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Angela Merkel

Das Bild des Islam ist geprägt durch …

Der Islam gehört neben dem Christen- und Judentum auch zu Deutschland, hatte Bundespräsident Christian Wulff betont. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Islam aber geprägt durch die „Scharia, die Ungleichheit von Mann und Frau und durch Ehrenmorde.“

Über vier Millionen Muslime leben in Deutschland, viele von ihnen bereits seit über fünzig Jahren. Dieser Realität hat Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Rede am zwanzigsten Jahrestag der Deutschen Einheit Rechnung getragen und gesagt, dass der Islam neben dem Christen- und Judentum auch zu Deutschland gehört.

Diese Aussage sei missverständlich, heißt es nun aus Unionskreisen. Norbert Geis (CSU) hält eine Gleichsetzung des Islam mit dem Juden- und Christentum „für falsch“. Die Bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) warnt davor: „aus Religionsfreiheit darf nicht Religionsgleichheit werden.“ Für Wolfgang Bosbach (CDU) ist „der Islam inzwischen Teil der Lebenswirklichkeit in Deutschland, aber zu uns gehört die christlich-jüdische Tradition.“

Es gibt keine Staatsreligion
Raju Sharma, religionspolitischer Sprecher der Linksfraktion hält mit Grundkurs Staatsrecht dagegen: Die negative Kritik von Bosbach, Haderthauer und Geis „zeigt einmal mehr, dass die im Grundgesetz verankerte Trennung von Staat und Religion leider immer noch von vielen ignoriert wird.“ Dabei sei die Botschaft der Verfassung eindeutig: „Es gibt keine Staatskirche und keine Staatsreligion. Der Staat ist zur neutralen Haltung und Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften verpflichtet.“ Muslime müssten sicher nicht an die Grundwerte der Verfassung erinnert werden. „Da sollten sich Bosbach und Co. lieber mal an die eigene Nase fassen.“

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, kontert ebenfalls: „Die Behauptungen, die Rede vermenge wenig reflektiert die Religionen miteinander und setze sie einander gleich, teilen wir nicht. Das Zusammenspiel von Kultur und Religion ist für den Deutschen Kulturrat von großer Bedeutung. Der Islam ist längst, das sollten die Kritiker der Rede des Bundespräsidenten nicht vergessen, ein Bestandteil unserer Kultur.“

Scharia, Ungleichheit und Ehrenmorde?
Wenn CSU-Politiker und Hardliner der CDU sich nicht unbedingt erfreut über die Worte Wulffs zeigen, überrascht das nicht. Wenn aber Bundeskanzlerin Angela Merkel vier Millionen Muslimen negativ etikettiert, lohnt sich ein näherer Blick. Bei Roland Kochs Buchvorstellung in Berlin sagte Merkel, dass das Bild des Islam geprägt sei durch die Scharia, die Ungleichheit von Mann und Frau und durch Ehrenmorde.

Laut Gallup Koexistenz-Index 2009 identifizieren sich Muslime mehr mit Deutschland, als die breite Öffentlichkeit. Einer weiteren Gallup-Sutdie zufolge lehnen 94 Prozent der Muslime in Deutschland Gewalt als politisches Mittel ab. Eine Studie der Albert-Ludwigs-Universität bescheinigt, dass viel weniger Ehrenmorde begangen werden, als medial dargestellt. Und selbst wenn man alle bekannt gewordenen Ehrenmorde mit zehn multipliziert – um auch die Dunkelziffer zu berücksichtigen – und diese durch die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime dividiert – ohne auch nur eine einzige Tat relativieren zu wollen, ergibt das eine Null mit vielen weiteren Nullen unmittelbar nach dem Komma.

Offensichtlich basiert das Islambild, den Angela Merkel hat, nicht auf Fakten. Alternativ kommt die mediale Berichterstattung in Betracht, in der an diesen Tagen die Worte der Bundeskanzlerin wiedergegeben werden – so lange, bis sie eingeprägt1 sind.

  1. Duden Synonymwörterbuch: beibringen, einbläuen, einhämmern, einlernen, einschärfen, eintrommeln; (ugs.): einimpfen, eintrichtern, eintrimmen []