehrt) die Männer die Röcke an, und zwar die weitaus schwereren! Ich kenne keine kath. Bischöfin. Schauen wir uns doch mal die DAX-Vorstände an, Gleichstellung ist dort ein Fremdwort! Schauen wir uns weiter die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland an. Wir haben hierzulande ein Lohngefälle zwischen Frauen und Männern, das bei 27% liegt! Und: Gehen wir weiter und schauen uns die Gleichstellung innerhalb der CSU an – da wird einem wahrlich übel. Und was folft daraus? Erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, bevor man als Moralapostel durch die Talksendungen zieht und Werte verteidigt, die es in diesem Lande de facto nicht gibt!

  2. Karl Stahl sagt:

    Liebe Serap, lass in deiner Argumentation bitte künftig die katholische und jede sonstige Kirche aus dem Spiel. Kirchen haben hier nichts zu melden. Und das ist gut so. Das Gleiche gilt für die muslimische Kirche, falls man sie überhaupt so nennen darf. (Ich bin mir da nicht sicher). Und darüber kannst du dich freuen.

  3. NDS sagt:

    Lieber Herr Stahl,
    dem, dass die Kirche hierzulande nichts zu sagen habe, muss ich entschieden widersprechen!
    Die christlichen Kirchen sind Körperschaften öffentlichen Rechts und genießen somit einige Vorzüge: Der Staat treibt für sie Steuern ein, mit Mitteln, die nur ihm zur Verfügung steht.
    Wenn sonntags die Regelungen zu Ladenöffnungszeiten gelockert werden sollen, gehen die Kirchenverbände auf die Barrikaden (und setzen sich durch). Bei Straftaten, die innerhalb der Kirche geschehen (so auch die Missbrauchsfälle), ergeht nicht automatisch Haftbefehl gegenüber dem mutmaßlichen Täter, nein: die Kirche darf entscheiden, wie sie verfährt. Ähnlich sieht es aus, wenn über Abtreibungen verhandelt wird oder über Stammzellen. Außerdem hat der Staat viele Aufgaben im Bereich der Fürsorge und Pflege an sie „abgegeben“. Als Arbeitgeber bestimmen sie über die konfessionelle Zugehörigkeit ihrer Mitarbeiter und werden vom AGG (deutsches und europäisches Recht!) nicht einmal tangiert.
    Das hat jetzt zwar nichts mit Deutschland zu tun, aber richtig unverschämt fand ich in Italien den Boykottaufruf der Kirche anlässlich einer Abtreibungs-Volksabstimmung. Eine Volkabstimmung ist eine demokratisch legitimierte und veranlasste Wahl!
    Mir scheint also, dass die, die sich ganz besonders auf aufklärerische Werte und Geschlechtergleichstellung berufen, die eigene Inkonsequenz in diesen Bereichen übersehen – der berühmte blinde Fleck. Insofern muss ich Frau Celen in allen Punkten Recht geben!

  4. Karl Stahl sagt:

    Dass der deutsche Staat für die christlichen Kirchen die Steuer eintreibt, heißt nicht, dass diese Kirchen etwas zu sagen (= zu bestimmen) haben. Das die Kirchen das „Recht“ haben, Verbrecher zu decken, ist infam! Ihnen geht es wohl nicht gut! Wenn die Kirchen über was auch immer mit dem Staat verhandelt, dann verhandelt sie und bestimmt nichts! Und so weiter. Ich habe nicht vor, die christl. Amtskirche zu verteidigen — bin aber auch nicht willens, dem Islam den Steigbügel zu halten. Religion ist Privatsache. Macht das zu Hause.

  5. NDS sagt:

    @ Karl Stahl
    1. Sie haben meine Argumente bzgl. politischer Durchsetzungskraft nicht widerlegt, sondern wiederholen nur das, was Sie oben gesagt haben.
    2. Dass die Kirche Verbrecher deckt, habe ich nicht behauptet, nur, dass sie gewisse Autonomien hat bei der Bestrafung. Aber diese Kritik kommt nicht von mir, sondern von Millionen zT betroffener Menschen.
    3. Werden Sie nicht persönlich, dann breche ich hier sofort ab!
    4. Immerhin geben Sie nun zu, dass die Kirche über Dinge „mitverhandelt“. Dass sie sich politisch durchsetzt, ist ein Punkt, den ich oben aufgeführt habe.
    5. Ich kritisiere gar nicht diese Art von politischer Verzahnung, ich sage nur, dass es sie gibt. Außerdem verbitte ich mir gleichzeitig die Drohkulisse der s.g. „Islamkritiker“ eines expandierenden Islams o.ä., da ein Paar lose Vereine, die nicht einmal 10 % der „Gläubigen“ repräsentieren (von denen 90 % über 50 Jahre alt ist) irgendeinen „Expandierungskrieg“ anleiern könnten. Dann stünde ich aber sowas von auf Ihrer Seite! Womit wir beim letzten Punkt
    6. wären: Bei mir gibt es nichts „zu Hause“ zu machen: ich praktiziere Religion nicht. Warum verfallen Sie hier ins abwertende „Du“?

  6. Fritz sagt:

    Werte Frau Celen, Sie schreiben: „Ich kenne keine kath. Bischöfin.“
    Niemand muß Mitglied der kath. Kirche sein, das ist nicht vergleichbar. Ich kenne übrigens auch keine weibl. Imane.

    „Schauen wir uns weiter die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland an. Wir haben hierzulande ein Lohngefälle zwischen Frauen und Männern, das bei 27% liegt!“
    Frauen üben viel häufig unqualifizierte Teizeitjobs aus. Äpfel mit Birnen verglichen.

    „Und was folft daraus? Erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, bevor man als Moralapostel durch die Talksendungen zieht und Werte verteidigt, die es in diesem Lande de facto nicht gibt!“
    Daß die Gleichberechtigung der Frau in diesem Lande ein Wert ist, den es defacto nicht gibt, ist – mit Verlaub gesagt – Quatsch. Das die Gleichberechtigung vollständig erreicht ist, wird vermutlich auch keiner behaupten.

    Im übrigen würde ich mich garnicht aufregen: Die labern jetz ein bischen, um das Volk zu beruhigen, hinter den Kulissen wird fleißig der EU-Beitritt der Türkei vorbereitet, dann, nach ein paar Übergangsjahren, wandern hier bis zu 10 Mio. schlechtausgebildete Türken ein.

    Dann wird Deutschland endlich ein modernes, weltoffenes Land.

  7. Kollege Ahmed sagt:

    @Fritz
    Niemand vergleicht Äpfel mit Birnen oder vielleicht verständlicher Sauerkraut mit Kartoffeln. Die 27% betrifft Männer und Frauen die die GLEICHE Tätigkeit ausüben. Anscheinen haben Sie in Ihrem Umfeld nur Frauen, die „viel häufig unqualifizierte Teizeitjobs aus“üben, ansonsten hätten Sie das wissen müssen. -> Statistisches Bundesamt *klick*
    Glauben Sie mir, es werden keine 10 Millionen Türken einmarschieren und keine deutsche Frauen vergewaltigen und Ihnen die Arbeit nicht wegnehmen und es werden die Deutschen auch nicht aussterben. Türkei wird nach dieser Modernisierungsphase nur noch ein müdes Lächeln für die EU übrig haben- die EU wird darum betteln, dass die Türkei der EU unter die Arme greift. Das braucht eben noch seine Zeit.
    Apropos Glückwunsch, ihre Bundeskanzlerin Merkel hat eben heute Albanern und Bosnier-Herzegowinern erlaubt sich frei in Europa rumzutreiben pardon aufzuhalten, wenn alle her kommen haben Sie schon ihre 10 Millionen beisammen – oh Gott!
    Na ja halb so schlimm, hauptsache keine Türken.
    Servus!

  8. Kollege Ahmed sagt:

    @Fritz
    Apropos weibliche Imame
    Googlen Sie mal nach – Prof. Amina Vudud die bereits 2005 das Freitagsgebet – für Ihr Verständnis das ist sowas wie ihr Sonntagsgottesdient – geleitet hat und zwar für ein gemischtes Publikum.
    Nicht überzeugt ? Na gut zu Zeiten des Propheten (ca.600 a.d.) gab es eine Frau Ümmî Varaka in Saudi Arabien, die durfte auch als weibliche Imam fungieren.
    Das sind Sonderfälle – da es eben nicht praktikabel ist. Da Sie sicherlich nicht wissen wie das islamische Gebet abläuft, hier einige wichtige aufklärende Worte: Es wird nicht wie im christlichen Gottesdienst nur geträllert und dem „Pfarrer“ zugehört und mit Amen genickt, sondern es ist ein aktives Beten mit körperlicher Anstrengung und Bewegung, wobei man/frau sich bückt etc. Da würde sich doch jeder Mann leicht ablenken lassen falls eine Frau vor ihm bückt und streckt – das Gebet wäre dahin. Daher auch die praktische Teilung in der Mosche Männer und Frauen separat, weil man sich aufs Gebet konzentrieren soll und nicht auf den Hintern der Frau vor einem- Alles klar ?
    Wenns bei uns auch nur Gesang wäre, hätten wir unsere Frauen vorsingen lassen, die haben meist eine schönere Stimme.
    Servus²!

  9. MoBo sagt:

    @ Kollege Ahmed: ich glaube es wäre der Diskussion förderlich, nicht die Christen bei ihrem Gottesdienst zu beleidigen. Wir wollen doch auch nicht, dass sie sich über uns lustig machen.

    Amina heißt übrigens Wadud mit Nachnamen und sie ist so umstritten, dass es kaum etwas bringt, sie als Beispiel zu nennen.

  10. AneJul sagt:

    Die CSU hat leider durch bestimmte Vertreter einer schon nötigen Debatte eine unnütze Schärfe verliehen. Einige Forderungen erfüllen sie selber nicht (z.B.wie viele Wähler und Mitglieder der CSU sprechen ein deutsch, daß man in der gesamten BRD ohne Probleme verstehen kann ). Dann aber von Leuten die Deutsch nicht als Muttersprache haben, lupenreines Hochdeutsch zu sprechen ist verlogen ! Abgesehen kommt man mittlweile ohne Deutschkenntnisse gar nicht für längere Zeit nach Deutschland rein (und zwar auch nicht als Ehepartner eines Deutschen!), zumindest nicht, wenn man von außerhalb der EU ist.
    Das andere, für mich als überzeugte Christin viel betrüblichere ist, daß diese Partei ein C für christlich im Namen hat, sich aber gar nicht so verhält. Im Alten Testament (dem 1. Teil der Bibel) steht, daß wir den Fremdling im eigenen Land nicht unterdrücken sollen ( 2. Mose Kapitel 22, Vers 20) und im neuen Testament (2. Teil der Bibel) steht im Brief an die Hebräer im 13. Kapitel in Vers 2 „Gastfrei zu sein vergeßt nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt“. Ich weiß von türkischen und auch südamerikanischen Freunden, wie verwundert sie l waren, wenn Deutsche ihnen Haus und Herz geöffnet haben, weil sie es leider als Ausnahme in Deutschland empfunden haben, während es in ihren Familien absolut normal ist, daß man einen Fremden auch mal zu einem Tee oder zum Essen einlädt, erst recht, wenn er neu im Land ist.
    Es gibt Unterschiede und manchmal auch Probleme, die benannt werden müssen, um was zu ändern. Ich bin auch nicht dafür, schlimme Fehlentwicklungen zu beschönigen. Aber das gilt für beide Seiten. Es ist unfair, der einen Seite vorzuwerfen, sie würde nicht genug auf die andere Seite zugehen, wenn gleichzeitig vermittelt wird, daß diese hier sowieso nicht willkommen sind. Ein bißchen mehr Herzlichkeit und Offenheit würde uns Deutschen nicht schlecht stehen, vielleicht würde dann Integration für beide Seite ein Thema sein, was weniger leidvoll und dafür eher bereichernd ist. Und vielleicht würden dem einen oder anderen die doch nötigen Schritte, sich in der Gesellschaft einzubringen etwas leichter fallen, wenn er sich dabei willkommen fühlen würde, als Teil der Gemeinschaft und nicht als Außenseiter.
    Und den ersten Schritt dafür könnten doch ruhig großzügig wir tun, oder?


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