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Wachsende Unterschicht an Grundschulen

Die öffentlichen Grundschulen in Berlin würden sich immer mehr davon entfernen, eine gute Schule für alle zu sein. Immer mehr Eltern würden trotz der Kosten versuchen, das eigene Kind auf Privatschulen unterzubringen – natürlich nur, wer es sich leisten könne. Wegen der hohen Zahl an „Risikokindern“ sei es an der Zeit, sich mit der immer größer werdenden Unterschicht zu beschäftigen.

Die Lehrer wandten sich zudem gegen die neuen Vergleichsarbeiten (Vera) in der dritten Klasse. „Die Probleme liegen so klar auf der Hand, dass man keine neuen Vergleichsarbeiten wie ‚Vera‘ braucht“, so die Vorsitzende des Grundschulverbands, Inge Hirschmann. Es sei geklärt, dass Kinder nichtdeutscher Herkunft auffallend schlechter abschneiden.

Alle Anstrengungen führen nicht weiter, wenn die personelle und räumliche Ausstattung nicht ausreicht, stellt der Grundschulverband in seinem offenen Brief fest. „Es muss endlich Schluss sein mit der Unterfinanzierung des Primarschulwesens“. In den Grundschulen brauche man auch Psychologen, Sozialarbeiter und Sonderpädagogen, fordert die Vorsitzende. Zudem müssten in den jahrgangsgemischten Anfangsklassen unbedingt immer zwei Lehrer anwesend sein und um kurzfristigen Unterrichtsausfall zu vermeiden, sei eine feste Personalreserve von fünf Prozent unverzichtbar.

Die Initiative „Grundschulen im sozialen Brennpunkt“ diskutiert dagegen den Boykott dieser Vergleichstests. Zuvor hatten über 1000 Lehrer in einem offenen Brief an den Bildungssenator diese Tests kritisiert. Diese seien zu schwer und würden die Kinder nur beschämen.

Von Elternseite kam jedoch Unterstützung für die Vergleichstests. Ein Boykott wäre ein Offenbarungseid für die Berliner Grundschullehrer, bewertete der Landeselternsprecher André Schindler. Schindler sieht das Problem in erster Linie nicht bei den Kindern. Der Grund für die Defizite der Kinder seien die „mangelhafte Kompetenzvermittlung aller Beteiligten: der Eltern, der Kita-Erzieherinnen, der Lehrer.“ Die Schulpraxis scheint Schindler auch Recht zu geben. So würden in vielen Berliner Schulen die zusätzlichen Stellen für die Deutschvermittlung für die Vertretung von kranken Lehrern genutzt.