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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Türkische Presse Europa

25.03.2010 – Merkel, Erdogan, Assimilation

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen räumen der geplanten Türkei-Reise der Bundeskanzlerin Angela Merkel breiten Raum ein. Auch ein Interview der „Zeit“ mit dem türkischen Ministerpräsidenten sorgt für Schlagzeilen. Erdogan fordert darin die doppelte Staatsbürgerschaft, Visumsfreiheit, türkische Gymnasien in Deutschland und den EU-Beitritt der Türkei.

Merkels Türkei-Reise: EU-Beitritt, privilegierte Partnerschaft, türkische Gymnasien, doppelte Staatsbürgerschaft, u.v.m.
Bei ihrem Besuch in der Türkei kommende Woche will die Bundeskanzlerin Angela Merkel den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan davon überzeugen, dass es keinen Zweck für sie hat, weiter die EU-Vollmitgliedschaft anzustreben. „Ich bin der Meinung, dass wir eher eine privilegierte Partnerschaft, also eine sehr enge Anbindung der Türkei an die Europäische Union anstreben sollten“, sagte Merkel.

Für seine Regierung gebe es zur Vollmitgliedschaft „keine Alternative“, erwiderte Erdogan. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ habe er erklärt, dass es für die Türkei ein großer Fehler wäre, auf Merkels Vorschlag einzugehen. Erdogan brachte in dem Interview zudem die Gründung türkischer Gymnasien in Deutschland ins Gespräch. „In der Türkei haben wir deutsche Gymnasien – warum sollte es keine türkischen Gymnasien in Deutschland geben?“, sagte Erdoğan. Der Ministerpräsident begründete seinen Vorstoß mit den anhaltenden Sprachproblemen vieler der drei Millionen Türken in Deutschland: „Hier hat Deutschland noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt. Man muss zunächst die eigene Sprache beherrschen, also Türkisch – und das ist leider selten der Fall.“

Der türkische Ministerpräsident sprach sich außerdem für die Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit in Deutschland aus: „Auch wenn jemand seine Staatsbürgerschaft ablegt, kann er seine ethnische Herkunft nicht ändern. Zurzeit wird ja viel über doppelte Staatsangehörigkeiten gesprochen … Ich finde es sehr bedauerlich, dass Deutschland zu den Ländern in der Europäischen Union gehört, die das nicht zulassen.“ Erdoğan hofft, „dass Deutschland das auch eines Tages erlauben wird“. (HÜRRIYET, MILLIYET, SABAH, ZAMAN, TÜRKIYE)

Europas „Eiserne Lady“
Unter diesem Titel veröffentlicht die SABAH eine Reportage mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin wünsche sich eine engere Zusammenarbeit mit der Türkei, berichtet die Zeitung.

Zur Integrationspolitik in Deutschland sagte Merkel, – wie auch zuvor im Gespräch mit der HÜRRIYET – dass Deutschland keine Assimilation der türkischen Minderheit anstrebt. „Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an. Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die Türkischstämmigen lehnen das ab“, so Merkel.

„Die dritte Generation kämpft um eine eigene Identität“
Die dritte Generation habe große Schwierigkeiten, sagte Mehmet Kurtuluş, ein deutscher Schauspieler türkischer Herkunft. „Sie kämpft um eine eigene Identität, teilweise mit falschen Idealen im Gepäck. Die Jugendlichen sprechen weder richtig Deutsch noch richtig Türkisch. Sie fühlen sich weder hier akzeptiert noch in der Türkei. Diese lose Gefühlswelt birgt Gefahren“, so Kurtulus im Gespräch mit dem Tagesspiegel. (SABAH)

Neue Partei: Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit
Die neue Partei „Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit“ (BIG) kandidiert in diesem Jahr für die nordrhein-westfälische Landtagswahl, berichtet die TÜRKIYE. „Gerechtigkeit muss jedem gleichermaßen zugänglich sein“, forderte gestern Haluk Yildiz, Parteivorsitzender des neuen Bündnisses. Die etablierten Parteien würden das bislang nicht umsetzen und insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund erfuhren oftmals keine Gerechtigkeit. BIG wolle sich dafür einsetzen, dass Menschen mit Migrationshintergrund ihre kulturelle Identität in Deutschland ausleben dürfen. Grundlage für ein Miteinander könne nur ein kenntnisreicher und respektvoller Dialog sein.

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Ein Kommentar
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  1. Volkan sagt:

    Zu Erdogan’s Idee einer Türk. Schule in Deutschland kann ich nur sagen: Nachfrage und Angebot auf dem Markt regeln sich von selbst. In der Türkei gibts es eine starke Nachfrage nach den Dt. Privatgymnasien, diese haben ein hohes Ansehen und die Abschlüsse sind hoch anerkannt. Vor allem Dt. Unternehmen in der Türkei rekrutieren von diesen Schulen. In Deutschland sehe ich das allerdings gar nicht. Da kommt man mit Türkisch nirgends hin im Berufsleben.



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