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Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Politische Bildung

Integration von Migranten ist nicht mit Sanktionen zu bewerkstelligen

Migrantenkinder in bayerischen Grundschulen wissen deutlich weniger über Politik und Demokratie als Kinder deutscher Herkunft. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie von Bildungsforschern der Universität Würzburg.

539 Grundschulkinder der zweiten Klassen haben die Würzburger Bildungsforscher im Rahmen des Bayerischen Forschungsverbunds „Migration und Wissen“ zu ihrem Wissen über Politik und Demokratie, ihrem Medienverhalten und den Sprachkompetenzen befragt. Die Ergebnisse werfen nach Meinung des Projektleiters, Professor Heinz Reinders, ein neues Licht auf die Integrationsdebatte: „Die Studie macht deutlich, dass die Integration von Migranten nicht mit Sanktionen zu bewerkstelligen ist. Da müssen ganz konkrete Fördermaßnahmen in politischer Bildung entwickelt werden“, so Reinders, der an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung inne hat.

Nur knapp die Hälfte erkennt Angela Merkel
So erkannten knapp 85 Prozent der deutschen Kinder Angela Merkel auf einem Bild, aber nur etwa 58 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund. Auf die Frage, ob in Deutschland ein Bundeskanzler, ein Bürgermeister oder ein König am meisten bestimmt, antworteten 41 Prozent der deutschen und 27 Prozent der nicht-deutschen Kinder korrekt. Was Politiker hauptsächlich machen, wusste immerhin knapp die Hälfte der Migrantenkinder. Aber auch hier wurden sie von den Kindern deutscher Herkunft mit knapp 70 Prozent deutlich überflügelt. Grund hierfür ist unter anderem, dass weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund überhaupt schon einmal den Begriff „Politiker“ gehört haben. In der Vergleichsgruppe deutscher Herkunft lag der Anteil mit 68 Prozent deutlich höher.

Deutliche Wissenslücken über Demokratie
Ebenfalls stark ausgeprägt sind die Unterschiede beim Wissen über Demokratie. Etwas darüber gehört haben Kinder mit Migrationshintergrund zwar ebenso selten wie deutsche Kinder (31 im Vergleich zu 38 Prozent). Auch die Frage, was Demokratie im Kern bedeutet, konnten Migrantenkinder genauso selten richtig beantworten wie deutsche Kinder. Jeweils etwa ein Viertel lag hier mit ihrer Antwort richtig.

Download: Die zentralen Befunde sowie der Projektbericht zur Studie als PDF-Dokument.

Deutliche Wissenslücken offenbaren sich allerdings hinsichtlich der Funktionsmechanismen von Demokratie. Wie man ein „Bestimmer“ wird, wussten fast doppelt so viele deutsche im Vergleich zu nicht-deutschen Kindern. 72 Prozent der Schüler ohne Migrationshintergrund konnten hier die richtige Antwort geben, aber nur 38 Prozent der Grundschüler nicht-deutscher Herkunft. Auch glaubte nur ein Viertel der Migrantenkinder, dass man in Deutschland die „Bestimmer“ wählen kann, gegenüber 40 Prozent in der Stichprobe deutscher Kinder.

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