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Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Uraufführung

Hasretim – Eine Anatolische Reise

Über viele Wochen bereisten der deutsch-türkische Musiker Marc Sinan und Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker, mit einem Kamerateam den Nordosten der Türkei. Herausgekommen ist „Hasretim – Eine Anatolische Reise“, das am 9. Oktober 2010 im Festspielhaus Hellerau (Dresden) uraufgeführt wird.

VONMarc Sinan

 Hasretim – Eine Anatolische Reise
Der Gitarrist Marc Sinan, Sohn einer türkisch-armenischen Mutter und eines deutschen Vaters, spielt seit seiner frühen Jugend auf internationalen Konzertbühnen.

DATUM28. September 2010

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Jagd nach dem goldenen Fliess
Im Januar fliegen wir zu zweit in die Türkei um zu recherchieren und erste Aufnahmen mit Videokamera und Field-Recorder zu machen. Die Türkei versinkt im Schnee. Die Strasse verläuft zwischen hohen Schneebergen entlang der Küste. Tief in der Nacht kommen wir bei meiner Cousine am Schwarzen Meer an. Wir schlafen in Schlafsäcken auf dem unbeheizten Dachboden. Der Morgen entlohnt uns mit der Sonne die über dem Meer aufgeht.

Ich bin nervös. Finden wir besondere, berührende, authentische Sänger und Instrumentalisten? Anders als bei der musikalischen Feldforschung, reicht es für unser Projekt nicht aus, den aktuellen Bestand türkischer Musiktradition unabhängig von künstlerischer Qualität zu dokumentieren. Wir sind auf Schatzsuche und können nur zufrieden sein, wenn wir auch wirklich fündig werden. Von Berlin aus habe ich einige Telefonate mit Verwandten und Freunden geführt und eine ungefähre Reiseroute festgelegt. Wir haben ausführlich in den Archiven des Musikethnologischen Museums in Berlin gestöbert. Aber es war unmöglich auch nur eine einzige verbindliche Verabredung vor unserer Abreise zu vereinbaren.

Meine Cousine hebt ob meiner Anspannung empathisch eine Augenbraue. Markus unterhält den Rest der Familie mit Liedern die er auf seinem iPhone-Blasinstrumente-App virtuos zum Besten gibt. Am frühen Nachmittag sitzen wir im Büro des Leiters des städtischen Konservatoriums von Ordu. Er ist ein Freund eines Freundes des Sohnes meiner Cousine. So funktioniert hier social networking. Gemeinsam mit Ata Bahri Caglayan dem virtuosen Sazspieler, Sener Gök, dem wunderbaren Sänger und dem in der Türkei überaus geschätzten Klarinettenbauer Ahmet Özdemir plaudern wir und trinken Tee. Der Raum füllt sich mit Musikern, wir werden offen empfangen und machen gleich vor Ort erste Aufnahmen. Jeder im Raum scheint Freunde und Bekannte zu haben, die zu besuchen sich lohnen würde. Die tatsächliche Hilfsbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit der Leute übertrifft jedes Klischee.

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Und dann finden wir Musiker, heben Schätze – jeden Tag. Ohne Ausnahme erleben wir besondere und berührende Begegnungen. Unser Interesse und insbesondere die Neugier von Markus, der ja mehr noch als ich als Fremder wahrgenommen wird, überrascht die Menschen und nimmt sie für uns ein. Wie überall auf der Welt, ist die Volksmusik eine sterbende Kunst. Die orale Tradition ist im Begriff abzureißen. Das ehemalige Asiklar Kahvesi (eine Art Club der lokalen Singer-Songwriter) in Kars, einer Hochburg der Asiktradition, ist seit Jahren nur noch ein gewöhnliches Teehaus – die vergilbten Plakate des großen Asik Cobanoglu vom Altar zur Dekoration degradiert. Kaum ein Musiker, der unter 35, 40 Jahre alt wäre. Zu den wenigen Ausnahmen zählen der 21 jährige, fantastische Kemenchespieler Mesut Kurt aus Trabzon und die 25 jährige Sängerin und Krankenpflegerin Asiye Göl aus Ordu. Und natürlich: viele Volksmusiker sind Laien, die einem mehr oder weniger bürgerlichen Beruf nachgehen.

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Da ist der Kavalspieler Haci Ömer Elibol, den wir in Aybasti aufgenommen haben, der wie die Brüder Ak aus der Gegend von Kars Vieh züchtet, der Kellner und Tulumspieler Hüsseyin Altay und der pensionierte Volksschul- und Musiklehrer Sener Gök. Turan Akdag, der Zurnaspieler aus Erzurum und Ömer Parlak, der Kavalspieler oder Ismail Kücük aus Trabzon verdienen ihr Geld auf Hochzeiten und ähnliche Festen.

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