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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Bundesverwaltungsgericht

Sprachtest vor dem Ehegattennachzug im Einklang mit Grundgesetz und Europarecht

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern entschieden, dass das Erfordernis einfacher Deutschkenntnisse beim Ehegattennachzug im Einklang mit Grundgesetz und Europarecht ist. Der Klägerin sei es zumutbar, Deutsch zu lernen oder das Familienleben im Ausland fortzuführen.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat sich gestern (BVerwG 1 C 8.09 – 30. März 2010) erstmals mit dem 2007 in das Aufenthaltsgesetz eingefügten Spracherfordernis beim Ehegattennachzug befasst. Danach setzt ein Anspruch auf Ehegattennachzug zu einem im Bundesgebiet lebenden Ausländer voraus, dass der nachziehende Ehegatte sich auf einfache Art in deutscher Sprache verständigen kann. Diese Regelung verstößt nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts weder gegen das Grundgesetz noch gegen Gemeinschaftsrecht.

Familie mit fünf Kindern
Die Kläger, eine türkische Staatsangehörige und ihre fünf – zwischen 1994 und 2006 geborenen – Kinder, begehren die Erteilung von Visa zum Zwecke des Familiennachzugs zu ihrem türkischen Ehemann und Vater. Dieser lebt seit 1998 in Deutschland, zunächst als Asylbewerber und von 2001 bis 2006 als Ehemann einer deutschen Staatsangehörigen. Inzwischen ist er im Besitz einer Niederlassungserlaubnis.

Nach Scheidung von seiner deutschen Ehefrau heiratete er im Dezember 2006 die Mutter seiner Kinder. In den Jahren zuvor besuchte er seine Familie regelmäßig in der Türkei. Im Juli 2007 beantragten die Kläger die Erteilung von Visa. Diese Anträge lehnte die Deutsche Botschaft in Ankara 2008 ab. Die hiergegen erhobenen Klagen hatten beim Verwaltungsgericht Berlin keinen Erfolg, weil die Ehefrau – nach eigenen Angaben eine Analphabetin – über keinerlei Deutschkenntnisse verfügt.

Regelung dient der Integration
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin bestätigt und das Begehren der Klägerin zurückgewiesen. „Ein Anspruch auf Ehegattennachzug setzt voraus, dass der nachziehende Ehegatte mündlich und schriftlich über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügt. Diese Nachzugsvoraussetzung dient der Integration und der Verhinderung von Zwangsehen“, heißt es in der Mittelung des Gerichts.

Die Regelung stehe beim Nachzug zu Drittstaatsangehörigen im Einklang mit der sog. Familienzusammenführungsrichtlinie. Diese ermächtige die Mitgliedstaaten, den Familiennachzug davon abhängig zu machen, dass der Betroffene Integrationsmaßnahmen nachkommt.

„Das Spracherfordernis ist auch mit dem besonderen Schutz zu vereinbaren, den Ehe und Familie nach dem Grundgesetz und nach dem Gemeinschaftsrecht genießen. Art. 6 GG gewährt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt zu einem hier lebenden Familienangehörigen, sondern verpflichtet zu einem schonenden Ausgleich des privaten Interesses an einem ehelichen und familiären Zusammenleben im Bundesgebiet mit gegenläufigen öffentlichen Interessen. Dem wird die gesetzliche Regelung, die ein Zusammenleben im Bundesgebiet regelmäßig nur für einen überschaubaren Zeitraum verhindert, gerecht“, so die Mitteilung aus Leipzig.

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14 Kommentare
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  1. Thomas Hohlfeld sagt:

    > „Haben Sie den Artikel nicht richtig gelesen?“ <
    ICH HABE den Artikel gelesen und kenne den konkreten Fall auch etwas genauer.
    In dem Artikel ist von fünf zwischen 1994 und 2006 geborenen Kindern die Rede. Nur das letzte (d.h. eins, nicht mehrere) dieser Kinder wurde während der Ehe mit der deutschen Staatsangehörigen geboren – was mutmaßlich auch zur Auflösung dieser Ehe führte. Moralische Bewertungen des Einzelfalls sind hier völlig fehl am Platze, für eine "Scheinehe" jedenfalls gibt es keinerlei Indizien!
    Nochmals: Nicht einmal von den Behörden wurde eine "Scheinheirat" unterstellt.
    Fest steht auch (dies zu elimu), dass die Regelung der Sprachanforderungen beim Ehegattennachzug gerade NICHT zur Verhinderung von "Scheinheiraten" ersonnen wurde (dafür gibt es andere Bestimmungen…).
    Schließlich verstehe ich aber auch überhaupt nicht, wieso der Nachzug ALLER Ehepaare erschwert werden sollte, nur weil es in der Praxis im Ausnahmefall auch "Scheinehen" gibt…?

  2. Krause sagt:

    Ich denke der heimliche Zweck dieses Gesetzes ist eugenischer Natur: wer zu unintelligent ist diesen Sprachtest zu bestehen, wird höchstwahrscheinlich auch unintelligente Kinder haben bzw. – sollten sie doch intelligent sein – nicht intelligent groß ziehen, d.h. der Zweck ist Schutz der Sozialhilfesystem vor bildungsfernen Schichten. Tja, so ganz können wir unsere nationalsozialistische Vergangenheit nicht leugnen.

  3. R sagt:

    Meine Frau ist Kolumbianerin und auch direkt von dieser Gesezgebung betroffen. Ich spreche mit meiner Frau nur Spanish und ich finde unglaublich wie sehr sich der Deutsche Staat in private Angelegenheiten einmischt. Dies ist einer der vielen Gruende warum ich nicht mehr in Deutschland lebe. Wir werden einfach nach England ziehen, da wir so unter EU recht fallen und alles wesentlich einfacher ist. Deutschland braucht Einwanderer, es sieht jetzt schon ziemlich alt aus…

  4. […] nur auf dem Papier So etwa in einem Fall einer Analphabetin aus dem Osten der Türkei. Weder die Behörden noch das Bundesverwaltungsgericht hatte die Härtefallregelung in Betracht […]


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