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Erneut

Bundesregierung fordert Deutschpflicht auf dem Schulhof

Auf dem Schulhof soll Deutsch gesprochen werden, fordert die schwarz-gelbe Regierungskoaltion. Die Grünen möchten wissen, ob das auch für Englisch und Französisch gelten soll und verweisen auf zweisprachige Schulen.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner fordert laut Bild (Mittwochausgabe), Deutschpflicht auf Schulhöfen. An einigen Schulen gebe es bereits entsprechende Vereinbarungen zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. Dies sei ein gutes Beispiel für andere. „An manchen Schulen sind Deutsche inzwischen die Minderheit“, sagte er dem Bericht zufolge. Die Integration würde gefördert, wenn dort Deutsch auch auf dem Pausenhof gesprochen werde.

Keine gesetzliche Verankerung
Dieser Vorstoß fand Anklang beim Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer. Die CDU-Politikerin spricht sich laut Die Welt ebenfalls dafür aus: „Vor einem Jahr hat diese Diskussion noch einen Aufschrei hervorgerufen. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Deutsch muss verpflichtende Schulsprache sein.“

Die Forderung wurde gestern auch vom Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigt und relativiert zugleich. Es gehe dabei aber nicht darum, Deutsch auf den Schulhöfen gesetzlich festzuschreiben. In diesem Kontext wollte die Bundesregierung auch Äußerungen ihrer Integrationsbeauftragten, Maria Böhmer, verstanden wissen.

Nicht durchsetzbar
Eine gesetzliche Verpflichtung ist auch aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands nicht möglich. Zwar wäre es zu begrüßen, wenn nur Deutsch auf dem Pausenhof gesprochen würde. „Das kann aber nicht von oben angeordnet, überwacht oder gar bei Nichterfüllung sanktioniert werden“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. „Es muss vielmehr über freiwillige Vereinbarungen aller Beteiligten vor Ort erfolgen.“

Auch Englisch und Französisch verbieten?
Kritisiert wird dieser Vorstoß von Memet Kilic, integrationspolitischer Sprecher der Grünen. Er fragt, ob die FDP auch „für die Kinder, deren Muttersprache Englisch oder Französisch ist und die auch im Schulhof davon Gebrauch machen, etwa Sanktionen einführen?“

Die Absurdität dieser Forderung werde auch am Beispiel der zweisprachigen Europaschulen deutlich. An diesen gelte die zweisprachige Kommunikation gerade als wünschenswert und förderungswürdig.

FDP lenkt ab
Kilic weiter: „Die Maßnahme an sich kann womöglich als harmlos betrachtet werden. In der öffentlichen Wahrnehmung erweckt man damit aber den Eindruck, die Migrantenkinder seien nur deshalb nicht so gut in Deutsch bzw. in der Schule, weil sie in der Schulpause in ihrer Muttersprache sprechen. Somit lenkt die FDP von der eigenen Unfähigkeit in der Integrationspolitik ab.“ Außerdem suggeriere die FDP, dass Migranten in Deutschland an ihrer Misere ausschließlich selbst schuld seien.

Die Forderung nach einer Vermittlung der Sprachkompetenz im Kindergarten, einer Sprachvorschule, der Hausaufgabenbetreuung und Deutschförderung in Ganztagsschulen gerate so in Vergessenheit.