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Türkische Presse Europa

31.03.2010 – Türkei, Türkische Schulen, Islamkonferenz

Die Europaausgaben türkischer Zeitungen beschäftigen sich weiterhin mit der Türkei-Reise der Bundeskanzlerin und der Debatte um türkische Gymnasien in Deutschland. Darüberhinaus kritisiert Aiman Mazyek (ZMD) einerseits die Konzeption der Islamkonferenz als solches und andererseits die „Untertanenmentalität“ einiger Verbandsfunktionäre.

Trittin: Türkei auf Augenhöhe behandeln
Der Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin habe die Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, die Türkei auf Augenhöhe zu behandeln. „Die Türkei ist auf Europa angewiesen, und wir sind als Deutsche und Europäer genauso auf die Türkei angewiesen“, habe Trittin gesagt, berichten die TÜRKIYE, SABAH und MILLIYET.

Schröder: „Wir brauchen in unserem Land mehr deutsch-türkische Schulen“
Im Streit um türkische Gymnasien in Deutschland hat sich Altkanzler Gerhard Schröder zu Wort gemeldet. Er rügt die Position der Kanzlerin Angela Merkel, lobt dagegen ausdrücklich Premier Erdogan und spricht sich für mehr deutsch-türkische Schulen aus. Der türkische Ministerpräsident Erdogan habe einen guten Vorschlag gemacht. „Wir brauchen in unserem Land mehr deutsch-türkische Schulen, denn das hilft nicht nur bei der Integration, sondern es bringt unserem Land auch ein Stück mehr Internationalität“, zitiert ihn die HÜRRIYET. Auch mehr türkischstämmige Lehrerinnen und Lehrer sollten an deutschen Schulen beschäftigt werden. Wenn Kinder mit Migrationshintergrund nicht deutsch sprechen, müsse man fragen, ob das nicht auch an Defiziten im deutschen Schulsystem liege, meinte Schröder.

„Deutsch-türkische Schulen können helfen, diese Defizite zu überwinden. Und wenn Kinder sowohl deutsch als auch türkisch perfekt sprechen, dann ist das gut, denn die Türkei ist für uns politisch, kulturell und wirtschaftlich ein wichtiger Partner“, führte er aus.

Deutsche Auslandsschulen
Die ZAMAN veröffentlicht in diesem Zusammenhang ein Dossier über deutsche Schulen im Ausland. Deutschland unterhalte insgesamt 413 Schulen außerhal Deutschlands, in denen ausschließlich in deutscher Sprache unterrichtet werde. In der Türkei bestünden vier solcher Schulen. Hinzu kämen 38 Schulen, die in Zusammenarbeit mit dem türkischen Bildungsministerium getragen würden. Unter den Absolventen deutscher Schulen in der Türkei befinden sich unter anderem der derzeitige Außenminister Prof. Dr. Ahmet Davutoglu, der türkische Ministerpräsident a.D. Mesut Yilmaz und der Schriftsteller Engin Noyan.

Erdogan fordert visumsfreie Einreise
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe eine visumsfreie Einreise für seine Bürger gefordert, berichten HÜRRIYET und MILLIYET. Unterstützung bekommt Erdogan von Bülent Arslan (CDU), dem Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums der CDU in NRW. Er forderte die Bundesregierung auf, die visumfreie Einreise der türkischen Staatsbürger umzusetzen. Arslan plädiert ferner für eine stärkere emotionale Anbindung der in Deutschland lebenden Türken (TÜRKIYE). Die Bundeskanzlerin habe sich allerdings für eine längerfristige Visavergabe für Unternehmer, Studenten und Künstler ausgesprochen. (ZAMAN)

Die Zeitungen berichten außerdem über die versöhnliche Geste der Bundeskanzlerin. Sie hatte bei ihrem Besuch eine kleine Taube aus Ton dabei, um sie dem türkischen Regierungschef Erdogan zu schenken.

Islamkonferenz: Mazyek kritisiert Untertanenmentalität
Die ZAMAN veröffentlicht eine Analyse von Aiman Mazyek, dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime (ZMD), zur Konzeption der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Das derzeitige Konzept der DIK leiste keinen nachhaltigen Beitrag zur Integration von Muslimen und Moscheegemeinden in Deutschland, glaubt Mazyek.

Mazyek kritisiert auch die Staatsfrömmigkeit – in der Zeit spricht er von „Untertanenmentalität“ – in manch einem Dachverband. Nicht wenige Muslime seien „beinahe staatsgläubig“ und hinterfragten, was die Politik so vorgibt, nicht. Sie hätten weder die Erfahrung eines aufgeklärten Bürgertums noch die der Nazizeit, aus der das Grundgesetz Konsequenzen gezogen habe. Einige muslimische Funktionäre benehmen sich immer noch wie geduldete Ausländer und handeln auch entsprechend, so Mazyek.

„Die Einschränkung der Familienzusammenführung muss beendet werden“
Die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen (Die Linke), fordert eine Novellierung des Zuwanderungsgesetzes. „Die Einschränkung der Familienzusammenführung muss beendet werden“, zitiert sie die SABAH. Nach dem derzeitigen Zuwanderungsgesetz dürfen Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten nur nach Deutschland nachziehen, wenn sie Deutschkenntnisse nachweisen können. Ein gutes Drittel aller Teilnehmer fällt allerdings durch den Test. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die Linksfraktion erarbeite derzeit eine Gesetzesänderung vor.

Die SABAH und HÜRRIYET berichten in diesem Zusammenhang auch über die aktuelle Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach das Erfordernis einfacher Deutschkenntnisse beim Ehegattennachzug im Einklang mit Grundgesetz und Europarecht ist (wir berichteten).

Laschet: „Verbundenheit zu Deutschland wächst“
Die Mehrheit der Türkeistämmigen fühlt sich in Deutschland heimisch und hat keine Rückkehrabsichten mehr, berichten die ZAMAN, MILLIYET und TÜRKIYE. Dies ist eines der Ergebnisse der 10. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien (ZfT) und Integrationsforschung, die Integrationsminister Armin Laschet am 29. März 2010 in Düsseldorf vorstellte. Gut ein Drittel der Befragten fühlten sich mit beiden Ländern verbunden. Laschet: „Das macht die eindeutige Positionierung des entweder Türkisch- oder Deutsch-Seins schwierig und zeigt, dass die Hinwendung zu Deutschland nicht mit einer Abwendung von der Herkunftskultur verbunden sein muss.“

Die MILLIYET berichtet von der Studie unter dem Titel: „Jeder Dritte möchte zurück in die Türkei“. Viele Türkischstämmige seien wegen der hohen Arbeitslosigkeit über ihre Zukunft in Deutschland besorgt.

Verfassungsschutzbericht Bayern
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat den Verfassungsschutzbericht 2009 vorgelegt, berichten die HÜRRIYET, MILLIYET, SABAH und ZAMAN. Demnach sei die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Bayern weiter zurückgegangen. Im linksextremen Spektrum würden die Gewalttaten hingegen weiter zunehmen. Die Gewalt von links wird laut Herrmann dabei „überwiegend von Personen verübt, die gezielt die Konfrontation mit Rechtsextremisten suchen“. Für Gewalttaten gebe es allerdings keinerlei Rechtfertigung, „auch nicht im Namen des Antifaschismus“, sagte Herrmann.

Der Innenminister habe zudem seine Freude über die neue Besetzung der Deutschen Islamkonferenz zum Ausdruck gebracht. Er unterstütze den Ausschluss des Islamrats aus der Konferenz.

„Speist die Hungernden, besucht die Kranken“
„Speist die Hungernden, besucht die Kranken“ und „Zwei Gaben werden von vielen Menschen nicht gewürdigt: Gesundheit und freie Zeit“. So lauten die beiden Aussagen des Propheten Muhammad, die ab dem 23. Februar 10 Tage lang auf den Mannheimer Billboards und Werbesäulen zu sehen waren, berichtet die ZAMAN.

„Immer wieder, vor allem nach dem 11.September, sieht man in den Medien negative Bilder des Islams und der Muslime. Als Studentenkommission der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) wollen wir versuchen, einen bescheidenen Beitrag zur Änderung dieses negativen Bilds zu leisten”, erklärte Projektleiter, Taner Dogan. Deshalb habe die Kommission zwei Zitate des Propheten ausgesucht, die insbesondere gesellschaftliche Aufgaben in den Vordergrund stellen, sagte Dogan.